Viva México: Das Zugpferd der lateinamerikanischen Wirtschaft erlebt ein Comeback

Geschrieben von Whitebox-Redaktion
22. November 2021
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      Mit der jüngsten Portfolio-Anpassung hat Whitebox ihre Investitionen im mexikanischen Markt ausgebaut. Grund genug, sich die Wirtschaft des südlichsten Landes Nordamerikas einmal genauer anzuschauen. Diese hat sich längst vom Corona-Schock erholt und ist heute eine der stabilsten und innovativsten in der ganzen Region.

      Als die Mexikaner an ihrem Nationalfeiertag am 16. September 2021 wie jedes Jahr „Viva México!“ riefen, hatten sie doppelten Grund zur Freude: Das Land hat die Auswirkungen der Corona-Krise weitestgehend im Griff. Und es hat den vom ehemaligen US-Präsident Donald Trump ausgelösten Handelseinbruch überstanden. Alle Wirtschaftsindikatoren zeigen wieder nach oben – und deuten auf ein nachhaltiges Wachstum hin. 

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      Mexiko steht besser da, als es oft in den Medien zu lesen ist: Das südlichste der nordamerikanischen Länder leidet zwar unter einer nicht enden wollenden Gewaltwelle der Drogenkartelle. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist frappierend. Und Naturkatastrophen sind an der Tagesordnung. Aber die mexikanische Wirtschaft ist eine der stabilsten in ganz Lateinamerika. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist – trotz des Corona-bedingten Einbruchs im vergangenen Jahr –nach Brasilien das zweitstärkste der gesamten Region. Im Jahr 2020 betrug es rund 1,08 Billionen US-Dollar.

       In puncto Export ist das Land unangefochten und mit Abstand die Nummer Eins: Mexiko führt allein so viele Güter aus wie der gesamte Rest Lateinamerikas. In der internationalen Exportrangliste belegte es 2020 sogar einen hervorragenden elften Platz – noch vor Großbritannien und Kanada. Außerdem ist es Studien zufolge eines der innovativsten Länder der Region.

      USMCA und Aufhebung der Corona-Restriktionen stärken Wirtschaftsstandort

      Kurz nach Beginn seiner Amtszeit hatte der ehemalige US-Präsident Donald Trump Sonderzölle auf mexikanische Produkte eingeführt. Mit der Verabschiedung des gemeinsamen Wirtschaftsraums USMCA (United States Mexico Canada Agreement) im Mai 2019 hob er sie wieder auf. Kurze Zeit später nahmen Produktion und Handel in Mexiko wieder deutlich Fahrt auf. Auch internationale Konzerne intensivierten ihr Engagement vor Ort. So investierte BMW weitere 125 Millionen US-Dollar in ein Werk in San Luis Potosí.

      Ausgelöst durch die Coronakrise erlitt die mexikanische Wirtschaft im Jahr 2020 zwar eine Rezession von mehr als acht Prozent – und damit den größten Einbruch seit rund 100 Jahren. Doch schon in den ersten Monaten des Jahres 2021 entwickelte sich die Konjunktur besser als angenommen. Daher korrigierte die mexikanische Zentralbank Banxico im August ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2021 deutlich nach oben: Das BIP soll nun um sechs Prozent zulegen – anstatt der zuvor berechneten 3,3 Prozent.

      Die Gründe für die neue Einschätzung liegen Banxico zufolge vor allem in den schnell abnehmenden Covid-19-Zahlen und der bislang erfolgreichen Impfkampagne. Die Restriktionen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens wurden mittlerweile landesweit gelockert.

       

      Ex- und Import bewegen sich wieder auf Vorkrisenniveau

       

      Die wirtschaftliche Erholung wird zudem durch die Auslandsnachfrage angekurbelt: Zwischen Januar und April 2021 lagen die Zahlen mit rund 16 Prozent über dem Niveau desselben Zeitraums im Vorjahr. Damit könnte der Export bis zum Jahresende sogar noch die Werte von 2019 übertreffen.

      Der Zuwachs der Importe bewegt sich derzeit ebenfalls bei rund 16 Prozent: Verbraucher und Geschäftsleute haben wieder mehr Vertrauen in die kurz- und mittelfristigen Aussichten. Außerdem hat die Wiederbelebung der Wirtschaft an Schwung gewonnen, einschließlich Freizeit und Tourismus. 

      Arbeitsmarkt und Konsum auf Erholungskurs

       

      Der Arbeitsmarkt hat den Corona-Schock noch nicht vollständig verwunden: Im April 2021 waren rund 900.000 Personen weniger beschäftigt als vor der Pandemie. Aber 2022 soll er wieder das Vorkrisenniveau erreichen. Ähnlich sieht es im Konsumbereich aus. Der Privatkonsum steigt seit seinem Tiefpunkt im Mai 2020 wieder an – hat aber ebenfalls das Niveau aus Zeiten vor der Coronakrise noch nicht erreicht.

       

      In den ersten drei Monaten des Jahres 2021 konsumierten die Mexikanerinnen und Mexikaner insgesamt 5,1 Prozent weniger als im Quartal des Vorjahres. Aber der Konsum langlebiger Güter wie Kfz, Möbel oder Haushaltselektronik zieht wieder kräftig an, nachdem die Menschen deren Käufe mit Beginn der Pandemie aufgeschoben hatten.

       

      Unternehmen des Basiskonsumgütersektors als Krisengewinner

       

      Hersteller und Vertreiber von Basiskonsumgütern gehören hingegen zu den Gewinnern der Pandemie: Die Supermarkt- bzw. Einzelhandelsketten Walmart de Mexico und Chedraui, Getränkehersteller wie Coca-Cola und Arca Continental sowie Lebensmittelproduzenten wie Grupo Bimbo und Gruma verbuchten unter anderem aufgrund von Panikkäufen deutliche Absatzzuwächse.

       

      Insgesamt schlossen die Unternehmen dieses Sektors das Jahr 2020 mit einem Plus von fünf bis 30 Prozent ab. Das spiegelte sich auch in ihren Aktienkursen: Sie verbuchten zum Teil zwar zwischenzeitlich Einbrüche. Viele von ihnen erreichten bis zum September 2021 aber wieder einen Wert ähnlich der Zeit vor Ausbruch der Krise – oder sie notierten sogar auf Allzeithochs.

       

      Das Vertrauen der Konsumenten bildet einen ähnlichen Trend ab: Laut dem mexikanischen Statistikamt INEGI erreichte der entsprechende Index im Mai 2021 einen Stand so hoch wie zuletzt im Februar 2020, also bevor die Coronakrise Mexiko erreichte. Und: Auch für die kommenden zwölf Monate blicken die mexikanischen Konsumenten laut INEGI optimistisch in die Zukunft.