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Kurseinbrüche

Der kluge Anleger folgt stoisch seiner Strategie

Vielen Investoren fällt es schwer, bei einem Börsenabschwung cool zu bleiben. Der Drang zu verkaufen wird stärker, umso tiefer die Aktienmärkte fallen. Doch wer seinen Emotionen erliegt, läuft Gefahr, einen dauerhaften Vermögensverlust zu erleiden.

Würden sich Vermögensverwalter so verhalten wie Politiker, wären sie wahrscheinlich schon nach kurzer Zeit arbeitslos – wegen notorischer Erfolglosigkeit. Politiker denken meist nur bis zur nächsten Wahl. Ihre Handlungen und Meinungsphrasen richten sich an den aktuellen Ereignissen aus, die die Schlagzeilen beherrschen. Dieses reflexhafte Handeln führt oft zu schlechten Ergebnissen wie beispielsweise die Mietpreisbremse zeigt, die offensichtlich nicht funktioniert.

Dass auf Ereignisse irgendwelche Reaktionen folgen müssen, scheint mittlerweile von der Politik auf die kollektive Psyche der bundesdeutschen Gesellschaft übergegriffen zu haben. Anders ist kaum zu erklären, dass inzwischen auch Finanzjournalisten fragen, welche Maßnahmen Vermögensverwalter nun ergreifen, nachdem viele Aktienmärkte rund um den Globus absackten.

Doch anders als Politiker agieren erfolgreiche Vermögensverwalter und Privatanleger langfristig. Ihre Strategien sind auf Zeiträume von 10 bis 35 Jahren und mehr ausgerichtet. Für solche Anlagekonzepte spielen einzelne Ereignisse, die nicht einmal ungewöhnlich sind, in aller Regel keine Rolle. Sie führen nicht zu hektischen Verkäufen oder Portfolioumschichtungen. Wer so reagiert, kann an der Börse nur verlieren.

Aktien sind riskante Anlagen, die schwanken. Das sollte jedem klar sein, der in Aktien investiert. Das ungewöhnliche Ereignis in den vergangenen Monaten war nicht der jüngste Kurseinbruch, sondern die Tatsache, dass die Börsen zuvor kaum noch geschwankt hatten. Die Kurse stiegen und stiegen. An Verlusttagen verloren die Märkte weniger als 1 Prozent. Auch deswegen waren vielen Anleger offenbar schockiert, als der amerikanische Aktienmarkt an nur einem Tag plötzlich fast 5 Prozent verlor. Tagesschwankungen in dieser Größenordnung kommen zwar nicht häufig, aber doch immer wieder vor.

Kurseinbrüche sind keine unerwarteten Ereignisse

Im langfristigen Durchschnitt schwankt der deutsche Aktienindex DAX mehr als 20 Prozent um seinen Mittelwert. Ein Kursrückgang in dieser Größenordnung – natürlich nicht innerhalb eines Tages – wäre also kein ungewöhnliches und unerwartetes Ereignis.

Erfolgreiche, langfristig orientierte Anleger stehen solche Phasen durch. Sie wissen, dass die Aktienmärkte in der Vergangenheit auf lange Sicht die höchsten Renditen von allen liquiden Anlageklassen abgeworfen haben. Solange Menschen nach mehr Wohlstand streben und die Weltwirtschaft weiter wächst wie in den vergangenen 2000 Jahren, dürfte sich daran auch nichts ändern.

Fallen die Kurse an den Börsen, sucht ein Heer aus verschiedenen Marktbeobachtern zwanghaft nach den vermeintlichen Ursachen. Doch ist reine Zeitverschwendung. Aktienkurse fallen, weil an den Börsen mehr Verkäufer ihre Papiere loswerden wollen als Käufer bereit sind, zum aktuellen Preis in das Geschäft einzuschlagen. Deshalb sinken Aktienkurse.

Warum die Verkäufer in der Überzahl sind, und weswegen sie sich unbedingt von ihren Aktien trennen wollen, weiß niemand. Um das in Erfahrung zu bringen, müsste jeder einzelne Verkäufer befragt werden – und auch noch ehrlich antworten. Unter den Antworten würden sich natürlich auch die Gründe finden, die von Medien als vermeintliche Ursache für den Ausverkauf angeführt wurden. Denn die meisten Anleger lesen Nachrichten. So verstärkt sich das Herdenveralten an den Märkten, das im schlechtesten Fall in einer Massenpanik gipfelt.

Der kluge Anleger, lässt sich von der Masse aber nicht beeinflussen. Er folgt stoisch seiner Strategie. Sein Portfolio schichtet er nur um, wenn sich wesentliche Faktoren, auf denen seine Strategie fußt, geändert haben. Für Value-Anleger wie uns bedeutet das beispielsweise, dass wir Anlagen reduzieren, die nach unserer Meinung überbewertet sind. Aus diesem Grund befinden sich derzeit nur eine geringer Anteil US-Aktien in unseren Kundenportfolios.

Gefallene Aktienkurse können aber natürlich die Bewertungen verändern, wenn zum Beispiel alle anderen Faktoren wie Unternehmensgewinne und Eigenkapitalrenditen unverändert bleiben. Dann ist es möglich, dass zuvor überteuerte Märkte wieder attraktiv werden – und sich ein Kauf lohnt. So gesehen verhalten sich Value- und andere langfristig orientierte Anleger antizyklisch. Sie kaufen, wenn die Masse verkauft.

Markettiming ist die falsche Antwort auf Preisschwankungen

Besonders Anleger mit noch wenig Börsenerfahrung fragen sich, warum sie ihre Aktien nicht einfach verkaufen sollen, wenn ein Kursabschwung beginnt. Schließlich könne man doch später, wenn sich die Wogen geglättet haben, wieder einsteigen – und auf diese Weise Verluste vermeiden, meinen sie. Das klingt in der Theorie einfach und plausibel, ist aber in der Praxis mit Erfolg kaum umzusetzen. Weil niemand weiß, wie tief der Markt noch fällt. Und weil niemand weiß, wann die Börsen wieder beginnen zu steigen.

Der Gau für einen Anleger ist der Verkauf am Tiefpunkt eines Kurseinbruches. Der Verlust, der so entsteht, ist dauerhaft, weil der Investor den folgenden Aufschwung nicht mehr mitmacht. Auch wenn er irgendwann wieder einsteigt, bleibt ein irreversibler Schaden. Deswegen ist es besser, nicht den Versuch zu unternehmen, sich mit dem wiederholten Ein- und Aussteigen, dem sogenannten Markettiming, Vorteile an der Börse zu verschaffen. Denn meist endet ein solches Unterfangen im Desaster. „Wer die Erträge erzielen will, die der Aktienmarkt langfristig zu bieten hat, muss auf dem Höhepunkt investiert sein, um auch auf dem Tiefpunkt investiert zu sein“, stellt Michael Batnick vom amerikanischen Vermögensverwalter Ritholtz Wealth Management lakonisch fest.

Um die Argumentation zu untermauern, dass es vorteilhafter ist, dauerhaft an der Börse investiert zu bleiben, führen Marktstrategen immer wieder eine unwiderlegbare Tatsache an: Wer als Anleger nur die zehn besten Börsentage mit den höchsten Kursanstiegen verpasst, dessen Rendite kann sich schon halbieren. Streicht man die 20 besten Tage, bleibt nur noch gut ein Viertel vom Gewinn übrig. Bei 30 Tagen kann die Rendite schon negativ werden, je nachdem welcher Markt und welcher Zeitraum zugrunde gelegt werden.

Was die Daten nahelegen, formuliert der Anlagestratege und Bestseller-Autor Charles D. Ellis so: „Die Lektion ist klar: Sie müssen unbedingt engagiert sein, `wenn der Blitz einschlägt´. Aus diesem einfachen Grund ist Market-Timing eine wirklich abwegige Idee.

Kritiker monieren, dass dieses Argument von denjenigen vorgebracht wird, die daran verdienen, wenn Anleger an ihren Investments festhalten. Das sind Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter – und tatsächlich sind sie es oft, die eine sogenannte Buy-and-hold-Strategie propagieren.

Bei Banken liegen die Interessen anders. Sie verdienen am meisten, wenn ihre Kunden im Markt bleiben, aber ihre Anlagen möglichst oft wechseln. Dann kassieren die Geldhäuser die Vertriebs- und Bestandsprovisionen für die Produkte UND die Kosten, die sie für den Handel in Rechnung stellen. Deswegen rufen Banken gerne häufig neue „Trends“ aus und versuchen, Anlegern andere Wertpapiere schmackhaft zu machen – aber das ist eine andere Geschichte.

Bleiben wir bei den Argumenten der Buy-and-hold-Kritiker. Sie führen auch ins Feld, dass Investoren viel besser dastünden, wenn sie die zehn schlechtesten Börsentage vermeiden würden. Auch das lässt sich nicht bestreiten. Ein Anleger, der 1998 in den amerikanischen Aktienmarkt investierte und an den zehn Tagen mit den höchsten Verlusten Cash gehalten hätte, hätte bis heute eine etwa doppelt so hohe Rendite erzielt wie ein Buy-and-hold-Investor.

Das Vermeiden von Verlusten ist also eine sehr lukrative Angelegenheit. Das Problem ist nur: Wir können die schlechten Tage nicht herausfiltern, weil wir nicht wissen, welche es sein werden. Wenn wir aber im Markt bleiben, haben wir die Gewissheit, dass wir wenigstens nicht die besten Tage mit den höchsten Kursanstiegen verpassen.

Vernünftiges Risikomanagement kann Verluste nur dämpfen

Nichtsdestotrotz kann ein wohldosiertes Risikomanagement Verluste zwar nicht systematisch vermeiden, aber immerhin etwas dämpfen. Welche Wege dazu beschritten werden sollten, darüber scheiden sich wie immer die Geister. Einigkeit dürfte unter vielen erfolgreichen Investoren aber darüber bestehen, dass eine Markettiming-Strategie, bei der alle Wertpapiere zu bestimmten Zeitpunkten verkauft und später wieder gekauft werden, ein aussichtsloses Unterfangen ist (siehe oben).

Als Value-Investoren konzentrieren wir uns bei Whitebox neben einer risikooptimierten Zusammenstellung der einzelnen Anlageklassen vor allem auf die Bewertungen. Denn günstige Aktienmärkte fallen bei Abschwüngen im Durchschnitt weniger stark als hoch bewertete Märkte, wie die Statistik zeigt. Auch ein regelmäßiges oder regelbasiertes Rebalancing sollte Teil des Risikomanagements sein. Rebalancing bedeutet, dass die Portfolioanteile einzelner Anlageklasse auf ihre Anfangsgewichtungen oder innerhalb einer Bandbreite zurückgesetzt werden.

Bei sehr gut laufenden Aktienmärkten werden auf diese Weise Gewinne mitgenommen und nach stärkeren Abschwüngen Aktien nachgekauft. Letzteres führt zu einer schnelleren Erholung eines Portfolios während des anschließenden Aufschwungs. In erste Linie sollen mit dem Rebalancing aber die Portfolioanteile von sicheren und riskanten Wertpapieren konstant gehalten werden, damit die Vermögensaufteilung auch über die Zeit dem ursprünglich gewählten Risikoprofil entspricht.

Den schwierigsten Teil des Risikomanagements muss ein Anleger allerdings selbst bewältigen. Er muss bei fallenden Märkten dem unweigerlichen Drang widerstehen, sich der Herde anzuschließen und zu verkaufen. Wer beispielsweise nach einem Verlust von 20 Prozent die Nerven verliert und aussteigt, erleidet einen dauerhaften Verlust. Ratschläge, wie Investoren emotional am besten einen Abschwung überstehen, gibt es viele: Nicht ins Depot sehen, sich mit Kochen statt mit Aktien beschäftigen, Bücher statt Nachrichten lesen, zum Beispiel.

© WHITEBOX, 19.02.2018

Foto: Andrew McDaniel / Flickr