Willkommen zurück! Wir freuen uns, Sie zu sehen.

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser!

Wir vermuten, dass sie einen veralteten Browser verwenden, der mit unserem Dienst leider nicht kompatibel ist. Im Folgenden haben wir Ihnen Links zu aktuellen Browsern bereitgestellt:

Anlagestrategie

So dirigieren Sie Ihr Portfolio richtig

Von Salome Preiswerk

Investoren konzentrieren sich häufig nur auf die einzelnen Wertpapiere in ihren Portfolios. Dabei kommt es bei der Reduzierung von Risiken nicht auf die Solisten, sondern auf das gesamte Orchester an.

Anlegern fehlt häufig der Blick für das große Ganze. Wenn sie ihre Depots kontrollieren, achten sie meist nur darauf, wie sich einzelne Positionen entwickelt haben. Wertpapiere, die im Plus liegen, vermitteln das gute Gefühl, alles richtig gemacht zu haben. Positionen, deren Kurse sich kaum bewegt haben oder sogar im Minus notieren, trüben aber die gute Stimmung. Wie das Portfolio insgesamt abgeschnitten hat, interessiert die wenigsten.

Dabei geht es genau darum bei einer erfolgreichen, langfristigen Geldanlage. Entscheidend ist nicht, wie sich einzelne Anlagen entwickeln, sondern welche Rendite das Depot abwirft und welche Risiken dafür eingegangen wurden. Investoren haben „kein Gespür für die Rendite ihres Gesamtportfolios“, stellt etwa der Finanzmarktforscher Martin Weber fest. Er verweist auf Befragungen von Anlegern, die das gezeigt hatten.

Depotbanken stellen zu wenig Informationen bereit

Der Befund ist eigentlich nicht erstaunlich. Depotbanken stellen ihren Kunden nach meiner Kenntnis kaum aussagekräftige Kennzahlen zur Verfügung. Onlinebanken beispielsweise weisen in der Regel nur die Gesamtrendite der aktuellen Positionen in einem Depot aus. Verkaufen Sie eine Anlage, die im Minus notiert, wird der Verlust einfach ausgebucht, als hätte es ihn nie gegeben – die angezeigte Rendite Ihres Depots steigt.

Auf unterschiedliche Zeiträume bezogene Wertentwicklungen werden den Depotkunden nicht angezeigt. Ebenso wenig Kennzahlen zum Risiko, das in der Finanzbranche meist mit der sogenannten Standardabweichung gemessen und als „Volatilität“ ausgewiesen wird. Die Standardabweichung gibt an, wie stark der Kurs eines Wertpapieres oder eines Portfolios im Durchschnitt um seinen Mittelwert schwankt.

Würden Depotbanken auch die Volatilität der einzelnen Anlagen und des Gesamtportfolios ausweisen, könnten Anleger leicht erkennen, dass ein Portfolio mehr ist als die Summe seiner einzelnen Bestandteile. Bei der Betrachtung der Rendite wird das noch nicht sichtbar. Denn sie errechnet sich, indem man die Gewinne und Verluste der einzelnen Positionen gewichtet nach ihrem Anteil am Depot addiert.

Das Risiko senken – ohne auf Rendite verzichten zu müssen

Anders stehen die Dinge bei der Berechnung der Volatilität. Dabei muss die sogenannte Korrelation der einzelnen Anlagen untereinander berücksichtigt werden. Die Korrelation ist ein statistisches Maß. Es beschreibt, ob sich die Kurse zweier Wertpapiere zeitgleich in dieselbe Richtung oder in entgegengesetzte Richtungen bewegen, oder ob zwischen ihnen gar kein Zusammenhang besteht.

Je geringer die Korrelation, desto häufiger entwickeln sich zwei Kurse gegenläufig. Das ist beispielsweise oft bei Aktien oder ganzen Märkten der Fall, deren Kurse von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst werden. Während etwa die Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt für die Förderunternehmen eine große Rolle spielen, sind für einen Internetkonzern wie Alphabet Inc. andere Treiber entscheidend. Die Korrelation dürfte gering sein. Auch zwischen verschiedenen Anlageklassen wie Aktien, Anleihen und Rohstoffen ist die Korrelation oft gering. Das Gegenteil ist der Fall bei Aktien von Unternehmen aus derselben Branche.

Niedrige Korrelationen zwischen Wertpapieren in einem Portfolio, führen unter dem Strich dazu, dass die Volatilität eines Portfolios geringer ist als der gewichtete Durchschnitt der Volatilität der einzelnen Portfoliopositionen. Je geringer die Korrelation zwischen den Wertpapieren in einen Portfolio ist, desto stärker sinkt das Gesamtrisiko. Es kann sogar unter den Wert des am wenigsten riskanten Wertpapiers fallen.

Das Beste ist: Dieser Diversifikationseffekt ist kostenlos. Mit der geschickten Zusammenstellung von Wertpapieren kann die Volatilität in einem Portfolio reduziert werden, ohne dass die erwartete Rendite sinkt.

Es kommt auf die Zusammenstellung der Portfolio-Komponenten an

Das klingt alles sehr theoretisch, lässt sich aber an einem einfachen, gleichgewichteten Portfolio illustrieren. Es besteht aus fünf Anlageklassen: internationalen Aktien, US-Standardwerten, US-Nebenwerten, Anleihen und Geldmarkt. Zwischen 1970 und 2016 lag die Volatilität der Aktien bei ungefähr 20 Prozent, die der Anleihen bei 12 Prozent und die der Geldmarktposition bei gut 3 Prozent. Der gewichtete Durchschnitt der Volatilität betrug in diesem Zeitraum 15,4 Prozent. Das tatsächliche Risiko des Portfolios lag dank geringer Korrelationen aber nur bei einer Schwankungsbreite von 10,7 Prozent – und damit unter dem Wert der Anleihen. Die durchschnittliche Rendite dieses Portfolios betrug übrigens knapp 10 Prozent auf US-Dollar-Basis.

Insofern kommt es weniger auf die einzelnen Positionen in einem Portfolio an. Entscheidend für das Risiko ist der Zusammenhang zwischen den einzelnen Wertpapieren. Es gibt demnach keinen Grund, sich über zeitweise schlecht laufende Portfoliobestandteile zu ärgern oder sie zu verkaufen, solange sie die ihnen zugedachte Rolle im Gesamtzusammenhang spielen.

Wir bei Whitebox beispielsweise achten bei der Zusammenstellung unserer Portfolios zunächst vor allem auf die Bewertung einzelner Anlageklassen. Denn je niedriger die Bewertung, desto höher ist häufig die langfristige Rendite. Zugleich ist das Crashpotential im Schnitt geringer.

Derzeit ist der russische Aktienmarkt weltweit am niedrigsten bewertet. Entsprechend hoch ist die erwartete Rendite. Auch andere Schwellenländer sind noch nicht teuer – insbesondere im Vergleich zu den sehr hoch bewerteten US-Aktien. Trotz unseres Value-Ansatzes kämen wir nie auf die Idee, das gesamte Kapital unserer Kunden ausschließlich in die preiswertesten Anlageklassen zu investieren. Denn nicht selten werden ihre Kurse von ähnlichen oder den gleichen Faktoren beeinflusst. Um möglichst hohe Diversifikationsdefekte zu erzielen, die das Gesamtrisiko senken, nehmen wir auch Anlagesegmente in die Portfolios auf, von denen wir keine großen Sprünge erwarten, wie etwa US-Aktien.

Anders formuliert: Mit einem Haufen erstklassiger Streicher können Sie keine Sinfonie auf die Bühne bringen. Sie brauchen auch Bläser und Schlagzeug.    

© WHITEBOX, aktualisiert am 30.03.2018

Foto: Radek Grzybowski / Unsplash