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Mehr als nur ein Trend

Geschrieben von Nadine Friederichs
27. Mai 2020
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Inhaltsverzeichnis

      Nachhaltige Geldanlagen liegen im Trend. Nicht ohne Grund: Denn ethisch-ökologische Kriterien werden bei der Unternehmensführung immer wichtiger. Und es spricht einiges dafür, dass sich daran so schnell nichts ändert. Wie Sie an dem langfristigen Trend teilnehmen können und welche Finanzprodukte Ihnen dabei zur Verfügung stehen, lesen Sie hier.

      Die wichtigsten Aspekte dieses Artikels:

      • ESG (Environment, Social, Governance): Drei Buchstaben erobern die Welt
      • Grüne Investments sind mehr als eine Modeerscheinung
      • Spezielle Fonds enthalten nachhaltig agierende Unternehmen
      • Wie Sie mit börsennotierten Indexfonds (ETFs) profitieren
      • Grüne Geldanlagen liefern gute Performance

      Was bedeutet Nachhaltigkeit in der Finanzwelt?

      Was steckt eigentlich hinter nachhaltigen Geldanlagen? Was macht das Thema so populär? Das gesellschaftliche Umdenken im Sinne einer nachhaltigeren Lebensweise äußert sich auch in der Ausrichtung vieler Unternehmen. Aspekte wie Klimaschutz, faire Arbeitsbedingungen, Geschlechtervielfalt sowie transparente Reporting-Methoden des Managements haben sich in den vergangenen Jahren fest etabliert. Große Investoren wie Fondsgesellschaften fragen bei den Unternehmen gezielt nach, ob sie bestimmte Nachhaltigkeits-Kriterien erfüllen. Im Vordergrund stehen dabei häufig folgende Kriterien, auch unter dem Kürzel „ESG“ bekannt:

      • Umwelt (Environment)
      • Soziales (Social)
      • Unternehmensführung (Governance)

      Der Begriff „nachhaltig“ impliziert also mehrere Facetten. Auf das Investment bezogen meint es: Unternehmen, die auf den Schutz der Umwelt, auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter und Kunden sowie auf das Allgemeinwohl Wert legen, denken und handeln langfristig, sprich: nachhaltig. Und dies kommt auch bei denjenigen an, die sich an den Unternehmen beteiligen, beispielsweise indem sie deren Aktien kaufen.

      Wie nachhaltig ist der ESG-Trend?

      Mit Trends ist das beim Investieren immer so eine Sache. Einerseits klingt es verlockend, wenn Aktienanleger Themen entdecken, die immer mehr Investoren begeistern. Schließlich lässt die wachsende Nachfrage die Kurse und damit die Laune der Aktionäre steigen. Andererseits weiß niemand so genau, wie lange Trends anhalten. Sollte die Popularität für ein Thema nachlassen, drückt dies die Kurse und zugleich die Investmentstimmung. Der Trend bei nachhaltigen Geldanlagen dürfte aber im Gegensatz zu vielen anderen Börsentrends tatsächlich nachhaltig sein. Nachhaltig im Sinne von langfristig. Es ist keinesfalls übertrieben, angesichts des ESG-Booms von einem Paradigmenwechsel zu sprechen. Denn weder die Öffentlichkeit noch die Investoren tolerieren es, wenn Unternehmen umwelt- und klimafeindlich agieren. Konzernskandale wie die VW-Abgasaffäre oder das Ölleck der BP-Plattform Deepwater sind dafür zwei schillernde Beispiele. Hinzu kommt, dass der regulatorische Druck auf die Unternehmen steigt. So üben Regulierungsbehörden besonders bei professionellen Investoren Druck aus, bei treuhänderischen Investments ESG-Risikoanalysen und entsprechende Offenlegungen umzusetzen. Ein großer Teil der weltweit größten Vermögensverwalter haben die von den Vereinten Nationen (UN) befürworteten Prinzipien für verantwortungsbewusstes Investieren, Principles for Responsible Investment (PRI), unterzeichnet. Zusammen macht dies bei mehr als 2.300 Mitgliedern aus 50 Ländern ein verwaltetes Vermögen von mehr als 60 Billionen US-Dollar aus.

      Wie können Anleger auf das Thema Nachhaltigkeit setzen?

      Immer mehr Informationen darüber, wie nachhaltig Unternehmen im Einzelnen agieren, sind öffentlich verfügbar. Dies erleichtert es Experten, Firmen im Hinblick auf deren Umfang mit den ESG-Kriterien unter die Lupe zu nehmen. Beispielsweise müssen seit 2017 börsennotierte Unternehmen in der Europäischen Union (EU), die mehr als 50 Mitarbeiter haben, in ihren Geschäftsberichten Informationen zu Umwelt, sozialen Aspekten sowie Menschenrechten und Korruption offenlegen. Solche Kriterien können in Indizes abgebildet werden. Damit ist es Anlegern einfach und ohne Umwege möglich, auf nachhaltige Geldanlagen zu setzen. Dies geht zum Beispiel, indem Sie sich per Indexfonds einen Korb aus Unternehmen mit überprüften ESG-Praktiken ins Depot legen. So prüft das ESG-Team des Indexentwicklers MSCI weltweit mehr als 6.000 Unternehmen, die alle ihr eigenes Rating erhalten. Auf diese Weise entwickelt MSCI „nachhaltige Indizes“, die ausschließlich Titel von Unternehmen enthalten, die bei der Einhaltung der ESG-Faktoren in ihren Branchen führend sind. Anleger können mit kostengünstigen, passiv gemanagten und börsennotierten Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz: ETFs) auf die entsprechenden Indizes, die die ESG-Kriterien erfüllen, investieren. Übrigens nicht nur mit Aktien-ETFs, sondern auch mit Anleihe-ETFs. Beispielsweise können Anleger über den Solactive Green Bond Index umweltfreundliche Projekte unterstützen, die den Klimawandel bremsen und die Umwelt schonen sollen. Der Referenzindex enthält Anleihen, die von der Climate Bond Initiative – einer gemeinnützigen und unabhängigen Organisation zur Förderung von Investitionen in umweltfreundliche und kohlenstoffarme Projekte – als Green Bonds klassifiziert und anerkannt werden.

      Wie beliebt ist das Thema Nachhaltigkeit bei Anlegern?

      Nachhaltige Geldanlagen liegen im Trend. Inzwischen gibt es hunderte Fonds, die Nachhaltigkeitsaspekte explizit in den Vordergrund stellen. Der große Teil von ihnen besteht aus aktiv gemanagten (klassischen) Fonds. In den vergangenen Jahren wurden jedoch immer mehr passiv verwaltete Indexfonds (ETFs) aufgelegt. Ein Grund für die wachsende Beliebtheit der ETFs sind die wesentlich niedrigeren Managementgebühren dieser Produkte gegenüber ihren aktiv gemanagten Pendants. Denn dadurch, dass ETFs einfach nur einen Index nachbilden und kein aktives Fondsmanagement betrieben wird, , weisen Indexfonds eine deutlich schlankere Kostenstruktur auf. 2019 erzielten ETFs, die bei der Titelauswahl die ESG-Kriterien berücksichtigen, Rekordzuflüsse. Das investierte Vermögen in ESG-ETFs an der Frankfurter Wertpapierbörse stieg im elektronischen Handel (Xetra) auf rund 23 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr wuchs dieser Markt um 217 Prozent – 2018 waren es rund sieben Milliarden Euro gewesen. „Hier treffen zwei besonders markante Entwicklungen im Finanzsektor aufeinander: Der Trend zu passiven Investments über ETFs und der Wunsch nach einer nachhaltigen Geldanlage“, so Stephan Kraus, der das ETF-Segment der Deutschen Börse verantwortet. „Die Produkte sprechen unterschiedliche Investorengruppen an, professionelle Investoren wie auch Privatanleger.“

      Wie gut performen Nachhaltigkeitsfonds?

      Es gibt inzwischen zahlreiche Fonds, die ethisch-ökologische Kriterien berücksichtigen. Daher fällt es schwer, pauschal zu sagen, ob sich „grüne“ Investments nun besser oder schlechter entwickelten als der „normale“ Markt, wozu zum Beispiel große Börsenbarometer wie S&P 500 (USA), Euro Stoxx 50 (Eurozone), DAX (Deutschland) oder Nikkei 225 (Japan) gehören. Hinzu kommt, dass gerade große Konzerne, die in diesen Leitindizes enthalten sind, häufig bereits ESG-konform ausgerichtet sind. Dennoch: Untersuchungen haben ergeben, dass nachhaltige Geldanlagen grundsätzlich nicht schlechter laufen als ihre Pendants. So hat die Ratingagentur Scope untersucht, ob die Ausrichtung der Investmentstrategie auf Nachhaltigkeitsaspekte mit Performanceeinbußen verbunden ist. Dabei hat die Agentur die beiden Nachhaltigkeits-Peergroups „Aktien Nachhaltigkeit / Ethik Europa“ und „Aktien Nachhaltigkeit / Ethik Welt“ mit ihren nichtnachhaltigen Pendants „Aktien Europa“ sowie „Aktien Welt“ verglichen. Die Experten kommen zum Schluss, dass sich im Schnitt über fünf Jahre keine signifikanten Unterschiede bei den Aktienfonds feststellen lassen. Die nachhaltigeren Peergroups entwickelten sich sogar etwas besser. Ein anderes Beispiel ist die Schweizer Universität Lausanne, die den Zusammenhang zwischen der Wertentwicklung von ESG-Anlagen und breit gefassten Investments unter die Lupe nahm. In der Studie untersuchten Forscher die zurückliegende Performance von rund 7.000 internationalen Aktien aus dem MSCI All Country World Index, der die Wertentwicklung von Unternehmen aus 23 Industrieländern und 26 Schwellenländern abbildet, zwischen 2007 und 2019. Das Ergebnis: Der Ausschluss von Unternehmen auf Basis ihres ESG-Scores wirkte sich nicht negativ auf das Portfolio aus.