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Börsengehandelte Indexfonds

Warum Rankings bei der Auswahl von ETF nicht helfen

Von Salome Preiswerk

Dass man von vergangenen Renditen nicht auf die künftige Wertentwicklung schließen kann, gilt auch für börsengehandelte Indexfonds (ETF). Der Renditeabstand zwischen Index und ETF für einen bestimmten Zeitraum, die sogenannte Tracking-Differenz, schwankt erheblich über längere Perioden. Neben quantitativen sollten deshalb auch qualitative Faktoren bei der ETF-Auswahl einbezogen werden.

Was manche Medien ihren Lesern bieten, grenzt an Volksverdummung. Dazu gehören auch „Untersuchungen“ zu börsengehandelten Indexfonds, kurz ETF. Erst unlängst ließ ein Magazin eine „einzigartige Bestenliste“ von einem externen „Institut“ (so kann übrigens jeder sein Unternehmen nennen) erstellen. Die selbsternannten „ETF-Experten“ verglichen die Verwaltungskosten auf Grundlage der Total Expense Ratio (TER), die Wertentwicklung über ein Jahr und die Jahresrendite abzüglich der Handelskosten (Spread) an der Börse. Nach letzterer Kennzahl vergab das Magazin letztlich die Ranglistenplätze. Denn immerhin hatten die Macher korrekt festgestellt, dass zwei ETF auf denselben Index mit derselben TER unterschiedlich hohe Renditen liefern können.

Ich lehne mich keinen Millimeter aus dem Fenster, wenn ich prognostiziere, dass die „Bestenliste“ im nächsten Jahr vollkommen anders aussehen wird. Oder anders formuliert: Wer jetzt auf die erstplatzierten Fonds setzt, wird Ende 2018 mit seinen ETF mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht auf dem Siegerpodest stehen – weswegen solche Rankings für die Leser nutzlos und in vielen Fällen sogar schädlich sind. Sie suggerieren wissenschaftliche Genauigkeit und Prognosekraft, die sie aber in Wirklichkeit nicht besitzen, und führen so Anleger in die Irre.

Heute Gewinner, morgen Verlierer

Dass man von vergangenen Renditen nicht auf die künftige Wertentwicklung schließen kann, gilt nämlich nicht nur für aktiv gemanagte Fonds, sondern auch für ihre passive Konkurrenz, die lediglich versucht, die Kursentwicklung von Indizes so gut wie möglich nachzubilden. Der Renditeabstand zwischen dem Index und dem ETF für einen bestimmten Zeitraum, die sogenannte Tracking-Differenz, schwankt erheblich über längere Perioden, wie seriöse Untersuchungen zeigen, beispielsweise von dem unabhängigen Researchhaus Morningstar. Ein ETF, der heute die Nase vorn hat, kann in einem oder zwei Jahren zu den Losern gehören.

Das liegt daran, dass bei einem ETF nur die Verwaltungskosten im Vorfeld fix sind. Es gibt aber noch eine Reihe weiterer variabler Faktoren, die die Rendite maßgeblich beeinflussen können. Dazu zählt zum Beispiel der Verleih von Wertpapieren, sowohl bei ETF als auch bei aktiv gemanagten Fonds gängige Praxis. Damit bessern die Manager die Ergebnisse ihrer Fonds auf.

Das Geschäft mit dem Verleih von Wertpapieren

Doch die Erlöse aus dem Wertpapierverleih schwanken im Zeitablauf. Ihre Höhe hängt unter anderem vom Marktumfeld ab. Beispielsweise schnellten 2008 und 2009 die Einnahmen aus der Wertpapierleihe nach oben. Ursache war eine wachsende Zahl von institutionellen Investoren, die mit geliehenen Aktien auf fallende Kurse setzen wollten. Die Ausleiher verkaufen die Wertpapiere weiter und hoffen darauf, sie später wieder günstiger einkaufen und zurückgeben zu können. Die Differenz ist ihr Gewinn. Das ganze nennt sich Leerverkauf – ein Geschäft mit Hebelwirkung, denn die Leerverkäufer bezahlen nur eine vergleichsweise geringe Leihprämie an den Fonds.

Die Höhe dieser Prämie ist jedoch ebenfalls nicht konstant. Sie steigt beispielsweise, wenn das Vertrauen der institutionellen Anleger untereinander sinkt wie während der jüngsten Finanzkrise. Letztlich hängen die Einnahmen aber vor allem von der Verleih-Politik des ETF-Managements ab. Je höher die Verleihquote, desto größer die Einnahmen – und das Risiko, dass einer der Ausleiher die Wertpapiere nicht mehr zurückgeben kann.

Grundsätzlich können die Gewinne eines ETF aus Wertpapierleihgeschäften die jährlichen Verwaltungskosten übersteigen.   

Ein weiterer Faktor, der die Kosten eines ETF und damit seine Rendite beeinflusst, sind Transaktionskosten für den Handel von Wertpapieren, beispielsweise wenn einzelne Indexkomponenten ausgetauscht werden. Hinzu kommt: In solchen Phasen hält ein ETF Cash. Die Liquidität wird meist zum Geldmarktzins angelegt. Sind die Zinsen niedriger als die jeweilige Marktrendite, drückt das die Wertentwicklung des ETF nach unten. Sind die Geldmarktzinsen höher, etwa bei fallenden Aktienmärkten, ist es umgekehrt.

Zu Schwankungen der Tracking-Differenz führt bei physischen ETF auch die Replikationsmethode. Bei Indizes, die auch schwer handelbare Wertpapiere enthalten, kauft die ETF nur eine repräsentative Auswahl der liquidesten Indexkomponenten. Auch das kann, abhängig von der Marktentwicklung, zu einer höheren oder niedrigeren Tracking-Differenz führen.

Unter dem Strich erklären die Verwaltungskosten, die in der konstanten TER enthalten sind, nur 40 bis 50 Prozent der Wertentwicklung eines ETF. Der Rest entfällt auf weitgehend variable Faktoren.

Auch qualitative Faktoren sollten in die Analyse einbezogen werden

Weil sich auch an anderen einfachen, quantitativen Kennzahlen wie dem oft verwendeten Tracking-Error nicht ablesen lässt, welcher ETF einen Index künftig am besten abbilden wird, setzen wir bei Whitebox auch auf qualitative Analysen. Das ist aufwendig, aber eben auch deutlich vielversprechender.

Wir bevorzugen ETF, die von Managern mit langjähriger Erfahrung verwaltet werden. Auch sollten die Fondgesellschaften vernünftige Anreize setzen, um die Fluktuation in den Teams möglichst klein zu halten. ETF-Manager, die Wertpapiere selbst handeln oder zumindest den Prozess genau überwachen, achten nach unserer Erfahrung mehr auf niedrige Kosten. Zudem sollten die Managementteams über ausreichende Ressourcen verfügen und das sogenannte Indexing nicht als Nebenbeschäftigung betreiben. Darüber hinaus überprüfen wir die Prozesse: Etwa die Umsetzung der Replikationsmethode und den Umgang mit Wertpapierleihgeschäften.

All diese qualitativen Faktoren bleiben in den Schmalspur-Rankings, deren Erstellung Medien in Auftrag geben, unberücksichtigt. Meist schöpfen sie nicht einmal die Informationstiefe aus, die relativ leicht zu ermittelnde, quantitative Kennzahlen bieten. Wegen der fehlenden Prognosekraft sind solche Rankings für die Leser weitgehend nutzlos. Nicht aber für die Verlage. Für sie ist die Verdummung der Anleger ein lukratives Geschäft. Den zu „Siegern“ gekürten Fondsgesellschaften verkaufen sie „Gütesiegel“, mit denen die Anbieter wiederum – offenbar erfolgreich – neue Kunden werben. So haben alle was davon – nur nicht die Anleger.

© WHITEBOX, 23.01.2018

Foto: Farrukh / Flickr