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Wann steigen die Zinsen? | Whitebox
Investieren | 4 min

Wann steigen die Zinsen?

Geschrieben von Whitebox-Redaktion
11. September 2020

    Wann geht es endlich wieder nach oben mit den Zinsen? Das haben Sie sich als Anleger sicher auch schon oft gefragt. Und vielleicht von den 1980er Jahre gehört, als es noch über 4 Prozent für Guthaben auf dem Sparkonto gab. Werden wir das wiedersehen? Dafür spricht kaum etwas. Und daran ist nicht unbedingt die EZB schuld.

    Niedrigere Zinsen – für viele sind das eigentlich keine schlechten Nachrichten: Wer ein Haus baut und dafür eine Hypothek aufnehmen muss, wer sich das Auto oder die neue Küche auf Pump kauft, kann sich freuen. Freuen kann sich auch der Staat, der auf seine Schulden kaum Zinsen bezahlen muss. Und Unternehmen, die günstig Geld aufnehmen können für Investitionen oder Forschung und Entwicklung.

    Doch die meisten von uns sind auch Anleger, und da sieht es anders aus: Niedrige Zinsen bedeuten eben auch niedrige Zinseinkommen auf unsere festverzinslichen Anlagen.

    Notenbanken: Herrscher über den Leitzins

    Wie kommt es eigentlich zu diesen niedrigen Zinsen? Primär ist die Notenbank für das Zinsniveau verantwortlich. Das „höchste“ Ziel der Notenbanken, auch der Europäischen Zentralbank EZB, ist die Preisstabilität, mit der das Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen unterstützt werden sollen. Um die Inflation zu kontrollieren, legt die Notenbank den Leitzins fest. Das ist der Zinssatz, zu dem sie Geld an Geschäftsbanken gibt. Die Banken wiederum geben das Zinsniveau an ihre Kunden weiter. Darüber hinaus haben die Notenbanken, um ihr Ziel zu erreichen, noch weitere Instrumente an der Hand, etwa die zuletzt stark genutzten Anleihenkäufe.

    Rückläufige Inflation, rückläufige Zinsen: ein langfristiger Trend

    Die Inflation im Euroraum und in vielen westlichen Staaten ist schon seit vielen Jahren extrem niedrig. Die EZB verfehlt ihr Ziel einer Inflation von „nahe, aber unter 2 Prozent“ regelmäßig. Daher liegt der Leitzins in der Eurozone nun schon seit 2016 bei 0 Prozent. Der Zins, zu dem Banken Geld bei der EZB parken können, liegt sogar bei minus 0,5 Prozent. Es ist quasi eine Art Strafzins, mit der die EZB die Banken zur Kreditvergabe anregen will. Schon vor der Corona-Krise waren Zinserhöhungen wegen der niedrigen Inflation kein Thema. Angesichts der Krise dürften Zinserhöhungen nun für absehbare Zeit erst recht vom Tisch sein.

    Außerdem gilt: Auch wenn viele Kritiker der EZB die niedrigen Zinsen der Notenbankpolitik anlasten: Der Rückgang der Zinsen ist ein bereits Jahrzehnte währender Prozess (älter als die EZB!), der sich in vielen Ländern beobachten lässt: in den meisten Ländern des Euroraums, in Japan und in vielen anderen entwickelten Volkswirtschaften. Hierzulande wurde der erste Zinsrückgang durch den Rückgang der Inflationsraten ausgelöst nach Ende der Hochinflationsphase der 1970er Jahre. Der stärkste Absturz der Zinsen erfolgte jedoch durch die globale Finanzkrise in den Jahren 2008/2009. Der durchschnittliche Sparzins, den die Deutsche Bundesbank regelmäßig ermittelt, sank von 2,5 Prozent im Jahr 2008 auf aktuell unter 0,2 Prozent.

    Viele Gründe für den Zinsrückgang

    Viele Analysen deuten darauf hin, dass das gegenwärtig niedrige Zinsniveau nicht allein durch die Geldpolitik der Zentralbanken verursacht wird, sondern auch das Ergebnis längerfristiger struktureller Veränderungen ist.

    Etwa heißt es, dass ein wachsender Anteil der Weltbevölkerung mit mittleren oder hohen Einkommen für sein Alter spart, die Sparsumme also steigt und steigt. Und dass die Kapitalnachfrage zurückgeht, zum Beispiel, weil die großen Tech-Konzerne gar nicht viel Geld für Fabriken benötigen, sondern ihre Wertschöpfung eher aus Ideen generieren. Argumentiert wird auch, dass die Globalisierung Druck auf Preise und Löhne erzeugt und die Inflation daher niedrig hält. Eine abschließende Antwort hat die Wissenschaft hier aber noch nicht gefunden.

    Niedrigzins mit vielen Nebenwirkungen

    Die niedrigen Zinsen sind ein unter Politikern, Finanzmarktteilnehmern und Haushalten heiß diskutiertes Phänomen. Die Sparer fürchten die Erosion ihrer Altersvorsorge. Die Finanzaufsichtsbehörden warnen vor den Stabilitätsrisiken, da Banken und Lebensversicherer kaum noch rentabel arbeiten können. Die Notenbanken wiederum verweisen auf das Ziel der Geldwertstabilität, das sie bei den sehr niedrigen, nahe der Deflation liegenden Inflationsraten verfehlen. Auch die Umverteilungswirkungen durch die aufgrund mangelnder Anlagealternativen stark gestiegenen Sachwerte wie Aktien und Immobilien sorgen für Diskussionen. Und auch wenn es niemand offen zugeben würde, könnte wohl auch die hohe Verschuldung vieler Staaten eine Rolle spielen: Würden die Zinsen tatsächlich wieder steigen, gerieten viele hochverschuldete Staaten in Not.

    Hat Corona die Lage verändert?

    Das Corona-Virus hat 2020 die Weltwirtschaft und auch die Eurozone mit Deutschland in eine beispiellose Krise gestürzt. Regierungen reagierten mit massiven Stützungsmaßnahmen und Konjunkturpaketen, die Notenbanken setzten auf die ohnehin schon lockere Geldpolitik „noch eins drauf“ und senkten ihre Leitzinsen (soweit noch möglich) abermals und stockten ihre Anleihekaufprogramme auf.

    Wie sich die Verbraucherpreise entwickeln, ist noch ungewiss. Auf der einen Seite steht der massive weltweite Nachfrageeinbruch durch COVID-19, der die Preise fallen lassen dürfte. Auf der anderen Seite stehen aber die nochmals expansivere Geldpolitik und die – wahrscheinliche – zumindest teilweise Deglobalisierung, die Preise in die Höhe treiben könnte.

    EZB: Kurswende unwahrscheinlich

    Die Europäische Zentralbank dürfte jedenfalls ebenso wie die US-Notenbank Fed vorerst an ihrem geldpolitischen Kurs festhalten: Auf ihrer letzten Sitzung im Juli 2020 hat die EZB noch einmal betont, dass die Zinsen auf ihrem derzeitigen Niveau verbleiben oder sogar nochmals sinken werden, bis die die Inflationsrate bei nahe 2 Prozent angekommen ist. Dadurch dürften wohl auch die allgemeinen Marktzinsen niedrig bleiben – und zwar auf lange Sicht.

    Ausgeschlossen ist ein Zinsanstieg aber auch nicht: Im Zuge einer kräftigen Konjunkturerholung nach der Corona-Krise könnte es aufgrund der üppigen Konjunkturprogramme und der sehr lockeren Geldpolitik zu einem Inflationsschub kommen, auf den die Notenbanken dann mit Zinserhöhungen reagieren müssten.

    Ein kleiner Trost am Rande: Berücksichtigt man die Inflation, waren die Zinsen, die in den 1980er oder 1990er Jahren mit Sparkonten zu erzielen waren, auch nicht so toll: 1990 lagen die Sparzinsen bei 2,8 Prozent und die Inflation bei 2,6 Prozent, 1980 lagen die Sparzinsen bei 4,6 Prozent, die Inflation aber bei 5,4 Prozent.

    Sparen auch jenseits von Sparkonten möglich

    Anlageprodukte wie Sparbuch oder Tagesgeldkonto dürften also auf absehbare Zeit keine nennenswerte Rendite abwerfen. Die Inflation könnte Vermögen (wie es in der Vergangenheit auch schon mal war) sogar real vernichten. Für Anleger stellt sich daher die Frage, wie man Geld überhaupt noch anlegen kann.

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