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Steigende Inflation: Was Anleger beachten müssen

Geschrieben von Salome Preiswerk
23. August 2021
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      Kommt sie, oder kommt sie nicht? Wie ein Damokles-Schwert schwebt derzeit die Sorge vor einer steigenden Inflation über den Anlegern. Selbst innerhalb der Europäischen Zentralbank (EZB), deren Hauptaufgabe die Sicherung stabiler Preise ist, gibt es dazu unterschiedliche Meinungen: Während EZB-Direktorin Isabel Schnabel die Sorge vor einer zu hohen Inflation für unbegründet hält, widerspricht ihr Kollege und EZB-Ratsmitglied Klaas Knot und warnt im Interview mit dem Handelsblatt vor Inflationsrisiken.

      In Deutschland nahm die Diskussion Fahrt auf, nachdem die Teuerungsrate im Juli auf 3,8 Prozent angestiegen ist – den höchsten Wert seit 1993.

      Auch wenn die Bundesregierung bereits betont hat, dass sie nicht mit einer dauerhaft hohen Inflation rechnet und den sprunghaften Anstieg vor allem auf die Senkung der Mehrwertsteuer im vergangenen Jahr zurückführt, beschäftigen sich Sparer und Anleger intensiv mit diesem Thema: Die Anzahl der Abfragen zum Thema „Aktien Inflation“ ist bei Google in den vergangenen zwölf Monaten um 250 Prozent gestiegen. Viele Sparer suchen nach Alternativen zu klassischen Sparprodukten wie Sparbuch und Festgeld, deren Verzinsung seit Jahren fast ausschließlich unterhalb der Inflationsrate liegt. Wer schon in Wertpapiere investiert ist, fragt sich, welche Auswirkungen eine steigende Inflation auf das eigene Depot hat.

      Was bedeutet Inflation für meine Geldanlage?

      Zunächst einmal sollten wir klären, was Inflation überhaupt ist. Vereinfacht gesagt bezeichnet Inflation die prozentuale Teuerungsrate, also den Preisanstieg für Waren und Dienstleistungen des alltäglichen Bedarfs. Grundlage ist der Verbraucherpreisindex, der mittels eines Warenkorbs berechnet wird.

      Schon angesichts dieser kurzen Erklärung wird deutlich: Es gibt nicht die eine Inflation. Jeder von uns hat seine individuelle Inflation, die sich nach unserem jeweiligen Konsumverhalten richtet. Wer zum Beispiel kein Auto oder Motorrad besitzt, wird höchstwahrscheinlich auch keine Ausgaben für Kraftstoff haben. Diese sind aber Bestandteil des Warenkorbs, auf dessen Grundlage der Verbraucherpreisindex und damit die Inflationsrate berechnet wird. Das Statistische Bundesamt stellt auf seiner Seite einen Rechner zur Verfügung, mit dem Sie Ihre persönliche Inflationsrate berechnen können.

      Bis zu einem gewissen Grad ist Inflation etwas Gutes, denn sie ist Ausdruck des wirtschaftlichen Fortschritts einer Gesellschaft: Geht es einer Wirtschaft gut, steigt die Nachfrage, weil sich die Menschen mehr leisten können. Diese gestiegene Nachfrage wiederum führt zu steigenden Preisen und damit einer höheren Inflationsrate, so der grundlegende Gedanke dahinter.

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      Allgemein gilt eine Inflationsrate von zwei Prozent als erstrebenswert. Lange Zeit lag die tatsächliche Inflationsrate zum Teil deutlich darunter. Im vergangenen Jahr etwa betrug die Inflationsrate gerade einmal 0,5 Prozent. Im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre lag die Teuerungsrate bei 1,14 Prozent pro Jahr.

      2021 steigt die Inflationsrate jedoch spürbar an und lag zuletzt deutlich über zwei Prozent, Tendenz steigend. Was passiert also, wenn die Inflationsrate – wie von einigen Experten prognostiziert – dauerhaft und deutlich über die Zielmarke von zwei Prozent steigt?

      Die EZB hat sich dafür bereits in Stellung gebracht. Erst kürzlich hat sie ihr Inflationsziel von „unter, aber nahe zwei Prozent“ auf exakt zwei Prozent angehoben. Ein kleiner Schritt mit großer Wirkung, der darauf hindeutet, dass die Zentralbank ihre Zinspolitik auch dann nicht ändert, wenn die Inflationsrate weiter steigt.

      Milliardenverluste für Festzins-Sparer durch negativen Realzins

      Ob es tatsächlich dazu kommt ist, wie oben geschildert, selbst unter Experten umstritten. Trotzdem sollten sich Sparer und Anleger auf mögliche Szenarien einstellen.

      Das Wichtigste vorweg: Nichts tun ist keine Option. Denn die Zinsen für festverzinsliche Geldeinlagen wie Tagesgelder oder Sparbücher sind seit Jahren im Keller. Die aktuelle Entscheidung der EZB deutet darauf hin, dass sich daran in absehbarer Zeit nichts ändern wird.

      Wer sein Erspartes in diese Anlageprodukte steckt, verliert langfristig an Wert. Allein im ersten Quartal 2021 haben deutsche Sparer über acht Milliarden Euro an Wertverlust erlitten, weil die Verzinsung ihrer Ersparnisse unterhalb der Inflationsrate lag.

      Noch deutlicher wird der Wertverlust in der langfristigen Betrachtung: Seit 2010 haben die Deutschen durch Niedrigzins und Inflation mehr als 150 Milliarden Euro an Wertverlust erlitten – ein dramatischer Wert, der alle Festzins-Sparer aufrütteln sollte. Er zeigt: An Wertpapieren führt für den langfristigen Vermögensaufbau kein Weg vorbei.

      Value-Aktien zum Schutz vor steigenden Zinsen

      Doch auch Wertpapieranleger sollten angesichts steigender Inflationsraten einiges beachten. In erster Linie geht es um die Frage, wann die EZB ihre Zinspolitik ändern wird, sollte die Inflationsrate dauerhaft über die Zielmarke von zwei Prozent steigen. In diesem Fall könnten viele Anleger dem Kapitalmarkt den Rücken kehren und ihr Geld in festverzinsliche Sparprodukte stecken. In der Folge könnte die sinkende Nachfrage nach Aktien den Börsenkursen einen Dämpfer verpassen.

      Sie merken: In diesen Aussagen stecken noch einige Konjunktive. Trotzdem sollten sich Anleger damit beschäftigen. Das gilt vor allem für diejenigen, die in Aktien mit einem hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis investiert sind – also Unternehmen, die an der Börse höher bewertet sind, als es ihre aktuelle wirtschaftliche Entwicklung nahelegt.

      Value-Investoren wie wir von Whitebox investieren hingegen gezielt in unterbewerte Anlageklassen und Regionen, bei denen der Marktpreis unter dem tatsächlichen, realwirtschaftlichen Wert liegt. Im Gegensatz zu anderen Wertpapieren, bei denen vor allem Erwartungen gehandelt werden, gibt es hier also einen sogenannten inneren, fairen Wert, der auf Basis wirtschaftlicher Daten und fundamentaler Analysen ermittelt wird.

      Langfristig orientierte Value-Investoren können daher die aktuelle Diskussion um eine möglicherweise steigende Inflation vergleichsweise entspannt verfolgen – im Vertrauen darauf, dass der Marktwert ihrer Anlagen langfristig auf den tatsächlichen Wert steigen wird.

      Mehr zum Value-Ansatz bei Whitebox finden Sie unter diesem Link.