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Aktienanleger müssen kleinere Brötchen backen

Geschrieben von Salome Preiswerk
17. Februar 2018
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Inhaltsverzeichnis

      Aktien sind nach dem Kursfeuerwerk von 2017 keine Schnäppchen mehr. Sie sind zum Teil hoch bewertet und dies deutet niedrigere Renditen für die nächsten zehn Jahren an. Deswegen ist es nun an der Zeit, die raren Märkte auszumachen, die nicht teuer sind und Gewinnchancen offerieren.

      Ein Großteil der Aktien-Investoren werden 2017 in einer überaus guten Erinnerung behalten. Denn von den weltweit 40 wichtigsten Börsenbarometern lagen am 31.12.2017 nahezu alle im positiven Bereich. Einige sorgten sogar für Traumrenditen. Österreich beendete das Jahr mit einem Anstieg von knapp 40 Prozent. Für den polnischen Aktienindex ging es nach Abzug der Quellensteuer fast genauso hoch hinaus. Der deutsche Leitindex beendete das Jahr mit einem Plus von etwa zwölf Prozent.

      Das Schwellenlandbarometer MSCI Emerging Markets, das über 20 aufstrebende Volkswirtschaften umfasst, kletterte auf Euro-Basis um rund 20 Prozent nach oben. In US-Dollar und in lokalen Währungen berechnet fiel das Plus noch stärker aus. Denn der Euro war 2017 stark gestiegen und schmälerte damit für Anleger aus dem Euro-Raum die Gewinne im Vergleich zu Anlegern aus anderen Währungszonen.

      Die hohen Rendite sind Anlass zur Freude. Allerdings gilt es zu beachten, dass die Aktienpreise zum Teil schneller den Weg nach Norden eingeschlagen haben als die Unternehmensgewinne. Eine Konsequenz daraus ist, dass sie höher bewertet werden. Global betrachtet sind Aktien derzeit nicht billig. Es gibt allerdings auch einige Flecken, wo das noch anders ist. Whitebox nutzt in Zusammenarbeit mit Morningstar Investment Management, seinem Partner im Portfoliomanagement, die Bewertungen, um so die erwarteten Renditen für die kommenden zehn Jahre zu berechnen. Bei hohen Bewertungen ist mit geringeren Renditen zu rechnen.  

      Value-Investoren müssen stärker nach Chancen suchen

      Dieses Modell fußt auf der Erkenntnis, dass sich Aktien- und andere Kapitalmärkte langfristig wieder auf ihren Mittelwert einpendeln. Denn hohe und niedrige Bewertungen wechseln sich wegen der Kursbewegungen gegenseitig ab. Seit 1900 lag die jährliche Rendite für globale Aktien bei rund sieben Prozent p.a.. Wenn Aktienpreise deutlich höher sind und die Bewertungen so über ihren Durchschnitt jagen, ist das ein Anzeichen dafür, dass die fetten Jahre gezählt sind.

      Value-Investoren sind mit schwierigeren Voraussetzungen konfrontiert. Niedrig bewertete Märkte auszumachen, ist nun deutlich diffiziler geworden. Der global am höchsten bewertete Aktienmarkt sind die Vereinigten Staaten. Auf Sicht der nächsten zehn Jahre dürften Kurse rückläufig und damit die Renditen minus einer angenommenen Inflationsrate von zwei Prozent negativ sein. Doch die USA sind nicht die einzigen teuren Märkte. Auch woanders dürften die Renditen jedes Jahr um etwa zwei Prozentpunkte sinken. Auch hier liegt der Hauptgrund in den Bewertungen.

      Es gibt jedoch auch Ausnahmen: Dazu zählen britische Aktien – mit plus vier Prozent pro Jahr an realer Rendite zählt Großbritannien zu den interessantesten Industrieländern. Ein weiteres Beispiel ist Japan: Die Aktien aus dem Land der untergehenden Sonne sind nicht zu hoch bewertet. Japans Unternehmen sollen Gewinne und Margen steigern und auch die Eigenkapitalrenditen erhöhen, sodass höhere Dividenden und die Rückkäufe eigener Aktien realistisch sind.

      Mütterchen Russland wartet mit Charme auf

      Die Aktien von Unternehmen aus aufstrebenden Volkswirtschaften sind auch noch nicht zu teuer. Unter den Schwellenländern ist Russland wegen seiner extremen Unterbewertung attraktiv – dies ist derzeit einer der günstigsten Aktienmärkte auf dem gesamten Globus. Russische Unternehmen spüren immer noch die Auswirkungen der Finanzkrise. Ihr Wert hat sich innerhalb von zehn Jahren um 50 Prozent reduziert. 

      Allerdings zeichnen die Aktienkurse ein deutlich pessimistischeres Bild als die Datenlage. Deswegen dürften in den nächsten zehn Jahren die Renditen zu ihrem Durchschnitt zurückkehren. Wenn sie dies tun und ihren fairen Wert erreichen, wäre das pro Jahr ein Plus von neun Prozent. Russlands Wirtschaft hat seit Ende 2016 zulegt und lässt damit die Durststrecke von drei harten Jahren hinter sich. Die Aktien vieler Unternehmen notieren unter ihrem Buchwert. Das heißt, dass der Börsenwert den realen Sachwert nicht wiedergibt

      Sicherheit kostet Geld

      Die Renditen für Aktien lassen sich nicht treffsicher vorhersagen. Bei Anleihen ist das anders – ihre Verzinsung steht fest. Allerdings werfen vor allem die sicheren Häfen unter den Staatsanleihen nicht viel ab. Die tatsächliche Rendite für Government Bonds aus dem Euroraum dürfte sogar negativ werden – minus ein bis minus zwei Prozent p.a. sind realistisch. Durch sehr niedrige Anleiherenditen steigt auch das Risiko für Verluste. Diese Gefahr steigt mit einem Rückzug der Notenbank aus ihrem Anleihenaufkaufprogramm.

      Unternehmensanleihen mit Investment Grade sind ebenfalls teuer und auch sie dürften in den nächsten zehn Jahren keine positiven Renditen erzielen. Zugleich ist der übliche Renditeaufschlag gegenüber "Safe-Haven"-Staatsanleihen gesunken. Das Verhältnis zwischen Risiko und Renditeerwartung ist nicht günstig. Dieses Verhältnis sieht bei Emerging-Markets-Anleihen in lokaler Währung besser aus. Zu beachten ist, dass diese Papiere vom Risiko her Aktien stärker ähneln als Anleihen.

      In herausfordernden Fahrwassern ist ein global gestreutes Portfolio am besten aufgestellt. Dabei ist wichtig, zwischen den Märkten zu unterscheiden und den günstigen Anlageklassen mehr Gewicht zu geben. So dämmen Anleger Verluste – und damit auch Risiken – ein und steigern die Chancen auf Renditen.