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Warum man Meme-Aktien besser ignorieren sollte

Geschrieben von Whitebox-Redaktion
18. August 2021
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      GameStop, AMC, windeln.de: Die Angst, etwas zu verpassen, treibt Anleger immer wieder in Aktien von Unternehmen, die fundamental ziemlich schwach auf der Brust sind. Nach einem kurzen Kurshöhenflug sind sie dann schnell wieder verglüht. Warum Anleger das am besten ignorieren sollten.

      Kennen Sie das auch? Die sogenannte „Fear of missing out“, kurz FOMO? Also die Angst, etwas zu verpassen? Die Party, zu der nur ausgewählte Gäste eingeladen sind zum Beispiel oder auch die Angst, die aktuellen Nachrichten oder den neuesten Trend nicht mitzubekommen, wenn Sie sich aus Whatsapp, Facebook und Instagram mal ausklinken.

      Auch wenn wir uns für unabhängig im Geiste halten: Jeder hat dieses Phänomen schon einmal erlebt. Es ist auch nicht neu: Geprägt wurde der Begriff „FOMO“ schon 2004, und zwar vom Harvard-Studenten Patrick J. McGinnis für einen Artikel in der Campus-Zeitung.

      Werbeindustrie setzt FOMO erfolgreich ein

      Die Werbeindustrie bedient sich der FOMO schon seit längerem: Onlinehändler werben mit Empfehlungen von anderen Nutzern oder besonderen Angeboten, die nur für kurze Zeit erhältlich sind. Hotelportale präsentieren prominent die Anzahl der Nutzer, die sich just in diesem Moment das Angebot ebenfalls anschauen. Sie alle verfolgen dasselbe Ziel: Die Kunden davon zu überzeugen, dass man schnell zugreifen sollte, will man das Angebot nicht verpassen.

      Auch am Aktienmarkt ist das Phänomen zu beobachten. Die bekanntesten Beispiele liefern die sogenannten Meme-Aktien. Memes sind in den sozialen Netzwerken verwendete Bilder mit einer kurzen prägnanten Aussage – oft humorig, satirisch oder auch gesellschaftskritisch. Memes gehen viral und ziehen in kurzer Zeit viel Aufmerksamkeit auf sich, verschwinden aber anschließend genauso schnell wieder, wie sie gekommen sind.

      Boromir-Meme

      Die wohl bekannteste Meme-Aktie ist die des US-Computerspielehändlers GameStop. Anfang des Jahres hatte die Aktie des Unternehmens noch weniger als 20 US-Dollar gekostet. Am 28. Januar waren es dann plötzlich 483 US-Dollar. Auch die Kurse von Aktien anderer Unternehmen schossen in den vergangenen Monaten wie aus dem Nichts in die Höhe, die des US-Kinokettenbetreibers AMC etwa oder in Deutschland die Aktie des Babyprodukte-Onlinehändlers windeln.de.

      Fundamentaldaten interessieren Anleger nicht

      Hintergrund ist stets, dass sich Kleinanleger zusammenschließen und bestimmte Aktien kaufen – befeuert auf Online-Plattformen wie Reddit, Twitter oder Stocktwits. Einige dieser Aktien waren vorab von Hedgefonds geshortet, also in der Hoffnung auf fallende Kurse leerverkauft worden. David gegen Goliath also. Was allen Fällen außerdem gemein ist: Fundamentaldaten dieser Unternehmen interessierten nicht. Etwa leidet der stationäre Einzelhändler GameStop heftig unter der Online-Konkurrenz. Warum trotzdem so viele auf den Zug aufsprangen? Wegen FOMO, der Angst, etwas zu verpassen. In diesem Fall war es die Aussicht auf schnelle Profite.

      Bekannt ist aber auch das nächste Kapitel der Geschichte: Nach den 483 US-Dollar ging es bei GameStop steil abwärts. Mitte Juli kostete die Aktie nur noch rund 160 US-Dollar. Auch die Kurse von AMC und windeln.de haben kräftig Federn gelassen. Am Ende dürften die meisten Anleger diese Wette verloren haben.

      Anleger sollten sich nicht von Emotionen leiten lassen

      Kluge, rational handelnde Anleger lassen sich von der Profitgier einzelner Gruppen nicht beeinflussen. Ihr Handeln wird nicht von kurzfristigen Kurssprüngen bestimmt, sondern von den zugrundeliegenden fundamentalen Bewertungen und Analysen der dahinterstehenden Unternehmen. Außerdem setzen sie nicht auf einige wenige Einzelwerte, sondern streuen ihr Investment breit, auch über verschiedene Anlageklassen und Regionen hinweg.

      Emotionen sind nun einmal ein schlechter Ratgeber für die Geldanlage. Umschichten ist nur dann angesagt, wenn sich die für die eigene Anlagestrategie relevanten Faktoren entscheidend geändert haben. Zum Beispiel, wenn Anlagen überbewertet sind.

       „Memes sollten den Daytradern überlassen bleiben, die bereit sind, auf die Dynamik zu spekulieren“, meint Dave Sekara, US-Chefstratege für den US-Markt von Morningstar. Der Rat des Experten: „Anleger sollten die Meme-Manie ignorieren.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.