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Zwei Perspektiven auf Renditen | Whitebox
Rendite | 5 min

Zwei Perspektiven auf die Renditen Ihrer Kapitalanlagen

Geschrieben von Salome Preiswerk
9. März 2020
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Inhaltsverzeichnis

      Positive Renditen sind ein wichtiges Ziel wohl jeder Kapitalanlage. Doch die Berechnung von Renditen ist in der Praxis nicht immer einfach. Und je nachdem, wie man sie ermittelt, können ganz unterschiedliche Ergebnisse herauskommen. Wir stellen zwei weit verbreitete Berechnungsmethoden vor, die Sie als Anleger kennen sollten.

      Auf den ersten Blick scheint die Berechnung der Rendite eines Portfolios aus Wertpapieren oder anderen Vermögensgegenständen eine einfache Angelegenheit: Man ermittelt einfach dessen aktuellen Wert und zieht davon die Summe der Gelder ab, die man in dieses Portfolio investiert hat. Ist Ihr Wertpapierportfolio beispielsweise 110.000 Euro wert und haben Sie davon insgesamt 100.000 Euro in diese Wertpapiere investiert, beträgt Ihre Rendite 10.000 Euro. Bezogen auf die zum Stichtag investierte Summe ist das ein Plus von zehn Prozent.

      Zahlungsströme erschweren Berechnung von Renditen

      Sobald Sie sich ein genaueres Bild von der Wertentwicklung Ihrer Anlage machen möchten, stößt diese Methode jedoch schnell an Grenzen. Vielleicht haben Sie die 100.000 Euro nicht auf einmal investiert? Hatten Sie zeitweise sogar mehr Geld investiert und einen Teil der Mittel wieder abgezogen? Wie lange hatten Sie im betrachteten Zeitraum wie viel Geld investiert? Es könnte beispielsweise sein, dass Sie über eine längere Zeit 200.000 Euro investiert hatten und erst kurz vor dem Stichtag, an dem Sie die obige Rendite ermittelt haben, wieder 100.000 Euro aus dem Portfolio abgezogen haben. Die Rendite wäre also tatsächlich lange Zeit mit einem Kapitaleinsatz von 200.000 Euro erwirtschaftet worden. Um solche Faktoren zu berücksichtigen, haben sich in der Praxis zwei unterschiedliche Methoden zur Berechnung von Renditen etabliert, deren wichtigste Eigenschaften wir Ihnen nachfolgend kurz vorstellen.

      Zeitgewichtete Rendite

      In Vergleichen von Vermögensverwaltern oder Ranglisten von Investmentfonds finden Sie normalerweise auch Renditeangaben. Häufig basieren solche Ranglisten auf den Renditen, welche die Fonds in den zurückliegenden ein, drei oder fünf Jahren erzielt haben. Wenn dort beispielsweise steht, ein Verwalter oder ein Fonds habe in den vergangenen drei Jahren eine Rendite von 10,6 Prozent erwirtschaftet, ist damit normalerweise die sogenannte zeitgewichtete Rendite gemeint. Die zeitgewichtete Rendite gibt die in Prozent ausgedrückte Wertentwicklung an, die Sie bei einer Einmalanlage in dem betrachteten Zeitraum erzielt hätten. Bei der Ermittlung der Rendite werden Änderungen der Portfolios herausgerechnet, die in diesem Zeitraum durch Ein- oder Auszahlungen entstanden sind. Die zeitgewichtete Rendite ist damit unabhängig von solchen Zahlungsströmen. Sie eignet sich daher, um die Erträge unterschiedlicher Anlageinstrumente, Anlagestrategien oder Vermögensverwalter miteinander zu vergleichen.

      Kapitalgewichtete Rendite

      In der alltäglichen Praxis können Sie die erzielte Rendite nicht mehr so einfach errechnen, falls Sie sich nicht auf eine einmalige Geldanlage beschränken. Sobald Sie zum Beispiel mehrere Einzahlungen in ein Wertpapierportfolio vornehmen, Gelder daraus abziehen oder regelmäßig in einen Sparplan investieren, wird die Sache komplizierter: In diesem Fall ändern sich die angelegten Geldbeträge und Sie investieren verschiedene Teilbeträge Ihres Vermögens über unterschiedlich lange Zeiträume. Die sogenannte kapitalgewichtete Rendite – auch geldgewichtete Rendite, interner Zinsfuß oder Internal Rate of Return (IRR) genannt – bezieht all diese Faktoren ein. Sie berücksichtigt exakt, wann und wie lange Sie wie viel Geld investiert haben. Sie gibt somit wieder, welchen Ertrag Sie im betrachteten Zeitraum tatsächlich mit Ihren Investments erzielt haben.

      Falls Ihr Investment lediglich aus einer Einmalanlage besteht, Sie also danach keine weiteren Ein- oder Auszahlungen vornehmen, liefern beide Berechnungsmethoden das gleiche Ergebnis. In allen anderen Fällen werden sich Renditeunterschiede ergeben, weil Ihre Transaktionen sich auf die kapitalgewichtete Rendite auswirken, während sie bei der zeitgewichteten Rendite keine Rolle spielen. Aus diesem Grund eignen sich auch nur zeitgewichtete Renditen dazu, die Ergebnisse von Vermögensverwaltern oder Anlagestrategien sinnvoll zu beurteilen und miteinander zu vergleichen. Ein konkretes Beispiel soll verdeutlichen, zu welch unterschiedlichen Ergebnissen diese Berechnungsmethoden führen.

      Fall 1: Andreas investiert einmalig 100.000 Euro

      Andreas hat einem digitalen Vermögensverwalter 100.000 Euro anvertraut, die dieser auf seinen Wunsch hin in ein gut diversifiziertes Wertpapierportfolio mit einem hohen Aktienanteil investiert. Da die Aktienmärkte sich in einer Korrekturphase befinden, reduziert sich der Wert seines Portfolios nach einem halben Jahr um zehn Prozent auf 90.000 Euro. Im darauffolgenden Halbjahr durchschreiten die Aktienmärkte ihren Tiefpunkt, allerdings erleidet sein Depot einen weiteren Verlust in Höhe von fünf Prozent, so dass es zum Ende des ersten Jahres nur noch 85.500 Euro wert ist. In den folgenden zwei Halbjahren geht es mit den Aktienmärkten deutlich aufwärts, wovon auch Andreas profitiert: In einem Halbjahr steigt der Wert seines Depots um 20 Prozent auf 102.600 Euro und im darauffolgenden um weitere zehn Prozent auf 112.860 Euro. In den zwei Jahren hat der Vermögensverwalter für Andreas damit eine kapitalgewichtete Rendite von 12.860 Euro erwirtschaftet, was rund 12,9 Prozent des investierten Kapitals entspricht. Da es sich um eine Einmalanlage handelt, entspricht dies genau der zeitgewichteten Rendite, die der Vermögensverwalter für diese zwei Jahre ausweisen würde.

      Fall 2: Susanne investiert viermal 25.000 Euro

      Susanne hat sich zum gleichen Zeitpunkt für dasselbe Portfolio des gleichen Vermögensverwalters entschieden. Allerdings legt sie zunächst lediglich 25.000 Euro an und erhöht ihr Investment dreimal im Abstand von je einem Halbjahr um weitere 25.000 Euro – sie verfolgt damit sozusagen eine spezielle Variante eines Sparplans. Nach dem ersten Halbjahr ist der Wert ihres anfänglich investierten Geldes um zehn Prozent auf 22.500 Euro gesunken; mit den neu investierten 25.000 Euro ergibt sich für das Portfolio ein Wert von 47.500 Euro. Dieser sinkt im darauf folgenden Halbjahr um fünf Prozent auf 45.125 Euro und wird durch die weitere Investition auf 70.125 Euro aufgestockt. Im darauf folgenden Halbjahr gewinnt Susannes Portfolio um 20 Prozent auf 84.150 Euro hinzu und wird ein letztes Mal auf 109.150 Euro aufgestockt. In den kommenden sechs Monaten steigt der Wert des Portfolios schließlich um zehn Prozent auf 120.065 Euro. Susanne hat damit in den zwei Jahren eine kapitalgewichtete Rendite von 20.065 Euro oder knapp 20,1 Prozent erzielt.

      Woher kommt der Renditeunterschied?

      Der tatsächliche Ertrag einer Geldanlage hängt immer auch vom Timing der jeweiligen Investitionen ab und lässt sich nur über die geldgewichtete Rendite korrekt ermitteln. Susanne und Andreas haben im gleichen Zeitraum jeweils insgesamt 100.000 Euro in dieselbe Anlagestrategie desselben digitalen Vermögensverwalters investiert. Dass Susanne dabei eine deutlich höhere Rendite erzielt hat, liegt am glücklichen Timing: Da sie im ersten der zwei Jahre, als die Aktienmärkte an Wert verloren, weniger Geld investiert hatte als Andreas, haben diese Verluste ihr Vermögen auch weniger stark belastet. In der folgenden Aufschwungphase der Aktienmärkte hatte sie daher mehr Geld zur Verfügung und hat entsprechend stärker von den Kursgewinnen profitiert. Selbstverständlich hätte Susanne auch Pech haben können: Wären die Aktienmärkte im ersten Jahr deutlich gestiegen und hätten im zweiten Jahr einen Teil dieser Gewinne wieder eingebüßt, hätte Andreas eine bessere Performance erzielt.

      Für welchen Zweck eignet sich welche Renditevariante?

      Dieses Beispiel zeigt auch, dass sich die geldgewichtete Rendite nicht dazu eignet, die Anlagestrategie eines Vermögensverwalters oder Fondsmanagers zu beurteilen. Schließlich haben Susanne und Andreas im gleichen Zeitraum in exakt dieselbe Strategie investiert. Da ein Vermögensverwalter nicht für das Timing der Investments seiner Kunden verantwortlich ist, eignet sich nur die zeitgewichtete Rendite zur Beurteilung seines Anlageerfolges – also die Rendite, die man bei einer Einmalanlage in dem entsprechenden Zeitraum erzielt. Im obigen Beispiel wären das die 12,9 Prozent, die Andreas mit seinem einmaligen Investment in den zwei Jahren hinzugewonnen hat.

      Worauf Sie bei Renditevergleichen achten sollten

      Wenn Sie wissen möchten, welche Rendite ein Vermögensverwalter tatsächlich für Sie erzielt hat, müssen Sie die kapitalgewichtete Rendite betrachten. Sollten Sie lediglich eine Einmalanlage getätigt haben, sind beide Renditevarianten identisch. Andernfalls werden sie voneinander abweichen. Dabei kann es sogar vorkommen, dass die Rendite eines Anlageportfolios nach der einen Berechnungsmethode positiv und nach der anderen negativ ausfällt. Beide Ergebnisse sind richtig, sie messen lediglich zwei unterschiedliche Renditevarianten.

      Abschließend sei kurz angemerkt, dass es weitere wichtige Punkte gibt, auf die Sie als Anleger bei Renditeangaben und -vergleichen achten sollten. Beispielsweise ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettorenditen relevant, also zwischen der Rendite vor und nach sämtlichen anfallenden Kosten und Steuern. In vielen Fällen wird bei Renditeangaben von Vermögensverwaltern bereits ein Teil der mit der Kapitalanlage verbundenen Kosten berücksichtigt. Bevor Sie Renditen verschiedener Anbieter miteinander vergleichen, sollten Sie sich deshalb darüber informieren, ob diese bei ihren Berechnungen die gleichen Methoden verwenden.