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Kurs-Cashflow- und Kurs-Gewinn-Verhältnis im Vergleich | Whitebox

Kurs-Cashflow- und Kurs-Gewinn-Verhältnis im Vergleich

Geschrieben von Whitebox-Redaktion
31. Juli 2020
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Inhaltsverzeichnis

Teuer oder billig? Bei der Frage der Beurteilung einer Aktie gilt der Blick der Anleger meist dem Kurs-Gewinn-Verhältnis KGV. Vor allem Profis schauen sich aber auch das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) an, das den Kurs ins Verhältnis zum Cashflow setzt. Das bietet einige Vorteile gegenüber dem KGV, ist aber schwerer zu berechnen.

Das Wichtigste des Artikels im Überblick:

  • Das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) wird berechnet, indem der Aktienkurs durch den Cashflow pro Aktie geteilt wird.
  • Eine Aktie gilt als um so günstiger, je niedriger das KCV ist.
  • Größter Vorteil gegenüber dem KGV ist, dass der Cashflow bilanztechnisch weniger leicht zu manipulieren ist als der Gewinn, größter Nachteil ist die schwierigere Berechnung.
  • Das KCV kann im Zusammenspiel mit anderen Kennzahlen zur Beurteilung einer Aktie herangezogen werden.

Was ist eigentlich das Kurs-Cashflow-Verhältnis?

Das Kurs-Cashflow-Verhältnis, kurz KCV, ist eine der Kennzahlen zur Beurteilung einer Aktie. Aus dem KCV lassen sich Schlüsse ziehen, ob eine Aktie teuer oder billig ist. Im Unterschied zum Kurs-Gewinn-Verhältnis KGV steht beim KCV der Cashflow im Nenner, also der Saldo von Zu- und Abflüssen eines Unternehmens.

Wie beim Kurs-Gewinn-Verhältnis gilt: Eine Aktie gilt als um so attraktiver, je niedriger das KCV ist. Besonders professionelle Investoren beziehen bei der Fundamentalbetrachtung einer Aktie auch das KCV in die Analyse ein.

Wie unterscheidet sich der Cashflow vom Gewinn?

Der Cashflow ist der Zahlungsstrom eines Unternehmens, also der Saldo aus Zu- und Abflüssen. Er gibt letztlich an, wieviel Geld ein Unternehmen zur sofortigen Verfügung hat (Liquidität). Der Cashflow lässt Rückschlüsse zu über die Zahlungskraft bzw. die finanzielle Gesundheit eines Unternehmens.

Viele professionelle Investoren blicken auf den Cashflow. Denn dieser ist im Vergleich zum Gewinn, der in das KGV einfließt, weniger leicht zu manipulieren, etwa durch die Bildung oder Auflösung stiller Reserven. Auch lassen sich Unternehmen anhand des Cashflows besser international vergleichen. Denn: Für den Cashflow gibt es international einheitliche Berechnungsmethoden, für den Gewinn hingegen unterscheiden sie sich (zumindest bei den Unternehmen, die nicht nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften bilanzieren).

Welcher Cashflow fließt in das KCV ein?

Es gibt unterschiedliche Arten des Cashflows. Für die erfolgswirtschaftliche Analyse von Unternehmen wird vor allem nach Brutto-Cashflow, Netto-Cashflow und Freiem Cashflow (Free Cashflow) unterschieden. Als Anleger müssen Sie also darauf achten, dass den verglichenen KCV der gleiche Cashflow-Begriff zugrunde liegt.

Als besonders wichtig gilt der Free Cashflow: Er wird errechnet als operativer Cashflow plus Cashflow aus der Investitionstätigkeit. Aus dem Free Cashflow können Unternehmen Dividenden zahlen oder Aktien zurückkaufen. Der Free Cashflow macht also deutlich, wieviel Geld einem Unternehmen für seine Aktionäre bleibt.

Gibt es ein „richtiges“ bzw. angemessenes KCV?

Nein, eine fixe Zahl gibt es nicht. In jedem Fall ist das KCV abhängig vom betrachteten Jahr, der Marktphase und der Branche. Im Vergleich der KCV unterschiedlicher Unternehmen einer Branche gilt aber: Je niedriger das KCV, desto attraktiver die Aktie.

Wie bei allen anderen Kennzahlen zur Beurteilung einer Aktie sollten Sie sich als Anleger aber nie nur auf das KCV beschränken, sondern mehrere Kennziffern betrachten.

Was spricht für und gegen das KCV im Verhältnis zum KGV?

Pro:

  • Das KCV ist weniger anfällig für bilanztechnische Manipulationen als das KGV.
  • Das KCV ist im Gegensatz zum KGV auch anwendbar, wenn ein Unternehmen Verluste macht.
  • Unternehmen, die ihren Gewinn nach unterschiedlichen Rechnungslegungsvorschriften ermitteln, können mit dem KCV besser verglichen werden als mit dem KGV.

Contra:

  • Das KCV ist schwerer verständlich als das KGV.
  • Der Cashflow, der beim KCF im Nenner steht, schwankt – unter anderem aufgrund von Investitionszyklen – viel stärker als der Gewinn.
  • Um einen Vergleich zu ermöglichen, muss der gleiche Cashflow-Begriff zugrunde liegen.
  • Das KCV ist vergangenheitsorientiert, wenn Cashflows aus der Vergangenheit angesetzt werden, und fehleranfällig, wenn Cashflow-Schätzungen herangezogen werden.

Wie wichtig ist das KCV im Vergleich zu anderen Kennziffern?

Ebenso wie das KGV sollten Sie als Anleger auch das KCV nicht isoliert betrachten. Es kann Ihnen zwar einen ersten Hinweis darauf geben, ob eine Aktie teuer oder billig ist – vor allem im Vergleich zu anderen Aktien aus der Branche oder im historischen Vergleich. Allerdings müssen Sie darauf achten, um welchen Cashflow es sich überhaupt handelt und auf welchen Zeitraum er sich bezieht. Zur Beurteilung einer Aktie sollten Sie das KCV daher nur als eine Kennziffer unter vielen heranziehen – im Wissen um dessen Grenzen.

Zu den weiteren wichtigen Kennzahlen gehören neben dem KGV auch etwa das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) oder die Dividendenrendite.

Welche Rolle spielt das KCV für Whitebox?

Als digitaler Vermögensverwalter verfolgen wir einen aktiven Value-Ansatz, den wir mit passiven Produkten wie ETFs umsetzen. Value-Ansatz heißt, dass wir nach Investments suchen, deren Marktpreis aus unserer Sicht unter ihrem fairen Wert liegen. Mit Blick auf Unternehmen bedeutet das: Wir machen ETFs ausfindig, die vorrangig auf Unternehmen mit langfristig stabilen Gewinnen und soliden, nachvollziehbaren Geschäftsmodellen setzen. Da wir davon überzeugt sind, dass eine Kombination unterschiedlicher Bewertungsmodelle oft bessere Berechnungen zur Folge hat, nutzen wir verschiedene Modelle und Kennzahlen, um den Wert einer Anlageklasse zu schätzen.