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Altersvorsorge

Wollen Sie Frau Nahles Ihre Rente planen lassen?

Salome Preiswerk

Hilfe, die Rente! Ein leidiges Thema, ich weiß. Ein bisschen wie der Zahnarztbesuch. Vorher graut es einem schon – und nachher war´s noch schlimmer als befürchtet. Doch, mal ganz ehrlich: Wenn man sich im Vorfeld ein bisschen drum kümmert, werden diese Besuche gar nicht mehr so unangenehm. Oder?

Ähnlich ist es mit dem Geld, das wir im Alter ausgeben können. Gerade die Jüngeren sind verunsichert. Reicht die Rente wirklich zu einem Leben auf dem heutigen Niveau? Oder sind die heute 30- bis 40-Jährigen die erste Generation seit langem, der es im Alter nicht mehr so gut wie im Arbeitsleben geht?

Wie die Demografie im heutigen System auf Rentenniveau und Beitragssatz durchschlägt, hat der Volkswirt Martin Werding von der Ruhr-Universität in dieser Grafik (die Studie finden Sie hier) einmal dargestellt. Zugegeben: Jetzt wird es ein bisschen technisch. Aber es lohnt sich!

Die Rente fällt kleiner aus

Kurzgefasst: Im heutigen System würden die Beiträge deutlich steigen und gleichzeitig das Rentenniveau kräftig sinken. Wie extrem die Entwicklung ausfällt, hängt davon ab, ob die Geburtenrate anzieht und die Lebenserwartung eher langsam steigt (Kurve „junge Bevölkerung) oder die Geburtenziffer sinkt und die Lebenserwartung stärker steigt (Kurve „alte Bevölkerung“).

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles will das Niveau stabilisieren – allerdings auf niedrigem Niveau. Dafür nimmt sie deutlich höhere Beiträge in Kauf. Der frühere Arbeitsminister Norbert Blüm bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: „Die Jungen müssen mehr bezahlen, alles andere wäre eine Lüge“. Und: Sie werden das auch länger machen müssen. Damit das Umlagesystem erhalten bleibt, müsste das Renteneintrittsalter auf 71 Jahre erhöht werden, wie der Ökonom Lars Feld, Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung, jüngst ausgerechnet hat.

Doch wirkliche Unruhe will keiner verbreiten. Die Bundesregierung gibt sich optimistisch. Das ist zumindest in ihrem sogenannten Alterssicherungsbericht nachzulesen. Glaubt man dem Bericht, dann steht ein Durchschnittsverdiener, der 2025 oder 2030 in Rente geht, besser da als jemand, der 2016 den Ruhestand erreicht. Also alles gut?

Zweifel auch bei Regierungsberatern

Mitnichten. Denn das Kalkül der Regierung, dass künftige Rentner mit Riester und/oder anderen Vorsorgeverträgen die eigene Versorgung aufpeppen, geht bislang nicht auf. Es gibt diverse Fachleute, die ihre Zweifel haben – unter anderem sogar jene, die die Bundesregierung bei der Rente beraten. Im sogenannten Sozialbeirat sitzen zwölf Fachleute, darunter Wissenschaftler sowie Vertreter von Arbeitgebern, Gewerkschaften und Bundesbank. Sie glauben nicht, dass die private Zusatzvorsorge ausreicht. Die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert die Warnung der Experten, wonach „nicht alle Versicherten in dem in den Modellrechnungen unterstellten Umfang vorsorgen“. Mit anderen Wort: Sie wissen, dass sie zum Zahnarzt müssen, wehren sich aber mit Händen und Füßen.

Und wissen Sie was? Bislang konnte man das ihnen nicht verdenken! Denn das „Ansparen“ war in den letzten Jahren ja fast so grausam wie der ... na, Sie wissen schon.

In dieser extremen Zeit haben Sparer doppelt gelitten. Zum einen ist bei den Zinsen längst nichts mehr zu holen. Zum anderen wird ihr Sparguthaben faktisch jeden Tag ein Stück entwertet.

Im Oktober und November pendelte die Inflationsrate bei 0,7 Prozent (was 10.000 Euro in fünf Jahren auf 9.657,23 Euro runterschmilzt). Doch dabei wird es nicht bleiben. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass das Geld in Zukunft noch mehr an Wert verliert. Die Europäische Zentralbank flutet die Märkte mit Geld, auch um ihr Ziel – eine Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent – zu erreichen. Für das kommende Jahr rechnen die Zentralbanker bereits mit einer deutlich höheren Rate von 1,3 Prozent (was aus den 10.000 Euro 9.374,60 Euro macht). Für deutsche Sparer besonders unangenehm: Zwischen Flensburg und Konstanz verliert das Geld schneller an Wert als im Durchschnitt der Eurozone (hier liegt die Quote bei 0,6 Prozent). Kurz: Der deutsche Sparer ist besonders gekniffen.

Gebühren fressen Rendite auf

Doch nicht nur Inflation und Null-Zinsen machen das Ansparen schwer. Auch die staatlichen Angebote überzeugen die wenigsten (siehe Warnung der Experten zur niedrigen Beteiligung). Die Riester-Rente scheiterte in der Praxis an den hohen Abschluss- und Verwaltungsgebühren. Das liegt auch an einer Finanzbranche, die über die Jahre Speck angesetzt und Kunden mit undurchsichtigen und intransparenten Angeboten hingehalten hat. Wer nicht zufällig Jurist war und sich in seiner Freizeit durchs Kleingedruckte wühlen wollte, der fand oft erst nach Jahren heraus, wie wenig bei seiner Geldanlage übrigblieb. Hohe Gebühren und falsche Anreize bei Banken und Versicherungen sorgen dafür, dass die Investition so ziemlich überall hängen blieb. Nur eben nicht bei demjenigen, der für seine Rente ansparen wollte.

Aber ich will die Riester-Rente nicht in Bausch und Bogen schlechtreden. Denn grundsätzlich verfolgte sie die richtige Idee: Wer im Alter nicht auf vieles Liebgewonnenes verzichten will, muss selbst vorsorgen.

Insofern kommt die Digitalisierung der Finanzwirtschaft zur rechten Zeit – oder: gerade noch rechtzeitig! Die Finanzwelt steht vor einem Umbruch. Start-Ups sorgen hier für frischen Wind, weil sie für mehr Auswahl und Vergleichbarkeit sorgen.

Risiko lässt sich heute steuern

Online ist es heute besser denn je möglich, nicht nur das Finanzwissen von Menschen mit der komplexen Datenverarbeitung intelligenter Software zu kombinieren. Einige digitale Anbieter können zudem die Risiken sehr genau steuern – etwa, indem sie die Geldanlage im Risiko immer weiter reduzieren, je näher der Renteneintritt kommt. Denn an ein gewisses Risiko, sprich einen relevanten Aktienanteil, müssen wir uns gewöhnen, um allein die Inflation zu schlagen. Intelligente Modelle sorgen aber dafür, dass dieses Risiko – je nach Veranlagung des Anlegers – frühzeitig reduziert wird. Damit ist das Geld dann auch wirklich da, wenn man es braucht – und vorher eine schöne Rendite erwirtschaften kann.
Die Digitalisierung sorgt hier auch ein Stück weit für eine Demokratisierung. Bei einigen Anbietern sind Risikomodelle im Einsatz, die bislang nur institutionellen Anlegern wie Versicherungen oder Investment- und Pensionsfonds vorbehalten waren. Jetzt sind sie auch für diejenigen zu haben, die ein paar Tausend Euro anlegen möchten.

Und glauben Sie mir: Es macht Spaß, dem Geld beim Wachsen zuzusehen. Das ist fast so gut wie das Gefühl nach dem Zähneputzen.

© WHITEBOX, 22.12.2016

Foto: Nathália Bariani