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Wer hat Angst vorm Brexit? Wir nicht.

Salome Preiswerk
14. Januar 2019

Die Angst vor einem chaotischen Brexit verunsichert viele Anleger. Eine Folge: Britische Aktien sind derzeit unbeliebt und relativ preiswert, obwohl die fundamentalen Rahmenbedingungen vor allem für global ausgerichtete Gesellschaften nach wie vor gut sind. Auf ihrem gegenwärtigen Kursniveau halten wir britische Standardwerte daher für attraktiv.

Die Aufregung um den Brexit nimmt wieder einmal zu: Am 15. Januar stimmte das britische Parlament über das Brexit-Abkommen ab, am 29. März soll der Austritt der Briten aus der Europäischen Union vollzogen werden. Es bleibt also noch genügend Zeit für wilde Spekulationen und neue Schreckensszenarien. Viele Anleger zeigen sich verunsichert, manche meiden britische Aktien wie der Teufel das Weihwasser. Bei uns ist es umgekehrt: Je unbeliebter britische Aktien werden, desto besser gefallen sie uns. Ja, wir haben eine positive Sicht auf den britischen Aktienmarkt. Viele werden sich jetzt fragen, wie um Himmels Willen gerade mit dem Brexit vor der Tür jemand britische Aktien gut finden kann. Ganz einfach: Alle Zutaten für die gesteigerte Beachtung durch einen Value-Investor sind gegeben: Britische Aktien sind ungeliebt, vergleichsweise günstig und fundamental robust. Sie sind zudem eine rare Gelegenheit in der aktuellen Zeit mit vielen nach wie vor überteuerten Anlageoptionen.

Als Value-Investoren interessieren wir uns nicht für Katastrophenängste und Weltuntergangsfantasien. Wir hören nicht auf Emotionen, sondern auf rationale Argumente. Statt auf den Lärm aus der Politik hören wir auf die Stimme der Vernunft. Was bedeutet das? Dass wir bei unseren Anlageentscheidungen stets und ausschließlich auf Daten und Fakten achten. Und die sehen für britische Unternehmen vergleichsweise gut aus.

Unserer Überzeugung nach hängen die für Investoren relevanten Verlustrisiken aus Aktienanlagen vor allem von drei Faktoren ab: dem Bewertungsniveau der Aktien beziehungsweise dem Einstiegspreis, zu dem diese erworben wurden, den fundamentalen Rahmenbedingungen und der Verschuldung der Unternehmen.

Britische Aktien sind relativ niedrig bewertet

Britische Aktien sind derzeit vergleichsweise preiswert. Eine Kombination verschiedener fundamentaler Bewertungsmaßstäbe ergibt ein eindeutiges Bild: Der britische Aktienmarkt ist zwischen 30 und 45 Prozent günstiger bewertet als der US-Markt. Das ginge ja noch. Doch auch Aktien aus China, der Schweiz, Portugal, Irland oder Mexiko sind momentan im Durchschnitt teurer als britische Dividendenpapiere.

Diese relativ niedrige Bewertung ist unserer Ansicht nach insbesondere im Fall britischer Standardwerte nicht gerechtfertigt und zeigt, wie viel Angst und Abneigung in den aktuellen Preisen steckt. Denn dieser Tage wird schnell vergessen, dass die britische Wirtschaft nicht mit britischen Aktien gleichzusetzen ist. Die im FTSE 100 enthaltenen größten britischen Aktiengesellschaften erwirtschaften 70 Prozent ihrer Umsätze außerhalb Großbritanniens. Es handelt sich also meist um multinationale Konzerne, deren Erfolge kaum von der Entwicklung der britischen Binnenwirtschaft abhängen. Außerdem profitieren viele dieser Unternehmen von der Abwertung des britischen Pfundes gegenüber den Währungen wichtiger Handelspartner. So notiert der Euro gegenüber dem britischen Pfund heute etwa zehn Prozent höher als am Tag des Brexit-Referendums. Importe britischer Güter sind aus Perspektive der Euro-Länder also entsprechend günstiger und damit attraktiver.

Die Fundamentaldaten sind gut

Die Umsätze und die Gewinne britischer Aktiengesellschaften haben sich in den vergangenen 25 Jahren robust entwickelt und es gibt derzeit keinerlei Anzeichen dafür, dass sich das in näherer Zukunft ändern wird. Dass das durchschnittliche Umsatz- und Gewinnwachstum in der jüngeren Vergangenheit etwas schlechter ausgefallen ist als in anderen wichtigen Aktienmärkten liegt vor allem an dem recht hohen Anteil, den große Energie- und Bergbauunternehmen an britischen Aktienindizes haben. Die sinkenden Rohstoffpreise haben britische Marktbarometer damit stärker belastet als die Indizes der meisten anderen Industrieländer. Das Brexit-Referendum hatte dagegen bislang nur einen sehr geringen Einfluss auf die fundamentale Entwicklung britischer Aktiengesellschaften.

Britische Unternehmen sind nicht überschuldet

Auch die Verschuldung britischer Unternehmen bereitet uns derzeit keine Sorgen. Ein klares Warnsignal für eine zu hohe Verschuldung liegt dann vor, wenn die Eigenkapitalrenditen im Verhältnis zu den erzielten Gewinnmargen ungewöhnlich hoch ausfallen. Bei britischen Aktiengesellschaften ist der Unterschied zwischen Gewinnmargen und Eigenkapitalrenditen derzeit deutlich geringer als in den 1990er und 2000er Jahren. Wir sehen daher keine Anzeichen für eine akute Überschuldung britischer Unternehmen.

Mehr Chancen als Risiken

Sicher, der Brexit kann auch negative realwirtschaftliche Auswirkungen haben. Beispielsweise könnten sich die inländischen Gewinnmargen aufgrund stagnierender Verkäufe und höherer Importkosten verringern, wovon in erster Linie Gesellschaften betroffen wären, die einen Großteil ihrer Umsätze in Großbritannien erwirtschaften. Angesichts der momentan hohen Ausschüttungsquoten könnten zudem die Dividendenrenditen tendenziell zurückgehen. Außerdem könnten Investoren von britischen Unternehmen in dem neuen politischen Umfeld grundsätzlich höhere Risikoprämien verlangen.

Solche fundamentalen Unsicherheiten sollten sachlich gegen die Chancen abgewogen werden, die britische Aktien langfristig bieten. Unserer Meinung nach werden die realwirtschaftlichen Risiken angesichts der Unsicherheiten über die Umsetzung und die Folgen des Brexit derzeit stark überbewertet. Zwar könnte es kurzfristig durchaus zu weiteren Kursverlusten kommen, aber ein Großteil dieser Unsicherheiten sollte sich in den aktuellen Aktienkursen bereits widerspiegeln.

„Aktien kaufen, wenn die Kanonen donnern“

Eine alte Börsenweisheit besagt, man soll „Aktien kaufen, wenn die Kanonen donnern“. Als langfristig orientierten Value-Investoren reicht uns Kanonendonner als Grundlage für Anlageentscheidungen nicht aus. Er hält uns aber auch nicht von Investitionen ab, wenn er so viele furchtsame, ungeduldige Anleger aus einem Aktienmarkt getrieben hat, dass uns dessen Bewertung günstig erscheint. Wir halten es dann mit Warren Buffett, der einmal gesagt hat: „Die Börse ist eine Einrichtung für die Übertragung von Geld von den Ungeduldigen zu den Geduldigen.“ Und für genau diese geduldigen Investoren könnten sich jetzt Chancen für einen günstigen Einstieg in britische Standardwerte ergeben.

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