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US-Midterms 2026 und die Börsenstatistik

Geschrieben von Whitebox-Redaktion | 2. Nov.. 2026

Am Dienstag wählen die USA einen neuen Kongress. Und wenn Sie in diesen Tagen Finanznachrichten lesen, wird Ihnen dabei vermutlich eine Zahl begegnen, die sich gut merken lässt: 19 von 19.

Gemeint ist damit Folgendes: Seit 1950 hat es in den USA neunzehn Zwischenwahlen gegeben. In den zwölf Monaten nach jeder einzelnen davon ist der amerikanische Leitindex S&P 500 gestiegen – ohne Ausnahme. Eine Regel ganz ohne Gegenbeispiel ist an den Kapitalmärkten eine Seltenheit, und entsprechend gern wird sie in Wahlwochen zitiert.

Wir fanden das interessant genug, um es einmal selbst nachzurechnen.

Die gute Nachricht zuerst: Die Zahl stimmt

Wir haben uns die Tagesschlusskurse des S&P 500 seit 1949 angesehen und für jede der neunzehn Wahlen die folgenden zwölf Monate ausgewertet. Das Ergebnis deckt sich mit dem, was zitiert wird: neunzehn Wahltermine, neunzehn positive Jahre. Im Durchschnitt ging es dabei um gut 15 Prozent nach oben. Das schwächste Jahr brachte 1,1 Prozent, das stärkste 33,2 Prozent.

So weit, so erfreulich. Interessant wird es aber erst, wenn man zwei Fragen stellt, die in den meisten Beiträgen zu dieser Statistik nicht vorkommen.

Erste Frage: Wie ungewöhnlich ist das eigentlich?

„In allen neunzehn Fällen positiv" klingt nach einer Besonderheit. Um das einzuordnen, hilft ein Vergleichswert: Wie oft steigen Aktienmärkte denn über einen beliebigen Zeitraum von zwölf Monaten?

Auch das haben wir untersucht. Nimmt man seit 1950 jeden einzelnen Börsentag als Startpunkt und schaut jeweils ein Jahr voraus, dann ist das Ergebnis in knapp 75 Prozent aller Fälle positiv, bei durchschnittlich 9,4 Prozent. Drei von vier Jahren enden also ohnehin im Plus,  ganz ohne Wahl.

Das macht die Statistik nicht wertlos. Neunzehn von neunzehn liegt durchaus über dem, was man rein zufällig erwarten würde, und das Jahr nach einer Zwischenwahl gilt traditionell als starkes Jahr im US-Wahlzyklus. Aber die Zahl beschreibt eben zu einem guten Teil etwas, das Aktienmärkte sowieso tun: über längere Zeiträume steigen. Und neunzehn Beobachtungen aus siebzig Jahren sind, bei aller Deutlichkeit, eine recht kleine Stichprobe.

Zweite Frage: Wie fühlten sich diese neunzehn Jahre an?

Das ist aus unserer Sicht der spannendere Punkt. Eine Jahresrendite ist eine Zahl, die man erst hinterher kennt. Was man als Anlegerin oder Anleger erlebt, ist der Weg dorthin. Und der war in diesen neunzehn Jahren selten geradlinig.

Wir haben deshalb für jede der Perioden zusätzlich geprüft, wie weit der Markt zwischendurch von seinem jeweiligen Höchststand zurückgefallen ist. Das Ergebnis: In allen neunzehn Fällen gab es einen solchen Rückschlag. Meist bewegte er sich im einstelligen Bereich, in acht Fällen ging es zwischenzeitlich aber um mehr als zehn Prozent nach unten.

Besonders anschaulich ist das Jahr nach der Wahl von 1986. Zwölf Monate später stand der Index 1,1 Prozent höher – die Statistik hatte also recht. Dazwischen lag allerdings der Oktober 1987 mit dem bekannten Kurssturz, bei dem der Markt zeitweise rund ein Drittel unter seinem Hoch notierte.

Wer damals allein wegen der Statistik eingestiegen wäre, hätte am Ende tatsächlich ein kleines Plus gehabt. Nur hätte derjenige dafür ein Jahr durchstehen müssen, in dem zwischenzeitlich sehr wenig nach Plan aussah – und ganz ohne zu wissen, wie es ausgeht. Das ist leichter gesagt als getan, und es ist auch völlig nachvollziehbar, dass viele Menschen in solchen Phasen aussteigen.

Man könnte es so zusammenfassen: Die Statistik beschreibt recht zuverlässig das Ziel. Über den Weg dorthin sagt sie nichts.

Und was entscheidet die Wahl nun für die Märkte?

Vermutlich weniger, als die Aufmerksamkeit vermuten lässt.

Die Prognosemärkte halten derzeit einen Mehrheitswechsel im Repräsentantenhaus für wahrscheinlich, während das Rennen um den Senat als offen gilt. Was daraus für die Börsen folgt, sehen die großen Häuser allerdings ganz unterschiedlich: Die einen rechnen mit Kursdruck, die anderen halten genau dieses Szenario längst für eingepreist. Mehrere Analysen weisen außerdem darauf hin, dass die für Märkte wichtigsten Themen, wie etwa die Zollpolitik, ohnehin eher bei der Regierung als beim Kongress liegen.

Wenn sich nicht einmal die Fachleute über die Richtung einig sind, dann lässt sich daraus schwer eine Anlageentscheidung ableiten.

Dazu kommt ein Gedanke, der uns in diesem Herbst besonders auffällt: Das Thema, das die Märkte gerade am stärksten bewegt, steht auf keinem Stimmzettel. Die Lage am Persischen Golf hat den Ölpreis deutlich nach oben getrieben, die Inflation im Euroraum ist wieder gestiegen, und die Notenbanken haben ihren Kurs angepasst. Vor einigen Monaten stand das in keiner Prognose, und für ein Portfolio dürfte es mehr ausmachen als die Sitzverteilung im Senat.

Worauf es aus unserer Sicht ankommt

Das alles ist kein Plädoyer dafür, Politik zu ignorieren. Sie verändert Rahmenbedingungen, manchmal spürbar.

Es ist eher eine Einladung, die Frage zu wechseln. Statt zu überlegen, wie die Wahl ausgeht, lohnt sich der Blick darauf, ob Ihr Portfolio so aufgestellt ist, dass Sie die kommenden zwölf Monate in Ruhe abwarten können, ganz unabhängig davon, welches Ereignis sie am Ende prägt.

Das ist keine Prognose, sondern eine Frage der Konstruktion. Und sie hängt vor allem an drei Dingen:

  • Wie viel Schwankung zu Ihnen passt. Nicht in der Theorie, sondern ganz konkret: Wann brauchen Sie das Geld, und wie geht es Ihnen, wenn der Depotauszug vorübergehend deutlich weniger ausweist? Diese Antwort bestimmt die passende Risikostufe.

  • Wie breit Sie streuen. Ein Portfolio, dessen Ergebnis an einer einzelnen Region, Branche oder politischen Entwicklung hängt, braucht eine richtige Prognose. Ein breit gestreutes kommt ohne aus.

  • Ob die Gewichte regelmäßig zurückgesetzt werden. Nach guten Phasen verschiebt sich ein Portfolio von selbst: Der Anteil des zuletzt gut Gelaufenen wächst, und damit auch das Risiko. Im Alltag fällt das kaum auf, im Rückschlag schon.

Genau das passiert bei Whitebox: Sie wählen mit wenigen Klicks eine Anlagestrategie und Risikostufe, die zu Ihrer Lebenssituation passen. Wir streuen Ihr entsprechendes Portfolio breit über verschiedene Anlageklassen und setzen die Gewichtung regelmäßig zurück. Nicht, weil wir wüssten, wie Wahlen ausgehen, sondern damit Ihr Portfolio diese Frage gar nicht erst beantworten muss.

Unser Fazit

Die Statistik wird Ihnen diese Woche also noch häufiger begegnen, und sie ist durchaus korrekt. Als Entscheidungsgrundlage war sie allerdings nie gedacht, denn selbst ein Jahr, das am Ende im Plus steht, kann zwischendurch unruhig verlaufen.

Die beruhigende Nachricht daran ist: Sie müssen nicht wissen, wie die Wahl am Dienstag ausgeht. Sie müssen nur wissen, dass Ihr Portfolio auch dann zu Ihnen passt, wenn es anders kommt als gedacht.