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Die richtige Perspektive hilft beim Investieren I Whitebox

Die richtige Perspektive hilft beim Investieren

Geschrieben von Salome Preiswerk
15. September 2020
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Inhaltsverzeichnis

      Um langfristige Anlageerfolge zu erzielen, sollte man langfristig denken und handeln. Kurzfristige Performanceranglisten und Renditevergleiche können die Aufmerksamkeit der Investoren unnötig von ihren eigentlichen Anlagezielen ablenken. Wer sich von solchen Vergleichen beeinflussen lässt, wird auf lange Sicht mit hoher Wahrscheinlichkeit unterdurchschnittliche Erträge erzielen.

      Wir leben in hektischen Zeiten. Alles soll nicht nur immer höher, weiter und besser sein, sondern auch immer schneller gehen. Die Finanz- und Kapitalmärkte bilden hier keine Ausnahme. Ob Fondsmanager des Jahres oder Fonds des Monats, ob Aktie oder Markt der Woche, ob Gewinner oder Verlierer des Börsentags: Die Medien informieren uns mittlerweile ununterbrochen darüber, wer in den vergangenen Tagen, Wochen oder Monaten erfolgreich gewesen ist und wer nicht. Das mag einen gewissen Unterhaltungswert haben. Allerdings ist all diesen Ranglisten eines gemein: Sie sind oft schon morgen Schnee von gestern.

      Performanceranglisten sind nur kurzlebige Momentaufnahmen

      Für langfristig ausgerichtete Investoren birgt diese Informationsflut sogar Risiken: Der mediale Rummel kann nämlich leicht von den wirklich wichtigen Faktoren ablenken, die bei durchdachten Anlageentscheidungen im Mittelpunkt stehen sollten. Das hat vor allem zwei Gründe:

      1. Viele der erwähnten Vergleiche und Ranglisten von Vermögensverwaltern, Fonds oder anderen Anlageprodukten beurteilen diese ausschließlich anhand der erzielten Renditen. Sie ignorieren die Risiken der betrachteten Strategien und Anlageinstrumente (siehe hierzu „Was Sie beim Vergleich von Renditen wissen sollten“). Bei langfristigen Investments sollten diese Risiken jedoch eines der wichtigsten Entscheidungskriterien sein.
      2. Die meisten dieser Vergleiche und Ranglisten beziehen sich auf relativ kurze Zeiträume, häufig auf maximal ein bis drei Jahre oder sogar noch kürzer.

      Tatsächlich sind solche Renditevergleiche immer nur Momentaufnahmen. Die Positionen in den entsprechenden Ranglisten ändern sich ähnlich schnell und häufig wie die Stimmung an den Aktienmärkten. Das gilt insbesondere für kurzfristige Vergleiche, die nur ein bis drei Jahre berücksichtigen. Aber auch bei langfristigeren Vergleichen können sich Rangfolgen erstaunlich schnell verändern: Beispielsweise kann ein Fonds, dessen Wertentwicklung über zehn und 15 Jahre derzeit klar hinter der eines Vergleichsindexes zurückliegt, nur ein Jahr später durchaus über beide Zeiträume eine deutlich bessere Rendite aufweisen als seine Benchmark (siehe hierzu auch „Warum Sie Grabreden auf das Value-Investing ignorieren können“).

      Die richtige Perspektive für Investoren

      Seriöse Vermögensverwalter betrachten ihre Investments daher aus einer ganz anderen Perspektive: In der Regel erklären sie den Kapitalerhalt zum vorrangigen Ziel ihrer Tätigkeit. Für sie ist es wichtiger, unnötige Risiken zu vermeiden, als um jeden Preis eine weit überdurchschnittliche Rendite zu erzielen. Auch hinsichtlich des Anlagehorizonts haben sie gewöhnlich eine klare Präferenz: Sie wollen die Gelder ihrer Kunden über viele Jahre und teilweise sogar über Generationen hinweg bewahren und möglichst auch mehren (siehe auch „Private Vermögensverwaltung – eine Definition“).

      Doch wahrscheinlich sind Sie Anleger und kein Vermögensverwalter. Dennoch: Wenn Sie ihr Geld beispielsweise einem seriösen Robo-Advisor wie Whitebox anvertrauen, wird dieser es für sie investieren und nicht damit spekulieren. Wie bei traditionellen Vermögensverwaltern bedeutet investieren: das Geld mit kontrolliertem Risiko langfristig anlegen. Ziel ist es also nicht, kurzfristig möglichst hohe Renditen zu erzielen, sondern Ihr Vermögen langfristig zu bewahren und möglichst zu vermehren. Gerade diese langfristige Perspektive kann in den Hintergrund rücken oder verloren gehen, wenn man sich allzu intensiv mit kurzfristigen Wertentwicklungen beschäftigt und sich von diesen beeinflussen lässt.

      Was bedeutet „langfristig“?

      Nun kann man trefflich darüber streiten, wann eine Investition tatsächlich langfristig ist. Laut einer populären Finanz-Website ist das bereits dann der Fall, wenn man eine Anlage länger als neun Monate hält. Doch eine solche Definition eignet sich bestenfalls für Spekulanten und Trader, die schnell möglichst hohe Gewinne erzielen möchten. Aus Perspektive eines Investors ist sie riskanter Unsinn, der Sie teuer zu stehen kommen kann. So empfehlen drei bekannte und erfolgreiche Persönlichkeiten mit Blick auf Investments langen Atem:

      1. Multimilliardär und Starinvestor Warren Buffett hat immer wieder darauf hingewiesen, dass es beim Investieren nicht um schnellen Reichtum geht, sondern um die Teilhabe an langfristig rentablen Unternehmen. Sein Rat: „Wenn Sie nicht bereit sind, eine Aktie für zehn Jahre zu besitzen, sollten sie nicht einmal darüber nachdenken, sie auch nur für zehn Minuten zu besitzen.“
      2. Der berühmte britische Ökonom John Maynard Keynes hat auch als Verwalter des Stiftungsvermögens seiner Universität beachtliche Erfolge erzielt. Bereits vor mehr als 80 Jahren warnte er vor dem „Spektakel der modernen Anlagemärkte“ und empfahl Anlegern, ihre Investitionen „dauerhaft und unauflöslich zu machen wie die Ehe“. Dies würde dazu beitragen, sich bei Anlageentscheidungen „einzig und allein auf die langfristigen Perspektiven zu konzentrieren“.
      3. Seth Klarman, ein sehr erfolgreicher US-Investor und Fondsmanager, wies schon vor Jahren auf die negativen Folgen hin, die eine allzu kurzfristige Herangehensweise für langfristige Anlageergebnisse haben kann: Die durchschnittliche Rendite aller US-Publikumsfonds in den 1990er Jahren habe um sechs Prozentpunkte über der Rendite gelegen, welche die Investoren dieser Fonds im gleichen Zeitraum durchschnittlich erzielt haben. „Das liegt daran, dass sie zur falschen Zeit einsteigen und zur falschen Zeit wieder aussteigen“, begründete Klarman. Viele Anleger konzentrierten sich auf kurzfristige Kursschwankungen und Kennzahlen: Sie spekulieren und zocken, anstatt mit Bedacht zu investieren. Klarmans Konsequenz: „Wir weigern uns, am allgegenwärtigen, kurzfristigen Performance-Derby der Wall Street teilzunehmen.“

      Folgen Sie dem Beispiel erfolgreicher Investoren

      Wenn Sie tatsächlich investieren und nicht bloß kurzfristig spekulieren möchten, werden Ihnen die in den Medien beliebten Ranglisten von Fonds, Vermögensverwaltern oder anderen Anlageinstrumenten normalerweise nicht weiterhelfen. Verschwenden Sie Ihre Zeit daher nicht unnötig mit Performanceranglisten oder der unüberschaubaren Fülle anderer kurzlebiger Informationen, mit denen uns die Medien Tag für Tag und Stunde für Stunde bombardieren! Wir empfehlen Ihnen, stattdessen dem Rat anerkannter, erfolgreicher Investoren zu folgen. Lassen Sie sich von erfahrenen Vermögensverwaltern wie John Maynard Keynes, Warren Buffett, Seth Klarman, Peter Lynch, David Swensen oder John Bogle die Grundlagen ihrer Anlageerfolge erklären. Lernen Sie von den Besten und verlieren Sie einen wichtigen Ratschlag Seth Klarmans nicht aus dem Gedächtnis: „Letztendlich sollte für Investoren nichts wichtiger sein als die Fähigkeit, nachts ruhig zu schlafen.“