Inside Whitebox Maschinenraum

Whitebox

Das Online-Magazin FemaleOneZero hat mit Salome Preiswerk über Geldanlage, digitale Vermögensverwaltung und Market-Timing gesprochen. Die Whitebox-Gründerin räumt darin mit weit verbreiteten Mythen rund um Robo-Advisors auf.

 

Für Einsteiger, kurz erklärt, wie funktioniert ein Roboadvisor? Es gibt ja viele Mythen zu dem Thema.

Salome Preiswerk: „Ja, das stimmt. Was ein Robo-Advisor ist beziehungsweise wie viel Robo in einem Robo-Advisor steckt, ist in der Tat eine sehr gute Frage. Es gibt keine allgemeingültige Definition. Der kleinste gemeinsame Nenner: Der Weg vom Interessenten zu einem Anlagevorschlag ist in jedem Fall digital. Ansonsten sind die Unterschiede erheblich. Das wichtigste ist das eigentliche Portfolio-Management. Und da gibt es tatsächlich ganz viel Mythenbildung. Es ist eben nicht so, dass da ein wild gewordener Algorithmus selbstständig ein Portfolio umschichtet und irgendwelche Dinge kauft und verkauft. Geschweige denn ist künstliche Intelligenz (KI) ein Thema. Also echte KI, im Sinne von: einmal aufgesetzt läuft das Ding von alleine – das gibt’s in unserem Bereich nicht.“

Und in Zukunft? Was ist da denkbar?

Preiswerk: „Auch wenn heutzutage gerne jeder noch so simple Algorithmus als KI verkauft wird: Wir sind noch ein ganzes Stück entfernt von KI oder selbstlaufenden Algorithmen, die ohne das Eingreifen vom Menschen irgendwas tun. Diese Vorstellung eines Roboters, der für uns vollkommen autonom das Geld anlegt, so weit sind wir noch nicht. Bisher sind alle rein quantitativen Modelle gescheitert. Klar, man soll niemals nie sagen. Aber ich glaube, dass es zumindest schwer wird, einen Roboter zu entwickeln, der besser ist als die Mischung aus Roboter und Mensch.“

Ihr seid ja so ein Hybrid.

Preiswerk: „Ja, im Portfolio-Bereich verbinden wir Mensch und Maschine miteinander. Unser Value-Ansatz funktioniert so, dass wir aus über 300 Anlageklassen, Regionen und Sektoren die besten Werte heraussuchen und sie zu einem robusten Portfolio verbinden. Umgesetzt mit passiv gemanagten, börsengehandelten Indexprodukten – so genannten ETFs. Das tun wir mit vielen kleinen Robotern. Aber auch Menschen, die das managen. Mehr Hybrides wird man auch in der Kundengewinnung und -betreuung sehen: Die traditionellen werden digitaler, die digitalen werden menschlicher.“

Wo ist denn der Mensch der Maschine unterlegen?

Preiswerk: „Faktoren, die sich bei der Geldanlage als ungünstig erweisen, sind Emotionen, Meinungen, Bauchgefühl, Szenario-Denken. All das kann eine Maschine ausblenden. Umgekehrt kann die Vernunft des Menschen wiederum das Unvermögen der Maschinen entsprechend kompensieren. Wir glauben, dass solche hybriden Modelle zum Erfolg führen.“

Apropos Emotionen: Es wird ja behauptet, das Schlimmste sei, sich in eine bestimmte Aktie zu verlieben und gegen besseres Wissen an ihr festzuhalten. Stimmt das?

Preiswerk: „Ich würde es so sagen: Wenn ich mich in eine Aktie verliebe und das dazu führt, dass ich sie sehr lange halte, auch in schlechten Zeiten, dann kann das auch zu einem guten Resultat führen. Das viel größere Problem ist der umgekehrte Fall: Dass die Emotion mich dazu verführt, in einer schlechten Zeit zu verkaufen. Tatsächlich gibt es kaum einen größeren Anlagefehler, als eine temporär schlechte Phase nicht auszusitzen und aus einem theoretischen Verlust einen realen zu machen. Ansonsten gibt es unzählige Studien dazu, dass Emotionen in der Geldanlage – egal, ob Laie oder Profi – nicht zu positiven Resultaten führen. Und damit meine ich statistische Relevanz. Natürlich kann man mal aus einem Bauchgefühl heraus zocken und damit Erfolg haben. Dann scheint einem der Erfolg im Nachhinein recht zu geben. Das ist aber keine nachhaltige Anlagestrategie, das ist Roulette.“

Warum sind Aktien und Fonds eigentlich immer noch so unbeliebt in Deutschland?

Preiswerk: „Ich glaube, da gibt es eine Reihe von Gründen. Zum einen strukturelle, zum Beispiel bei der Bildung. Über längere Zeit schien es durch ein funktionierendes Rentensystem jedoch auch schlicht keinen Bedarf gegeben zu haben. Es wurde staatlich weder direkt noch indirekt gefördert – man könnte auch böse sagen: manchmal sogar verhindert. Und dann ist da vielleicht schon so etwas wie eine landestypische Mentalität. Auch wenn ich mir da als Schweizerin keine Meinung anmaßen darf und die Deutschen nicht auf der Psychiater-Couch analysieren will. Was aber auffällt: Die Deutschen sind eher risikoscheu. Manchmal auch bipolar. Einerseits halten sie krampfhaft am Sparbuch fest und nehmen eine Negativrendite in Kauf – andererseits zocken sie und gehen zum Beispiel in Scharen in geschlossene Schiffsfonds. Dazwischen scheint es nichts zu geben. Und genau da, in der Mitte, läge ja die Vernunft. So etwas – in Anführungszeichen – Langweiliges wie wir. Ein globales, breit diversifiziertes Portfolio, um das Risiko zu managen.“

Der Finanzmarkt wird von vielen Variablen beeinflusst, einer davon ist der politische Kontext. Inwiefern reagieren digitale System da anders, im Sinne von flexibler, als konventionelle?

Preiswerk: „Auch das ist so ein typischer Robo-Mythos. Digitale Anbieter operieren nicht auf Basis von Modellen, die es in der traditonellen Welt nicht gibt. Es mag überraschen, aber die meisten machen bei politischen Veränderungen nichts – weil sie mit statischen Musterdepots arbeiten. Bei uns ist es so: Wir beobachten natürlich das Welt- und Marktgeschehen, würden jedoch niemals aufgrund einer antizipierten oder realen politischen Veränderung sofort das Portfolio umschichten. Das wäre problematisches Szenario-Denken. Ich lege mein Portfolio nicht danach aus, ob Trump oder sein brasilianisches Pendant gewählt werden oder nicht. Ich versuche, mein Portfolio für viele Szenarien gut aufzustellen. Erst, wenn sich unsere mittel- und langfristigen Annahmen ändern, passen wir die Portfoliostrukturen an – dann aber schon. So aktiv wie nötig, so passiv wie möglich. Es gibt ein paar Anbieter, die versuchen, Hoch- und Tiefpunkte vorauszusehen, und scheitern – wie Laien auch – meist daran. Diese kurzfristigen Risikomodelle funktionieren nicht. Weil sie zu teuer sind und den Kunden letztlich zu viel Rendite kosten.“

Was ist denn eigentlich eine gute Rendite?

Preiswerk: „Das kann man nicht beziffern. Das ist relativ. Es ist grundsätzlich so: man kauft sich Rendite durch Risiko. Eine gute Rendite ist, wenn ich für diese Rendite möglichst wenig Risiko eingegangen bin. Oder umgekehrt für das eingegangene Risiko möglichst viel Rendite gemacht habe. Es gibt keine Null-Risiko-Anlage. Außerdem sollte man einen realistischen Zeithorizont anvisieren. Also, das Ganze nicht über wenige Wochen oder Monate betrachten, sondern mindestens mittel-, wenn nicht langfristig.“

Was fasziniert Sie grundsätzlich am Thema Fintech?

Preiswerk: „Das klingt jetzt vielleicht pathetisch – aber es ist tatsächlich der Wunsch, möglichst vielen Kunden und nicht nur eine kleine Elite, die beste Anlagelösung anzubieten. Und das schließt nahtlos an das Thema Aktien-Angst an: Die Skepsis liegt vielleicht auch daran, dass es bislang die entsprechenden Angebote nicht gab. Man suggerierte den Leuten: Hier, spring rein in die Aktie. Aber die Leute dachten nur: Wie, was, wohin? Denn es gab einfach nichts Sinnvolles. Digitalisierung ist da ein Stück weit auch Demokratisierung.“

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Preiswerk: „Digitale Vermögensverwalter sind gerade dabei, von einem Nischen- zu einem Massenprodukt zu werden. Das führt automatisch zu noch mehr Demokratisierung, indem der Kundenstamm demographisch breiter wird. Ein Thema sind da natürlich auch die Frauen. Da haben wir uns schon verbessert von 95 Prozent Männern zu aktuell nur noch 85 Prozent. Das entwickelt sich in die richtige Richtung. Aber bis das auf einer breiten Basis aufgestützt ist, in andere gesellschaftliche Gruppen reindiffundiert, bleibt noch einiges zu tun.“

Das Interview führte Natascha Zeljko, Mitgründerin und Chefredakteurin von FemaleOneZero. Hier finden Sie den Beitrag bei FemaleOneZero auf Englisch:

https://femaleonezero.com/worklife/digitalization-is-democratization/


| Michaela Robo-Advisor, Rund um die Geldanlage, Maschinenraum

In regelmäßigen Abständen möchten wir einen Einblick in den Maschinenraum von Whitebox geben. Heute: Liquiditätsbedarf

Liquidität ist wichtig – gerade beim Investieren. Daher ist es für Anleger vorteilhaft, wenn sie – sofern nötig und bei Bedarf – auf einen Teil ihres angelegten Geldes zugreifen können. Dies kann bspw. aufgrund erwarteter Veränderungen der beruflichen oder privaten Umstände der Fall sein.

Whitebox-Kunden haben deshalb die Möglichkeit, pro Anlageziel ihren Liquiditätsbedarf festzulegen. Damit bestimmen sie eine Kapitalgrenze, die ihr Portfolio möglichst nicht unterschreiten soll. Wir stellen dann einerseits sicher, dass bereits die Planung des Anlageziels diese Grenze berücksichtigt. Andererseits benachrichtigen wir den Kunden aktiv, falls das Portfolio Gefahr läuft, unter die festgelegte Marke zu fallen. Der Anleger kann anschließend rechtzeitig entscheiden, ob er seine Positionen glattstellen oder Parameter anpassen möchte.


| Marco Maschinenraum, Whitebox

In regelmäßigen Abständen möchten wir einen Einblick in den Maschinenraum von Whitebox geben. Heute: Maximum Drawdown

Kenne die Risiken. Wir wollen auch in der Hinsicht um einiges transparenter sein als es die meisten anderen Anbieter ihren Kunden gegenüber sind. Der von uns angezeigte „Maximum Drawdown“ repräsentiert den hypothetischen maximalen vergangenen Verlust der angezeigten Portfoliozusammenstellung. Hypothetisch deshalb, da wir auf der Ebene Assetallokation aktives Portfoliomanagement betreiben und man deshalb natürlich nicht sagen kann, dass unsere Porfoliozusammenstellung 2003 genau gleich gewesen wäre wie heute. Dennoch soll die Zahl ein Gefühl dazu vermitteln, wie stark das Portfolio in Marktturbulenzen nach unten schwanken kann.

Wir rechnen bis zu dem Datum zurück, bis zu dem wir Daten aller bei uns zur Anwendung kommenden Anlageklassen haben: 2003. Viele Anbieter – wenn sie diese Kennzahl überhaupt angeben – inkludieren nur ganz wenige und damit aktuell sehr positive Jahre, jedoch sicherlich nicht das Krisenjahr 2008. Und zeigen damit ein falsches Bild. Wir stellen demgegenüber bewusst die (wie gesagt hypothetische) Schwankung in diesem denkwürdigen Jahr dar – zeigen aber auch auf, wie lange es gedauert hätte bis zur vollständigen Erholung. Und diese Zahl belegt wiederum eindrücklich, dass selbst ein vermeintlich signifikanter Wertzerfall typischerweise relativ schnell wieder aufgeholt ist. Wenn das Portfolio gut aufgestellt ist, natürlich.


| Marco Maschinenraum

In regelmäßigen Abständen möchten wir einen Einblick in den Maschinenraum von Whitebox geben. Heute: Monatliche Auszahlungen

Service pur: Im Gegensatz zu anderen Robo-Advisors bietet Whitebox die Möglichkeit, monatliche Auszahlungen zu definieren – auch in Kombination mit vorangehenden monatlichen Einzahlungen und/oder der Definition eines Zielbetrags. Dadurch lassen sich Ein- und Auszahlungspläne kombinieren.

Dieses Feature ist vor allem im Rahmen unseres Rentenziels wichtig. Dabei kann der Kunde bestimmen, ob er einen Einmalbetrag als Zielwert festlegen und/oder monatliche Auszahlungen im Sinne einer Rente erhalten möchte.


| Marco Maschinenraum

In regelmäßigen Abständen möchten wir einen Einblick in den Maschinenraum von Whitebox geben. Heute: Gleitpfade

Dynamisch zur Rente. Bei unseren Rentenzielen arbeiten wir mit sogenannten Gleitpfaden, die das ideale Portfolio über die Lebenszeit repräsentieren. Entlang dieser Pfade reduziert sich das Risiko des Portfolios bis zu einem frei definierten Rentenzeitpunkt. Denn: Als noch jüngerer Mensch kann – bzw. sollte – man risikoreicher anlegen, um von den besseren Renditechancen zu profitieren. Rückt der Rentenzeitpunkt allerdings näher, sollten die möglichen Schwankungen und damit das Risiko des Portfolios reduziert werden. 

Je nachdem wie offensiv sich ein Anleger positioniert, ist die Aktienquote zu Beginn höher oder tiefer – und die Geschwindigkeit der Risikoreduktion schneller oder langsamer. Dieses dynamische Rentenportfolio ist kein einfaches zeitablaufbasiertes Modell. Da die selben Kapitalmarktannahmen zugrunde liegen wie bei unseren „normalen“ Portfolien, können Gleitpfade über die Zeit bei Bedarf auch angepasst werden. Etwa um Risiken zu begrenzen.

 


| Marco Maschinenraum

In regelmäßigen Abständen möchten wir einen Einblick in den Maschinenraum von Whitebox geben. Heute: Projektion der Wertentwicklung

Der Normalfall: Fortschreiben historischer Renditen. Bei Whitebox: Eine echte Monte-Carlo-Simulation mit den selben Kapitalmarktannahmen, die wir auch den Portfolien unserer Kunden zugrunde legen, inkl. Schiefe und Wölbung (nicht-normalverteilte Renditen zur besseren Abbildung der Risiken). Damit sind unsere Erwartung und die Projektion tatsächlich kongruent. Andererseits werden die Risiken realistischer und damit transparenter abgebildet, da auch die Wahrscheinlichkeit eines Kapitalverlusts aufgezeigt wird.

Eine Projektion bleibt natürlich eine Projektion. Dennoch kommt es auf die Qualität an: Denn schließlich bildet die Projektion die Planungsgrundlage für die Anlage unserer Kunden.

 


| Marco Maschinenraum