Jetzt anlegen

Private Vermögensverwaltung - eine Definition

Hintergründe, Erläuterungen und Tips zur Auswahl des richtigen Vermögensverwalters.

Die private Vermögensverwaltung ist ein "Big Business", wird aber immer interessanter auch für Kleinanleger. Besonders im digitalen Bereich gibt es vielseitige neue Angebote.
Viele hilfreiche Hinweise für eine erfolgreiche Suche finden Sie hier, viel Spaß beim Lesen!

„Geld allein macht nicht glücklich“, heißt es im Volksmund. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit: Größere Vermögen können für ihre Eigentümer bisweilen sogar zu einer echten Last werden. So hat Frederick Taylor Gates einst folgende mahnende Worte an John D. Rockefeller gerichtet: „Ihr Vermögen türmt sich auf, türmt sich auf wie eine Lawine. Sie müssen damit Schritt halten! Sie müssen es schneller verteilen, als es wächst! Wenn Sie es nicht tun, wird es Sie und Ihre Kinder erdrücken.“ Der Baptistenprediger Gates hat für Rockefeller, den damals reichsten Mann der Welt, als Berater und Vermögensverwalter gearbeitet. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass große Teile des Privatvermögens der Rockefellers in Stiftungen und philanthropische Projekte flossen.

Damals wie heute zählt es zu den wichtigsten Aufgaben von Vermögensverwaltern, ihren Klienten einen möglichst großen Teil der Lasten abzunehmen, die ihre Vermögen mit sich bringen. Diese sehr vertrauliche und oft hoch komplexe Dienstleistung wird heute oft von Unternehmen angeboten, die eher wie Industriebetriebe organisiert sind und denen bisweilen mehr am Verkauf eigener Produkte liegt als am Wohl ihrer Kunden. Die private Vermögensverwaltung ist ein „Big Business“ geworden. In den Augen mancher Anbieter besteht der Sinn ihrer Tätigkeit vor allem oder gar ausschließlich darin, die Rendite-Risiko-Profile von Anlageportfolios zu optimieren. Falls Ihnen das nicht genug ist, sollten Sie Ihren Vermögensverwalter sehr sorgfältig auswählen. Im Folgenden finden Sie Informationen und Hinweise, die Ihnen dabei helfen können.

Was ist Vermögen?


Der Begriff „Vermögen“ hat unterschiedliche Bedeutungen. Laut Duden bezeichnet er zum einen die Kraft oder Fähigkeit, etwas zu tun, und zum anderen den „gesamten Besitz, der einen materiellen Wert darstellt“. In wirtschaftlichen Zusammenhängen ist mit Vermögen normalerweise das Eigentum an materiellen und immateriellen Gütern gemeint, das sich einer Wirtschaftseinheit, wie einem Privathaushalt, einem Unternehmen oder einem Staat, zuordnen lässt. Häufig bezeichnet man auch den in Geld ausgedrückten Wert dieser Güter als Vermögen. Dieses lässt sich dann in einer einzigen Zahl zusammenfassen und ermöglicht damit einfache Vergleiche und Ranglisten: So führte Amazon-Gründer Jeff Bezos die vom US-Magazin Forbes für 2019 erstellte globale Liste der Billionäre mit einem Vermögen von rund 131 Milliarden US-Dollar an – mit deutlichem Vorsprung vor Bill Gates (96,5 Milliarden US-Dollar) und Warren Buffett (82,5 Milliarden US-Dollar).

Doch hinter diesen blanken Zahlen verbirgt sich eine Fülle ganz unterschiedlicher Güter oder Vermögensgegenstände. Wirtschaftswissenschaftler und Juristen unterscheiden grob zwischen Sachvermögen, also beispielsweise Eigentum an Immobilien, Produktionsmitteln oder Rohstoffen, und Geldvermögen, wie Bargeld, Wertpapiere oder Geldanlagen. Hinzu kommt noch das Arbeitsvermögen, also der in Geld bemessene Wert einer Arbeitskraft. Lediglich im Besitz befindliche, also beispielsweise geliehene oder gemietete Gegenstände, gehören dagegen nicht zum Vermögen.
Zur Berechnung des Vermögens einer Wirtschaftseinheit zieht man vom Wert der Gesamtheit ihres Eigentums ihre Verbindlichkeiten und Schulden ab. Im konkreten Einzelfall können solche Berechnungen sehr schwierig sein, weil sie häufig eine große Menge unterschiedlicher Güter umfassen. Zudem stellt die angemessene Bewertung von Sachvermögen, also beispielsweise von Immobilien oder Kunstwerken, oft eine Herausforderung dar.

Wie klassifizieren Finanzdienstleister private Vermögende?


In der Finanzbranche und auch in der Vermögensverwaltung ist es mittlerweile üblich, Privatkunden nach der Höhe ihres liquiden Anlagevermögens zu klassifizieren. Ein einheitliches System gibt es hierfür nicht. Das Beratungsunternehmen Boston Consulting Group verwendet bisweilen ein vierstufiges System:

  • Non Wealthy (Massenkunden): Kunden mit einem liquiden Vermögen bis 100.000 US-Dollar,
  • Mass Affluent Investors (gehobene Massenkunden): Kunden mit einem liquiden Vermögen von 100.000 bis eine Million US-Dollar,
  • Emerging Wealthy Investors (aufstrebende Vermögende): Kunden mit einem liquiden Vermögen von eine Million bis fünf Millionen US-Dollar,
  • Established Wealthy Investors (etablierte Vermögende): Kunden mit einem liquiden Vermögen von mehr als fünf Millionen US-Dollar.


Weit verbreitet sind auch die Begriffe „High-Net-Worth Individual“ (kurz HNWI) für Menschen mit einem Nettovermögen größer als eine Million US-Dollar und „Ultra-High-Net-Worth Individual“ (UHNWI), womit Fachleute meist Menschen mit einem Nettovermögen über 30 Millionen US-Dollar bezeichnen (jeweils ohne die hauptsächlich genutzte eigene Wohnimmobilie). Eine Klasse für sich sind die gut 2.150 Milliardäre, die das US-Wirtschaftsmagazin Forbes 2019 weltweit gezählt hat und deren Vermögen es regelmäßig in einer Rangliste veröffentlicht.

Was versteht man unter "Vermögensverwaltung"?

Als „Vermögensverwaltung“ bezeichnet man Finanzdienstleistungen, die sich mit der Verwaltung von in Finanzinstrumenten angelegten Vermögen befassen. Der Begriff ist in Deutschland nicht gesetzlich geschützt, es gibt keine eindeutige juristische Definition. Teilweise wird er mit der bankenaufsichtsrechtlich definierten Dienstleistung der Finanzportfolioverwaltung im Kreditwesengesetz (§1 Abs. 1a Nr. 3 KWG) gleichgesetzt. Allerdings wird der Begriff Vermögensverwaltung im alltäglichen Sprachgebrauch häufig in einem spezielleren Sinn gebraucht, nämlich für eine Finanzportfolioverwaltung, die an den individuellen Bedürfnissen einzelner Kunden oder Kundengruppen ausgerichtet ist.

Ein Vermögensverwalter optimiert und pflegt demnach die ihm anvertrauten Anlagen im Sinne seiner Klienten. Er ist kein Produktanbieter: Anders als ein Investmentfonds stellt er die Portfolios seiner Kunden gemäß deren persönlichen Anforderungen und Wünschen zusammen. Der Vermögensverwalter trifft seine Anlageentscheidungen eigenständig als Treuhänder seiner Klienten und berücksichtigt dabei deren individuelle Ziele, Lebensplanungen und Wertvorstellungen. Aus diesem Grund sind Vermögensverwalter an langfristigen, stabilen Kundenbeziehungen interessiert. Ohne gegenseitiges Vertrauen und ein hohes Maß an Diskretion lassen sich solche Beziehungen weder aufbauen noch aufrecht erhalten.

Vermögensverwaltung geht also in der Regel weit über eine rein renditeorientierte Portfolioverwaltung hinaus, indem sie Lebensumstände und Ziele einzelner Kunden oder Kundengruppen einbezieht. Die Festlegung dieser individuellen Rahmenbedingungen erfolgt normalerweise in einem Vermögensverwaltungsvertrag. Dieser bildet die Grundlage für den Aufbau und die Verwaltung der einzelnen Kundenportfolios.

Neben solch individuellen Lösungen gibt es heute auch unterschiedliche Formen standardisierter Vermögensverwaltungsangebote. Mit ihnen verzichten Anleger zwar auf eine vollständig individuelle Verwaltung ihres Vermögens, sparen dadurch in der Regel aber auch erhebliche Kosten. Robo-Advisors bieten ihre standardisierten Lösungen bereits ab relativ kleinen Anlagebeträgen an, während Verwalter individueller Portfolios häufig Anlagesummen von mindestens einer Million Euro fordern.

Neugierig geworden? Jetzt Anlagevorschlag erstellen!

Welche Ziele verfolgt ein Vermögensverwalter?


Das mit Abstand wichtigste Ziel einer Vermögensverwaltung ist in der Regel der langfristige Erhalt des Vermögens der Klienten. Dessen Bewahrung hat normalerweise eindeutig Vorrang vor einer ebenfalls erwünschten Mehrung des Vermögens. Anders als den meisten aktiven Fondsmanagern geht es Vermögensverwaltern also nicht darum, kurz- oder mittelfristig eine bessere Performance zu erzielen als irgendwelche Indizes oder andere Vergleichsmaßstäbe.

Im Mittelpunkt der individuellen Portfolioverwaltung steht das Ziel, die Anlagen der Klienten gemäß deren individuellen Wünschen, Anforderungen und Restriktionen zu managen. Diese werden im Vermögensverwaltungsvertrag formuliert. Dabei sind Vermögensverwalter normalerweise immer auch Berater, welche die Gesamtsituation ihrer Kunden kennen und bei ihren Anlageentscheidungen berücksichtigen. Es geht nicht bloß um die professionelle Verwaltung und Mehrung materiellen Reichtums, sondern immer auch darum, dies im Sinne des individuellen Wohls der eigenen Kunden zu tun. Eine wichtige Basis für den Erfolg eines Vermögensverwalters ist daher eine langfristige und vertrauensvolle Beziehung zu seinen Klienten.

Dies gilt im Grunde auch für standardisierte Vermögensverwaltungsangebote und die Leistungen digitaler Vermögensverwalter, der sogenannten Robo-Advisors. Hier gibt es selbstverständlich Einschränkungen im Hinblick auf die Individualität der Dienstleistung. Dennoch sollten auch hier stets die erwähnten Ziele einer Vermögensverwaltung und die langfristigen Interessen der Kunden im Mittelpunkt stehen.

Wie arbeitet ein Vermögensverwalter?


Am Beginn eines Vermögensverwaltungsmandats steht normalerweise eine Art wirtschaftliche oder finanzielle Anamnese: Im direkten Dialog mit dem Kunden sammelt der Vermögensverwalter dabei alle Informationen, die zur Entwicklung einer auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnittenen Verwaltungsstrategie notwendig sind. Neben wirtschaftlichen und steuerlichen Gesichtspunkten spielt hierbei auch die individuelle Lebensplanung des Kunden eine wichtige Rolle. Konkret geht es in diesem Dialog unter anderem um die systematische Erfassung der Vermögenssituation, der Anlageziele, der individuellen Risikobereitschaft und der bisherigen Anlageerfahrungen des Klienten. Zudem sollte der Vermögensverwalter den Kunden ausführlich über seinen spezifischen Investmentstil informieren und ihn über die Risiken der verwendeten Finanzinstrumente, die anfallenden Kosten und Gebühren sowie wichtige Formalitäten bei Vertragsabschluss und während der anschließenden Zusammenarbeit aufklären. Erst und nur auf dieser Basis ist eine seriöse individuelle Vermögensverwaltung überhaupt möglich.

Der Vermögensverwalter nutzt diese Informationen, um eine auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnittene Anlagestrategie zu entwickeln. Dabei wird er in der Regel ein diversifiziertes Portfolio aus Vermögensgegenständen zusammenstellen und dieses im Sinne des Kunden treuhänderisch und professionell verwalten oder verwalten lassen. Je nach Mandat kann es sich dabei um reine Wertpapierportfolios, um Portfolios aus Sachwerten, wie Immobilien, oder aus einer Mischung aus beiden handeln. Selbst wenn der Vermögensverwalter nur Teile des Vermögens eines Kunden managt, sollte er dies stets mit Rücksicht auf und Wissen um dessen im Eingangsdialog ermittelte Gesamtsituation tun.

Neben dem eigentlichen Portfoliomanagement gehört es zu den wichtigen Aufgaben eines Vermögensverwalters, seine Kunden regelmäßig und verständlich über die Entwicklung ihrer Vermögen zu informieren. Um eine individuelle Betreuung dauerhaft zu gewährleisten, sollten zudem klare Regeln dafür vereinbart werden, wie der Verwalter zeitnah davon erfährt, wenn sich wichtige Anforderungen seiner Kunden ändern. Eine gute individuelle Betreuung der Kunden erfordert von einem Vermögensverwalter hohen persönlichen Einsatz, eine verlässliche Erreichbarkeit und möglichst kurze Reaktionszeiten.

infografik-angebot-robo-advisor-whitebox

Wie werden Vermögensverwalter in Deutschland reguliert?


Vermögensverwalter unterliegen in Deutschland unterschiedlichen Formen der Regulierung. Erfolgt die Vermögensverwaltung innerhalb eines Kreditinstituts, gelten die für diese Institute vorgeschriebenen strengen Gesetze und Vorschriften. Die kollektive Vermögensverwaltung in offenen oder geschlossenen Investmentfonds muss gemäß den im Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) festgelegten Regeln und Vorschriften erfolgen.

Wer außerhalb dieses Rahmens gewerbsmäßig oder in einem kaufmännisch eingerichteten Geschäftsbetrieb eine Finanzportfolioverwaltung anbietet, benötigt hierzu eine schriftliche Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Unter einer Finanzportfolioverwaltung versteht der Gesetzgeber „die Verwaltung einzelner in Finanzinstrumenten angelegter Vermögen für andere mit Entscheidungsspielraum“, also eine typische Tätigkeit von Vermögensverwaltern (siehe hierzu auch die „Hinweise zum Tatbestand der Finanzportfolioverwaltung“ der Bafin). Auch Anlageberatung und Anlagevermittlung dürfen in Deutschland in der Regel nur mit Erlaubnis der Bafin erfolgen, sofern sie gewerbsmäßig betrieben werden.

Ein wichtiger Aspekt dieses Verfahrens: Vor Erteilen einer solchen Erlaubnis prüft die Bafin lediglich, ob grundlegende Voraussetzungen zur Durchführung einer professionellen Finanzportfolioverwaltung gegeben sind. Hierzu zählen beispielsweise eine ausreichende Kapitalausstattung, zuverlässige und fachlich geeignete Geschäftsleiter sowie die Bereitschaft und Fähigkeit des Antragstellers, „die erforderlichen organisatorischen Vorkehrungen zum ordnungsgemäßen Betreiben der Geschäfte“ zu schaffen. Eine von der Bafin erteilte Erlaubnis lässt also keinerlei Schlüsse auf die tatsächliche Qualität der Leistungen zu, die ein Vermögensverwalter für seine Kunden erbringt.

An wen richtet sich das Angebot der Vermögensverwalter?


Traditionelle Vermögensverwalter richten sich grundsätzlich an zwei unterschiedliche Kundengruppen:
An wohlhabende Privatanleger und an institutionelle Investoren. Welche Leistungen sie konkret anbieten, hängt wesentlich von der Höhe der Anlagesummen ab. Wer weniger als eine Million Euro verwalten lassen möchte, sollte bei großen Geschäfts- oder Privatbanken gar nicht erst mit wirklich individuellen Lösungen rechnen. Kleinere, bankenunabhängige Vermögensverwalter bieten individuelles Portfoliomanagement auf Basis einzelner Aktien oder Anleihen teilweise bereits für etwas kleinere Vermögen an, beispielsweise ab etwa 500.000 Euro. Eine Verwaltung von Depots aus Investmentfonds ist oft bereits mit niedrigeren Anlagebeträgen möglich. Außerdem haben manche unabhängige Vermögensverwalter eigene Investmentfonds aufgelegt, die interessierten Kunden bereits mit relativ kleinen Anlagesummen offen stehen. Diese Fonds ersetzen jedoch keine auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtete Vermögens­verwaltung.

Tendenziell gilt: Je geringer die Anlagebeträge sind, desto eher werden sich Kunden mit Standardprodukten und -lösungen zufrieden geben müssen, und zwar sowohl bei der Beratung als auch bei der eigentlichen Verwaltung ihrer Vermögen. Das ist teilweise nachvollziehbar, weil auch der beste Vermögensverwalter die Gelder seiner Kunden nur dann sinnvoll verwalten kann, wenn sie in ausreichender Menge vorhanden sind, um beispielsweise gut diversifizierte Portfolios aufzubauen und zu managen. Außerdem umfasst eine wirklich individuelle Vermögensverwaltung viele komplexe Zusatzaufgaben, beispielsweise die steuerliche Optimierung des Gesamtvermögens oder ein aufwendiges Reporting über unterschiedliche liquide und illiquide Anlageklassen hinweg.

Seit einigen Jahren treten am Markt Dienstleister auf, die sich selbst oft als digitale Vermögensverwalter oder Robo-Advisors bezeichnen. Viele dieser Robo-Advisors versprechen ihren Kunden eine Vermögensverwaltung, die an deren individuellen Anforderungen ausgerichtet ist und den Angeboten traditioneller Vermögensverwalter ähnelt. Ein wesentlicher Unterschied: Die Mindestanlagesummen sind deutlich niedriger und betragen oft nur 5.000 Euro oder gar weniger. Ihre Vermögensverwaltungs­dienstleistungen richten sich damit auch an Massenkunden. Dies erfordert einen hohen Grad an Automatisierung und Standardisierung: Die Kommunikation und die Interaktion mit Kunden erfolgen überwiegend über das Internet und sind in der Regel weitgehend automatisiert. Die meisten Robo-Advisors arbeiten zudem mit standardisierten Portfolios aus börsengehandelten Indexfonds.

Auch die Fondsgesellschaften haben das Thema private Vermögensverwaltung für sich wiederentdeckt und bieten seit einigen Jahren zahlreiche sogenannte „vermögensverwaltende Fonds“ an. Meist handelt es sich dabei um Dachfonds oder Mischfonds, die in verschiedene Anlageklassen, wie Anleihen, Aktien, Immobilien und Rohstoffe, investieren und spezifische Chance-Risiko-Profile aufweisen. In vielen Fällen bieten die Gesellschaften mindestens drei Varianten an: defensive, ausgewogene und chancenorientierte Fonds, die sich vor allem hinsichtlich der Gewichtung sicherer Anlageklassen, wie Anleihen guter Bonität oder Geldmarktanlagen, voneinander unterscheiden. Diese Fonds sind häufig ohne bestimmte Mindestanlagebeträge erhältlich und zielen vor allem auf die Massenkundschaft. Allerdings bieten die Fondsgesellschaften auch in diesem Fall lediglich Produkte an und keine individuelle Beratung und Betreuung der Anleger. Insofern sind diese Fonds im Grunde als Instrumente für Vermögensverwalter, Anlageberater und -vermittler konzipiert, nicht als eigenständige Vermögensverwaltungsangebote. Außerdem sind sie relativ teuer: Die jährlichen Gebühren liegen meist um oder über 1,5 Prozent der Anlagesumme und normalerweise müssen Anleger beim Kauf einen Ausgabeaufschlag von drei bis fünf Prozent zahlen.

Welche Formen der Vermögensverwaltung gibt es?


Zunächst einmal unterscheiden sich Vermögensverwalter durch Art und Umfang ihrer Angebote. Viele Vermögensverwalter sind Spezialisten für einzelne Anlageklassen: Sie investieren die Gelder ihrer Kunden beispielsweise nur oder weit überwiegend direkt in Aktien, Anleihen oder Immobilien. Eine solche Spezialisierung ist sinnvoll, weil erfolgreiche Direktinvestitionen in einzelne Anlageklassen spezielle Kenntnisse und Erfahrungen erfordern. Es gibt auch Vermögensverwalter, die ausschließlich in verschiedene Investmentfonds investieren. Ihre Kernkompetenzen liegen in der Auswahl geeigneter aktiver oder passiver Fonds und der Zusammenstellung diversifizierter Portfolios aus einzelnen Investmentfonds. Darüber hinaus gibt es Vermögensverwalter, die sich speziellen Anlagephilosophien oder -strategien verschrieben haben, die also beispielsweise nachhaltige Investmentansätze oder Value-Strategien verfolgen.

Ein wesentlicher Unterschied von Vermögensverwaltungsdienstleistungen besteht im Grad ihrer Individualisierung. Häufig unterscheidet man zwischen individueller und standardisierter Vermögensverwaltung:

  • Bei individuellen Lösungen betreut der Verwalter für jeden einzelnen Kunden ein eigenes, speziell für diesen Kunden zusammengestelltes Portfolio.
  • Wenn ein Verwalter dagegen eine Reihe verschiedener Portfolios mit unterschiedlichen Rendite-Risiko-Profilen anbietet und die Gelder seiner Kunden gemäß deren Risikobereitschaft, Anlagezielen und individuellen Anforderungen auf diese Portfolios verteilt, spricht man von einer standardisierten Vermögensverwaltung.

Im Hinblick auf Renditen und Risiken können standardisierte Portfolios sogar bessere Ergebnisse liefern als individuelle, weil sie normalerweise ohne Einfluss emotionaler Faktoren auf eine Optimierung ihrer Rendite-Risiko-Struktur ausgerichtet sind. Außerdem hat sich in der Praxis der Vermögensverwaltung eine Untergliederung in verschiedene Zielgruppen durchgesetzt, man unterscheidet grob die institutionelle und die private Vermögensverwaltung. Institutionelle Investoren, wie Versicherungen, Pensionskassen oder Stiftungen, unterliegen speziellen gesetzlichen Regularien und Restriktionen. Darüber hinaus haben sie oft bestimmte Verpflichtungen beispielsweise gegenüber Versicherten, die beim Management ihrer Vermögen berücksichtigt werden müssen. Institutionelle Investoren verfügen häufig über sehr große Vermögen und Zahlen daher prozentual meist deutlich niedrigere Gebühren für deren Verwaltung als Privatpersonen.

Wer bietet Vermögensverwaltung an?


Der deutsche Markt für Vermögensverwaltung ist vielfältig und hart umkämpft: Neben Privatbanken und den großen Geschäftsbanken bieten auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken ihrer wohlhabenden Kundschaft Vermögensverwaltungsmandate an. Darüber hinaus gibt es in Deutschland etwa 450 unabhängige Vermögensverwalter, die über eine Erlaubnis der Bafin zur Finanzportfolioverwaltung verfügen. Ein Teil dieser bankenunabhängigen Dienstleister hat mit dem Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland (VuV) eine eigene Interessenvertretung geschaffen, die auch gewisse Mindeststandards der angebotenen Dienstleistungen sicherstellen soll.

Sehr wohlhabende Familien oder Privatpersonen gründen bisweilen eigene Vermögensverwaltungen, sogenannte Family Offices. Diese betreuen oft nur das Vermögen der jeweiligen Familie und verfolgen keine gewerblichen Zwecke im Sinne des Kreditwesengesetzes. Damit sich dieser Aufwand lohnt, sollte das zu verwaltende Vermögen mindestens etwa 250 Millionen Euro betragen.

Es gibt allerdings Family Offices, die ihre Dienstleistungen auch anderen wohlhabenden Anlegern zur Verfügung stellen und teilweise bereits Vermögen ab etwa zehn oder 15 Millionen Euro verwalten. Diese sogenannten Multi Family Offices benötigen eine Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Auch einige Banken haben Geschäftseinheiten gegründet, deren Dienstleistungen sie mit dem Etikett „Multi Family Office“ an wohlhabende Kunden vermarkten.

Mit der Verbreitung des Internets und der damit verbundenen Möglichkeiten hat sich auch in der Vermögensverwaltung ein neuer Trend herausgebildet: Unter dem Oberbegriff „Robo-Advisor“ treten seit etwa 2010 immer mehr digitale Vermögensverwalter in den Ring. Sie versprechen Anlegern bereits ab relativ kleinen Summen von beispielsweise 5.000 Euro eine Vermögensverwaltung, die sich an ihren individuellen Anforderungen und Zielen orientiert. Beratung und Betreuung der Anleger erfolgen fast ausschließlich über das Internet. Robo-Advisors investieren das Geld ihrer Kunden meist in kostengünstige, börsengehandelte Indexfonds, aus denen sie je nach den individuellen Profilen ihrer Kunden unterschiedliche Anlageportfolios zusammenstellen und verwalten. Sie bieten in der Regel eine standardisierte Vermögensverwaltung an, die auf weitgehend statischen Musterportfolios oder auf einem aktiven Management der Portfolios basieren kann.

Vermögensverwaltungs-Anbieter für Privatkunden - Whitebox

Quelle: BCG Report "Global Wealth 2019 - Reigniting Radical Growth", Projekterfahrung Boston Consulting Group

Sind Investmentfonds (kollektive) Vermögensverwaltungen?


Fondsgesellschaften legen das Vermögen anderer mit Entscheidungsspielraum in Finanzinstrumente an und betreiben damit eine gewerbsmäßige Finanzportfolioverwaltung gemäß dem deutschen Kreditwesengesetz. Formaljuristisch sind sie daher Anbieter einer standardisierten, kollektiven Vermögensverwaltung – zumal auch einzelne Investmentfonds strengen Regularien unterliegen und beispielsweise Mindestanforderungen an die Diversifikation ihrer Portfolios erfüllen müssen. Tatsächlich galten Investmentfonds früher oft als „Vermögensverwaltung für Arme“. Doch die Fondsbranche und das Selbstverständnis vieler Branchenvertreter haben sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gewandelt.

Heute sind sehr viele Publikumsfonds hoch spezialisierte Produkte, die wie am Fließband vor allem unter Marketing- und Vertriebsaspekten für den Massenmarkt produziert werden. Ausrichtung und Anlageziele der Fonds orientieren sich oft weniger an den Bedürfnissen und Anforderungen der Anleger als an den Wünschen der Vertriebspartner und anderer Intermediäre. Insofern sprechen Vertreter der Fondsbranche zu Recht von einer „Fondsindustrie“. Viele große Fondsanbieter haben sich insbesondere im Massengeschäft weit entfernt von einer Dienstleistung, die den Namen Vermögensverwaltung verdienen würde.

Thomas Richter, seines Zeichens Hauptgeschäftsführer des Interessenverbandes der deutschen Fondsbranche BVI, hat Investmentfonds in Interviews mitunter als „Bausteine für die Vermögensverwaltung“ bezeichnet. Aufgabe der Fondsgesellschaften sei es, solche Bausteine zu liefern. Ebenso wie Bausteine noch kein Haus sind, sind Investmentfonds noch keine Vermögensverwaltung – selbst wenn man mehrere Fonds in einem Portfolio kombiniert. Für die sinnvolle Verwendung von Investmentfonds sind dieser Auffassung zufolge vor allem Anlageberater und -vermittler sowie Vermögensverwalter verantwortlich, die mit diesen Fonds arbeiten.

Doch viele kleinere Fondsanbieter haben auch heute noch einen anderen Anspruch. Beispielsweise gibt es Vermögensverwalter, die ihre Anlagestrategie für Interessenten mit geringen Anlagesummen auch in eigenen Investmentfonds anbieten. Manch eine Fondsgesellschaft ist sogar aus einem unabhängigen Vermögensverwalter entstanden, dessen Fondsgeschäft sich besser entwickelt hat als seine ursprüngliche Dienstleistung. Auch große Gesellschaften bieten seit einigen Jahren spezielle Fonds und Dachfonds an, die als „vermögensverwaltende Fonds“ verkauft werden. Auch solche Fonds können jedoch eine an individuellen Bedürfnissen ausgerichtete Vermögensverwaltung nicht ersetzen.

Was ist eine „automatisierte Vermögensverwaltung“?


Seit sogenannte Robo-Advisors für Schlagzeilen in den Wirtschaftsmedien sorgen, wird nahezu jedem deutlich, dass das „digitale Zeitalter“ und die damit verbundene Automatisierung auch die Vermögensverwaltungsbranche erreicht haben. Diese Entwicklung ist allerdings nicht neu und hat lange vor dem Auftreten der ersten selbst ernannten digitalen Vermögensverwalter begonnen. Im traditionellen Portfoliomanagement gibt es bereits seit einigen Jahrzehnten eine Nische, die meist als „quantitatives Investment“ oder „quantitatives Portfoliomanagement“ bezeichnet wird. Diese sogenannten „Quants“ treffen ihre Anlageentscheidungen ausschließlich auf Basis von Computermodellen, die meist regelbasiert und zunehmend auch mit Hilfe lernender Algorithmen (künstliche Intelligenz, KI) arbeiten. Häufig werden diese Anlageentscheidungen auch direkt von Computern umgesetzt. Allerdings verfolgen Quants normalerweise sehr spezielle, kurz- bis mittelfristig ausgerichtete Handelsstrategien, eine umfassende Vermögensverwaltung bieten sie nicht an.

Bei Robo-Advisors erfolgen zurzeit meist nur die Kommunikation mit den Kunden und viele damit zusammenhängende Dienstleistungen, wie das Reporting, durchweg oder zumindest weitgehend automatisiert über das Internet. Im eigentlichen Portfoliomanagement arbeiten die Robos dagegen ganz ähnlich wie viele klassische Finanzportfolioverwalter: Auch diese überlassen die meisten Analysen, Modellrechnungen und insbesondere das Risikomanagement mittlerweile hoch komplexen Computeralgorithmen. Die letztendliche Umsetzung der Anlageentscheidungen erfolgt aber in den meisten Fällen noch durch Menschen. Das ist bei Robo-Advisors normalerweise (noch) nicht anders. Auch sie nutzen im Kernbereich der Portfolioverwaltung meist Modelle und Methoden, die sich im traditionellen Portfoliomanagement bereits vielfach bewährt haben.

Auswahlkriterien Robo Advisor Whitebox
Quelle: „Wahl zum Robo-Advisor 2017“, Umfrage: "Welche Kriterien sind Kunden bei der Auswahl eines Robo-Advisors besonders wichtig" – Statistik Brokervergleich.de

Was kostet die Vermögensverwaltung?


Vermögensverwalter sind Dienstleister, die normalerweise ähnlich wie Steuerberater auf Honorarbasis entlohnt werden. Meist verlangen sie einen jährlich anfallenden prozentualen Festbetrag, der für individuelle Lösungen in der Regel zwischen ein und zwei Prozent der verwalteten Anlagesumme liegt. Bei größeren Vermögen fällt dieser Prozentsatz mitunter niedriger aus. Bisweilen verlangen Vermögensverwalter zusätzlich ein erfolgsabhängiges Honorar, das oft vom Übertreffen bestimmter Anlageziele abhängt. Bei standardisierten Angeboten fallen die Kosten tendenziell etwas geringer aus, bei Robo-Advisors liegen sie teilweise deutlich unter einem Prozent pro Jahr.

Zum Honorar für den Vermögensverwalter kommen eine Reihe weiterer Kosten und Gebühren hinzu, die im Zusammenhang mit der Portfolioverwaltung entstehen – beispielsweise Kontoführungsgebühren, Depotgebühren und Transaktionskosten. Mitunter verlangen Anbieter Pauschalen, die ihr Honorar und diese zusätzlichen Gebühren abdecken. Falls ein Vermögensverwalter offene oder geschlossene Investmentfonds nutzt, fallen für diese Produkte weitere, teilweise erhebliche Gebühren an. Bei offenen, aktiv verwalteten Publikumsfonds erhält der Verwalter normalerweise Vertriebsprovisionen aus den Ausgabeaufschlägen und jährliche Bestandsvergütungen. Solche Provisionen müssen Finanzportfolioverwalter direkt und in voller Höhe an ihre Kunden weitergeben. Bei individuellen Vermögensverwaltungsmandaten können die zusätzlichen Kosten und Gebühren durchaus das Zwei- bis Dreifache des Honorars ausmachen, das der Vermögensverwalter seinen Kunden in Rechnung stellt – insbesondere wenn strukturierte Produkte oder teure Anlageinstrumente, wie Hedgefonds und Private-Equity-Fonds, zum Einsatz kommen. Insofern lohnt es sich, Kosten und Nutzen von Vermögensverwaltungsangeboten sorgfältig abzuwägen und konkurrierende Angebote miteinander zu vergleichen.

Wie finde ich einen geeigneten Vermögensverwalter?

Bevor Sie sich auf die Suche nach einem (neuen) Vermögensverwalter begeben, sollten Sie sich darüber klar sein, welche Erwartungen Sie an dessen Dienstleistung haben. Je genauer Sie wissen, was Sie benötigen oder wollen, desto leichter fällt in der Regel die Auswahl.

  • Soll der Verwalter beispielsweise Ihr gesamtes Finanzvermögen managen oder nur Teile davon?
  • Haben Sie konkrete Vorstellungen davon, in welche Anlageklassen er Ihr Vermögen investieren soll?
  • Wünschen Sie eine individuelle Vermögensverwaltung oder würde Ihnen ein standardisiertes Angebot ausreichen, das in der Regel deutlich kostengünstiger ist?
  • Legen Sie Wert auf einen persönlichen Ansprechpartner oder reicht Ihnen eine qualifizierte Betreuung über das Internet, wie sie beispielsweise seriöse Robo-Advisors bieten?
  • Haben Sie bereits Erfahrungen mit anderen Vermögensverwaltern gemacht, die Ihnen bei der Auswahl eines neuen oder weiteren helfen können?

Ein wesentlicher Faktor bei der Auswahl eines Vermögensverwalters ist dessen Seriosität. Die Berufsbezeichnung „Vermögensverwalter“ ist in Deutschland nicht gesetzlich geschützt. Im Grunde genommen kann sich jeder so nennen, ohne sich damit strafbar zu machen. Sobald jemand allerdings gewerbsmäßig bestimmte Finanzdienstleistungen anbietet, benötigt er eine entsprechende Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Ein externer Vermögensverwalter, der in Ihrem Auftrag eigenständige Anlageentscheidungen trifft, sollte daher zumindest über eine Erlaubnis der Bafin zur Finanzportfolioverwaltung verfügen. Von der Bafin zugelassene Finanzportfolioverwalter sind Mitglieder in der Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW). Zurzeit gibt es in Deutschland etwa 450 dieser Verwalter. In der öffentlich zugänglichen Unternehmensdatenbank der Bafin können Sie unter der Kategorie „Finanzdienstleistungsinstitute (BA)“ (enthält auch Leasing- und Factoringgesellschaften) nachsehen, ob unabhängige Vermögensverwalter über eine entsprechende Erlaubnis verfügen.

Einige unabhängige Vermögensverwalter haben sich in einem eigenen Interessenverband zusammengeschlossen, dem Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland (VuV). Alle Mitglieder dieses Verbandes haben sich verpflichtet, freiwillig einem Ehrenkodex zu folgen. Dieser enthält wichtige Aspekte, die ein seriöser Vermögensverwalter berücksichtigen sollte – etwa den verantwortungsvollen und offenen Umgang mit Interessenkonflikten und die Verpflichtung, Anlageentscheidungen frei von Vertriebsvorgaben und Weisungen Dritter im Interesse der Kunden zu treffen. Der VuV hat zudem eine Ombudsstelle eingerichtet, die im Falle von Streitigkeiten zwischen Verbandsmitgliedern und deren Kunden kostenfrei und ohne größeren bürokratischen Aufwand Schlichtungsvorschläge erarbeitet.

Weder die Genehmigung der Bafin noch die Mitgliedschaft im VuV erlauben Aussagen über die Qualität eines Vermögensverwalters. Diese lässt sich vor allem bei individuellen Vermögensverwaltungsmandaten nur sehr schwer beurteilen, weil es hierfür keine geeigneten Vergleichsmaßstäbe gibt. Dennoch gibt es einige Merkmale, die bei der Auswahl eines Verwalters helfen können. So sollte ein Vermögensverwalter seinen Kunden keine hauseigenen Produkte verkaufen und auch von anderen Produktanbietern unabhängig sein. Es sollte ihm darum gehen, Ihnen eine möglichst gute Lösung für Ihre individuellen Anforderungen anzubieten.

Der Verwalter sollte Ihnen seine Anlagestrategie klar und deutlich erläutern. Sie sollten ihn nur in Anlageinstrumente oder Strategien investieren lassen, deren Funktionsweise und Risiken er Ihnen verständlich erklären kann. Eine langfristige Kundenbeziehung erfordert zudem eine gewisse personelle Kontinuität: Sollten die Betreuer ständig wechseln, kann kaum ein langfristiges Vertrauensverhältnis entstehen. Die Kosten sind ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Auswahl eines Vermögensverwalters. Hier ist es zunächst wichtig, dass der Verwalter sämtliche anfallenden Kosten transparent und nachvollziehbar aufschlüsselt. Nur auf dieser Basis können sie Vergleiche mit anderen Anbietern anstellen und beurteilen, ob die Honorare und Gebühren ein angemessener Preis für die angebotenen Dienstleistungen sind.

Auswahlkriterien Vermögensverwaltung Whitebox

Quelle: Capgemini Financial Services Analysis 2019, Capgemini Global HNW Insights Survey 2019

Anmerkung zur Grafik:
Ausgangs-Fragestellung: „Welche Kriterien sind Ihnen bei der Auswahl eines Vermögensverwalters am wichtigsten? Bitte wählen Sie die relevanten Leistungen aus und ziehen Sie sie in die entsprechende Box (nur eine Auswahl):" 1. am wichtigsten, 2. auch wichtig, 3. nicht wichtig.
Die obigen Werte repräsentieren die Relevanz verschiedener Kriterien von vermögenden Privatkunden bei der Auswahl eines Vermögensverwalters und sind die Summen der Werte „am wichtigsten“ und „auch wichtig“.

Welche Risiken gehe ich bei einer Vermögensverwaltung ein?

Wer sein Geld anderen anvertraut, geht damit immer auch gewisse Risiken ein. Vermögensverwalter arbeiten normalerweise als Treuhänder für ihre Klienten: Das von ihnen verwaltete Vermögen geht nicht in ihr Eigentum über, sondern bleibt Eigentum ihrer Kunden. Im Falle der Insolvenz eines Vermögensverwalters fällt das von ihnen verwaltete Vermögen nicht in deren Insolvenzmasse, sondern bildet ähnlich wie bei Investmentfonds ein „Sondervermögen“. Dennoch ist das Vermögen unterschiedlichen Risiken ausgesetzt, vor allem den Markt- und „Produktrisiken“, die sich im Rahmen des Portfoliomanagements zwangsläufig ergeben. Außerdem kann es passieren, dass ein Vermögensverwalter seine Sorgfaltspflichten verletzt, unfähig, unseriös oder sogar ein Betrüger ist.

Es gehört zu den Kernaufgaben eines Vermögensverwalters, das Vermögen seiner Kunden treuhänderisch in Wertpapiere oder andere Vermögensgegenstände zu investieren. Diese Anlagen und darauf basierende Investmentstrategien bergen gewisse Risiken, die der Kunde selbst tragen muss – vor allem die jeweiligen Marktrisiken, die beispielsweise bei Investitionen in Aktien meist deutlich höher sind als bei Anlagen in Anleihen mit guten Ratings oder in Immobilien an attraktiven Standorten. Sollten geschlossene Investmentfonds, strukturierte Produkte oder Direktinvestitionen, beispielsweise in Unternehmen oder Immobilien, zum Einsatz kommen, ergeben sich dadurch weitere spezifische Risiken. Über all diese Risikofaktoren sollte der Verwalter seine Klienten vor Investitionen sorgfältig und vollumfänglich aufgeklärt haben. Im Vermögensverwaltungsvertrag sollte zudem klar festgelegt sein, welche Anlagestrategien der Verwalter anwenden und welche Risiken er dabei eingehen darf. Falls seine Anlageentscheidungen gegen diese Vereinbarungen verstoßen, ist der Vermögensverwalter für daraus resultierende Schäden haftbar.

Wo es um viel Geld geht, gibt es immer auch entsprechend große Anreize für skrupellose, halbseidene und unseriöse Menschen und Unternehmen, sich auf zweifelhaften oder gar kriminellen Wegen zu bereichern. Bei der Vermögensverwaltung geht es um viel Geld. Vor allem in der individuellen Vermögensverwaltung kommt der Wunsch der Klienten nach absoluter Diskretion hinzu, der geschickten Scharlatanen und Betrügern ihr Treiben häufig erleichtert und die Aufklärung ihrer Taten erschweren kann. Dies zeigen keineswegs nur spektakuläre Fälle wie der des US-Brokers und Vermögensverwalters Bernard Madoff, der Anleger weltweit um etwa 65 Milliarden US-Dollar geschädigt haben soll und den ein US-Gericht im Juni 2009 wegen Betrugs zu einer Haftstrafe von 150 Jahren verurteilt hat. Dass auch im Rahmen bestehender Gesetze und Regularien auf den hoch komplexen Kapitalmärkten unseriöse Geschäfte möglich sind, belegen die erheblichen Schäden, die vor allem institutionellen Investoren während der von den USA ausgehenden Finanzkrise durch sogenannte „toxische“ Derivate auf faule Immobilienkredite entstanden sind. Außerdem ist gegen bloße Unfähigkeit auch in der Vermögensverwaltungsbranche kein Kraut gewachsen.

Welche Interessenkonflikte können bei der Vermögensverwaltung auftreten?

Bei der Vermögensverwaltung kann es an mehreren Stellen zu Interessenkonflikten zwischen Verwaltern und ihren Klienten kommen. Die meisten dieser Konflikte lassen sich jedoch bereits bei der Ausgestaltung des Vermögensverwaltungsvertrags ausschalten oder zumindest entschärfen.

Solche Konflikte können beispielsweise entstehen, wenn ein Verwalter im Rahmen eines Mandats auch oder gar ausschließlich hauseigene Produkte einsetzt oder wenn er den Wertpapierhandel über ein Tochterunternehmen oder unter dem Dach einer gemeinsamen Muttergesellschaft abwickelt. Hierdurch können Anreize entstehen, für die jeweiligen Kunden nicht die am besten geeigneten Produkte auszuwählen, unnötig viel zu handeln oder zu hohe Handelsgebühren zu akzeptieren, um auf Kosten der Klienten zusätzliche Gebühren zu vereinnahmen. Auch bei der Nutzung fremder Fonds und Anlageprodukte oder externer Depotbanken können sich Interessenkonflikte ergeben, sofern Vermögensverwalter oder mit ihnen verbundene Unternehmen hieraus irgendwelche Zahlungen beziehen oder andere (geldwerte) Vorteile haben.

Erfolgsabhängige Honorarbestandteile sind ein weiterer Aspekt, der zu Interessenkonflikten und Fehlanreizen führen kann. Einerseits können sie stark zu Ungunsten der Mandanten eines Vermögensverwalters konzipiert sein und dadurch zu überhöhten Gebührenbelastungen führen – beispielsweise bei fehlenden oder zu niedrig angesetzten Ausübungshürden (Hurdle Rates) oder fehlenden „Hochwassermarken“ (High Water Marks). Andererseits können sie Verwalter dazu verleiten, zu hohe Risiken einzugehen, um vereinbarte Hürden zu übertreffen. Anleger sollten daher stets auf eine angemessene Ausgestaltung solcher Honorarkomponenten achten und bestehen.

Wie erkenne ich einen unseriösen Vermögensverwalter?

In der Vermögensverwaltung gibt es bisweilen unseriöse Praktiken und auch einzelne Betrugsfälle. Unseriöse Praktiken finden sich vor allem im Zusammenhang mit den erhobenen Kosten und Gebühren – beispielsweise wenn Vermögensverwalter neben dem vereinbarten Honorar ohne Wissen und Zustimmung ihrer Klienten Retrozessionen vereinnahmen. Als Retrozessionen bezeichnet man geldwerte oder nicht geldwerte Leistungen, die Finanzintermediäre von einem Dritten im Zusammenhang mit der Ausführung von Kundenaufträgen erhalten – also beispielsweise Verkaufs- und Bestandsprovisionen für Investmentfonds. In Deutschland unterliegen Finanzportfolioverwalter seit Umsetzung der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II einem strengen Provisionsverbot und dürfen nur noch sogenannte geringwertige nicht monetäre Vorteile annehmen (siehe hierzu ausführliche Informationen der Bafin).

Leider gibt es immer wieder auch Betrüger, die als vermeintliche Vermögensverwalter ihr Unwesen treiben. Teilweise kann man diese an ihrem Auftreten und an vollmundigen, unrealistischen Renditeversprechungen erkennen. Geschickte Betrüger zeichnen sich jedoch dummerweise dadurch aus, dass man sie nicht einfach als Betrüger erkennen kann.

Negatives Paradebeispiel: Der Fall "Bernie" Madoff

Ein spektakuläres und ausgesprochen lehrreiches Beispiel ist der US-Broker Bernard Madoff, der seinen Kunden über ein sogenanntes Ponzi- oder Schneeballsystem einen Vermögensschaden von insgesamt rund 65 Milliarden US-Dollar zugefügt hat. Auf Madoff sind nicht nur wohlhabende Privatanleger in aller Welt hereingefallen, sondern auch zahlreiche institutionelle Investoren und sogar Hedgefonds, die angeblich vor jeder ihrer Investitionen eine sorgfältige Due Diligence durchführen. Im Juni 2009 hat ein US-Gericht Madoff zu einer Haftstrafe von 150 Jahren verurteilt.

Wer einen Eindruck davon gewinnen möchte, wie geschickte Betrüger im gegenwärtigen Finanzsystem agieren und wie zahnlos Regulierer bisweilen auf Warnungen von Insidern reagieren, sollte sich intensiver mit Madoff beschäftigen. Schon der deutschsprachige Wikipedia-Beitrag über ihn liest sich wie eine Kriminalgeschichte. Sehr interessant ist auch ein Artikel des US-Journalisten Steve Fishman, den „Die Welt“ im März 2011 in deutscher Übersetzung veröffentlicht hat. Fishman hatte mehrere Gespräche mit dem Häftling Madoff geführt, in denen dieser ausführlich seine Sicht der Dinge dargelegt hat. In einem Interview mit der britischen Zeitung „The Guardian“ betonte Fishman, dass der Betrugsfall ohne die speziellen Strukturen der internationalen Finanzmärkte niemals dieses Ausmaß hätte erreichen können: „Madoff wäre ein lokaler Schwindler geblieben, wenn er nicht auf dieses riesige Vertriebsnetz gestoßen wäre.“ Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman hat bereits im Dezember 2008 in einem Kommentar in der „New York Times“ die Ansicht vertreten, der Fall Madoff sei lediglich ein besonders dreistes Beispiel für grundlegende Fehlentwicklungen in der US-Finanzbranche.

Auch Madoff selbst sieht die Schuld für den entstandenen Schaden nicht ausschließlich bei sich: „Diese Banken und Fonds mussten wissen, dass es Probleme gab.“ Er habe ihnen nie verraten, wie er die ausgewiesenen Gewinne erwirtschaftet habe. „Ich gab ihnen keine Fakten etwa über meine Handelsvolumina. Ich weigerte mich immer, meine Bücher für sie zu öffnen. Ich sagte: ‚Wenn es euch nicht passt, dann nehmt eure Einlagen einfach wieder raus‘– was sie natürlich niemals taten.“ Wer konsequent auf ein transparentes Portfoliomanagement bestanden hätte, hätte Madoff also niemals Geld anvertrauen dürfen.

Die HRRS, eine „Onlinezeitschrift für Höchstrichterliche Rechtsprechung zum Strafrecht“ hat im Juli 2009 einen Fachartikel von Robert Kilian mit dem Titel „Zur Strafbarkeit von Ponzi-Schemes - Der Fall Madoff nach deutschem Wettbewerbs- und Kapitalmarktstrafrecht“ veröffentlicht. Kilian kommt darin zu dem Schluss, „dass die Ponzi-Schemes kein Phänomen vergangener Zeiten sind, sondern auch weiterhin als Teil des tagesaktuellen Geschehens präsent sind“. Zudem wäre es seiner Ansicht nach „grob falsch“ zu behaupten, dass ein Betrugsfall wie der von Madoff sich nur in den USA ereignen könne. Gerade dieser Fall zeige, „dass angesichts der wachsenden Vernetzung der internationalen Finanzmärkte niemals nur ein Staat betroffen ist“. Außerdem hätten längst auch Wirtschaftskriminelle in Deutschland derartige Verfahrensmuster für sich entdeckt.

Grundsätzlich bergen Investitionen in Offshore-Hedgefonds, Limited Partnerships, geschlossene Fonds oder strukturierte Finanzprodukte besondere Risiken und erfordern daher eine sehr genaue Prüfung. Diese Investments sind in der Regel sehr teuer und das Beispiel Madoff zeigt, dass solche Strukturen auch von Betrügern genutzt werden können. Wer dagegen einen regulierten Vermögensverwalter auswählt, der nur in börsengehandelte Wertpapiere oder regulierte Publikumsfonds investiert, ist in dieser Hinsicht normalerweise auf der sicheren Seite.

Und wenn Sie ihr Geld einem bankenunabhängigen, digitalen Vermögensverwalter, wie Whitebox, anvertrauen, der günstige Gebührenstrukturen bietet und ausschließlich mit börsengehandelten Indexfonds (ETF) arbeitet, werden Sie auf jeden Fall auch im Hinblick auf Kosten und Gebühren fair behandelt.

Neugierig geworden? Jetzt Anlagevorschlag erstellen!

Video: So funktioniert Whitebox (3:03 min)

Whitebox_Erklärvideo_201909_k4_lang

Kevin Siemon Head Relationship Management Whitebox closeup

Haben Sie Fragen?

Haben Sie Fragen zur Whitebox Vermögens­verwaltung? Das Team um unseren Head Relationship Management, Kevin Siemon, hilft Ihnen gerne und unkompliziert.

Kontaktieren können Sie uns per Telefon:
+49 761 76992299
oder per E-Mail unter service@whitebox.eu

Service

Und wie geht es weiter?

Wir erstellen mit Ihnen Ihr persönliches Anlageprofil

Wir leiten Ihre individuelle Anlagestrategie ab und implementieren sie

Wir übernehmen das Portfoliomanagement sowie die Überwachung der Anlagestrategie

Ihre Vorteile

Hochwertige Online-Vermögensverwaltung

Mindestanlagevolumen nur 5.000 Euro

Aktives Risikomanagement umgesetzt mit passiven Produkten

Maßgeschneidert auf Ihre individuellen Anlageziele

Geringe Pauschalgebühr von 0,35% bis 0,95% p.a. inkl. Depot- und Handelskosten

Keine Ausgabeaufschläge, keine versteckten Kosten

Whitebox – Ihr Portfolio

wb-logo-claim-1920x1080

Eröffnen Sie ihr Whitebox Portfolio noch heute. Schnell und unkompliziert!

Jetzt anlegen