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Börsengehandelte Indexfonds

Der falsche Umgang mit ETF kostet Anleger viel Geld

Viele Anleger verwenden börsennotierte Indexfonds, um außergewöhnliche Anlageideen zu spielen oder durch den richtigen Zeitpunkt für Ein- und Ausstieg Geld zu verdienen . Denn Exchange Traded Funds (ETFs) laden dazu ein: Sie werden  permanent an den Börsen ge- und verkauft und sind damit genauso flexibel wie Aktien. Der Haken ist, dass die falsche Anwendung zu Lasten der Rendite geht. 

Verbraucherschützer und unabhängige Anlageberater raten Privatanlegern zu ETFs. Mit diesen börsennotierten Indexprodukten sollen bessere Renditen erzielt werden als mit aktiv gemanagten Fonds. Dafür spricht folgendes:

  1. Ihre jährliche Managementfee sind in der Regel deutlich niedriger. Aktiv gemanagten Fonds verlangen oft einen Prozentpunkt mehr. Weniger Kosten bedeuten unterm Strich mehr Rendite für den Inwestor.
  2. ETFs ahmen die Performance eines Index wie den DAX, S&P500 oder den Euro Stoxx 40 ab. Sie werden nicht aktiv gemanagt und betreiben kein Stockpicking, was nach diversen Studien nicht zu Überrenditen führt. Das heißt, sie selektieren keine Wertpapiere. Was in den ETF reinkommt, entscheidet die Indexzusammensetzung. 
  3. Der Rat an Privatanleger, sich für einen ETF zu entscheiden, liegt folgende Annahme zu Grunde. Die beinhaltet nicht das permanente Handeln, sondern – im Gegenteil – den ETF mit einem langen Zeithorizont im Depot zu behalten. Wie die Börsenpsychologie belegt, tun sich die meisten Anleger mit Markettiming schwer. Sie steigen zu spät ein oder verkaufen zum falschen Zeitpunkt. Und das kostet Geld.

Privatanleger, die in ETF investieren, verdienen weniger als Investoren, die sich für aktive Fonds entschieden haben 

Wegen der drei aufgeführten Gründe liegt der Gedanke nahe, dass Privatanleger mit ETFs besser fahren sollten als Privatanleger, die zum Beispiel in aktiv gemanagte Fonds investieren. Dem ist aber nicht so. Die Analysefirma Bogle Financial Markets Research hat die Renditen von ETF-Anlegern in den Vereinigten Staaten untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass diese nicht über, sondern unter dem Durchschnitt lagen.

Am Indexinvesting lag es nicht. Denn die Studie untersuchte auch die Renditen, die mit Indexfonds erreicht wurden, die nicht über die Börse handelbar sind. Anleger solcher Indexfonds erwirtschafteten in den Jahren von 2005 bis 2017 jährlich 8,4 Prozent. Anleger von  aktiv gemanagten Fonds erreichten im gleichen Betrachtungszeitraum 7,2 Prozent.  ETF-Anleger hingegen erzielten 5,5 Prozent pro Jahr, was drei Prozent weniger waren als die Indexfondsanleger. 

Die Spitzengruppe, die in Indexfonds ohne Börsenhandel anlegte, konnte ihr Kapital von 2005 bis 2017 verdreifachen. Das Vermögen der ETF-Anleger hatte sich im gleichen Zeitraum lediglich verdoppelt. Doch was ist der Grund für diesen erheblichen Unterschied?

Sowohl Indexfonds als auch ihre börsennotierten Pendants ahmen die Rendite von Indizes möglichst exakt nach. Anders als ETFs gibt es die klassischen Indexfonds nicht an den Börsen. Ihrer Anteile werden über Vermittler oder die Fondsgesellschaft  erworben und veräußert. 

Da die Sieger- und die Verlierergruppe jeweils in Produkte investierten, die Indizes abbilden, liegt es auf der Hand: Der unterschiedliche Umgang. ETF-Anleger vergessen oft die Börsenweisheit "Hin und her – Taschen leer". Sie kaufen und verkaufen zu oft ihre ETF-Anteile, weil sie hoffen, den perfekten Ein- oder Ausstiegszeitpunkt zu erwischen. Tatsächlich kaufen sie, wenn die Börsen oben sind und verkaufen, wenn es nach unten geht. Wenn sie viel handeln, geht das ins Geld.

Die Flexbilität von ETFs animiert dazu, zu viel zu handeln 

ETFs sind liquide Wertpapier. Sie werden an den Börsen daher genauso ge- und verkauft wie Aktien. Dafür sorgen mitunter Market-Maker. Sie versorgen einen ETF mit Liquidität. Genauso wie für eine Aktie gibt es auch für einen ETF jederzeit einen Kurs. Anleger ihre ETF-Anteile genauso schnell veräußern oder neue erwerben, wie sie es bei Aktien könnten. John C. Bogle, Gründer der Fondsgesellschaft Vaguard und Erfinder des klassischen Indexfonds, betrachtet ETFs wegen ihrer Flexibilität mit Skepsis. Seiner Ansicht nach verführen sie zum Handel, was wiederum dem Vermögensaufbau nicht gut tut. Der Finanzmarktforschers Antti Petajisto bestätigt diese Einschätzung. Seinen Berechnungen nach werden ETFs in den Vereinigten Staaten nach etwa zwei Wochen wieder verkauft.

In den USA sind klassische Indexfonds, die nicht an der Börse gehandelt werden, verbreitet. In Deutschland sind diese Fonds den Anlegen hingegen nicht sehr geläufig. Hier zu Lande wird Indexinvesting mit ETFs gleich gesetzt. ETF-Anleger aus Deutschland verhalten sich dabei genauso wie ETF-Anleger jenseits des Atlantiks. Eine Untersuchung von etwa 7000 Depots in Deutschland von 2005 bis 2010 legt diese nahe. Verschiedene Wissenschaftler, darunter auch der Finanzprofessor Andreas Hackethal aus Frankfurt am Main, fanden folgendes heraus. ETF-Anleger haben keine bessere Wertentwicklung erzielt, sondern jährlich etwa 0,8 Prozent verloren.

Oft landet der falsche ETF im Depot

Ein Grund waren der falsche Ein- oder Ausstiegszeitpunkt. Der andere Grund lag in der Produktauswahl. Denn wer zum falschen ETF greift, büßt ebenfalls Rendite ein. Der beliebteste Fehler: Home-Bias. Anleger aus Deutschland bevorzugen oft den deutschen Leitindex Dax und Branchenindizes, die weniger liquide sind als die klassischen Benchmark-Indizes. Sie verkennen, dass ein Branchen-Index-ETF oder ein Dax-ETF  schlecht diversifiziert ist. Das bedeutet mehr Risiko. Im Dax befinden sich nur 30 Unternehmen. Der deutsche Leitindex ist viel volatiler als der S&P 500, der 500 Unternehmen aus den USA umfasst.

Angenommen die in der Untersuchung analysierten Anleger hätten auf eine andere Strategie gesetzt, eine die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. Dann wären 1,7 Prozent mehr pro Jahr drin gewesen. Selbst, wenn man dem Umstand Rechnung trägt, dass ETFs durchschnittlich ein Fünftel der untersuchten Depots ausmachten. Was hätten die Anleger besser machen können? Sie hätten sich zum Beispiel für einen breit diversifizierten Index wie den MSCI World entscheiden und diesen lange halten müssen. Durch das Kaufen eines besser diversifizierten ETFs wären 1,3 Prozent mehr Rendit pro Jahr möglich gewesen. Allerdings enthielt die Minderheit der analysierten Depots einen solchen ETF. Nur 3,3 Prozent haben in einen MSCI-World-ETF angelegt. 

Die richtige Auswahl und sich nicht von den Aufs und Abs an der Börse verführen zu lassen, ist offenbar kein leichtes Unterfangen für ETF-Anleger. Jedenfalls, wenn sie selbst die Auswahl übernehmen und den Ein- und Ausstieg managen. Sie wollen mit ETFs ihre eigenen Strategien verfolgen. Dabei ist ihnen oftmals nicht klar, dass die ETF Kurse häufig über oder unter dem Net Asset Value (NAV) liegen. Mit dem NAV ist der faire Wert eines ETF gemeint. Können Privatanleger den NAV nicht in Real-Time beobachten, dann laufen sie Gefahr zu viel für einen ETF zu zahlen. Tritt dies ein, bemerken die meisten die Anlger das oft nicht. Deswegen stellt sich die Frage, ob ein ETF das Mittel der Wahl ist, um als Privatanleger aktive Strategiene zu verfolgen. 

Das heißt nicht, dass ETF per se schlechte Finanzinstrumente sind. Im Gegenteil: Sie sind perfekt für lange Investitionszeiträume. Dennoch ist es schwer, Vernunft walten zu lassen. Wer sich zu schnell dazu verführen lässt, viel zu handeln und auch kein Händchen für die Selektion hat, sollte sein  Portfolio kundigen, ruhigen Händen überlassen. Ein erfahrener Vermögensverwalter übernimmt die ETF-Selektion, achtet auf eine breite Streuung und verzichtet auf Markettiming. Dieser Service hat zwar seinen Preis, ist aber um einiges günstiger als der falsche Einsatz von ETFs. 

© WHITEBOX, 02.07.2018

Foto: NeONBRAND

Quellen
  • Utpal Bhattacharya u. a.: Abusing ETFs, Forthcoming in the Review of Finance, 2017.