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Aktive Fonds

Teure Investmentberater sind ihr Geld nicht wert

Selbst professionelle Fondspicker schaffen es nicht, die künftig besten Fondsmanager zu identifizieren, zeigt eine Studie der britischen Wettbewerbsbehörde. Anleger sollten sich deshalb besser an börsengehandelte Indexfonds halten.

Viele Anleger haben große Ziele. Sie wollen mit ihren Investments unbedingt eine Rendite über dem Marktdurchschnitt erzielen. Deswegen entscheiden sie sich für aktiv gemanagte Fonds, die ihren Anlegern überdurchschnittliche Gewinne versprechen. Mit der geschickten Auswahl von Wertpapieren wie Anleihen und Aktien und dem richtigen Timing sollen die Fondsmanager ihren jeweiligen Vergleichsindex, der den Marktdurchschnitt repräsentiert, abhängen.

Doch überlegene Anlagestrategien, die stetig überdurchschnittliche Renditen erzielen, existieren nicht. Die meisten Fondsmanager bleiben auf lange Sicht hinter dem Marktdurchschnitt zurück. Je länger die Anlagedauer, desto geringer der Prozentsatz der Fondsmanager, die besser abschneiden als ihr Vergleichsindex.

Auf der anderen Seite gibt es in jedem beliebig gewählten Zeitraum immer Fondsmanager, die den Markt und auch die meisten Konkurrenten in ihrem Segment hinter sich lassen. Viele private und institutionelle Anleger setzen auf aktive Fonds, weil sie glauben, es sei einfacher, einen solchen Spitzenfondsmanager zu identifizieren als einzelne Wertpapiere auszuwählen, die künftig überdurchschnittlich hohe Renditen abwerfen, wie Untersuchungen zeigen.

Doch diese Überzeugung erweist sich in der Praxis als Irrglaube. Ebenso wenig wie sich die künftige Rendite von Wertpapieren mit Sicherheit vorhersagen lässt, können Anleger im Vorfeld feststellen, welche Fondsmanager in ihren Anlagesegmenten in den nächsten Jahren die besten Ergebnisse erzielen werden. Auch dafür gibt es kein standardisiertes Verfahren, das zuverlässig funktioniert.

Auf Gewinnerfonds zu setzen, ist eine Verlierer-Strategie

Im Gegenteil. Wer sich auf quantitative Fondsrankings und -ratings stützt, die Anlegern angeblich helfen, die besten Manager zu finden, erzielt meist unterdurchschnittliche Renditen, wie zahlreiche Studien belegen. Fondsrankings basieren in erster Linie auf der Wertentwicklung in der Vergangenheit. Doch die sagt nichts darüber aus, wie sich ein Fondsmanager künftig schlagen wird. Einige Untersuchungen zeigen, dass die Gewinnerfonds von heute die Verlierer von morgen sind – und umgekehrt. Demnach wäre es aussichtsreicher Fonds auszuwählen, deren Strategien gerade eine Schwächephase durchlaufen haben.

Während Privatanleger, denen bei der Auswahl aktiver Fonds nur vergangenheitsbezogene Statistiken ohne Prognosekraft zur Verfügung stehen, auf verlorenem Posten kämpfen, können institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Versicherungen und Konzerne weiterreichende Methoden nutzen, um Fondsmanager auf den Prüfstand zu stellen. Viele beschäftigen professionelle Beratungsfirmen, die unter anderem auf die Auswahl von aktiven Fonds spezialisiert sind. 

Neben quantitativen Kennzahlen legen die Berater auch qualitative Kriterien zugrunde, nach denen sie Fondsmanager und Fondsgesellschaft beurteilen. Dazu zählen beispielsweise die Glaubwürdigkeit der Investmentphilosophie, die Transparenz und Stabilität des Investmentprozesses, die Qualifikation und Erfahrung des Managers sowie seine Identifikation mit dem Unternehmen und seinen Kunden. Die Finanzmarktforschung legt nahe, dass sich eher von solchen qualitativen Merkmalen auf die künftige Leistung einzelner Fondsmanager schließen lässt. Um die Charakteristik von Fonds zu ermitteln, führen die Beratungsfirmen regelmäßig Gespräche mit Fondsmanagern.

Investmentberater sind ihr Geld nicht wert

Doch die Empfehlungen der Beratungsunternehmen führen nicht zu den gewünschten Ergebnissen. Auch sie sind nicht in der Lage, systematisch Fondsmanager auszuwählen, die in Zukunft überdurchschnittliche Anlageergebnisse erzielen. Das geht aus einer Untersuchung der britischen Wettbewerbsbehörde CMA (Competition & Markets Authority) hervor.

Die Wettbewerbshüter nahmen die Empfehlungslisten von acht Beratungsfirmen in den Jahren von 2006 bis 2015 unter die Lupe, darunter die Russell Investment Group, Hymans Robertson und KPMG. Die Ergebnisse sind wenig schmeichelhaft für die professionellen Fondspicker: Die CMA konnte keine Anhaltspunkte dafür finden, dass die zum Kauf empfohlenen Fonds nach Abzug der Managementkosten im Schnitt ihren Vergleichsindex schlugen oder besser abschnitten als Fonds ohne ein Experten-Rating. Die Beratungskosten blieben in der Studie unberücksichtigt.

Vor Abzug der Managementkosten erzielten die empfohlenen Fonds im Schnitt eine um 0,23 Prozent höhere Rendite im Quartal als der Vergleichsindex. Das zeigt, dass die Fondskosten beim Anlageergebnis eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.

Fonds auf der Verkaufsliste besser als die Empfehlungen

Pikant sind auch einige Details aus der CMA-Studie: Nach Kosten schlugen sich die von den Beratungsfirmen zum Verkauf empfohlene Fonds im Durchschnitt besser als die zum Kauf empfohlenen. Allerdings war dieses Ergebnis statistisch dem Zufall zuzurechnen.

Die CMA unterzog auch jede Beratungsfirma einer Einzelanalyse. Keines der Unternehmen schaffte es, systematisch Fonds zu identifizieren, die nach Kosten besser abschnitten als der Vergleichsindex, obwohl sich die Empfehlungslisten der Experten kaum überschnitten. Angesichts dieses kollektiven Versagens spielte es für das Anlageergebnis der institutionellen Investoren keine Rolle, welche Beratungsfirma sie ausgewählt hatten.

Die Wettbewerbshüter gingen auch der Frage nach, ob sich die Qualität der Empfehlungen zwischen einzelnen Anlageklassen unterscheidet. Nur die empfohlenen Hedgefonds entwickelten sich besser als ihr Vergleichsindex. Bei allen anderen untersuchten Anlageklassen, darunter Aktien und Anleihen, war das nicht der Fall.

Folgt man der Untersuchung der britischen Wettbewerbsbehörde, liefern teure Berater bei der Auswahl von aktiven Fonds keinen Mehrwert. Zwar sagt die Studie nichts darüber aus, warum die vermeintlichen Experten scheitern. Doch offensichtlich ist die Ermittlung der künftig besten Fondsmanager selbst dann ein wenig erfolgversprechendes Unterfangen, wenn Investoren über alle denkbaren Analysemöglichkeiten und Daten verfügen.

Insofern grenzt es insbesondere für private Anleger an Glückspiel, wenn sie auf aktive Fonds setzen in der Hoffnung, den Markt zu schlagen. Aus ihrer Sicht sind deshalb klassische oder börsengehandelte Indexfonds (ETF), welche die Wertentwicklung von Marktindizes abbilden, die bessere Wahl.   

© WHITEBOX, 22.05.2018

Foto: Jonathan Francisca