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Börse

Die unbeliebtesten Aktien – und warum sich ein Investment lohnt

Manche Aktiensegmente wie europäische Telekom-Unternehmen werden von Anlegern gemieden, obwohl die Unternehmensdaten gar nicht so schlecht sind. Für Value-Investoren sind diese unterbewerteten Sektoren ein gefundenes Fressen.

Wenn die Preise von Unternehmen zu hoch sind, ist es besser, sich zurückzuhalten. Nach dieser Maxime verfährt jedenfalls der bekannte Value-Investor Warren Buffett, dessen Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway derzeit auf Barreserven von 100 Milliarden US-Dollar sitzt. Geld, das darauf wartet, investiert zu werden. Doch solange sich keine günstigen Gelegenheiten bieten, ist nach Ansicht von Buffett Nichtstun die beste Strategie.

Nicht nur der Markt für Unternehmensübernahmen ist in den vergangenen Jahren heiß gelaufen. Auch an Börsen gehandelte Aktien sind teuer geworden. Vor allem in den USA. Nur 1929 und 2000 waren dort Aktien höher bewertet als heute.

Auch in anderen Ländern sind die Aktienpreise im Verhältnis zu den Unternehmensgewinnen hoch. Aber es gibt immer noch Segmente, die moderat oder sogar günstig bewertet sind und deshalb langfristig bessere Renditechancen bieten als hochbewertete Märkte. Meistens handelt es sich um Länder und Branchen, die bei Anlegern gerade unbeliebt sind, aber fundmental gar nicht so schlecht dastehen oder an einem solchen Tiefpunkt angelangt sind, dass eine Erholung immer wahrscheinlicher wird.

Seit drei Jahren Kursverluste: europäische Telekommunikationsunternehmen

Ein solcher Sektor sind europäische Telekommunikationsunternehmen, zu denen Vodafone, die Deutsche Telekom und die spanische Telefónica zählen. Der Stoxx Europe 600 Telecommunications, ein Aktienindex, in dem die 20 bedeutendsten europäischen Telekom-Unternehmen notiert sind, befindet sich seit Sommer 2015 im Sinkflug. Seitdem verlor der Index rund 40 Prozent an Wert, während der breitgefasste Mutterindex, der alle Branchen umfassende Stoxx Europe 600, um gut 5 Prozent zulegte.

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Quelle: Onvista, Stand: 9. Mai 2018.

Die Eigenkapitalrendite (Gewinn geteilt durch den Buchwert) der Telefonkonzerne ist auf den niedrigsten Wert seit 14 Jahren gesunken. Ursache waren ein stagnierender Buchwert und sinkende Gewinne. Doch die Eigenkapitalrendite ist eine zyklische Größe, wie die folgende Grafik zeigt.

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Natürlich wissen wir nicht, wann diese Kennzahl wieder nach oben dreht. Aber falls die Gewinne in der Telekombranche wieder anziehen, dürfte das Renditepotenzial der europäischen Telekomwerte überproportional sein. Hinzu kommen die guten Diversifikationseigenschaften dieser Branche, die nur gering mit anderen Sektoren korreliert ist.

Am Wegrand lauern allerdings auch Gefahren. Der Telekomsektor ist hoch verschuldet. Steigende Zinsen könnten die Kurse dieser Unternehmen besonders stark drücken. Zudem schütten die Konzerne bereits einen großen Teil ihrer Gewinne an die Aktionäre aus. Das schmälert ihren Spielraum bei Investitionen und für den Fall, dass sich das Gewinnwachstum noch weiter verlangsamen sollte.

Gebeutelt von Sanktionen: der russische Aktienmarkt

Vermutlich noch unbeliebter als Telekommunikationswerte sind bei Anlegern russische Aktien, die weltweit zu den am günstigsten bewerteten zählen. Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis bezahlen Anleger derzeit nur die Hälfte für russische Aktien im Vergleich zu ähnlichen internationalen Werten.

Nachdem die USA ihre Sanktionen gegen Russland Anfang April 2018 verschärften, brach der Aktienmarkt in wenigen Tagen um rund 16 Prozent ein. Schon in den Wochen zuvor hatte die Moskauer Börse geschwächelt. Insgesamt büßte sie seit ihrem Hoch Ende Februar 2018 in nur sechs Wochen 20 Prozent an Wert ein.

Der russische Aktien im Vergleich zum MSCI Emerging Markets, der die Aktienmärkte von 23 Schwellenländern abbildet

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Quelle: Onvista, Stand: 9. Mai 2018.

Solche Kursverluste stellen die Nerven der Anleger auf eine sehr harte Probe. Gleichzeitig zeigen sie, wie riskant der russische Aktienmarkt ist. Dennoch bietet er für mutige Anleger überdurchschnittliche Chancen. Denn ungeachtet der vor allem politisch getriebenen Volatilität entwickeln sich die russischen Unternehmen in der Realwirtschaft bemerkenswert gut. Gewinne, Cashflows und Dividenden steigen nominal schneller als bei der westlichen Konkurrenz.

Daran werden nach Ansicht von Morningstar Investment Management auch die verschärften Sanktionen nichts ändern. „Die Auswirkungen werden sehr begrenzt sein“, schreiben die Analysten. Hinzu komme, dass die Gefahren seit langem bekannt und insofern in den Aktienkursen zum Teil enthalten gewesen seien.

Falls sich die auf dem Tiefpunkt angelangte Stimmung für russische Aktien aufhellt und sich die gute Entwicklung der Fundamentaldaten fortsetzt, könnten die Titel in den nächsten Jahren überdurchschnittlich abschneiden.

Überschattet vom Brexit: britische Konzerne

Das gilt auch für Anteilsscheine an britischen Unternehmen. Im Vergleich zu anderen entwickelten Ländern sind Aktien in Großbritannien günstig bewertet, was eine höhere Rendite in den kommenden Jahren impliziert (siehe Grafik).

bewertung britische Konzerne

Es ist vor allem der Brexit, der Anleger vergrault hat. Aber auch sinkende Gewinne, die in den fünf Jahren vor 2017 um mehr als 20 Prozent zurückgingen, drückten die Kurse und führten zu einer unterdurchschnittlichen Wertentwicklung im Vergleich zum Dax oder dem Stoxx-Europe-600-Index (siehe Grafik), obwohl letzterer von britischen Aktien dominiert wird. Ihr Anteil in dem Index beträgt gut 27 Prozent.

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Quelle: Onvista, Stand: 9. Mai 2018.

Viele Anleger übersehen jedoch, dass die im FTSE-100-Index notierten britischen Konzerne international operieren. Wie sich die heimische Wirtschaft entwickelt, ist für sie zweitrangig. Etwa 70 Prozent ihrer Gewinne erzielen sie im Ausland. Und das Wachstum der Erträge zieht nach einer langen Durststrecke langsam wieder an. Die Gewinnmargen liegen aber noch deutlich unter denen von globalen Aktien – viel Aufholpotenzial also, von dem Anleger in den nächsten Jahren profitieren könnten.

Immer im Blick behalten müssen Anleger aber, wie sich einzelne Anlageideen in ihr Portfolio einfügen. Russische Aktien sind beispielsweise für Portfolios mit eher niedrigem Aktienanteil nicht zu empfehlen. Auch ist zu berücksichtigen, dass sie im MSCI-Ermerging-Market-Index, ein Bestandteil vieler gut diversifizierter Depots, bereits enthalten sind.

Europäische Telekommunikationsaktien sind global betrachtet ein Nischenmarkt, der nicht zu hoch gewichtet werden sollte. Britische Standardwerte im FTSE-100-Index sind dagegen diversifizierter. Anleger können ihnen einen höheren Depotanteil als Telekomwerten zuweisen.

Für alle drei Anlageideen gilt: Es handelt sich um langfristige Investments, für die Anleger Ausdauer und Geduld mitbringen müssen.         

© WHITEBOX, 14.05.2018

Foto: Rawpixel / Unsplash