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Börse

Fünf Fehler, die Sie beim Geldanlegen vermeiden sollten

Birte Rothkopf

Emotionen haben beim Investieren nichts verloren. Sie führen zu Fehlentscheidungen, die meistens Rendite kosten.

Er läuft und läuft und läuft: Der Dax hat alleine im Dezember 2016 satte zehn Prozent zugelegt und liegt nun auf dem höchsten Stand seit fast eineinhalb Jahren. Nur schade, dass viele Anleger damit allenfalls den Schaden begrenzen, der ihnen im Rest des Jahres entstanden ist. Klar, mit dem Brexit, der US-Wahl und den Sorgen um den chinesischen Markt war das kein leichtes Börsenjahr. Aber das schwache Abschneiden vieler Privatanleger hatte meist ganz andere Gründe. Sie liegen in der Natur des Menschen – und betreffen Privatanleger genauso wie Anlageverwalter und Fondsmanager.

Als Wissenschaftlerin und Gründerin des digitalen Vermögensverwalters Whitebox habe ich mich lange mit der Psyche von Geldanlegern beschäftigt. Heute bin ich überzeugt: Emotionen haben beim Investieren nichts verloren.

Die fünf Fehler, denen ich immer wieder begegne:

1. Wir führen steigende Kurse auf die eigenen Fähigkeiten zurück

Schnell schreibt man sich als Börsenanleger Fähigkeiten zu, die vielleicht gar nicht vorhanden sind. Sind die Kurse im Aufwind, überschätzt man sich. Vor allem kleine Privatanleger steigen oft noch bei Höchstständen ein, bei denen institutionelle Anleger längst ihr Schäfchen ins Trockene gebracht haben.

2. Keine Entscheidung bei fallenden Kursen

 

Die menschliche Psyche tendiert dazu, bei sinkenden Kursen an der Ursprungsentscheidung eisern festzuhalten. Wir behalten die Aktien, auch wenn sie noch so unter die Räder geraten. Wir wollen uns keine Fehler eingestehen. Psychologen sprechen von der „Regret Aversion“, eine Art Abneigung vor dem Bereuen.

3. Bei Gewinnen wird zu schnell verkauft

 

Umgekehrt neigt unsere Psyche dazu, Gewinne zu schnell zu Geld zu machen. Anleger unterscheiden zwischen realisierten und unrealisierten Positionen. Einen realisierten Gewinn bewerten sie viel stärker als einen unrealisierten. Hinzu kommt die Angst, dass Buchgewinne wieder dahin schmelzen könnten. Daher fällt es ihnen häufig schwer, den Gewinn „laufen zu lassen“. Unter anderem war es der spätere Nobelpreisträger Daniel Kahneman, der bereits Ende der 1970er Jahre in Experimenten zeigte, dass Verluste einem mehr weh tun als der Gewinn Freude bringt. So steigt die Tendenz, Gewinne frühzeitig zu realisieren.

4. Wir schwimmen zu leicht mit dem Strom

 

Rational ist es, eine Kauf- oder Verkaufsentscheidung ausschließlich darauf zu basieren, ob die Gewinnerwartungen der betreffenden Aktie im Vergleich zum Aktienkurs attraktiv oder unattraktiv sind. Doch galoppiert die Herde in eine Richtung, fällt es Menschen extrem schwer, sich dagegen zu stellen. Die Ansteckungsgefahr nach oben und unten ist da. Dabei gibt es oft keinen fundamentalen Grund für die Marktbewegung

5. Wir blenden schlechte Nachrichten aus

 

Studien zeigen, dass Anleger Informationen bewusst oder unbewusst filtern. Wir haben den Hang dazu, Informationen besonders gerne aufzunehmen, die unseren eigenen Hypothesen entsprechen. Negative Nachrichten? Kümmern wir uns weniger drum oder nehmen wir sogar gar nicht wahr. Rational wäre es, allen Infos gegenüber aufgeschlossen und offen zu sein – egal ob negativ oder positiv.

 

Zur Person:

Birte Rothkopf hat in der Fachdisziplin „Behavioral Finance“ promoviert, die sich mit der Psyche des Menschen in Finanzfragen befasst. Sie ist Gründerin des digitalen Vermögensverwalters Whitebox. Zuvor arbeitete Rothkopf als Beraterin für internationale Banken und Finanzdienstleister sowie als Geschäftsführerin einer Schweizer Unternehmensberatung für Groß- und Privatbanken.

© WHITEBOX, 28.12.2016