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Klarer Kurs in stürmischen Zeiten

Salome Preiswerk
5. Februar 2019

Die Furcht vor der Zinswende treibt manch einem Anleiheninvestor den Angstschweiß auf die Stirn. Doch egal, wann und wie sich diese Wende vollziehen wird: Die Anlageklasse ist und bleibt ein wichtiger Baustein für gut diversifizierte Wertpapierportfolios.

Vermutlich haben Sie Sätze wie diese schon öfter gelesen: „Die Zinssätze in vielen OECD-Ländern befinden sich auf oder nahe an ihren Rekordtiefs. Angesichts des zu erwartenden Inflationsanstiegs rechnen die meisten Investoren jedoch damit, dass die wichtigen Zentralbanken bald damit beginnen werden, ihre Zinsen anzuheben.“ Dieses Zitat stammt aus einem Kommentar, den der Vermögensverwalter J.P. Morgan Asset Management im August 2011 veröffentlicht hat. Tatsächlich spekulieren Marktauguren und Medien bereits über eine Zinswende, seit die weltweit wichtigsten Aktienmärkte nach ihrem Einbruch infolge der Finanzkrise vom Frühjahr 2009 an zu ihrer spektakulären Aufwärtsbewegung ansetzten, die ohne größere Unterbrechungen bis in den Sommer 2018 andauerte.

Zinswende: Viel Lärm um nichts?

Spekulationen über eine Zinswende verursachen an den Märkten immer wieder erhebliche Nervosität. Anleger fürchten steigende Zinsen, weil sie mit Kursverlusten insbesondere lang laufender Anleihen einhergehen. Außerdem können und sollen sie das Wachstum der Wirtschaft bremsen und stellen damit tendenziell auch eine Belastung für Unternehmen und die Aktienmärkte dar. Sobald die Marktzinsen ein Niveau erreichen, das festverzinsliche Wertpapiere im Vergleich mit den Renditen aus Aktienanlagen wieder ausreichend attraktiv erscheinen lässt, schichten Investoren erfahrungsgemäß Gelder aus Aktienanlagen in Anleihen um. Geschieht dies in großem Umfang, kann es an den Kapitalmärkten zu erheblichen Kurskapriolen kommen. Daher liegen die Nerven vieler Investoren zurzeit blank.

Doch allen Ängsten und Sorgen zum Trotz sind die wichtigsten Zinssätze bisher nicht stark und nicht nachhaltig gestiegen. Obwohl die US-Zentralbank Federal Reserve ihren Leitzins seit Dezember 2016 achtmal erhöht hat, liegen die meisten wichtigen Marktzinsen nur geringfügig über ihren im Sommer 2016 erreichten Tiefständen. In vielen Ländern sind sie zudem seit Anfang 2017 nicht mehr nennenswert gestiegen. Ein wichtiger Grund: Fast alle führenden Zentralbanken haben ihre Leitzinsen im Keller belassen. Selbst die Federal Reserve hat Ende Januar wegen der unsicheren Konjunkturaussichten eine vorsichtigere Geldpolitik angekündigt. Diese Unsicherheiten sind zuletzt durch verschiedene Entwicklungen gestiegen, zum Beispiel durch zunehmende Handelskonflikte, politische Krisen in vielen Regionen der Welt oder die Angst vor einer Rezession in den USA. Zahlreiche Fachleute rechnen deshalb damit, dass die US-Notenbank ihre Leitzinsen zunächst nicht weiter erhöhen wird. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist bis Ende Januar 2019 auf rund 2,6 Prozent zurückgefallen, nachdem sie im Herbst 2018 zeitweise auf über 3,2 Prozent gestiegen war.

Bei Anleihen klaren Kopf bewahren!

Langfristig orientierte Investoren sollten solchen Entwicklungen und Spekulationen keine Bedeutung beimessen. Wir halten es grundsätzlich nicht für sinnvoll, angesichts derartiger Szenarien oder kurzfristiger Zinsschwankungen in Panik zu verfallen. Auch wir erwarten steigende Zinsen, aber weder wir noch andere Marktteilnehmer verfügen über eine Kristallkugel, die uns den genauen Zeitraum und das Ausmaß dieser Entwicklung verrät. Für uns als langfristig orientierte Value-Investoren ist das auch gar nicht wichtig, weil wir nicht von kurzfristigen Marktschwankungen profitieren wollen. Wir versuchen vielmehr, uns in jeder Marktsituation rational und mit angemessenen Strategien auf Entwicklungen einzustellen, welche die langfristige Wertentwicklung unserer Portfolios beeinflussen könnten. Gier und Angst sind dabei bekanntlich schlechte Ratgeber.

Mit Blick auf ihre fundamentalen Bewertungen sind Staatsanleihen aus Kontinentaleuropa, Großbritannien und Japan weiterhin deutlich überbewertet. US-Staatsanleihen bieten nach dem Zinsanstieg der vergangenen zweieinhalb Jahre zwar ein etwas besseres Bild, erscheinen im historischen Vergleich aber immer noch teuer. Anders als in den vergangenen Jahren könnten die Anleihenmärkte in näherer Zukunft also erheblichen Gegenwind erfahren. Investoren sollten in einem solchen Umfeld flexibel und diszipliniert agieren, um attraktive Anleihenportfolios mit geringen Verlustrisiken zusammenzustellen.

Warum verkaufen wir Anleihen nicht, obwohl wir sie für teuer halten?

Bisweilen fragen uns Kunden oder Interessenten, warum wir in solchen Zeiten überhaupt noch Anleihen halten. Abgesehen von der Tatsache, dass man nicht alle Anleihen über einen Kamm scheren kann, liegt das daran, dass mehr als zwei Wertpapiere in einem Depot zwangsläufig ein „Portfolio“ darstellen, in dem sich Risiken gegenseitig verstärken oder eben auch aufheben können. Das heißt konkret: Trotz der teilweise sehr hohen Preise halten wir an Anleihen fest, weil sie ein ausgezeichnetes Mittel darstellen, um ein aus unterschiedlichen Anlageklassen zusammengesetztes Portfolio wirksam zu diversifizieren. In der Vergangenheit entwickelten sich die Kurse qualitativ hochwertiger Anleihen oft genau dann positiv, wenn es an den Aktienmärkten zu starken Kursverlusten kam. Gerade in solchen Marktphasen können Anleihen daher auf Ebene des Gesamtportfolios die Risiken von Kursverlusten reduzieren. Angesichts der momentan sehr hohen Bewertungen der meisten wichtigen Aktienmärkte sind und bleiben Anleihen für uns daher ein ganz wichtiges Element zur Kontrolle und Steuerung der Risiken unserer Multi-Asset-Portfolios.

Anleihen solider Schuldner bieten auch aus einem anderen Grund ein relativ hohes Maß an Sicherheit. Zwar geben auch deren Kurse in Zeiten steigender Zinsen nach, langfristige Investoren können diese Kursverluste aber in der Regel aussitzen: Solange der Schuldner zahlungsfähig bleibt, erhalten sie am Ender der Laufzeit immer den vollen Nennwert der Anleihen ausgezahlt. Wenn man ausschließlich in Papiere von Schuldnern bester Bonität investiert, besteht also praktisch kein Risiko dauerhafter Kapitalverluste. Das Ausmaß der Kursschwankungen lässt sich zudem durch Investitionen in Anleihen mit kurzen Laufzeiten reduzieren, weil diese nicht so stark auf Zinsänderungen reagieren wie Anleihen mit langen Laufzeiten.

Wie wollen wir größere Kursverluste unserer Anleihenpositionen verhindern?

Doch selbst in dieser für Anleihen insgesamt schwierigen Marktphase gibt es Lichtblicke und Anlagechancen. So bieten Staatsanleihen aus Schwellenländern derzeit vergleichsweise attraktive Bewertungen und Renditen, nachdem viele Investoren sich im vergangenen Jahr aus diesem Anlagesegment verabschiedet haben. In lokalen Währungen emittierte Anleihen haben zudem den Vorteil, dass ihre Kurse kaum von den Entwicklungen der Anleihenmärkte in den Industrieländern abhängen. Sie sind daher ein sinnvoller Baustein zur Konstruktion eines gut diversifizierten Multi-Asset-Portfolios. Vor allem unsere renditeorientierten und ausgewogenen Portfolios enthalten derzeit relativ hohe Anteile an Emerging-Markets-Anleihen, wobei wir Emissionen in lokalen Währungen bevorzugen.

Unseren sicherheitsorientierten Portfolios haben wir nennenswerte Anteile an inflationsindexierten Anleihen aus der Eurozone beigemischt. Diese Anleihen bieten einen dynamischen Schutz vor steigender Inflation und damit indirekt auch vor steigenden Zinsen. Da die Inflationsraten in der Eurozone noch relativ niedrig sind, ist dieser Schutz momentan aus historischer Perspektive preiswert zu haben. Inflationsindexierte Anleihen bieten daher langfristig interessante Renditechancen vor allem für konservative Investoren.

Fazit: Anleihen bleiben ein wichtiger Portfolio-Baustein

Trotz der momentan hohen Bewertungen und des relativ niedrigen Renditepotenzials vieler Anleihenmärkte betrachten wir diese Anlageklasse als einen ausgesprochen wichtigen Baustein für die Konstruktion gut diversifizierter Multi-Asset-Portfolios. Aus unserer Perspektive wäre es ein Fehler, aus Angst vor steigenden Zinsen aus den Anleihenmärkten auszusteigen. Wir halten daher die Anleihenanteile unserer Portfolios aufrecht, haben jedoch einige konkrete Schritte eingeleitet, um Kursverluste zu minimieren, die sich im Falle steigender Marktzinsen ergeben können.

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