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Was Sie beim Vergleich von Renditen wissen sollten | Whitebox

Was Sie beim Vergleich von Renditen wissen sollten

Geschrieben von Salome Preiswerk
1. Juli 2020
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Inhaltsverzeichnis

      Attraktive Renditen sind für die meisten Investoren ein wichtiges Ziel ihrer Geldanlagen. Daher spielen Renditen und Renditevergleiche eine große Rolle dabei, Anlageinstrumente und Vermögensverwalter auszuwählen und zu beurteilen. Dennoch ist Vorsicht geboten: Denn ein leichtfertiger Umgang mit Daten aus der Vergangenheit kann Investoren teuer zu stehen kommen.

      Renditechancen sind für die meisten Investoren ein ungemein wichtiges Kriterium bei der Auswahl von Anlageinstrumenten und Vermögensverwaltern. Und weil niemand in die Zukunft schauen kann, spielen Renditen aus der Vergangenheit bei Anlageentscheidungen eine bedeutende Rolle. Nicht nur Produktanbieter, sondern auch die Medien haben das längst erkannt und nutzen es für ihre Zwecke weidlich aus: Ob sie einen Fondsmanager des Jahres küren, den vermeintlich besten Vermögensverwalter präsentieren oder eine der vielen Ranglisten für Investmentfonds oder Asset Manager veröffentlichen – die in der Vergangenheit erzielten Erträge sind häufig ein wichtiges oder gar das wichtigste Bewertungskriterium. Doch Investieren ist kein Sport und es hilft Anlegern nicht weiter, wenn Finanzmedien alljährlich neue Starmanager krönen. Renditen aus der Vergangenheit sind nur dann eine sinnvolle Hilfe bei Anlageentscheidungen, wenn man sie richtig interpretiert und verwendet. Deshalb sollten Sie sich immer bewusst darüber sein, welche Schlüsse Sie aus solchen Renditeangaben und Renditevergleichen sinnvoll ziehen können – und worauf Sie achten müssen, wenn Sie verschiedene Angebote oder Anbieter miteinander vergleichen wollen.

      Welche Aussagekraft haben Renditen von gestern?

      Wenn Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter die von ihnen erzielten Renditen darstellen, müssen sie diese stets mit einem Warnhinweis versehen: „Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.“ Solche oder ähnliche Sätze müssen Anbieter unter oder neben jeder Darstellung von Renditen, die Produktanbieter und Dienstleister veröffentlichen. Denn: Wenn Fondsmanager, Robo-Advisor oder Vermögensverwalter in den vergangenen ein oder zwei Jahren überzeugende Renditen erzielt oder in entsprechenden Ranglisten Spitzenplätze eingenommen haben, bedeutet das nicht, dass sie das auch in Zukunft schaffen werden. Als Anleger sollten Sie dies immer berücksichtigen, wenn Sie Renditen analysieren oder miteinander vergleichen.

      Das bedeutet nicht, dass die in der Vergangenheit erzielten Renditen bei Ihren Anlageentscheidungen keine Rolle spielen sollten. Kein Mensch kann in die Zukunft schauen. Wir sind bei all unseren Entscheidungen, die wir mit Blick auf die Zukunft treffen, auf Informationen und Daten aus der Vergangenheit angewiesen. Bei Anlageentscheidungen gehören die erzielten Renditen dabei zu den Kriterien, die eine besonders wichtige Rolle spielen: Letztendlich nutzen die durchdachteste Anlagestrategie, ein hervorragendes Risikomanagement und optimale Transparenz eines Vermögensverwalters Ihnen als Anleger nichts, wenn dabei keine zufriedenstellenden Renditen herauskommen.

      Allerdings sagen Renditezahlen alleine nichts darüber aus, wie sie zustande gekommen sind. Aus einer hohen Rendite über drei oder fünf Jahre lässt sich beispielsweise niemals direkt auf eine hervorragende Anlagestrategie oder auf besondere Qualitäten eines Fondsmanagers oder Vermögensverwalters schließen. Häufig basieren außerordentlich hohe Renditen vor allem darauf, dass Manager im betrachteten Zeitraum sehr hohe Risiken eingegangen sind oder schlicht Glück hatten. Für Investoren kommt es daher darauf an, diese Zahlen mithilfe weiterer Daten und Informationen so zu interpretieren und einzuordnen, dass sie ein möglichst zutreffendes Bild von der Arbeitsweise der betrachteten Vermögensverwalter ergeben. Worauf Sie dabei achten sollten: 

      1. Zeitgewichtete versus kapitalgewichtete Renditen

      Schon bei der Betrachtung und beim Vergleich von Renditen gibt es einige Aspekte, die Sie als Anleger unbedingt beachten sollten. Das fängt damit an, dass es unterschiedliche Methoden gibt, Renditen zu definieren und zu berechnen. In der Praxis sind vor allem zeitgewichtete und kapitalgewichtete Renditen verbreitet: So blenden zeitgewichtete Renditen Zahlungsströme, die im Untersuchungszeitraum fließen, aus – also zum Beispiel Ein- und Auszahlungen in und aus Investmentfonds. Sie geben dadurch Auskunft darüber, welche Rendite ein Verwalter bei einer Einmalanlage erwirtschaftet hätte. Kapitalgewichtete Renditen berücksichtigen dagegen die Auswirkungen von Zahlungsströmen im Untersuchungszeitraum.

      Keine dieser Definitionen und Berechnungsmethoden ist richtig oder falsch, sie sind lediglich verschieden und in unterschiedlichen Zusammenhängen sinnvoll. Möchten Sie beispielsweise die Renditen verschiedener Fondsmanager miteinander vergleichen, sollten sie zeitgewichtete Renditen betrachten, weil die Manager keinen direkten Einfluss auf die Kapitalflüsse in und aus ihren Fonds haben. Wollen Sie dagegen wissen, welche Rendite Sie in einem bestimmten Zeitraum erzielt hätten, sollten Sie die tatsächlichen Zahlungsströme berücksichtigen und daher eine kapitalgewichtete Rendite berechnen. Im Falle einer einmaligen Investition sind beide Renditen identisch.

      2. Brutto- versus Nettorenditen

      Jedes Investment ist auch mit Kosten und Gebühren verbunden. Außerdem sind die anfallenden Erträge in der Regel steuerpflichtig. Die Angabe von Erträgen kann vor oder nach Abzug anfallender Kosten und Steuern erfolgen. Findet kein solcher Abzug statt, spricht man von Bruttorenditen, nach Abzug aller Kosten und Steuern von Nettorenditen. Die Nettorendite gibt also den Anteil der erwirtschafteten Erträge aus einer Kapitalanlage an, der Ihnen tatsächlich zur freien Verfügung übrig bleibt.

      In der Praxis veröffentlichen Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter meist keine reinen Brutto- oder Nettorenditen, sondern unterschiedliche Mischformen. Ob Sie bei Renditevergleichen Brutto- oder Nettorenditen oder eine Mischform aus beiden verwenden, bleibt Ihnen überlassen. Wichtig ist jedoch, dass alle Renditen nach einer einheitlichen Methode berechnet wurden.

      3. Rendite und Risiko

      Renditen und Risiken hängen eng miteinander zusammen. Wenn Sie mit einer Geldanlage weit überdurchschnittliche Renditen erzielen möchten, werden Sie hierzu auch überdurchschnittliche Risiken eingehen müssen. Das bedeutet allerdings nicht, dass hoch riskante Anlagen zwangsläufig höhere Renditen oder höhere Renditechancen bieten, wie man es bisweilen lesen kann. Wer diesem logischen Fehlschluss unterliegt, kann schnell einen finanziellen Schiffbruch erleiden. Richtig und wichtig ist es jedoch, bei Anlageentscheidungen die Renditechancen immer im Zusammenhang mit den dafür einzugehenden Risiken zu betrachten.

      Wenn Analysten oder Finanzwissenschaftler die Ergebnisse unterschiedlicher Kapitalanlagen miteinander vergleichen, betrachten sie daher normalerweise nicht nur deren Renditen, sondern immer auch die Risiken, die bei der Erwirtschaftung dieser Renditen eingegangen wurden. Hierzu berechnen sie sogenannte Performancekennzahlen, welche die Rendite ins Verhältnis zu einer zugehörigen Risikokennzahl setzen. Häufig vergleichen sie die analysierten Anlagerenditen dabei mit der Rendite irgendeiner Benchmark, beispielsweise eines Index oder einer vermeintlich risikolosen Geldanlage. Die bekannteste und am weitesten verbreitete Performancekennzahl ist die Sharpe Ratio. Sie ist aus verschiedenen Gründen umstritten – unter anderem, weil sie als Risikomaß die Volatilität oder Schwankungsbreite der Preise von Anlageinstrumenten enthält.

      Es gibt mittlerweile eine Fülle weiterer Performancekennzahlen, die ganz unterschiedliche Risikomaße verwenden. Fast jeder dieser Ansätze hat gewisse Vor- und Nachteile. Und obwohl es grundsätzlich sinnvoller ist, bei der Auswahl von Managern oder Anlageprodukten eher solche Kennzahlen als bloße Renditen zu berücksichtigen, gilt auch hier: Sie sollten sich bei Anlageentscheidungen nicht nur auf eine einzige Kennzahl stützen.

      4. Warum eine Benchmark oft überflüssig ist

      In der Fondsbranche hat es sich eingebürgert, die Renditen von Investmentfonds mit den Wertentwicklungen mehr oder weniger sinnvoll gewählter Indizes, sogenannter Benchmarks, zu vergleichen. Ein solcher Ansatz erscheint deshalb naheliegend, weil die meisten aktiven Fonds das erklärte Ziel verfolgen, bessere Renditen zu erwirtschaften als bestimmte Marktindizes – also im Aktienbereich beispielsweise der Dax, der Stoxx 50 oder der S&P 500. Dies hat zur Verbreitung einiger komplexerer Renditekennzahlen beigetragen, die explizit im Verhältnis zu einer bestimmten Benchmark errechnet werden – beispielsweise das mysteriöse Alpha, über das in Werbeanzeigen und -broschüren häufig eine Menge Unsinn geschrieben steht.

      Sofern Sie als Investor nicht von dem Ehrgeiz getrieben werden, die Wertentwicklung irgendeiner Benchmark übertreffen zu wollen, ist es meist sinnvoller, darauf zu verzichten. Stattdessen können Sie bestimmte Grenzen für Ihre Risikotoleranz definieren und dann gezielt nach Vermögensverwaltern, Fondsmanagern oder Anlagestrategien suchen, die in dem dadurch vorgegebenen Risikorahmen überzeugende Renditen erwirtschaftet haben. Ihr Ziel ist es dann, eine Anlagestrategie mit einem passenden und möglichst guten Rendite-Risiko-Verhältnis zu finden.

      5. Wie lange sollte man zurückschauen?

      Rendite- und Performancevergleiche für die zurückliegenden zwölf Monate sind in vielen Medien populär, weil die Spitzengruppen der entsprechenden Ranglisten sich schnell und häufig verändern und daher einen hohen Unterhaltungswert bieten. Als Grundlage für sinnvolle Investitionen sind solche kurzfristigen Betrachtungen jedoch völlig ungeeignet. Auch mittelfristige Analysezeiträume von drei oder fünf Jahren sind oft problematisch, wenn Sie eine langfristige Anlageentscheidung treffen möchten. Um mithilfe quantitativer Analysen ein halbwegs realistisches Bild von den Fähigkeiten eines Fondsmanagers, Vermögensverwalters oder Robo-Advisors gewinnen zu können, sollten Sie idealerweise über dessen Performancedaten während einer vollständigen Hausse- und Baissephase der Märkte verfügen, auf denen er agiert.

      6. Unterschiedliche Darstellungen von Renditen

      Anbieter von Finanzdienstleistungen und Anlageprodukten stellen Renditen in ganz unterschiedlicher Form dar. Als Standards haben sich grafische Darstellungen als Linien- oder Balkendiagramme und numerische Darstellungen als Prozentangaben oder Geldbeträge etabliert. Häufig enthalten die Informationsmaterialien unterschiedliche Darstellungen der erzielten Renditen. In vielen der sogenannten Factsheets, in denen die Anbieter von Investmentfonds monatlich einen aktuellen Überblick über die Entwicklung ihrer Fonds geben, sind beispielsweise folgende Darstellungen der Renditen enthalten:

      • Ein Linien- und ein Balkendiagramm, welche die Wertentwicklung in einem mittelfristigen Zeitraum (oft fünf Jahre) grafisch darstellen,
      • die kumulierten prozentualen Wertentwicklungen für mehrere Zeiträume (oft für einen Monat, ein Jahr, drei und fünf Jahre, das derzeitige Kalenderjahr und seit Auflegung des Fonds),
      • die annualisierten prozentualen Wertentwicklungen für mehrere Zeiträume (oft drei und fünf Jahre),
      • die prozentualen Wertentwicklungen in den vergangenen (meist drei bis fünf) Kalenderjahren sowie
      • Performancekennzahlen wie die Sharpe Ratio oder Information Ratio (oft für drei Jahre berechnet) zur Darstellung der risikoadjustierten Rendite.

      In Deutschland erfolgen diese Angaben in der Regel nach Abzug aller Kosten, die auf der Fondsebene anfallen, also beispielsweise Verwaltungsgebühren und Transaktionskosten. Kosten, die auf Seiten der Anleger anfallen können, wie Ausgabeaufschläge oder Depotgebühren, sind bei den Darstellungen größtenteils nicht berücksichtigt. Außerdem berechnen Fondsanbieter in Deutschland die Renditen ihrer ausschüttenden Fonds in der Regel anhand der BVI-Methode – also unter der Annahme, dass ausgeschüttete Erträge aus Zinszahlungen und Dividenden sofort und vollständig (also ohne Gebührenbelastung) in neue Fondsanteile investiert werden und damit einem Zinseszinseffekt unterliegen.

      Auch wenn die Berechnung also sehr verschieden erfolgen kann, sollten die unterschiedlichen Darstellungen Sie nicht verwirren. Tatsächlich können sie dabei helfen, sich schnell und einfach ein genaueres Bild von der Performance der vergangenen Jahre zu machen, als es mit einer einzigen Darstellungsform möglich wäre. Wollen Sie beispielsweise wissen, ob Sie mit einem Investmentfonds in den vergangenen fünf Jahren eine höhere Rendite erzielt hätten als mit einer bestimmten fest verzinslichen Anlage? Dann brauchen Sie lediglich deren Zinssatz mit der annualisierten Rendite des Fonds zu vergleichen. Charts helfen dabei oft nicht weiter.

      Renditen als Verständnishilfe

      Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Rendite- und Performancedaten aus der Vergangenheit ein sinnvolles und nützliches Hilfsmittel bei Anlageentscheidungen sein können, sofern Sie diese Daten richtig interpretieren und beim Umgang mit ihnen gewisse Regeln beachten. Wie immer bei Anlageentscheidungen ist es auch hier wichtig, dass Sie wissen, was Sie tun. Unter dieser Voraussetzung können Daten aus der Vergangenheit Ihnen aber dabei helfen, die Strategie und die Vorgehensweise eines Anbieters zu verstehen und einzuschätzen, wie er sich in künftigen Marktsituationen verhalten könnte. Je besser und fundierter Ihr Eindruck davon ist, wie ein Vermögensverwalter oder Robo-Advisor in bestimmten Situationen agiert und wie seine Strategie funktioniert, desto größer ist auch die Chance, dass er Ihre Wünsche und Erwartungen langfristig erfüllen kann.