Jetzt anlegen
Zinseszins: Beachtlich, wenn auch kein "Achtes Weltwunder" | Whitebox

Zinseszins: Beachtlich, wenn auch kein „Achtes Weltwunder“

Geschrieben von Nadine Friederichs
26. August 2020

    Für Albert Einstein soll es das „Achte Weltwunder“ gewesen sein: der Zinseszinseffekt – also der Effekt, der sich aus der Wiederanlage von Zinsen ergibt. In der Tat kann diese Wiederanlage Wunder wirken In Zeiten niedriger Zinsen ist das allerdings schwierig. Anders sieht es hingegen aus mit der Wiederanlage von Dividenden.

    Sie kennen Rechnungen dieser Art sicher: Legen Sie 10.000 Euro zu 4 Prozent an, haben Sie ohne Wiederanlage der Zinsen nach 18 Jahren 17.200 Euro, mit dem Zinseszinseffekt aber 20.258 Euro, also über 3.000 Euro mehr. Das klingt durchaus beeindruckend. Auch wenn Einstein, wie man heute weiß, das mit dem „Achten Weltwunder“ wohl gar nicht gesagt hat.

    Es muss aber ja auch nicht unbedingt ein Weltwunder sein, der Zinseszinseffekt ist auch ohne die Zuschreibung beachtlich. Und die Empfehlung, Erträge aus der Geldanlage – seien es Zinsen oder auch Dividenden – gleich wieder anzulegen, ist und bleibt eine der wichtigsten Anlagegrundregeln überhaupt.

    Wie errechnet man den Zinseszins?

    Sie fragen sich vielleicht, wie man den Zinseszins eigentlich berechnet. Vielleicht haben Sie das, wie die meisten von uns, in der Schule gelernt. Doch wer erinnert sich schon so genau? Vorab: Die Zinseszinsrechnung geht davon aus, dass die jährlichen Zinserträge immer wieder zusammen mit dem Startkapital zum selben Zinssatz angelegt werden.

    Bleiben wir beim Beispiel einer Einmalanlage von 10.000 Euro und einem Zins von 4 Prozent. Nach einem Jahr hätten sie dann zusammen 10.400 Euro (10.000 Euro x 1,04), nach zwei Jahren 10.816 Euro (10.400 Euro x 1,04) und so weiter. Wenn sie aber wissen wollen, wieviel aus Ihrem Geld nach 10 oder 20 Jahren geworden ist, wird der Fußweg dann doch etwas umständlich. Da kommt die Zinseszinsformel ins Spiel. Nach dieser müssen Sie einfach 1,04 hoch der Anzahl der Jahre rechnen, also:

    nach dem 10. Jahr wären das: 10.000 Euro x 1,0410 = 14.802 Euro

    nach dem 20. Jahr wären das: 10.000 Euro x 1,0420 = 21.911 Euro

    Was beeinflusst den Zinseszinseffekt?

    An der Formel erkennen Sie auch schon, was den Zinseszinseffekt beeinflusst: zum einen natürlich die Höhe der Zinsen. Je höher diese sind, desto höher fällt der Zinseszinseffekt aus. Zum anderen ist die Zeit wichtig: Je länger der Zeitraum, desto größer der Effekt.

    Abgesehen davon spielt auch der Zeitpunkt der Zinszahlung eine Rolle: Eine monatliche oder quartalsweise Zahlung ist von Vorteil, da die erhaltenen Zinsen direkt reinvestiert und damit früher verzinst werden. Für Deutschland ist das allerdings nicht so relevant, da Zinsen und Dividenden hier (fast immer) einmal im Jahr ausgezahlt werden. In den USA werden hingegen Dividenden meist quartalsweise ausgeschüttet, manchmal auch halbjährlich oder monatlich.

    Niedrigzinsumfeld lastet auf Effekt

    Das Problem momentan: Da die Zinsen sehr niedrig sind, ist mit Zinseszinsen nicht viel zu holen. Ein Beispiel: Aus 10.000 Euro werden bei einem Zinssatz von 1 Prozent nach 20 Jahren gerade mal 12.202 Euro, ohne Zinseszins wären es 12.000 Euro. Da kann von „Achtem Weltwunder“ keine Rede mehr sein.

    Korrekterweise müssten Sie auch noch die Abgeltungssteuer berücksichtigen, die Sie auf die Zinsen zahlen müssen. Komplett wiederanlegen können Sie die Zinsen also nicht (außer, Ihre Kapitaleinkommen fallen unter die Freibetragsgrenze). Außerdem müssen Sie bedenken, dass das Geld durch die Inflation Jahr für Jahr weniger wert wird – mit einem realen Vermögenszuwachs wird das also nichts.

    Ausweg: Aktieninvestments mit Wiederanlage der Dividenden

    Anders sieht der Fall bei Dividenden aus: Durch die Corona-Krise haben viele Unternehmen ihre Ausschüttungen zwar reduziert oder sogar ganz ausgesetzt, nach Überwindung der Krise dürften die Dividenden aber wieder auf ihre üblichen Niveaus steigen, wahrscheinlich lange bevor die Zinsen wieder anziehen. Und dann kommt der Wiederanlageeffekt voll zum Tragen.

    Die Dividendenzahlungen dürfen Sie bei Aktien nicht unterschätzen: So ging der deutsche Leitindex Dax Ende 1987 mit 1.000 Punkten an den Start. Heute notiert der Index, in den als sogenannten Performance-Index die Dividendenzahlungen der in ihm enthaltenden Unternehmen einfließen, bei 12.636 Punkten. Ohne Dividenden berechnet („Kursindex“) steht er bei lediglich 5.505 Punkten (Stand: 09.07.2020)!

    Zinseszinseffekts bei Fonds

    Der Zinseszinseffekt gilt aber nicht nur bei Einzelanlagen, sondern auch bei Fonds – und zwar bei aktiven und passiven Fonds. Sie haben sicher schon mal davon gehört, dass es ausschüttende und thesaurierende Fonds gibt.

    Wenn Sie an jährlichen Ausschüttungen interessiert sind, eignen sich die ausschüttenden Fonds eher für Sie. Wenn Sie Ausschüttungen aber nicht benötigen, sollten Sie eher auf thesaurierende Fonds setzen, denn bei diesen kommt der Zinseszinseffekt zum Tragen.

    Auch Whitebox setzt auf Zinseszinseffekt

    Auch bei Whitebox gibt es Portfolios mit ausschüttenden und thesaurierenden ETFs, also börsengehandelten Indexfonds (Exchange Traded Funds), die die Wertenwicklung eines Index nachbilden. Da sie nicht aktiv gemanagt werden, fallen bei ihnen deutlich niedrigere Gebühren an als bei klassischen (aktiv gemanagten) Investmentfonds. Vom Zinseszinseffekt profitieren Whitebox-Kunden dabei automatisch, denn: Wir legen etwaige Ausschüttungen automatisch – und zwar handels- und steuereffizient – wieder an. Das bedeutet: Im Rahmen des Rebalancings nutzen wir diese Erträge dafür, in untergewichtete Positionen zu investieren.