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Anleger erwarten in der Regel viel. Das ist zum Beispiel eine überdurchschnittliche Rendite. Das heißt, die meisten Anleger möchten mehr erzielen als der Markt. Das scheint für viele ein Argument für aktiv gemanagte Investmentfonds zu sein. Diese werben schließlich mit einer Outperformance. Die Idee: Fondsmanager mit einem guten Händchen für Anleihen und Aktien können besser als die Benchmark, der Vergleichsindex, der den Marktdurchschnitt anzeigt, sein.

Der Haken: Anlagestrategien, die immer Renditen über dem Marktniveau erwirtschaften, gibt es nicht. Tatsache ist, dass die meisten Fondsmanager daran scheitern, den Markt langfristig zu übertreffen. Umso länger der Investitionszeitraum ist, desto weniger Fondsmanager liegen über ihren Vergleichsindex.

Andererseits, wenn man unterschiedliche Zeiträume betrachtet, findet man für jeden Fondsmanager, die die Wettbewerber und den Markt in ihrer Sparte abhängen. Nicht nur Privatanleger, sondern auch institutionelle Investoren vertrauen auf aktiv gemanagte Fonds. Der Grund: Viele sind der Ansicht, dass es eher gelingt einen Spitzenfondsmanager zu finden als Aktien, Anleihen oder ETFs, die in Zukunft über dem Schnitt rentieren. Das zeigen diverse Studien.

Tatsächlich ist dies ein Irrtum, wie die Realität zeigt. Die Rendite, die eine Aktie, eine Anleihe, ein ETF oder ein anderes Wertpapier erwirtschaften wird, kann nicht exakt prognostiziert werden. Das gleicht gilt auch für die zukünftige Leistung eines Fondsmanagers in seiner Kategorie. Einen Auswahlprozess, der einen solchen Fondsmanager nachweislich und immer für jeden Zeitraum finden könnte und nie irrt, gibt es nicht.

Sich auf die besten zu verlassen, führt zu nichts

Es gibt diverse Bestenlisten und Ratings. Diese sollen die Suche nach der Nadel im Heuhaufen erleichtern. Doch auch mit solchen Bewertungen, die letztlich nur eine Fondsmanagerleistung aus der Vergangenheit bewerten, gelingt es nicht, den künftig besten Fondsmanager auszumachen. Wer so vorgeht, schlägt nicht den Markt, sondern unterliegt ihm. Dies belegen verschiedene Studien. Die Performance aus einem zurückliegenden Zeitraum ist kein Indikator für die Zukunft. Fonds, die heute unter den besten rangieren, gehören morgen schon zu den letzten. Die Verlierer von heute, können morgen wieder obenauf sein. Das belegen unterschiedliche Untersuchungen. Entsprechend wäre es cleverer, sich für einen Fonds zu entscheiden, dessen Strategie gerade geschwächelt hat.

Privatanleger haben eigentlich gar keine Chance, den besten Fonds zu finden und so das Portfolio aufzuwerten. Sie können letztlich nur auf Daten über die vergangene Performance bauen. Also, auf Daten ohne Aussagekraft. Pensionskassen, Versicherungen oder ander institutionelle Investoren bieten sich hingegen noch andere Möglichkeiten wie zum Beispiel auf Fondsselektion spezialisierte Berater. Diese nutzen für ihre Bewertung einen Mix aus quantitativenund qualitativen Kriterien. Letztere sind zum Beispiel die Stichhaltigkeit der Anlagephilosophie, die Managererfahrung, die Robustheit und Transparenz des Anlageprozesses. Auch, ob und wie sich ein Fondsmanager mit Kunden und Unternehmen identifziert, kann ein qualitativer Faktor sein.

Wie ein Fondsmanage in Zukunft abschneiden wird, kann eher durch solche qualitative Faktoren als durch vergangenheitsbezogene Fakten ermittel werden. Davon geht jedenfalls die Finanzmarktforschung aus. Um diese Kriterien zu erkennen und zu prüfen, sprechen Berater mit den Fondsmanagern.

Fondsberater sind überbezahlt

Trotz allem – auch die Selektion solcher professioneller Berater liefern nicht die erhofften Resultate. Sie schaffen es nicht, mit System die Fondsmanager auszusieben, die künftig die Märkte hinter sich lassen. Das bestätigt eine Studie der britischen Wettbewerbsbehörde CMA (Competition & Markets Authority).

Die CMA untersuchte die Auswahllisten von acht Beratungsfirmen zwischen 2006 bis 2015. Zu den begutachteten Unternehmen zählten unter anderem die Russell Investment Group, Hymans Robertson und KPMG. Die Resultate fielen dabei nicht gerade glänzend aus: Die Wettbewerbshörde fand keinen Hinweis darauf, dass diese Beratungsleistung sich ausgezahlt hätte.

Anders ausgedrückt: Ein von den Beratungsfirmen ausgewählter Investmentfonds hat abzüglich der Managementfee seine Benchmark im Durchschnitt nicht übertroffen und war auch nicht besser als Fonds, die nicht von Experten bewertet worden waren. Inwiefern das Honorar der Berater die Performance des Fonds noch gemindert hätte, hatte die Studie nicht untersucht.

Die Studie zeigt eines: Kosten sind eine wichtige Größe. Denn die von Beratern präferierten Investmentfonds erreichten im Quartal eine um 23 Basispunkte bessere Wertentwicklung als die Benchmark. Allerdings nur vor Abzug der Managementfee.

Vermeintliche Verliererfonds wären die bessere Wahl gewesen

Die Untersuchung der CMA wartet auch mit weiteren interessanten Ergebenissen auf. Nach Abzug der Gebühren entwickelten sich die Fonds im Durchschnitt vorteilhafter als die Top-Kandidaten, die nach Ansicht der Berater veräußert werden sollten. Dieses Resultat hat jedoch keine Aussagekraft, da hier auch der Zufall eine entscheidende Rolle gespiel haben dürfte.

Jedes Beratungsunternehmen wurde zudem von den britischen Wettbewerbshütern im einzelnen betrachtet. Keines der Unternehmen gelang es, Fonds zu erkennen, die nach Abzug der Gebühren die Benchmark übertrafen. Und das, obwoh die Empfehlungslisten der unterschiedlichen Unternehmen kaum Schnittmengen aufwiesen. 

Die CMA hat in ihrer Studie auch überprüft, wie sich die Kaufempfehlungen nach Anlageklassen verändern. Das Ergebnis war, dass die ausgewählten Hedgefonds sich tatsächlich besser als die Benchmark schlugen. Bei allen anderen analysierten Kategorien – das galt auch für Aktienfonds und für Rentenfonds – war das Ergebnis nicht positiv.

Das, was unterm Strich bei der CMA-Studie hängen bleibt, ist folgendes: Bei der Fondsselektion machen sich Berater nicht bezahlt. Die Untersuchung lieferte keine Gründe, weshalb die Berater mit ihren Empfehlungen daneben griffen. Das Ergebnis zeigt aber, dass es schwierig ist, den zukünftigen Star-Fondsmanager zu finden. Selbst, wenn alle Daten, Fakten und Analyseoptionen vorhanden sind.

Privatanleger können aus den Erkenntnissen der CMA-Studie folgend Schluss ziehen: Um den Mischfonds, Aktienfonds, Rentenfonds oder Immobilienfonds zu finden, der seinen Vergleichsindex überbietet, braucht es mehr Glück als Verstand. Ein ETF, der einen Index und damit eine Benchmark nachahmt, ist daher mitunter viel- und erfolgsversprechender.


| Markus Aktien, Fonds