Jetzt anlegen
Private Altersvorsorge: Besser mit Aktien! I Whitebox

Private Altersvorsorge: Besser mit Aktien!

Geschrieben von Salome Preiswerk
4. August 2020
Inhaltsübersicht einblenden
Inhaltsübersicht ausblenden

Inhaltsverzeichnis

      Kurseinbrüche an den Aktienmärkten können starke Emotionen auslösen. Anstatt verunsicherte Anleger zu informieren und aufzuklären, schürt ein wichtiger Repräsentant der Versicherungswirtschaft die Angst vor Aktienanlagen. Bemühungen um eine solidere private Altersvorsore in Deutschland erweist er damit einen Bärendienst.

      Jörg von Fürstenwerth hat die Gunst der Stunde nutzen wollen: „Corona-Crash: Aktien eignen sich nur in Grenzen für die Altersvorsorge“, ließ er die Leser seiner wöchentlichen Kolumne am 17. März 2020 wissen. Der Jurist von Fürstenwerth hat auch Volkswirtschaftslehre studiert und ist seit 1996 geschäftsführendes Präsidiumsmitglied und Vorsitzender der Geschäftsführung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Insofern liegt es nahe, ihm eine gewisse Kompetenz in Fragen der Altersvorsorge zu unterstellen. Seine kritischen Bemerkungen über Aktien deuten allerdings darauf hin, dass es ihm in seinem Kommentar weniger um sachliche Information und Aufklärung ging als um Werbung für Konzepte und Produkte der Versicherungsbranche.

      Verunsichern statt aufklären?

      „Alle, die in ihrer Altersvorsorge alleine auf Aktien gesetzt haben, müssen große Verluste in ihren Depots beklagen“, schreibt von Fürstenwerth zu Beginn seines Textes. Er verweist auf kräftige Kurseinbußen während der vorhergehenden Handelstage und auf den auch als „Dr. Doom“ bekannten US-Ökonomen Nouriel Roubini, der bereits Ende Februar einen Crash der Aktienmärkte vorausgesagt habe. Der Dax habe am Donnerstag der vorhergehenden Woche „mit dem zweitgrößten Verlust seiner Geschichte“ geschlossen und sei am Montag „zeitweise um fast zehn Prozent auf den tiefsten Stand seit September 2013“ gefallen. Als Versicherer werde er daher „immer nervös, wenn in der Debatte um Reformen der privaten Altersvorsorge Vorschläge laut werden, Garantien ganz abzuschaffen und in der Altersvorsorge zu 100 Prozent auf Aktien zu setzen“.

      Spätestens an dieser Stelle ist die Katze aus dem Sack: Dem Vorsitzenden der GDV-Geschäftsführung geht es weniger um eine sinnvolle Analyse der Rolle, die Aktien im Rahmen der privaten Altersvorsorge spielen können, als um Werbung für Konzepte und Anlageprodukte der Versicherungsgesellschaften. Argumentativ gehen ihm dabei mindestens an zwei Stellen die Pferde durch:

      1. Er stellt das Anlageinstrument Aktie auf eine Ebene mit „Garantien“ – also rechtsverbindlichen Zusagen, in die man nicht direkt investieren kann. Uns ist noch kein Vermögensverwalter begegnet, der „Garantien“ als geeignete Instrumente für die private Altersvorsorge propagiert. Tatsächlich dürfte es von Fürstenwerth um Kapitallebens- und Rentenversicherungen mit garantierter Mindestverzinsung der Sparanteile gehen. Diese Versicherungen investieren die Gelder ihrer Kunden in ganz unterschiedliche Anlageinstrumente – in Deutschland weit überwiegend in verzinsliche Wertpapiere, aber auch in Aktien.
      2. Er suggeriert, dass es Bestrebungen gibt, die private Altersvorsorge zu 100 Prozent auf Aktien aufzubauen. Das geht völlig an der Realität vorbei. Wir kennen jedenfalls keinen einzigen aktiven Vermögensverwalter oder -berater, der eine so starre und einseitige Aufteilung des Vermögens empfehlen würde. Und laut einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Aktieninstituts hatten 2019 lediglich 9,7 Millionen Menschen in Deutschland überhaupt Geld direkt in Aktien oder Aktienfonds investiert – das entspricht etwa 15 Prozent aller Bundesbürger, die älter als 14 Jahre sind.

      Zudem halten wir es grundsätzlich nicht für sinnvoll, die Qualitäten von Aktien oder anderen Anlageinstrumenten als langfristige Geldanlagen anhand ihrer kurzfristigen Wertentwicklungen und -schwankungen beurteilen zu wollen. Nach Ansicht der meisten Vermögensverwalter sind Aktienanlagen für den langfristigen Vermögensaufbau und die Zusammenstellung gut diversifizierter Wertpapierportfolios praktisch unverzichtbar. Auch Finanzwissenschaftler und Anlegerschützer scheinen sich weitgehend darüber einig zu sein, dass Aktien in der privaten Altersvorsorge zu den Standardinstrumenten zählen sollten.

      Aktien haben langfristig überdurchschnittliche Erträge eingebracht

      Ein wichtiger Grund für diese Einschätzung: In den vergangenen rund 150 Jahren haben langfristige Investitionen in Aktien fast immer deutlich höhere Renditen eingebracht als Investitionen in andere Anlageklassen wie Anleihen oder Immobilien. Hätte man zum Beispiel 1870 einen US-Dollar in den S&P 500 Index investieren können, wäre daraus bis Ende 2019 inflationsbereinigt eine stattliche Summe von gut 21.500 US-Dollar geworden; das entspricht einer durchschnittlichen realen Rendite von 6,9 Prozent pro Jahr. Mit einer Investition in zehnjährige US-Staatsanleihen hätte man im gleichen Zeitraum lediglich 42 US-Dollar oder 2,5 Prozent pro Jahr erzielt.

      Von Fürstenwerth weist zu Recht darauf hin, dass mit diesen höheren Erträgen auch höhere Wertschwankungen einhergehen. „Nach Jahren der Euphorie kommt die Ernüchterung“, warnt er. Und es gebe keine Garantie, dass alte Kursstände rasch wieder erreicht werden. Tatsächlich können die Renditen aus Aktienanlagen stark vom jeweiligen Einstiegszeitpunkt abhängen. Allerdings fallen dieser Renditeunterschiede in der Regel umso geringer aus, je länger die Anlagezeiträume sind.

      langfristig_sparen_stabilisiert_die_rente

      Das Deutsche Aktieninstitut hat dies für den Dax eindrucksvoll gezeigt: In den vergangenen 50 Jahren hat der deutsche Standardwerteindex in seiner schlechtesten 15-Jahres-Periode einen Wertzuwachs von durchschnittlich 2,3 Prozent pro Jahr erzielt. In der besten 15-Jahres-Periode betrug das jährliche Plus 15,8 Prozent, im Durchschnitt lag es bei 8,9 Prozent. Bei längeren Zeiträumen von 30 Jahren nahmen diese Unterschiede ab: Der durchschnittliche Wertzuwachs betrug hier ebenfalls 8,9 Prozent, wobei der Index im schlechtesten Fall 6,8 Prozent und im besten Fall 10,9 pro Jahr zugelegt hat. Auch auf vielen anderen Aktienmärkten hat sich immer wieder gezeigt: Je länger man in einen diversifizierten Aktienindex investiert, desto geringer wird das Risiko, Verluste zu erleiden, und desto größer wird die Chance, relativ hohe Erträge zu erzielen.

      Vermeintlich sichere Anlageklassen liefern derzeit oft negative Renditen

      Angesichts der zurzeit oft hohen Bewertungen dürften sich die langfristig erzielbaren Erträge auf den Aktienmärkten zurzeit tendenziell eher am unteren Rand ihrer historischen Spannen bewegen. Im Vergleich mit anderen Anlageklassen erscheinen diese Renditechancen dennoch attraktiv: Für die als besonders sicher geltenden Bundesanleihen oder Anleihen der Bundesländer mit Restlaufzeiten um zehn Jahre lagen die Renditen Ende Juni 2020 durchweg im negativen Bereich. In günstigen Fällen verliert man mit diesen Papieren pro Jahr etwas weniger als 0,2 Prozent – und das ohne Berücksichtigung der Inflation.

      Doch wie steht es um jene Garantien, die von Fürstenwerth den risikoscheuen deutschen Sparern als vermeintliche Lösung für die private Altersvorsorge ans Herz zu legen scheint? Können sie eine solide Basis für einen langfristig erfolgreichen Vermögensaufbau darstellen? Wir halten das für unwahrscheinlich. Fakt ist: Seit Januar 2017 darf der Garantiezins auf den Sparanteil von Kapitallebens- und Rentenversicherungen maximal 0,9 Prozent betragen. Doch laut der jüngsten Analysen der auf Versicherungen spezialisierten Rating-Agentur Assekurata „legt die Mehrheit der Versicherer ihren Tarifen einen individuellen Garantiezins unterhalb von 0,9 Prozent zugrunde“. Teilweise beträgt die garantierte Verzinsung neu abgeschlossener Rentenversicherungen nur noch 0,1 oder 0,25 Prozent. Dabei sind die erheblichen Kosten solcher Versicherungspolicen nicht berücksichtigt: Bezogen auf die eingezahlten Beiträge der Kunden fallen die garantierten Erträge deutlich niedriger aus.

      Chancen und Risiken sorgfältig abwägen

      Falls Ihnen solch homöopathische Renditen zu niedrig erscheinen, sollten Sie sich fragen, ob Sie im Rahmen des Vermögensaufbaus für die Altersvorsorge tatsächlich auf die überdurchschnittlichen Renditechancen verzichten möchten, die Aktien langfristig bieten. Selbstverständlich erfordern Aktienanlagen ein sinnvolles und rationales Abwägen der Chancen und Risiken vor dem Hintergrund Ihrer persönlichen Lebensumstände, Anforderungen und Restriktionen. Insofern gibt es keine einheitliche Antwort auf die Frage, wie hoch der Aktienanteil in privaten Portfolios für die Altersvorsorge sein sollte. Über drei Punkte sind sich die meisten Experten jedoch einig:

      1. Wägt man Renditechancen und Risiken sorgsam ab, könnte und sollte der Aktienanteil in deutschen Altersvorsorgeportfolios meist deutlich höher sein als er es zurzeit ist.
      2. Wer Geld in Aktien investiert, sollte wissen und damit rechnen, dass deren Kurse kurzfristig stark schwanken können. Aktienmärkte sind und waren niemals Einbahnstraßen.
      3. Konsequenz und Disziplin sind für den erfolgreichen Vermögensaufbau mindestens ebenso wichtig wie die Wahl geeigneter Anlageinstrumente und -strategien. Wer in Aktien investiert, sollte auch in Baissephasen nicht den Kopf verlieren. Auf keinen Fall sollte man sich durch Emotionen wie Angst oder Gier von einer gut durchdachten Strategie abbringen lassen.

      Es gibt unterschiedliche Wege zu geeigneten Lösungen für die private Altersvorsorge. Sie sind mitunter recht komplex und hängen von zahlreichen individuellen Faktoren ab. Vermögensverwalter wie Whitebox können Ihnen sinnvolle Lösungsvorschläge anbieten, die Ihren Anforderungen entsprechen und sich flexibel an unterschiedliche Lebensphasen anpassen lassen. In der Regel werden Aktieninvestments dabei eine wichtige Rolle spielen. Allerdings wird kein seriöser Vermögensverwalter Sie je vor die Alternative stellen, Ihr gesamtes Vermögen in Aktien oder irgendwelche Garantieprodukte zu investieren.