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Geldanlage | 4 min

Sparer legen auch im Niedrigzinsumfeld Wert auf Sicherheit

Geschrieben von Nadine Friederichs
20. Juli 2020
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Inhaltsverzeichnis

      Wie reagieren Sparer in Deutschland auf die niedrigen Zinsen? Diese Frage interessiert auch die deutsche Finanzmarkt- und Wertpapieraufsicht BaFin. Im Frühjahr 2020 hat sie eine eigene Studie zu diesem Thema vorgelegt: „Sparen in der Niedrigzinsphase: Ergebnis einer Verbrauchererhebung“. Wir stellen wichtige Ergebnisse vor und versuchen, sie sinnvoll zu interpretieren.

      Gut die Hälfte der volljährigen Internetnutzer in Deutschland spart regelmäßig, weitere 33 Prozent sparen immerhin gelegentlich. Knapp zwei Drittel von ihnen sind „nicht bereit, bei künftigen Geldanlagen ein höheres Risiko einzugehen, um überhaupt eine positive Rendite erzielen zu können“. Vielmehr agieren sie „auch in Zeiten niedriger Zinsen überwiegend konservativ“. Im gegenwärtigen Umfeld halten sie vor allem Immobilien und Gold für geeignete Formen der Geldanlage, bevorzugen in der Praxis aber offenbar andere Anlageinstrumente: Am weitesten verbreitet sind jedenfalls „kaum verzinste Bankprodukte“ – vor allem Sparbücher und Tagesgeldkonten.

      Sparbücher und andere Bankprodukte bleiben stark verbreitet

      Das sind wichtige Ergebnisse einer „Verbrauchererhebung zum Sparen in der Niedrigzinsphase“, die das Referat Verbrauchertrendanalyse und Verbraucheraufklärung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Ende April 2020 veröffentlicht hat. Die BaFin hat die hinsichtlich Alter und Haushaltseinkommen repräsentative Umfrage im November und Dezember 2019 durchführen lassen, also noch vor Beginn der Corona-Krise. Auf Basis der erhaltenen Antworten attestiert sie deutschen Sparern insgesamt „konservatives Anlageverhalten, Kostenbewusstsein und Wechselbereitschaft“. Auffällig seien auch „Wissenslücken beziehungsweise Unsicherheiten der Verbraucher in einzelnen Bereichen, insbesondere in Bezug auf Fonds“.

      Die risikoaverse Grundhaltung vieler Sparer kommt bereits in der Wahl ihrer Mittel klar zum Ausdruck: Unter den fünf am weitesten verbreiteten Sparformen finden sich mit dem Sparbuch (40 Prozent), dem Tagesgeldkonto (37 Prozent) und dem Bausparvertrag (24 Prozent) drei Bankprodukte, die als besonders sicher gelten. Dass das in der heutigen Zeit unter Berücksichtigung der Niedrig- oder gar Negativzinsen nicht mehr stimmt beziehungsweise zu kurz gegriffen ist, haben wir auch in unserem umfangreichen Sparkonto-Vergleich thematisiert. Häufig genutzt werden zudem Aktien-, Renten- oder Mischfonds (26 Prozent), Lebensversicherungen, private Rentenversicherungen (jeweils 23 Prozent) und Festgeldkonten (21 Prozent).

      Auffallend ist die Zurückhaltung gegenüber Wertpapieren: Rund zwei Drittel der Umfrageteilnehmer besitzen keine Investmentfonds, Aktien oder andere Wertpapiere. Selbst wenn die Banken für all ihre Produkte negative Zinsen einführen würden, wäre lediglich ein Drittel dieser Sparer bereit, in solche Anlageinstrumente zu investieren.

      Diskrepanzen zwischen Einschätzungen und Handlungen

      Interessant erscheint auch eine offenkundige Diskrepanz zwischen den tatsächlich verwendeten Anlageinstrumenten und der Beurteilung ihrer Eignung in Zeiten niedriger Zinsen. Dazu zwei Beispiele:

      • Nur 25 Prozent halten das Sparbuch im gegenwärtigen Umfeld für eine geeignete Geldanlage und nach Meinung von 69 Prozent ist es sogar weniger gut geeignet oder ungeeignet. Trotzdem ist es nach wie vor das am weitesten verbreitete Sparprodukt. Die Umfrageteilnehmer begründen die anhaltende Popularität von Sparbüchern und Tagesgeldkonten vor allem mit der schnellen Verfügbarkeit des Geldes und etablierten Spargewohnheiten.
      • 51 Prozent der Umfrageteilnehmer halten klassische Aktien-, Renten- oder Mischfonds für eine geeignete Geldanlage zum Sparen, aber nur 26 Prozent haben Geld in solche Fonds investiert. Hier fehlt es oft an Kenntnissen (35 Prozent der Befragten, die nicht in Fonds investiert haben). Außerdem gelten Fonds häufig als „zu unsicher“ (31 Prozent).

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      Sicherheit ist grundsätzlich ein sehr wichtiger Faktor bei den Anlageentscheidungen: Für 47 Prozent aller Befragten ist sie der wichtigste Aspekt, für den sie auch eine geringe Rendite akzeptieren. Weitere 49 Prozent halten Sicherheit und Rendite für „gleichermaßen wichtig“. Nur vier Prozent wollen vor allem hohe Renditen erzielen und dafür auch höhere Risiken eingehen.

      Welche Rolle spielt Wohneigentum?

      Häufig lassen sich die erwähnten Diskrepanzen zwischen der Einschätzung der Eignung und der Nutzung bestimmter Sparformen auch durch unterschiedliche Sparziele und Anlagehorizonte erklären: Wer beispielsweise kurzfristig Geld für größere Konsumausgaben wie Möbel oder einen Urlaub anspart, wird dazu normalerweise auch dann keine Aktienfonds oder anderen Wertpapiere nutzen, wenn er diese für eine bessere langfristige Geldanlage hält als Bankprodukte. Im Falle der BaFin-Umfrage lassen die Angaben zu den Sparzielen solche Interpretationen allerdings kaum zu, weil die Studienautoren bei dieser Frage offenbar Wohneigentum einfach den Konsumausgaben zugeordnet haben.

      Die Konsequenz: Obwohl Wohneigentum und Immobilienbesitz in der Rangfolge der geeigneten Geldanlagen mit einer positiven Einschätzung von 77 Prozent der Befragten mit Abstand den ersten Platz einnehmen, tauchen sie weder in der Tabelle „Besitz von Geldanlagen“ noch in der Liste der Sparziele auf. Vielmehr steht Wohneigentum bei den Sparzielen unter der Antwort „Wunsch erfüllen“ auf einer Ebene mit Urlaub und Möbeln als Beispiel für Konsumausgaben. Besonders sinnvoll erscheint das nicht: Investitionen in selbstgenutzte Immobilien haben zwar einen gewissen Konsumcharakter, aber sehr viele Menschen betrachten sie auch und vor allem als eine Form der Altersvorsorge. Investitionen in vermietete Immobilien stellen zudem eindeutig Kapitalanlagen dar.

      Die Rangfolge der Sparziele, die im Rahmen der BaFin-Umfrage ermittelt wurde, ist daher kaum sinnvoll zu interpretieren: An erster Stelle steht hier „Wunsch erfüllen (z.B. Urlaub, Möbel, Wohneigentum)“ (60 Prozent aller Umfrageteilnehmer), auf den Plätzen folgen „als Notgroschen“ (54 Prozent) und „für das Alter vorsorgen“ (44 Prozent).

      Andere Umfrage kommt zu anderen Ergebnissen

      Welche Folgen es haben kann, wenn man Wohneigentum als separate Antwort in die Liste der Sparziele aufnimmt, zeigt sich am Beispiel einer anderen Umfrage: Der Verband der Privaten Bausparkassen lässt seit 1997 dreimal im Jahr in einer repräsentativen Umfrage die Sparziele von gut 2.000 Bundesbürgern ermitteln. Die im Juni 2020 durchgeführte Sommerumfrage ergab dabei als wichtigste drei Ziele: Altersvorsorge (54 Prozent), Konsum/Anschaffungen (45 Prozent) und Erwerb/Renovierung von Wohneigentum (42 Prozent). Die Bedeutung größerer Konsumausgaben als Sparziel hat offenbar im Rahmen der Corona-Pandemie deutlich abgenommen. In der vorhergehenden Umfrage, die der Verband in der ersten Märzhälfte 2020 durchführen ließ, hatten noch 54 Prozent der Befragten den Konsum als Sparziel genannt; die Altersvorsorge nannten 55 Prozent, Wohneigentum 42 Prozent.

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      Umfrageergebnisse zurückhaltend interpretieren

      Grundsätzlich ist es empfehlenswert, die Ergebnisse solcher Befragungen zurückhaltend zu interpretieren. So scheint die „Wechselbereitschaft“, welche die Autoren der BaFin-Studie den Teilnehmern ihrer Umfrage attestieren, vor allem auf eine Antwort zurückzuführen zu sein: Wenn ihre Bank negative Zinsen auf Girokonten, Tagesgeldkonten und Sparbüchern einführten, würden 42 Prozent der Befragten die Bank wechseln; 35 Prozent würden ihr Geld in einem solchen Fall anders anlegen, zum Beispiel in Festgeld, Fonds oder Gold. „Kostenbewusstsein“ unterstellen die Studienautoren offenbar, weil 48 Prozent aller Befragten angaben, dass sie in Zeiten niedriger Zinsen „verstärkt auf Kosten, Gebühren und Provisionen“ achten. Angesichts der großen Rolle, die Gewohnheit beispielsweise bei der Nutzung von Sparbüchern zu spielen scheint, bleibt abzuwarten, ob die Sparer solchen Absichtserklärungen auch Taten folgen lassen.