Jetzt anlegen
Trotz Corona-Pandemie kühlen Kopf bewahren | Whitebox

Trotz Corona-Pandemie kühlen Kopf bewahren

Geschrieben von Salome Preiswerk
26. Februar 2020
Inhaltsübersicht einblenden
Inhaltsübersicht ausblenden

Inhaltsverzeichnis

      Das neue Coronavirus beherrscht seit Wochen die Schlagzeilen der Massenmedien. Ökonomen denken darüber nach, welche Folgen die Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie für die Weltwirtschaft haben könnten. An den Kapitalmärkten steigt die Nervosität. Doch: Investoren sollten sich nicht von der zunehmenden Angst anstecken lassen, sondern einen kühlen Kopf bewahren.

      Bis Ende Februar 2020 hat das neue Coronavirus SARS-CoV-2 nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation etwa 80.000 Menschen infiziert und fast 3.000 Todesopfer gefordert. Aber seine Wirkung reicht viel weiter: Es hat sich auch in den Köpfen und Gedanken von Millionen Menschen in aller Welt festgesetzt. Die meisten von ihnen kennen das Virus bisher nur aus Nachrichten, die in allen Massenmedien seit Wochen täglich für neue Schlagzeilen sorgen. Diese Nachrichten verbreiten sich schneller als das Virus selbst. Mit ihnen wächst die Angst vieler Menschen – nicht nur vor dem Virus, sondern auch vor möglichen Folgen einer Pandemie beispielsweise für die Wirtschaft und die Entwicklung der Finanz- und Kapitalmärkte. Doch Angst ist und bleibt ein schlechter Ratgeber. In solchen Situationen ist es sinnvoll, einen kühlen Kopf zu bewahren – auch und gerade bei Anlageentscheidungen.

      Ökonomen erwarten meist geringe Auswirkungen auf die Weltwirtschaft

      Die Schlagzeilen klingen tatsächlich beunruhigend: „So würgt das Virus Chinas Wirtschaft ab“, „Das Coronavirus wird zum Wachstumshemmer“, „Coronavirus schockt die Weltwirtschaft – Unternehmen fürchten Produktions- und Lieferausfälle“ oder „Ansteckende Angst“ sind nur einige Beispiele. Und überall melden sich Ökonomen und andere vermeintliche Experten mit mehr oder weniger hoffnungsvollen oder düsteren Einschätzungen und Prognosen zu Wort. Fakt ist: Keiner von ihnen weiß, wie sich die Wirtschaft in Zukunft entwickeln wird und welche ökonomischen Auswirkungen die Maßnahmen haben werden, die Politiker in aller Welt ergriffen haben und ergreifen werden, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

      Seriöse Wirtschaftsforscher geben das auch zu und äußern sich entsprechend zurückhaltend. So erwarten Forscher des Ifo-Instituts nur geringe Auswirkungen auf die deutsche und europäische Wirtschaft, sofern die Produktionsausfälle in China in etwa das Niveau erreichen, das infolge der SARS-Pandemie von 2002/03 zu beobachten war. Sollte sich das Wachstum in China in diesem Jahr um einen Prozentpunkt verlangsamen, würde dies den Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland nach den Berechnungen der Forscher um 0,06 Prozentpunkte dämpfen (siehe „Abschätzung möglicher konjunktureller Folgen der Coronavirus-Epidemie“). „Natürlich sind solche Schätzungen mit hoher Unsicherheit behaftet und dürfen nur vor dem Hintergrund der getroffenen Annahmen interpretiert werden“, heißt es in der Ifo-Studie. Zurzeit spreche einiges dafür, dass „die aktuell zu erwartenden konjunkturellen Folgen größer ausfallen dürften als bei der SARS-Epidemie“.

      IWF senkt Wachstumsprognosen nur leicht

      Weitgehende Einigkeit scheint unter Ökonomen darüber zu herrschen, dass die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus das Wirtschaftswachstum in China und der Welt zumindest kurzfristig belasten werden. Ende Februar hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsprognose für China für 2020 auf 5,6 Prozent gesenkt, nachdem er im Januar noch ein BIP-Wachstum von sechs Prozent vorhergesagt hatte. Die Weltwirtschaft werde in diesem Jahr voraussichtlich nur noch um 3,2 Prozent anstatt wie zuvor angenommenen um 3,3 Prozent wachsen. Dabei geht der IWF davon aus, dass die chinesische Wirtschaft im zweiten Quartal zur Normalität zurückkehren kann. In diesem Fall dürften die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft relativ gering und von kurzer Dauer sein.

      Die Nervosität an den Märkten ist gestiegen

      Auf den Kapitalmärkten hatten Szenarien über die Belastung der Wirtschaft infolge des Coronavirus bis Mitte Februar kaum erkennbare Auswirkungen gezeigt. Das ist insbesondere im Fall der Aktienmärkte erstaunlich, weil viele Experten diese seit einiger Zeit als (zu) hoch bewertet einschätzen. Insofern könnten Wachstumsängste für manche Investoren ein willkommener Anlass sein, Gewinne mitzunehmen und die Börsenkurse damit kurzfristig auf Talfahrt zu schicken. Tatsächlich hat die Nervosität an den internationalen Börsen spürbar zugenommen: Während der ersten zwei Handelstage der letzten Februarwoche gaben die weltweiten Aktienmärkte deutlich nach.

      Dagegen stieg der Preis für die Feinunze Gold zeitweise auf über 1.685 US-Dollar und auch die Kurse vermeintlich sicherer Staatsanleihen legten zu. Es waren die ersten zwei Handelstage nach Veröffentlichung der schlechteren Wachstumsprognosen des IWF. Einige Medien riefen den „Krisenmodus“ aus und beobachteten eine Flucht der Anleger aus Aktien in vermeintlich sichere Anlagen wie Gold und Staatsanleihen bester Bonität. Und es gab reichlich neue Schlagzeilen: „Coronavirus löst Kursrutsch am deutschen Aktienmarkt aus“, „Virussorgen reißen den Dax in die Tiefe“, „Coronavirus verschreckt die Börsen“ oder „Infizierte Börsenwoche in Sicht?“.

      Börsen scheinen immun gegen Viren

      Als langfristig orientierter Investor raten wir bei Whitebox in solchen Phasen wie immer zu Besonnenheit und sachlichen Analysen. Die Kapitalmärkte werden nicht durch das Virus belastet, sondern durch die Angst vor dessen Folgen. Doch wie begründet sind die Ängste, die momentan in den Köpfen vieler Menschen heranwachsen? Sicher, das neue Coronavirus ist gefährlich. Es wird sich weiter ausbreiten und es wird weitere Menschenleben fordern. Aber das allein ist kein Grund für irrationale Ängste und Panikreaktionen. Tatsächlich lässt der Verlauf anderer Pandemien in jüngerer Vergangenheit viel eher vermuten, dass das Coronavirus langfristig keine gravierenden Folgen für die Weltwirtschaft und die Kapitalmärkte haben wird.

      Das Research-Unternehmen Morningstar hat in einer kurzen Studie untersucht, wie sich SARS, Vogel- und Schweinegrippe, Ebola, das Zika-Virus und andere Pandemien der vergangenen 20 Jahre auf die Entwicklung der internationalen Aktienbörsen ausgewirkt haben. Das Ergebnis: „Ein Blick auf neun große Krankheitswellen seit 1998 liefert wenig Anhaltspunkte dafür, dass globale Epidemien einen Einfluss auf die langfristigen Rahmenbedingungen für Investitionen haben.“ Betrachtet man den in der Studie enthaltenen Chart eines globalen Aktienindex, liefert dessen Kursverlauf tatsächlich überhaupt keinen Beleg für langfristige Auswirkungen von Pandemien auf die weltweiten Aktienbörsen. In den meisten Fällen zeigen sich nicht einmal Hinweise auf kurzfristige Belastungen der Märkte. Offenbar lassen sich Börsen nicht von Viren infizieren.

      Dies veranschaulicht auch die Untersuchung von Morningstar:

      corona-kurse-whitebox

      Die Angst vor dem Virus ist ein größeres Problem als das Virus selbst

      Auch andere Statistiken legen nahe, dass die derzeit grassierende Angst vor der Corona-Pandemie übertrieben sein dürfte: In einer typischen Grippesaison sterben allein in Deutschland mehrere hundert bis über 20.000 Menschen. In der Saison 2017/18 forderte das Influenzavirus hierzulande sogar mehr als 25.000 Menschenleben. Oder Aids: Laut dem Gemeinsamen Programm der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS) sind 2018 weltweit etwa 770.000 Menschen im Zusammenhang mit ihrer HIV-Infektion gestorben. Rund 1,7 Millionen Menschen haben sich neu mit dem Virus infiziert. Seit Beginn der Epidemie vor fast 40 Jahren sind in Deutschland etwa 29.200 infizierte Menschen an den Folgen von HIV gestorben. Bis heute gibt es keine Schutzimpfung und kein Medikament, das erkrankte Menschen von diesem Virus heilen kann.

      Krisen lösen fast immer Ängste aus, die oft ein größeres Problem darstellen als die Krisenursachen selbst. So kann man gegen ein unbekanntes Virus leichter vorgehen als gegen die Angst oder gar Panik, die ein solches Virus unter den Menschen auslösen kann. Auf jeden Fall haben Angst und Panik in den Portfolios vieler Investoren weit größere Schäden angerichtet, als es die wirtschaftlichen Folgen einer Pandemie bislang jemals vermocht hätten.

      In der Ruhe liegt die Kraft

      Als Investor sind Sie in der Regel gut beraten, wenn Sie Ihre Anlagestrategie nicht aufgrund ihrer Emotionen in Frage stellen oder gar ändern. Wer sich von jeder größeren Verwerfung der Märkte beeinflussen lässt und seine Anlageentscheidungen an kurzfristigen Marktschwankungen ausrichtet, wird auf lange Sicht mit hoher Wahrscheinlichkeit vergleichsweise schlechte Renditen erzielen. Langfristige Anlageerfolge erfordern langfristige Strategien und ein diszipliniertes Verhalten in turbulenten Marktphasen.

      Aus diesem Grund halten wir bei Whitebox an unserer bewährten Value-Strategie fest, die auf sorgfältigen Analysen fundamentaler Daten und Entwicklungen basiert. Selbstverständlich beobachten wir sehr genau, ob und inwiefern die teilweise drastischen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie langfristig die Ertragskraft und Ertragserwartungen unserer Investments belasten könnten. Sollten die Analysen fundamentaler Daten solche Belastungen erwarten lassen, werden wir unsere Portfolios der geänderten wirtschaftlichen Lage anpassen. Wohlgemerkt: Das können Anpassungen an mittel- und langfristigen Veränderungen in der Risikostruktur, aber auch im Hinblick auf neu entstandene Opportunitäten sein. Denn für einen Value-Investor können fallende Kurse günstige Einstiegsmöglichkeiten darstellen. Bisher sehen wir allerdings keinen Anlass, aufgrund des Coronavirus irgendwelche Umschichtungen vorzunehmen. Wir haben weiterhin Vertrauen in die Zusammensetzungen unserer Portfolios, die auf soliden fundamentalen Analysen und einer durchdachten Anlagestrategie beruhen. In der disziplinierten Umsetzung dieser Strategie liegt der Schlüssel für unseren und Ihren langfristigen Anlageerfolg.