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Synthetische ETFs

Salome Preiswerk
5. Dezember 2018

Immer mehr Anleger wissen die Vorteile einer passiven Geldanlage in börsengehandelte Indexfonds zu schätzen. Diese Fonds ermöglichen es, schon mit geringen Anlagesummen einfach und kostengünstig in breit diversifizierte Wertpapierportfolios aus Aktien oder Anleihen zu investieren. Hierzu steht ein umfangreiches Angebot an ETFs (Exchange Traded Funds) zur Verfügung, die repräsentative Aktienindizes, wie den MSCI World und den S&P 500, oder auch unterschiedliche Anleihenindizes abbilden. Bevor Sie an der Börse einen Indexfonds kaufen, sollten Sie wissen, dass es unterschiedliche Methoden gibt, mit denen ETF-Anbieter diese Indizes abbilden. Je nachdem, wie die Indizes nachgebildet werden, unterscheidet man synthetisch replizierende ETFs und physisch replizierende ETFs.

Die physische Replikation

Bei der physischen Replikation eines Index investiert der ETF-Anbieter in Wertpapiere, die in dem Index enthalten sind. Hierbei unterscheidet man zwei Varianten: Bei einer vollständigen physischen Replikation kauft der Fonds alle Indexbestandteile in genau der gleichen Zusammensetzung wie im Index, das ETF-Portfolio bildet den Index also exakt ab. Ein Dax-ETF würde hierzu beispielsweise die Aktien aller 30 im Index vertretenen Unternehmen entsprechend ihrer Gewichtung im Index erwerben. Vor allem in den USA setzen ETF-Anbieter weit häufiger auf ein anderes Verfahren: die Teilreplikation, die auch als physisches Sampling bezeichnet wird. Hierbei wird die Performance der Indizes durch eine repräsentative Auswahl im Index enthaltener Wertpapiere möglichst genau nachgebildet. Dieses Verfahren bietet insbesondere bei großen Indizes Vorteile, deren vollständige Replikation sehr aufwendig und kostenintensiv wäre. So enthält der MSCI World Index mehr als 1.600 Aktien aus 23 Industrieländern. Ein grundsätzliches Problem der physischen Replikation: Anders als bei der Berechnung eines Index entstehen bei der Verwaltung realer Wertpapierportfolios Kosten, welche die Wertentwicklung der Indexfonds belasten.

Die synthetische Replikation

In Europa ist eine andere Replikationsmethode sehr beliebt gewesen und immer noch weit verbreitet: die sogenannte synthetische Replikation. Hierbei bilden die ETF-Anbieter die Performance der Indizes mit Hilfe spezieller Derivate ab, sogenannter Swaps. Als Swap bezeichnet man einen vertraglich vereinbarten Austausch von Zahlungsströmen. Um einen Index über einen Swap abzubilden, sucht sich die Fondsgesellschaft einen Vertragspartner, häufig eine Investmentbank. Dieser Partner sichert dem ETF Zahlungen zu, die der Wertentwicklung des abgebildeten Index entsprechen. Im Gegenzug liefert der ETF seinem Vertragspartner die Zahlungsströme aus einem Wertpapierkorb, den er von seinem Partner im Tausch gegen Barmittel erhält. Dieses auch als Kollateral-Korb bezeichnete Wertpapierportfolio kann völlig anders zusammengesetzt sein als der Index, den der ETF abbildet. Beispielsweise könnte das Portfolio eines synthetischen Dax-ETF ausschließlich aus einem Korb japanischer Aktien und einem Swap bestehen. Um den gesetzlichen Vorgaben für Investmentfonds zu genügen, dürfen dabei höchstens zehn Prozent des ETF-Vermögens auf den Swap entfallen.

Das Kontrahentenrisiko synthetischer ETFs

Durch ihre spezielle Konstruktion weisen synthetische ETFs im Vergleich mit physisch replizierenden ETFs ein zusätzliches Risiko auf: Das sogenannte Kontrahentenrisiko. Mit Kontrahent ist in diesem Fall der Swap-Partner gemeint, der im schlimmsten Fall zahlungsunfähig werden kann. Bei einer solchen Insolvenz wäre der im ETF-Portfolio enthaltene Swap wertlos. Da der Swap jedoch maximal zehn Prozent des ETF-Vermögens ausmachen darf, ist dieses Risiko normalerweise überschaubar und auch kontrollierbar. Weit wichtiger sind in einem solchen Fall die Qualität und die Liquidität der Wertpapiere im Kollateral-Korb. Sollten hier in größerem Umfang Papiere enthalten sein, die der ETF schwer und möglicherweise nur mit großen Kursabschlägen verkaufen kann, könnten den Anlegern durch eine Pleite des Swap-Partners deutliche Verluste entstehen. Diese Risiken und kritische Presseberichte über die Sicherheit von Derivaten haben dazu beigetragen, dass die Nachfrage nach synthetischen ETFs in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist. Der Trend ging zuletzt eindeutig zu physisch replizierenden ETFs. Wichtige Anbieter synthetischer ETFs versuchen, dem mit einer vollständigen Transparenz ihrer Produkte und gezielten Maßnahmen zur Minimierung des Kontrahentenrisikos zu begegnen.

Vorteile synthetischer ETFs

Allerdings bietet die synthetische Replikation von Indizes auch Vorteile. Für die ETF-Anbieter ist sie in der Regel kostengünstiger und einfacher umzusetzen als eine physische Replikation. Weil bei synthetischen ETFs keine Kosten für den Aufbau und die Verwaltung eines Wertpapierportfolios anfallen, bilden sie Indizes häufig genauer ab als physisch replizierende ETFs. Zudem ermöglichen sie Anlegern Investitionen in Märkte und Anlageklassen, die ansonsten nur schwer oder gar nicht über Investmentfonds zugänglich wären – beispielsweise in Rohstoffe, Geldmarkt-Zinssätze, Märkte mit Handelsrestriktionen oder illiquide Nischenmärkte.

Fazit

Die unterschiedlichen Replikationsmethoden börsengehandelter Indexfonds bieten spezifische Vor- und Nachteile. Ein Nachteil synthetischer ETFs liegt im Kontrahentenrisiko, das jedoch überschaubar und in vielen Fällen eher gering ist. Im Falle eines soliden Swap-Partners und eines hochwertigen Kollateral-Korbs sollte Ihnen dieser Faktor keinen Grund zur Sorge bereiten, wenn Sie Geld in einen synthetischen ETF anlegen möchten.

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