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Was prozyklisches Anlegen bedeutet | Whitebox

The trend is your friend: Was prozyklisches Anlegen bedeutet

Geschrieben von Whitebox-Redaktion
8. September 2020

    Wertpapiere zu kaufen, deren Kurs zuletzt gestiegen ist, und die zu verkaufen, deren Kurs gefallen ist: Das klingt ziemlich simpel. Doch auch Profis verfolgen diese Strategie, dann spricht man von der Momentum-Strategie. Sie kann funktionieren, hat aber auch ihre Grenzen. Zum Beispiel dann, wenn ein Trend zu Ende geht.

    Das Wichtigste des Artikels im Überblick:

    • Prozyklische Anleger investieren in Wertpapiere, deren Kurs zuletzt gestiegen ist, und verkaufen die, deren Kurs gefallen ist.
    • Das Gegenteil des prozyklischen ist das antizyklische Investieren.
    • Probleme gibt es an Wendepunkten, wenn sich Trends also umkehren.
    • Das prozyklische Anlegen ist eine von vielen Anlagestrategien, weitere sind etwa die Growth-, Value-, Size- und die Dividendenstrategie.

    Was ist prozyklisches Investieren?

    Prozyklisches Anlegen bedeutet, dass Anleger in Wertpapiere investieren, deren Kurs zuletzt gestiegen ist, und solche verkaufen, deren Kurs gefallen ist. Der prozyklische Anleger unterstützt damit einen Trend und treibt Kurse weiter in die Höhe bzw. nach unten. In der Fachwelt spricht man auch von der Momentum-Strategie.

    Das Gegenteil des prozyklischen Investierens ist das antizyklische Investieren. Antizyklische Anleger kaufen das, was die Masse gerade verkauft, und verkaufen das, was die Masse gerade gekauft hat.

    Warum investieren Anleger prozyklisch?

    Hinter prozyklischem Investieren steckt die Auffassung, dass Wertpapierpreise nicht ohne Grund steigen oder sinken. Im Fall von Aktien sind Prozykliker zum Beispiel davon überzeugt, dass Unternehmen, deren Aktienkurse steigen, viel richtig machen, und dass das auch weiter honoriert werden dürfte. Umgekehrt glauben sie, dass Aktienkurse nicht ohne Grund fallen. Letztlich sind sie davon überzeugt, dass sie nicht viel falsch machen, wenn sie so agieren wie die Mehrheit am Markt. „The trend is your friend“, heißt es daher auch.

    Prozyklisches Anlegen klingt simpel, doch auch Profis setzen auf die prozyklische Strategie, etwa Fonds, die eine Momentum-Strategie verfolgen. Bei einer strengen Umsetzung der Momentum-Strategie kaufen sie zum Beispiel Aktien, die in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen sind, in der Hoffnung, dass sie weiter steigen. Ist das nicht der Fall, verkaufen sie die Aktien wieder und kaufen stattdessen diejenigen, die gestiegen sind. Diverse Studien in der Vergangenheit haben gezeigt, dass die Strategie durchaus funktionieren kann.

    Ist man mit prozyklischem Investieren auf der sicheren Seite?

    Prozykliker glauben letztlich, dass der Markt „recht hat“ und folgen in ihren Kauf- und Verkaufsentscheidungen der Masse. Das kann allerdings danebengehen, denn zum einen sind Wertpapiere am Markt nicht immer „richtig“ bewertet. Vielmehr kommt es an der Börse oft zu Über- und Untertreibungen. Zum anderen setzen sich Trends nicht immer fort, irgendwann kommt es fast immer zu einer Trendumkehr.

    Welche anderen Anlagestrategien gibt es?

    Prozyklisches und antizyklisches Investieren sind nur zwei von ganz vielen möglichen Anlagestrategien, die auch nicht immer scharf voneinander abzugrenzen sind. Eine für Privatanleger wichtige Methode ist die Buy-and-Hold-Strategie: Ihre Anhänger kaufen Wertpapiere und halten sie langfristig. Für Tagesaktuelles und das Auf und Ab an der Börse müssen sie sich dann nicht interessieren.

    Profis und Fonds verfolgen neben der sich durch prozyklisches Agieren auszeichnenden Momentum-Strategie noch weitere wichtige Strategien, etwa die Growth-, die Value-, die Dividenden- oder die Size-Strategie. Diese Strategien werden auch als Faktor-Strategien bezeichnet: Ihnen liegt die Überzeugung zugrunde, dass bestimmte Faktoren den Anlageerfolg nachhaltig bestimmen. Im Rahmen der Growth-Strategie kaufen Anleger Aktien von Unternehmen mit guten Wachstumsaussichten, die aktuell noch nicht zu den Börsenstars gehören. Oft sind dies Technologie- oder Biotechnologiewerte in deren Anfangsjahren.

    Value-Investoren orientieren ihre Anlageentscheidungen nicht am Kurswert, sondern am fairen Wert (auch innerer Wert) eines Wertpapiers. Diesen ermitteln sie mit umfangreichen detaillierten Analysen. Anhänger der Dividendenstrategie setzen auf dividendenstarke Unternehmen. Die Size-Strategie setzt auf bestimmte Eigenschaften von kleinen und mittelgroßen Unternehmen (Small & Midcaps) – etwa deren höhere Wachstumsraten – sowie großer Unternehmen (Large Caps) – etwa deren geringere Schwankungsanfälligkeit.

    Daneben gibt es auch noch die Indexstrategie: Anleger investieren einfach in einen Index und damit auf den Markt. Den Anspruch, marktüberdurchschnittliche Renditen zu erzielen, haben sie nicht. Diesem passiven Investieren liegt die Erkenntnis zugrunde, dass es in der Vergangenheit den wenigsten aktiven Anlegern gelungen ist, den Markt zu schlagen.

    Gibt es auch Strategien, um von steigenden und fallenden Kursen zu profitieren?

    Ja. Es gibt eine Reihe von Strategien, mit denen Profis bzw. Fonds von steigenden und fallenden Preisen profitieren wollen: die Absolute Return- oder marktneutralen Strategien. Zu diesen gehören:

    • Relative Value-Strategien: Anleger nutzen hier Preisunterschiede zwischen verwandten Kapitalanlagen aus.
    • Long-/Short-Equity-Strategien: Hierbei kaufen Anleger Aktien, die sie für unterbewertet halten, und verkaufen solche, die sie für überbewertet halten. Dabei nutzen sie auch das sogenannte „Short Selling“, also den Leerverkauf von für überbewertet gehaltenen Aktien.
    • Global-Macro-Strategien: Sie zielen darauf ab, von bestimmten makroökonomischen Entwicklungen zu profitieren.

    Welche Anlagestrategie passt zu mir?

    Das kann man nicht pauschal beantworten. Es kommt ganz auf Sie an, also Ihren Anlagehorizont, Ihre Risikobereitschaft und Ihre Erfahrungen mit Geldanlage. Und natürlich auch darauf, ob Sie überhaupt Zeit und Lust haben, sich mit Geldanlage zu beschäftigen, oder das lieber delegieren möchten.

    Einige wenige Regeln gelten aber für alle:

    1. Sie sollten Anlagen in jedem Fall streuen (Diversifikation) – über Asset-Klassen, Regionen und Branchen hinweg.
    2. Sie sollten einen langen Atem haben, also langfristig anlegen, bei Aktien sind es etwa zehn, besser noch 15 Jahre.
    3. Sie sollten auf die Gebühren achten, denn diese können sich – vor allem im aktuellen Niedrigzinsumfeld – ganz entscheidend darauf auswirken, was unter dem Strich für Sie an Rendite übrigbleibt.

    Value-Investoren müssen manchmal antizyklisch agieren

    Whitebox verfolgt einen Value-Ansatz. Wir suchen also aussichtsreiche Anlageklassen, Branchen und Regionen, die unserer Einschätzung nach zu niedrig bewertet sind. Damit handeln wir meist nicht prozyklisch, sondern eher antizyklisch. Denn nicht immer, aber häufig treffen wir Entscheidungen gegen den Markt oder die aktuelle Marktstimmung. Wir setzen unsere Strategie mit börsennotierten Indexfonds (ETFs) um.