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FAANG-Aktien: Ist das Beste schon vorbei? | Whitebox
Aktien | Investieren | 5 min

FAANG-Aktien: Ist das Beste schon vorbei?

Geschrieben von Nadine Friederichs
6. April 2020
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Inhaltsverzeichnis

      Der Kursanstieg der FAANG-Aktien in den vergangenen zehn Jahren war beeindruckend. Die US-Tech-Werte, auch "Big Five Aktien" genannt, sind längst die teuersten Unternehmen der Welt. Mit den hohen Bewertungen mehrten sich aber schon vor dem Markteinbruch im Februar/März die Sorgen um eine Blasenbildung, vergleichbar mit der Dotcom-Blase im Jahr 2000.

      Wer kennt das nicht: Der Tag beginnt mit dem Blick aufs iPhone (Apple) oder Android-Handy. Wir checken auf Facebook schnell die Neuigkeiten, googeln, wann der Kinofilm am Abend startet, bestellen in der Mittagszeit auf Amazon rasch das Geburtstagsgeschenk für die Tochter – und am Abend sitzen wir auf dem Sofa und schauen Netflix-Serien. Die US-Technologiefirmen bestimmen unser Leben in einer Art und Weise, wie es vor zehn Jahren noch unvorstellbar war.

      Was versteht man unter FAANG?

      FAANG ist das Kürzel für Facebook, Amazon, Apple, Netflix und den Google-Betreiber Alphabet. Sie werden auch als Big Five Aktien benannt. Manchmal wird auch von FANG gesprochen – ohne Apple (da das Apple-Geschäftsmodell etwas anders ist). Gelegentlich wird auch Microsoft dazugerechnet, dann spricht man von FAANG+M.

      Ein anderes Kürzel ist GAFAM: Das steht für Google (Alphabet), Amazon, Facebook, Apple und Microsoft.

      Treiber der Hausse

      Der rasante Aufstieg der Tech-Giganten vor allem nach der Finanzkrise spiegelt sich auch an den Börsen wider. Die Aktien der genannten Player, oft als „FAANG“ zusammengefasst, haben wesentlich zur Hausse an den US-Märkten seit Februar 2009 bis zum „Corona-Crash“ im Februar/März 2020 beigetragen. „FAANG“ ist das Kürzel für Facebook, Amazon, Apple, Netflix und den Google-Betreiber Alphabet. Manchmal wird auch von FANG gesprochen – ohne Apple, da das Apple-Geschäftsmodell etwas anders ist. Gelegentlich wird auch Microsoft dazugerechnet, dann spricht man von FAANG+M.

      In jedem Fall lagen Anleger mit den FAANG-Aktien in den vergangenen zehn Jahren genau richtig. Der US-Technologieindex Nasdaq 100, an dem die FAANG-Aktien mittlerweile einen großen Anteil ausmachen, hat sich in den zehn Jahren bis zum Allzeithoch im Februar 2020 mehr als verfünffacht. Und die FAANG sind längst zu den Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung weltweit aufgestiegen: Apple, Microsoft, Amazon und Alphabet belegen die ersten vier Plätze, Facebook immerhin noch den siebten. Nur Netflix als Junior unter den Großen findet sich erst auf Platz 42 wieder.

      In vielen Zukunftsmärkten aktiv

      Die FAANG-Aktien gelten als Motor der globalen Wirtschaftsentwicklung und weltweite Technologiespitzenführer. So dominiert Facebook den Markt für soziale Netzwerke mit mittlerweile 2,5 Milliarden monatlich aktiven Nutzern weltweit[1] – das ist ein Drittel der Weltbevölkerung. Doch die Aktivitäten des 2003 gegründeten Unternehmens gehen weit über Facebook hinaus: Zum Konzern gehört seit 2014 auch der Messenger-Dienst WhatsApp, im selben Jahr stieß man mit dem Kauf von Oculus VT in den Bereich Virtual Reality (Oculus VT) vor. Amazon, 1994 entstanden als Online-Buchhandel, ist die unbestrittene Nummer eins im E-Commerce mit breiter Produktpalette. Zu den weiteren Geschäftszweigen zählen unter anderem Video- (Amazon Prime) und Audio-Streaming, virtuelle Assistenten (Alexa) und Aktivitäten im Cloud-Geschäft. 

      Vergleichsweise neu auf der Weltbühne ist der Video-Streaming-Dienst Netflix. Das Unternehmen wurde bereits 1997 als Online-Videothek gegründet. Mittlerweile hat es global 167 Millionen Abonnenten[2] und produziert immer mehr eigene, zum Teil sehr erfolgreiche, Filme. Alphabet ist mit Google Marktführer bei den Suchmaschinen. Zum 1996 gegründeten Unternehmen gehören aber auch das Smartphone-Betriebssystem Android, das Video-Portal YouTube, Google Maps, Waymo mit selbstfahrenden Autos und Deep Mind mit KI-Anwendungen. Apple zählt ebenfalls zu den US-Technologiegiganten, erwirtschaftet aber noch den größten Teil seines Umsatzes mit Hardware wie iPhones, iPads und Mac-Computern. Allerdings werden Dienstleistungen wie Apple Music, Apple Pay und Apple TV+ immer wichtiger.

      Plattformmodelle: Mehr Nutzer, mehr Interesse

      Die Unternehmen haben sich einen Vorsprung aufgebaut, der nicht so schnell aufzuholen ist. Sie profitieren zum einen von Netzwerkeffekten: Mit jedem zusätzlichen Nutzer oder Abonnenten wird das Angebot wertvoller. Beispiel Facebook: je mehr Nutzer, desto interessanter. Zudem ist die Produktion kostengünstig: Für neue Nutzer/Abonnenten entstehen dem Unternehmen quasi keine zusätzlichen Kosten. Und die Konzerne haben sich längst eine Art Monopolstellung erarbeitet: Pendants zu den FAANG in Europa gibt es nicht, auf Augenhöhe sind lediglich chinesische Unternehmen wie Alibaba, Tencent, Ant Financial, Baidu und JD.com. Allerdings sind diese in Europa oder den USA ­– mit wenigen Ausnahmen – noch nicht so präsent.

      Was Sie immer im Auge behalten sollten

      Für Sie stellt sich sicher die Frage: Geht die Rally weiter oder liegen die besten Zeiten der FAANG bereits hinter uns? Eine sichere Prognose über die weitere Entwicklung ist unmöglich. Doch es macht Sinn, sich mit dem Pro und Contra auseinanderzusetzen. Was Sie beachten sollten:

      • FAANG nicht gegen alles gefeit

      Der Höhenflug der vergangenen Jahre war durchaus mit Rücksetzern verbunden, mehrmals kamen Zweifel auf, ob die Bewertungen nicht schon zu hoch seien und sich eine Blase aufgebaut hat. Einen deutlichen Rücksetzer gab es etwa in der zweiten Jahreshälfte 2018, weitere deutliche Verluste im Mai 2019. Dem Corona-Crash haben sich die FAANG-Aktien auch nicht entziehen können.

      • Längst hohe Gewinne

      Kritisiert wurde lange, dass die Unternehmen keine Gewinne einfuhren. Sie setzten aufgrund ihres Plattformmodells anfangs auf Marktanteilsgewinne und Umsatzsteigerungen, erst später auf Gewinne. Das ist allerdings längst anders. So sind die Gewinne von Facebook, Amazon, Apple, Microsoft und Google im vierten Quartal 2019 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 16 Prozent gestiegen. Alle anderen Unternehmen des US-Leitindex S&P 500 kamen in der Zeit auf ein Gewinnwachstum von null Prozent.[3]

      • KGV übertrieben?

      Auch an den hohen Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV), eine wichtige Kennzahl zur Bewertung von Aktien, stören sich viele. Tatsächlich deuten die KGVs, bei denen der Kurs ins Verhältnis zu dem für ein bestimmtes Jahr erwarteten Gewinn je Aktie gesetzt wird, darauf hin, dass die Aktien schon recht teuer sind. Das Gegenargument: Die Kennziffern würden in Zeiten der Niedrigzinsen nicht mehr gelten, wegen fehlender Alternativen seien höhere Aktienbewertungen gerechtfertigt.

      • Bleibt die Innovationsdynamik?

      Immer im Auge behalten werden sollte, ob die Unternehmen innovativ bleiben. Zuletzt waren sie das sicher, mit Aktivitäten in immer neuen, zukunftsträchtigen Geschäftsfeldern. Das muss aber nicht so bleiben, wie die Beispiele Kodak oder Nokia zeigen.

      • Alternativen zu Aktien könnten attraktiver werden

      Auch wenn das derzeit unwahrscheinlich klingt, können die Zinsen irgendwann auch einmal wieder steigen und Alternativen zu Aktien attraktiver werden. Dann wären die hohen KGV unter Umständen nicht mehr angemessen.

      • Zerschlagung der Unternehmen?

      Es häufen sich die Forderungen, die Konzerne wegen ihrer zu großen Marktmacht aufzuspalten. Eine Spaltung könnte die Unternehmen erheblich schwächen und die Aktien unter Druck setzen. Völlig unrealistisch ist das nicht: So wurde in den USA der Telefonkonzern AT&T 1982 zerschlagen, in den späten 1990er Jahren stand Microsoft kurz davor, aufgespalten zu werden. Allerdings ist das bei den großen Tech-Firmen nicht so einfach. So geht es in den USA bei Kartellrechtsverfahren um zu hohe Preise aufgrund einer starken Marktstellung – die Nutzung von Google oder Facebook ist aber kostenlos.

      • FAANG: nicht in allem vorbildlich

      Die Tech-Giganten sind nicht nur wegen ihrer Größe zunehmend in die Kritik geraten. Amazon werden etwa unfaire Arbeitsbedingungen vorgeworfen. Bei Facebook geht es um den laxen Umgang mit Daten und Verstößen gegen die Privatsphäre: Etwa hatte sich die Datenanalysefirma Cambridge Analytica persönliche Informationen von rund 87 Millionen Facebook-Nutzern ohne deren Zustimmung verschafft. Den Tech-Riesen wird außerdem vorgeworfen, kaum Steuern zu zahlen. Das alles könnte zu staatlichen Eingriffen führen.

      • Gefahr aus Fernost

      Daneben könnte aber auch Konkurrenz aus China drohen: Denn Chinas Internetgiganten wollen auch weltweit wachsen. Mit der Video-Plattform TikTok, von Byte Dance entwickelt, hat erstmals ein chinesisches Unternehmen die westliche Welt erobert. Andere könnten folgen.

      Bei allen Gefahren: Ebenso denkbar ist auch, dass die Marktmacht der FAANG weiter steigt – und ihre Bewertung an den Börsen.

      Diversifikation ist Schlüssel zum Erfolg

      Abgesehen davon sind Sie als Anleger gut beraten, wenn Sie Ihr Kapital nicht nur auf eine oder wenige Einzeltitel oder Anlageklasse setzen, sondern möglichst breit streuen – über viele Anlageklassen, Branchen und Regionen hinweg. Ein ETF-Portfolio bei Whitebox ist hierfür eine optimale Möglichkeit. Denn Sie können das Risiko individuell wählen und müssen sich nicht um die Auswahl und das Management Ihres Portfolios kümmern. Das können Sie dann uns überlassen. Denn wir kennen und beobachten die Märkte kontinuierlich, um die besten Investmentmöglichkeiten für unsere Kunden zu identifizieren. Und auch die FAANG-Aktien sind über die ETFs in unseren Portfolios abgebildet. Dort machen sie zwar nur einen Teil des ganzen Kuchens aus, leisten aber wie viele andere Einzelwerte einen wichtigen Beitrag im Rahmen unseres langfristigen Value-Ansatzes.

       

      [1] Facebook, 4. Quartal 2019.

      [2] Netflix, Ende 2019.

      [3] FAZ 23.03.2020.