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Anlagestrategie

Schlauer als der Markt: Was bringt Markttiming?

Wussten Sie, dass jeder vierte Deutsche Aktien für Zockerpapiere hält? Klar, unter bestimmten Voraussetzungen können sie das sogar sein. Und das liegt auch an einem Phänomen, von dem Sie vielleicht schon einmal gehört haben: dem sogenannten Markttiming. Ziel dieser Anlagestrategie ist es, die richtigen Einstiegs- und Ausstiegspunkte zu erwischen. Also, anders ausgedrückt: Im Tief einsteigen – und auf dem Höhepunkt wieder verkaufen. So viel zur Theorie.

In Wahrheit gelingt es nämlich so gut wie niemanden, den perfekten Moment zu erwischen. Ganz im Gegenteil: Die Analysten des Marktforschers DALBAR rechnen in regelmäßigen Abständen aus, wie viel Rendite Anleger durch den Versuch vernichten (!), den richtigen Zeitpunkt des Ein- oder Ausstiegs zu finden: Es sind ganze 2,5 Prozent – minus, wohlgemerkt.

Warum das so ist? Die Verhaltensökonomik – eine recht junge Disziplin der Wirtschaftswissenschaften – sieht den Grund in unserer Psyche: Das Gehirn geht mit Verlusten anders um als mit Gewinnen. Verluste will der Mensch nicht wahrhaben. Schnell verdrängen. Bloß nicht mehr dran denken. Vogel-Strauß-Taktik! Gewinne dagegen wollen wir sofort umsetzen. Hurrah! Geht doch! Her damit! Jetzt sofort! Aus dem Grund lassen wir oft taumelnde Aktien zu lange im Depot (mancher traut sich dann auch gar nicht mehr, nachzusehen) und steigen zu schnell aus, wenn die Reise nach oben geht.

Bestes Beispiel: Die Telekom-Aktie

Gerade kurzfristig kann das Spiel mit dem Timing gehörig schiefgehen. Denken Sie nur an die Telekom-Aktie, die sich manche Anleger im allgemeinen Fieberrausch bei mehr als 100 Euro geschnappt und zum einstelligen Wert wieder verkauft haben. Wer vor 20 Jahren jedoch kaufte und stets dabei blieb, hat jährlich fast drei Prozent Gewinn gemacht. Vor allem dank der Dividenden.

Auf die lange Sicht spielt Timing nämlich kaum eine Rolle. Denn Aktien bieten, vereinfacht gesprochen, eine Beteiligung an der Entwicklung von Volkswirtschaften. Die verläuft zwar nicht linear, aber in den großen Industriestaaten auf Dauer stetig ansteigend. Wie die Fondsgesellschaft Allianz Global Investors ausgerechnet hat, sind die Unternehmensgewinne in den USA seit 1871 jährlich um fast vier Prozent gestiegen (siehe Schaubild). Wer in den Krisen nicht zu schnell zuckte und immer schön dabei blieb, hätte mit dem S&P 500 zwischen 1871 und Ende 2015 jährlich 4,3 Prozent Rendite eingefahren. Wenn man die reinvestierten Dividendenbeiträge noch hinzurechnet, waren es sogar 8,7 Prozent.  

© WHITEBOX, 29.11.2016

Foto: Javier Graterol / Unsplash