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Warren Buffett: Der entscheidende Unterschied zwischen "preiswert" und "billig"

Salome Preiswerk
8. Oktober 2019

Warren Buffet ist der wohl wichtigste Apostel des Value-Investing. Er predigt langfristige Investitionen in Unternehmen, deren Preise deutlich unter ihrem tatsächlichen Wert liegen. Doch sein Ansatz unterscheidet sich in wichtigen Punkten von dem seines Lehrers Benjamin Graham.

Warren Buffet ist kein gewöhnlicher Investor, er ist eine Investment-Ikone. Zahllose Anhänger verehren ihn, die Medien feiern ihn als „einen der am meisten respektierten Investoren in Amerika“, als „Orakel“ oder „Zauberer von Omaha“, der trotz seines Milliardenvermögens ein bodenständiger, bescheidener, geradliniger und ehrlicher Mensch geblieben ist. Buffett erscheint vielen als eine Verkörperung des amerikanischen Traums: Aus bürgerlichen Verhältnissen stammend arbeitete er sich zu einem der reichsten Menschen der Welt empor. Seine Popularität rührt auch daher, dass er dabei in den Augen der meisten Amerikaner einer von ihnen geblieben ist, ein Baseball-Fan, der Fast Food und Coca Cola liebt, ihre Sprache spricht und die Sitten und Unsitten an der Wall Street und auf den Finanzmärkten offen kritisiert.

Für Investoren in aller Welt ist er darüber hinaus ein gern und viel zitierter Lehrmeister. Mit Buffett hat auch die von ihm praktizierte Anlagestrategie, das Value-Investing, an Popularität gewonnen. Diese Strategie wird mittlerweile vor allem mit seinem Namen und seinen beispiellosen Anlageerfolgen verknüpft, obwohl ihre Grundlagen ursprünglich von Benjamin Graham erarbeitet wurden. Doch die Strategie, die Buffet verfolgt, ist eine spezielle Variante des Value-Investing.

Buffett studierte und arbeitete bei Benjamin Graham und emanzipierte sich von ihm

Tatsächlich war Buffett nicht nur ein begeisterter Graham-Schüler an der Columbia University, sondern er arbeitete von 1954 an auch für kurze Zeit als Wertpapieranalyst in dessen Brokerfirma Graham-Newman Corporation. „Die grundlegenden Ideen des Investierens bestehen darin, Aktien wie Unternehmen zu betrachten, Schwankungen der Märkte zum eigenen Vorteil zu nutzen und eine Sicherheitsmarge zu verlangen“, fasste er Grahams Lehren einmal zusammen. „Und diese Ideen werden in 100 Jahren immer noch Grundprinzipien des Investierens sein.“ Von einer „Sicherheitsmarge“ sprechen Value-Investoren, wenn sie Aktien zu einem Kurs erwerben, der deutlich unter deren Wert liegt, den man aus fundamentalen Daten und Prognosen errechnen kann. Graham und dessen 1949 erschienenes Buch „The Intelligent Investor“ hatten erheblichen Einfluss auf Buffett: „Mir war auf einen Schlag klar, dass seine Aussagen Sinn ergaben. Das hat mein Berufsleben zweifellos geprägt.“

Doch schon während seiner Zeit bei Graham-Newman deutete sich an, dass Buffett irgendwann anders investieren würde als sein Lehrer: Graham hat Anlageentscheidungen ausschließlich auf Basis von Analysen wirtschaftlicher Daten und Zahlen treffen wollen. „Er wollte nicht, dass wir mit Managern reden“, erinnerte sich Buffet in einem Interview. Graham sei überhaupt nicht an wirklich hervorragenden Unternehmen interessiert gewesen, sondern habe meist mittelmäßige oder leicht überdurchschnittliche Gesellschaften gesucht, deren Aktien er sehr preisgünstig erwerben konnte. „Er kaufte von allem ein bisschen, so dass er breit diversifiziert war“, sagte Buffett. Das habe zwar gut funktioniert, sei aber nicht der Stil gewesen, den er selbst favorisiere. Buffett wollte vielmehr gezielt nach Unternehmen, Managern und Geschäftsideen suchen, die ihn wirklich begeistern.

Er sollte bald Gelegenheit bekommen, seine eigenen Ideen zu entwickeln: Als sich Graham 1956 aus dem Geschäftsleben zurückzog, gründete der 25-Jährige Buffett sein eigenes Vermögensverwaltungsunternehmen. Bis er den Investmentstil anwandte, für den er heute berühmt ist, dauerte es jedoch noch mehr als ein Jahrzehnt. Buffett entwickelte „seinen“ Stil unter dem Dach des von ihm zu einer Holdinggesellschaft umfirmierten Textilunternehmens Berkshire Hathaway. Hier bündelte er von 1969 an all seine Investmentaktivitäten und ordnete sie neu. Als Chairman und größter Aktionär der Gesellschaft hatte er nahezu unbegrenzte Freiheiten, um seine Ideen umzusetzen.

Mit seinem langjährigen Partner Charlie Munger holte er sich 1975 einen kongenialen Stellvertreter an Bord, der die Anlagestrategie der Holdinggesellschaft maßgeblich beeinflusste. Munger überzeugte Buffett davon, dass es besser sei, ein großartiges Unternehmen zu einem angemessenen Preis zu kaufen, als ein ordentliches Unternehmen zu einem großartigen Preis. Entgegen der reinen Lehre von Graham sind die Berkshire-Chefs seitdem bereit, für vermeintlich großartige Unternehmen einen Preis zu zahlen, der deutlich über dem in den Bilanzen ausgewiesenen Buchwert liegen kann (siehe hierzu auch die ausführlichen Erörterungen zum Thema Goodwill im Brief an die Berkshire-Aktionäre aus dem Jahr 1983). Preiswert ist eben etwas anderes als billig.

Auf Basis ihrer Anlagephilosophie haben Buffett und Munger ein stark konzentriertes Portfolio sorgfältig ausgewählter Unternehmen und Beteiligungen an Aktiengesellschaften aufgebaut, von denen sie sich am liebsten gar nicht mehr trennen mögen. Gemessen am Marktwert bestanden die größten Aktienpositionen von Berkshire Hathaway Ende 2017 aus Wells Fargo (Berkshire hielt 9,9 Prozent der Anteile an dem Unternehmen), Apple (3,3 Prozent), Bank of America (6,8 Prozent), Coca Cola (9,4 Prozent) und American Express (17,6 Prozent). Grundsätzlich empfiehlt Buffett jedem Investor, sich beim Kauf einer Aktie genau so zu verhalten, als würde er das gesamte Unternehmen kaufen: „Wenn Sie nicht bereit sind, eine Aktie für zehn Jahre zu besitzen, sollten sie nicht einmal darüber nachdenken, sie auch nur für zehn Minuten zu besitzen.“ Beim Investieren gehe es nicht um Spekulationen auf schnellen Reichtum, sondern um die Teilhabe an langfristig rentablen Unternehmen.

Berkshire schneidet auf lange Sicht besser ab als der S&P 500

Die Erfolge dieses speziellen Value-Ansatzes sind ebenso außergewöhnlich wie nachhaltig: Von 1965 bis Ende 2017 stieg der Marktwert der Berkshire-Aktie pro Jahr um durchschnittliche 20,9 Prozent, während der S&P 500 Index lediglich um 9,9 Prozent zulegte (siehe hierzu den Brief an die Berkshire-Aktionäre aus dem Frühjahr 2018). In ihrer 2013 veröffentlichten Studie „Buffet´s Alpha“ haben Andrea Frazzini, David Kabiller und Lasse Pedersen die Performance von Berkshire Hathaway im Zeitraum von 1976 bis 2011 genauer unter die Lupe genommen. Einige Ergebnisse: Die anhand der Sharpe Ratio gemessene risikoadjustierte Rendite der Holding war mit annualisierten 0,76 fast doppelt so hoch wie die des gesamten US-Aktienmarktes. Kein einziger US-Publikumsfonds, der mindestens 30 Jahre auf dem Markt war, hatte eine bessere Sharpe Ratio erwirtschaftet. Außerdem schreiben sie: „Unsere Untersuchungen deuten darauf hin, dass Buffetts Erfolge weder Glück noch Zufall sind, sondern der Lohn für eine erfolgreiche Fokussierung auf Faktoren, die in der Vergangenheit hohe Renditen hervorgebracht haben.“ Dabei habe es eine Rolle gespielt, dass Buffett und Munger selbst in Marktphasen unbeirrt an ihrer Anlagestrategie festgehalten haben, in denen andere Vermögensverwalter oder Fondsmanager zu Notverkäufen gezwungen worden wären oder ihren Job verloren hätten.

Buffett ist ein Verfechter von Geduld

Buffet selbst hat bei vielen Gelegenheiten darauf hingewiesen, wie wichtig Geduld und Stehvermögen für eine erfolgreiche Umsetzung von Value-Strategien sind. Und er findet immer wieder eingängige Bilder, um seinen Standpunkt zu verdeutlichen: „Zeit ist ein Freund der großartigen Gesellschaften, ein Feind der mittelmäßigen.“ Oder: „Ein Mensch sitzt heute im Schatten, weil irgendjemand vor langer Zeit einen Baum gepflanzt hat.“

In zahllosen Interviews, Vorträgen und vor allem in seinem alljährlichen Brief an die Berkshire-Aktionäre (ab 1977 zum Download auf der Berkshire-Website verfügbar) gibt Buffett sein Wissen, seine Erfahrungen und seine Meinungen bereitwillig weiter. Er gibt Ratschläge für erfolgreiches Investieren und warnt vor der Unberechenbarkeit der Märkte, den Risiken des Tradens, typischen Fehlern vieler Anleger oder den gravierenden Folgen überteuerter Finanzprodukte. Es gibt gute Gründe, diese Quellen ausgiebig zu nutzen. Denn wie der Zauberer von Omaha einst sagte: „Risiko resultiert daraus, dass man nicht weiß, was man tut.“

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