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US-Wahlen

Nachforschen statt nachrennen

Salome Preiswerk

Als Value-Investoren interessieren uns nur die beiden folgenden Variablen: Der gegenwärtige Preis und der faire Wert einer Anlage. Wer gerade US-Präsident amtiert, ist zweitrangig.

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr stehen wir vor einer politischen Entscheidung, die zwar durchaus mit knappem Resultat erwartet wurde – deren Ausgang dennoch für viele nicht vorstellbar war.

Die Märkte reagieren erwartungsgemäß etwas turbulent. Über die mittel- und langfristigen Auswirkungen dieses Entscheids hingegen kann zum jetzigen Zeitpunkt nur spekuliert werden. Dabei sind durchaus unterschiedliche Szenarien denkbar.

Und „Szenario“ ist denn auch ein wichtiges Stichwort im Hinblick auf die Bedeutung des Wahlausgangs in den USA für unser Portfoliomanagement: Wir managen unsere Portfolien grundsätzlich nie auf ein bestimmtes Szenario hin. Wir haben also weder auf Clinton oder Trump gesetzt – noch werden wir unsere künftigen Aktivitäten auf ein bestimmtes Szenario einer „Trump-Ära“ ausrichten. Unsere Portfolien sollen sich in möglichst vielen unterschiedlichen Szenarien gut entwickeln. Darauf werden wir uns heute – wie auch in der Vergangenheit – konzentrieren. In diesem Sinne ist heute – so seltsam das angesichts der politischen Betrachtung dieses Ereignisses klingen mag – „business as usual“.

Viele Kommentatoren vergleichen die Ereignisse von heute bereits mit dem Brexit. Und es gibt sicherlich Parallelen, allerdings auch einen gewichtigen Unterschied: Den zeitlichen Rahmen. Der Brexit ist – Stand heute – ein vermutlich permanentes Phänomen, das einen spürbaren Einfluss auf die langfristige wirtschaftliche Entwicklung haben kann. Und deshalb auch einen Einfluss auf unsere Berechnungen des sogenannten „fairen Werts“ einer Anlage. Eine Trump-Präsidentschaft hingegen – ebenfalls Stand heute – wird jedoch nicht für immer sein. Die Signifikanz in der Langzeitbetrachtung ist daher geringer.

Für Anleger mit einem längerfristigeren Fokus ist diese Unterscheidung wichtig, will man den „Hype“ vermeiden und stattdessen auf die echten Renditetreiber fokussieren. Als Value-Investoren haben uns weiterhin nur die beiden folgenden Variablen zu interessieren: Der gegenwärtige Preis und der faire Wert einer Anlage. Denn letztlich ist – aus Anlegersicht – das einzige wahre Risiko einer Trump-Regierung eine Minderung des fairen Werts von Anlagen. In dieser, wohlgemerkt noch sehr frühen Phase nach der Wahl ist unsere Einschätzung, dass eine signifikante Bedrohung eher unwahrscheinlich ist.

Anlagerisiko: Das ist für uns das Risiko eines bleibenden Kapitalverlusts – und nicht kurzfristige Schwankungen im Preis einer Anlage (Volatilität). Eine Trump-Regierung wird unsere sowieso bereits konservative Positionierung deshalb höchstwahrscheinlich nicht materiell verschieben.

Umgekehrt schauen wir uns auch die Opportunitäten sehr genau an und werden gegebenenfalls die Quoten in Anlagen erhöhen, von deren fundamentalem Wert wir überzeugt sind, die jedoch „günstiger“ geworden sind. Und umgekehrt defensive Positionen reduzieren, die überbewertet werden. In diesem Sinne können turbulente Märkte für Value-Investoren gute Chancen bieten, um Anlagen zu kaufen, die in einem künftigen Portfolio einen wesentlichen Wertbeitrag liefern werden. „Buying in the dips“ – das Kaufen bei Kurstauchern – kann eine lohnende Angelegenheit sein. Vorausgesetzt natürlich, man identifiziert die „richtigen“ Anlagen und jene mit einem Sicherheitspuffer.

Um die richtigen Anlagen zu identifizieren, ist eine robuste und bewährte Methode absolut zentral, denn „günstig“ ist nicht immer „gut“. In Zusammenarbeit mit unserem Partner Morningstar Investment Management nutzen wir hierzu eine bewährte, mehrfach ausgezeichnete und in der Industrie hoch angesehene Methode. Denn: Nur jene günstigen Anlagen sind auch gut, deren fairer Wert attraktiv ist. Und diese gilt es zu identifizieren. So erachten wir US-Aktien beispielsweise nach wie vor als zu teuer verglichen mit ihrem fairen Wert und werden daher – Stand heute – die vermeintlich günstige Gelegenheit in diesem Markt nicht nutzen.

In diesem Sinne gilt dann doch wieder, was wir auch beim Brexit gesagt haben: Wir verstehen etwaiges Unbehagen angesichts turbulenter Märkte. Keine Frage, die Medien werden auch düstere Szenarien an die Wand malen. Umso wichtiger und ganz im Sinne unserer allgemeinen Anlagephilosophie ist unser Mantra der Stunde: „Research over reaction“ (oder etwas salopp übersetzt: „Nachforschen vor Nachrennen“). Wir werden mit größter Sorgfalt die fundamentale Auswirkung auf den fairen Wert unserer Anlageklassen evaluieren, um jene Anlageopportunitäten zu identifizieren, die den längerfristigen erwarteten Ertrag aus unseren Portfolien optimiert und die Risiken reduziert. Wir sind überzeugt, dass sich unser ruhiger, faktengetriebener, längerfristig-orientierter, aber durchaus auch opportunitäten-suchender Ansatz gerade in solchen Zeiten bewährt.

© WHITEBOX, 09.11.2016

Foto: Disney | ABC Television Group