Corona-Update:  >> Jetzt Einstiegschancen nutzen! Beachten Sie auch unsere >> aktualisierten FAQs

Jetzt anlegen
Menu
Jetzt anlegen
Wie attraktiv sind zehnjährige Bundesanleihen? | Whitebox
Anleihen | Investieren | 4 min

Zehnjährige Bundesanleihen: Lohnt sich der Einstieg?

Geschrieben von Whitebox-Redaktion
10. März 2020
Inhaltsübersicht einblenden
Inhaltsübersicht ausblenden

Inhaltsverzeichnis

      Investments in zehnjährige Bundesanleihen waren lange Zeit der Hit unter den risikoarmen Kapitalanlagen. Dies ist allerdings im Zuge des heute schwachen Zinsniveaus Schnee von gestern. Dennoch spielen die Papiere an den Märkten immer noch eine wichtige Rolle. Welche Chancen haben Sie als Anleger heute mit zehnjährigen Bundesanleihen?

      Bundesanleihen gelten als sichere und bodenständige Investments. Dies liegt vor allem daran, dass die Bundesrepublik, die diese Papiere begibt, über eine exzellente Bonität verfügt und damit eine erstklassige Schuldnerin ist. Hintergrund: Wenn Sie Anleihen kaufen, geben Sie dem Emittenten einen Kredit über einen festgelegten Zeitraum. Im Gegenzug zahlt der Emittent Ihnen Zinsen und am Ende der Laufzeit den Nominalwert der Anleihe zurück. Sie gehen dabei ein Bonitätsrisiko ein: Sollte der Emittent zahlungsunfähig werden, können Sie ihren Kapitaleinsatz teilweise oder gar vollständig verlieren.

      Bei der Einschätzung der Bonität helfen Bewertungen von Ratingagenturen, die eine allgemeine Aussage über die Kreditwürdigkeit des Emittenten treffen. Der Haken: Je bonitätsstärker der Emittent, desto geringer die Rendite. Da die Bundesrepublik bonitätsstark ist, fällt die Rendite der Bundesanleihen im Vergleich zu bonitätsschwächeren Staaten gering aus. Nicht zuletzt durch Argentinien ist bekannt, dass auch Staaten als Emittenten einer Anleihe in Zahlungsverzug kommen oder sogar zahlungsunfähig werden können. Anleihen mit sehr schlechter Bonität werden auch als Junk Bonds oder High Yield Bonds bezeichnet.

      Zehnjährige Bundesanleihen als Klassiker für Anleger

      Mit Bundesanleihen besorgt sich die Bundesrepublik Deutschland Geld am Kapitalmarkt. Die Laufzeit von Bundesanleihen beträgt bei der Emission zehn oder 30 Jahre. Für Privatanleger sind besonders zehnjährige Bundesanleihen interessant, da die 30-jährige Laufzeit zumeist ihren Anlagehorizont überschreitet. Neben der Bonität bieten deutsche Staatsanleihen einen weiteren Vorteil: Die Papiere werden rege an der Börse gehandelt. Durch diese hohe Liquidität erhalten Sie als Anleger die Papiere zu fairen Kursen. Die Bundesbank sorgt als sogenannter Marktmacher an den deutschen Börsen für einen liquiden Handel. Somit können selbst größere Bestände der Bundesanleihen innerhalb kurzer Zeit gehandelt werden, ohne dass sich der Kurse deutlich verändert.

      Wichtige Aspekte bei Anleihen sind:

      • Bonität des Emittenten
      • Rendite der Anleihe
      • Allgemeine Zinsniveau am Finanzmarkt
      • Risiko auf viele Anleihen verteilen

      Außer der Bonität und der Liquidität des Emittenten ist für die Käufer von zehnjährigen Bundesanleihen vor allem eines wichtig: die Rendite. Deren Höhe hängt insbesondere vom allgemeinen Zinsniveau ab. Im Zuge der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bringen zehnjährige Bundesanleihen inzwischen allerdings keine Rendite mehr. Aus heutiger Sicht kaum zu glauben: 1990 rentierten die Papiere noch bei acht Prozent. Das heißt: Vor 30 Jahren konnten Anleger zehnjährige Bundesanleihen mit einem jährlichen Kupon von acht Prozent erwerben. Bei einem Nennwert von 1.000 Euro wäre dies also ein jährlicher Zinsertrag von 80 Euro pro Papier. Seitdem ging es mit dem Zinsniveau stetig bergab: Zur Jahrtausendwende waren es knapp sechs Prozent und 2010 knapp drei Prozent.

      Angebot und Nachfrage als Preisfaktor

      Das Zinslevel von zehnjährigen Bundesanleihen richtet sich aber nicht nur nach der Kreditwürdigkeit des Emittenten, sondern auch nach Angebot und Nachfrage: So suchen viele Investoren in wirtschaftlichen oder geopolitischen Krisenzeiten Sicherheit und kaufen deshalb Anleihen von wirtschaftsstarken Staaten wie Deutschland oder auch den USA. Und je mehr Anleger bereit sind, die Papiere zu erwerben, desto weniger Zinsen müssen die Staaten bei der Ausgabe der Anleihen anbieten. In Zuge des schwachen Zinsniveaus kann eine hohe Nachfrage sogar dazu führen, dass die Rendite eines bonitätsstarken Schuldners wie der Bundesrepublik unter null fällt. Für Investoren bedeuten sogenannte negative Renditen: Sie erhalten unterm Strich keine Zinsen für das investierte Geld, sondern zahlen drauf. Für den Kreditnehmer, bei Bundesanleihen, also der deutsche Staat, ergibt sich faktisch ein Einnahmeüberschuss. Zu negativen Renditen ist es beispielsweise 2019 gekommen: Aufgrund zahlreicher politischer Risiken wie dem eskalierenden Handelsstreit zwischen den USA und China flüchteten viele Anleger in sichere Anlagen.

      Aufgrund der Zinsentwicklung sind zehnjährige Bundesanleihen für Sparer und Anleger nicht mehr attraktiv. Wer mit ihnen Renditen erwirtschaften will, muss schon spekulieren. Dies ist möglich, wenn Anleger die Papiere während der Laufzeit verkaufen. So steigt der Kurs der bereits begebenen Papiere, wenn das Zinsniveau sinkt. Im Gegenzug fällt der Kurs, wenn die Zinsen wieder anziehen. Spekulationen sind jedoch nicht im Sinne des typischen Bundesanleihen-Anlegers, der die Papiere bis zum Laufzeitende halten und so wenig Risiko wie möglich eingehen möchte. Um zu spekulieren muss beim Zinsniveau grundsätzlich Luft nach unten bestehen. Wenn der Marktzins bei null oder im negativen Bereich liegt, können die Zinsen nicht mehr nennenswert sinken und damit die Kurse nicht mehr steigen.

      Trotz des Zinstiefs werden Bundesanleihen aber noch immer stark nachgefragt. Das ist auf den ersten Blick erstaunlich. Der Grund dafür ist der große, liquide Markt. An einem Handelstag wechseln Bundeswertpapiere in Höhe von rund 20 Milliarden Euro den Besitzer. An den europäischen Handelsplätzen wird pro Jahr ein Volumen von rund 2,5 Billionen Euro gehandelt. Anleger können somit ihre Papiere jederzeit verkaufen – selbst größere Bestände. Das Verrückte ist, dass der Staat weiterhin Käufer findet, die ihm selbst zu diesen Konditionen ihr Geld leihen. Allein: Institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen können gar nicht anders. Für sie gibt es strenge Regeln, wie sie das Kapital ihrer Kunden anlegen dürfen. Aktien und Anleihen von bonitätsschwachen Emittenten sind dabei meist tabu.

      Maßstab für die Kapitalmarktzinsen in Deutschland

      Zehnjährige Bundesanleihen dienen als Maßstab für sehr sichere (verzinsliche) Geldanlagen. Das Bonitätsrisiko entspricht de facto null, da die Papiere durch die Steuereinnahmen des deutschen Staates abgesichert sind. Auf dem Kapitalmarkt werden zehnjährige Bundesanleihen als Referenzwert für den risikolosen Zinssatz betrachtet.

      Der Vorteil einer Geldanlage, zum Beispiel einer Unternehmensanleihe oder einer Anleihe eines anderen Staates, wird anhand der Renditedifferenz zu zehnjährigen Bundesanleihen beurteilt. Das Prinzip: Anleger verlangen eine Entschädigung dafür, nicht in sichere zehnjährige Bundesanleihen zu investieren. Diese Risikoprämie fungiert als Kompensation für mögliche unerwartete Verluste oder stärkere Kursschwankungen während der Laufzeit. Wer zum Beispiel in Staatspapiere von Schwellenländern wie Brasilien, Russland, Indien oder China investiert, darf deutlich höhere Renditen erwarten als mit zehnjährigen Bundesanleihen. So betrug beispielsweise Mitte Februar 2020 der jährliche Renditeaufschlag einer zehnjährigen Staatsanleihe Brasiliens gegenüber der zehnjährigen Bundesanleihe rund vier Prozent. Bei der Bonitätseinschätzung der Länder spielen fundamentale Kennzahlen wie Schuldenquote, Haushaltsdefizit, Leistungsbilanzsaldo sowie die preisliche Wettbewerbsfähigkeit und die Verfassung der Finanzmärkte eine wichtige Rolle.

      Marktrisiko auf viele Anleihen verteilen

      Quintessenz: Zehnjährige Bundesanleihen sind grundsätzlich sichere und solide Investments. Da sie derzeit jedoch keine Renditen abwerfen, sind sie für Privatanleger, die regelmäßige Kuponzahlungen bevorzugen, nutzlos. Wer dennoch auf Anleihen schwört, muss es in Kauf nehmen, in festverzinsliche Papiere zu investieren, deren Emittenten weniger bonitätsstark sind als die Bundesrepublik. Hinzu kommt der Diversifikations-Aspekt: Wenn Sie in Anleihen vieler verschiedener Emittenten anlegen, dürfte es Sie kaum aus der Bahn werfen, wenn tatsächlich ein Emittent einmal insolvent werden sollte. Ein kostengünstiges und effektives Finanzinstrument, mit dem Sie ihr Risiko auf viele Emittenten verteilen können, sind börsengehandelte Indexfonds, die sich auf Anleihen beziehen. So ist es möglich, mit einem Anleihe-ETF auf hunderte oder gar tausende Staaten und Unternehmen zu setzen. Wir bei Whitebox nutzen diese Instrumente, um Ihnen – Ihrem Rendite-Risiko-Profil entsprechend – ein ausgewogenes Portfolio anzubieten, das eben auch aus Anleihen besteht. Als digitaler Vermögensverwalter verfügen wir über das Know-how und auch die technologischen Möglichkeiten, die passenden Anleihen als Komponenten in einem über viele Anlageklassen, Regionen und Sektoren diversifizierten Portfolio zu finden sowie die mit dem Investment verbundenen Risiken zu erkennen und aktiv zu managen.