105 Milliarden Euro! Patriotismus kommt Anleger teuer zu stehen

Geschrieben von Salome Preiswerk
25. Oktober 2021
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      Sind Sie Fußballfan? Egal ob Sie diese Frage mit Ja oder Nein beantworten: Ich bin mir sicher, dass die meisten von Ihnen bei der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft dem jeweiligen Nationalteam die Daumen gedrückt haben. Patriotismus ist - in Maßen - etwas Wunderbares. Übertriebener Nationalstolz kann jedoch sehr schädlich sein. Das gilt für eine Gesellschaft ebenso wie für die Geldanlage.

      Bei der Geldanlage lässt sich der Schaden für Deutschland sogar ziemlich genau beziffern: Er beläuft sich seit 2016 auf unvorstellbare 105 Milliarden Euro! So viel Rendite haben deutsche Anleger in den vergangenen fünf Jahren verschenkt, weil sie vor allem Aktien von deutschen Unternehmen kaufen. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die wir vor kurzem gemeinsam mit dem Datenexperten Peter Barkow durchgeführt haben.

      Demnach sind 58 Prozent der Aktienbestände in den Depots der Deutschen Beteiligungen an heimischen Unternehmen. Dabei hat die deutsche Wirtschaft einen Anteil von lediglich 4,5 Prozent am weltweiten Bruttoinlandsprodukt. Experten nennen dieses Phänomen „Home Bias“, also eine (zu starke) Fokussierung auf Aktien des eigenen Landes.

      Home Bias: Mehr Risiko, weniger Rendite

      Diese Übergewichtung von deutschen Einzeltiteln in den Depots kann problematisch werden, weil die Anleger damit stark von einem Land und in der Regel auch von wenigen Branchen und Unternehmen abhängig sind. Durch diese geringe Streuung können Volatilität und Risiko des Portfolios steigen.

      Nun ist es üblicherweise so, dass eine erhöhte Volatilität und ein höheres Risiko mit der Chance auf eine größere Rendite belohnt werden. Doch beim deutschen Home Bias ist das nicht so, im Gegenteil. Der Rendite-Vergleich zeigt das eindrucksvoll: Seit 2016 haben internationale Aktien eine Kursrendite von durchschnittlich 9,6 Prozent erzielt, bei deutschen Aktien gab es lediglich ein Plus von 3,3 Prozent. Fast zwei Drittel der Aktiengewinne stammen also aus dem Ausland.

      Die Folge: Insgesamt haben deutsche Anleger mit ihren Aktien seit 2016 eine Kursrendite von 108 Milliarden Euro erzielt. Hätten sie ihre Investments stattdessen an die Verteilung des weltweiten Bruttoinlandsprodukts angepasst, hätten sie in derselben Zeit eine Rendite von 213 Milliarden Euro erwirtschaften können.

      Der Home Bias kostete den Deutschen also 105 Milliarden Euro an möglicher Rendite!

      iStock-458961017

      Nicht von Emotionen leiten lassen

      Verstehen Sie mich nicht falsch: Es ist nur allzu verständlich und auch positiv, wenn man in Aktien des eigenen Landes investiert – zum Beispiel, weil man in dem jeweiligen Unternehmen arbeitet oder sich regional damit verbunden fühlt. Und zur Wahrheit gehört auch, dass wir in unserer Studie Ausschüttungen wie Dividendenzahlungen ebenso wenig berücksichtigt haben wie Fonds und ETFs.

      Trotzdem sollten diese Zahlen jeden Anleger aufrütteln. Denn sie zeigen nicht nur, wie wichtig eine breite Streuung, sprich Diversifizierung des Depots ist. Sie zeigen auch, wie schnell man sich als Anleger von Emotionen leiten lässt – manchmal sogar, ohne es überhaupt zu bemerken.

      Daher: Schauen Sie am besten in Ihr Depot. Vielleicht sind ja auch Sie vom Home Bias betroffen, ohne es zu wissen? Oder Sie vertrauen Ihre Geldanlage gleich einer digitalen Vermögensverwaltung wie Whitebox an. Denn dann können Sie sich sicher sein, dass die Investmententscheidungen auf Basis von fundamentalen Analysen statt von Emotionen getroffen werden.