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Steuern

Investmentsteuerreform: TF, TFQ und VAP – was ist das?

Mit der Investmentsteuerreform 2018 hat sich für Fondsanleger einiges geändert. Caroline Müller, Steuerberaterin und Partner bei Baumgartner & Partner, erläutert in einem Gespräch mit der Redaktion von Whitebox, was sich hinter den neuen Kürzeln TF, TFQ und VAP verbirgt und was es mit der Vorabpauschale auf sich hat.

Was hat sich bei der Investmentsteuerreform 2018 generell geändert?

Caroline Müller: Nun, man hat dazugelernt. Im alten System gab es eine intransparente Besteuerung für Fonds, die keine Steuerdaten veröffentlicht haben. Das waren in der Praxis ausschließlich ausländische Fonds. Da kam es unabhängig von der Wertentwicklung immer zu einem Mindestertrag von 6 Prozent, der versteuert werden musste. Gegen diesen fiktiven Ertrag konnten sich die Anleger lange nicht wehren und das wurde als europarechtswidrig beschieden.

Was bedeutet das nun in der Konsequenz?

Caroline Müller: Inländische und ausländische Fonds werden gleichbehandelt und der Anleger hat auch immer die Möglichkeit, zum Beispiel die Aktienquote oder die Immobilienquote selbst nachzuweisen. Diesen Nachweis selbst zu führen ist aber mühsam. Deswegen ist es bei der Auswahl der Fonds sinnvoll, darauf zu achten, dass diese Informationen automatisiert vorliegen, so dass man nicht selbst nachforschen muss, wie hoch die monatliche Aktienquote war.

Gibt es neue Begrifflichkeiten, die man für die Steuererklärung kennen sollte?

Caroline Müller: Ja, es gibt neue Begriffe und auch neue informelle Abkürzungen dafür: Teilfreistellung „TF“, Teilfreistellungsquote „TFQ“ und Vorabpauschale „VAP“.

Bestehen nun Unterschiede für thesaurierende und ausschüttende Fonds und ETF?

Caroline Müller: Prinzipiell werden alle Fonds gleichbehandelt. Egal, ob sie thesaurierend sind oder nicht. Es ist nur so, dass der Gesetzgeber nun mit der neuen Regelung mindestens einen risikolosen Ertrag als Besteuerungsgrundlage haben möchte, die sogenannte Vorabpauschale.

Was bedeutet das genau?

Caroline Müller: Das bedeutet, dass nach dem neuen System alle Ausschüttungen und Veräußerungen steuerpflichtig sind. Wenn es keine Ausschüttung gibt, dann wird ein Minimum in Form der Vorabpauschale besteuert. Wenn die Ausschüttung relativ gering ist, kann die Vorabpauschale ebenfalls zur Anwendung kommen. Einfach ausgedrückt: Die Vorabpauschale kommt nur zur Anwendung, wenn ein Fonds wenig oder nichts ausschüttet. Außerdem darf die Vorabpauschale nicht größer als der Kurszuwachs des Kalenderjahres sein. Wenn es einen Kurszuwachs gegeben hat, dann wird geschaut, was ein risikoloser Ertrag gewesen wäre. Dieser wird dann besteuert.

Was ist der Hintergedanke?

Caroline Müller: Man möchte einen dauerhaften Stundungseffekt für thesaurierende Fonds vermeiden. Angenommen, ein Anleger verkauft seine Anteile an einem thesaurierenden Fonds erst nach 20 Jahren, dann würde der Staat ohne die Vorabpauschale zwei Jahrzehnte auf die Steuer warten müssen.

Kann man sich die Vorabpauschale dann wie eine Art Rucksack vorstellen?

Caroline Müller: Ja, so ähnlich. Dieser Rucksack wird dann aber beim Verkauf wieder abgelegt. Die Summe der Vorabpauschalen, die während der Haltedauer bereits versteuert wurden, mindert das Veräußerungsergebnis. Es wird nie mehr besteuert als ein Anleger auch tatsächlich erhalten hat. Die Summe aus Veräußerung, Vorabpauschalen und Ausschüttungen während der Laufzeit entspricht immer auch dem tatsächlichen wirtschaftlichen Ergebnis.

Woher weiß ich, ob die Vorabpauschale zum Tragen kommt?

Caroline Müller: Man kann bereits am Jahresanfang durch eine Formel die maximale Vorabpauschale berechnen. Denn für die Vorabpauschale wird eine Verzinsung auf die Investitionssumme am Jahresanfang berechnet. Ob die Vorabpauschale dann zum Tragen kommt, richtet sich nach der Höhe der Ausschüttungen des Fonds und der Kursentwicklung.

Könnten Sie hierfür ein Beispiel geben?

Caroline Müller: Wenn Sie zum Beispiel 10 000 Euro in einen Fonds oder ETF investiert haben, dann nehmen Sie den Basiszins. Gehen wir zum Beispiel von einem Prozent aus, um es leichter zu rechnen. 70 Prozent vom Basiszins wäre dann der relevante Zinssatz für die Vorabpauschale, also in unserem Beispiel 0,7 Prozent. 0,7 Prozent von 10 000 Euro ergeben 70 Euro. Der Basiszins mal 70 Prozent mal die Anlagesumme ist das Maximum der Vorabpauschale, der sogenannte Basisertrag. Ausschüttungen im Kalenderjahr werden davon abgezogen. Wenn mein Fonds mindestens 70 Euro während des Kalenderjahres ausgeschüttet hat, dann wird zum 2. Januar des Folgejahres keine Vorabpauschale angesetzt. Und nur bei einem Wertzuwachs kommt es zu einer Besteuerung der Vorabpauschale. Ist der Fonds hingegen am Jahresende weniger Wert als am Jahresanfang, dann kommt auch keine Vorabpauschale zum Tragen. Wenn die Vorabpauschale eigentlich 70 Euro betragen würde aber die Wertsteigerung nur 40 Euro beträgt, dann wird die Vorabpauschale auf 40 Euro gekappt.

Gibt es denn in bestimmten Situationen Vorteile bei ausschüttenden Fonds oder thesaurierenden Fonds?

Caroline Müller: Weil der Basiszins wie das gesamte Zinsniveau aktuell sehr niedrig ist, können sich deswegen Thesaurierungsvorteile ergeben. Für das Jahr 2018 liegt der Basiszins bei 0,87 Prozent. Der aktuelle Zinssatz wird jährlich im Januar vom Bundesfinanzministerium veröffentlicht. Angenommen ein Fonds erzielt bei diesem Basiszinsniveau aus Dividenden eine tatsächliche Rendite von drei Prozent pro Jahr, dann ergibt sich hier ein Steuerstundungseffekt. Denn als Vorabpauschale müssen lediglich 0,609 Prozent versteuert werden. Durch diese Steuerersparnis ergibt sich dann ein Zinseszins-Effekt. Ich erwarte, dass viele Fonds in Zukunft einen Teil der Erträge ausschütten, so dass es nicht zu einer Vorabpauschale kommt, aber den Rest der Erträge thesaurieren um den Steuerstundungseffekt zu nutzen.

Sie hatten vorhin die Teilfreistellung erwähnt – wie wirkt sich diese aus?

Caroline Müller: Angenommen, das wirtschaftliche Ergebnis des Anlegers läge bei 100 Euro: Bei einem Aktienfonds müssten dann von diesen 100 Euro tatsächlich lediglich 70 Euro versteuert werden. Die Teilfreistellungsquote für Aktienfonds liegt bei 30 Prozent. Die Teilfreistellung auf Anlegerebene ist der Ausgleich für die Steuerbelastung im Fonds durch deutsche Körperschaftsteuer oder ausländische Quellensteuern. Es gibt unterschiedliche Teilfreistellungsquoten je nach Anlageschwerpunkt des Fonds. Rentenfonds haben keine Teilfreistellung auf Anlegerebene weil der Fonds selbst in der Regel keine Steuervorbelastung hat. Die höchste Teilfreistellung von 80% haben Anleger von Immobilienfonds, die überwiegend in ausländische Immobilien investieren, weil die Immobilienerträge meist schon im Ausland besteuert worden sind.

Herzlichen Dank für das ausführliche Gespräch.

© WHITEBOX, 14.11.2018

Foto: Baumgartner & Partner