Hohe Preissteigerungsraten: Umsatteln auf Inflationsschutz?

Geschrieben von Salome Preiswerk
16. Mai 2022
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      Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab: der Ukraine-Krieg, die hohe Inflation, nun droht noch eine Rezession. Die Aktienmärkte schwächeln entsprechend. Unsere CEO, Salome Preiswerk, erklärt, was Sie als Anleger jetzt tun können.

      Die Geschehnisse in der Ukraine beschäftigen uns alle weiter. Unser Team bei Whitebox nimmt die Unsicherheit und Besorgnis auch im direkten Kundenkontakt wahr. Ohne Frage ist der Krieg eine große humanitäre Katastrophe. Darüber hinaus hat die Situation massive Folgen für die Wirtschaft und den Kapitalmarkt. Jeder bekommt die deutlich gestiegenen Preise an der Tankstelle und mittlerweile genauso im Supermarkt zu spüren. Viele von uns haben eine so hohe Inflation noch nicht erlebt: 7,4 Prozent hat das Statistische Bundesamt für den April 2022 für Deutschland gemeldet. Auch die übrige Eurozone, die USA und Großbritannien sind von Jahrzehnten nicht registrierten Inflationsraten betroffen. Das führt ohne Zweifel zu Kaufkraft- und Wohlstandsverlusten und kann am Ersparten nagen.

      Vor allem die US-Notenbank steuert bereits massiv gegen die Inflation an und hat begonnen, die Leitzinsen zu erhöhen. Die EZB zeigt sich noch zögerlich, klar ist bislang nur das Auslaufen der Anleihekäufe. Sowohl in den USA als auch in der Eurozone sind die Marktzinsen deutlich gestiegen: In den USA haben sich die Renditen für die vielbeachteten zehnjährigen Staatsanleihen seit Jahresanfang auf in der Spitze über 3 Prozent verdoppelt. In Deutschland kletterten die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen im selben Zeitraum von -0,18 Prozent auf bis zu über 1 Prozent. Das bedeutet sinkende Anleihekurse: Anleihen hatten ihren schlechtesten Jahresbeginn seit über 20 Jahren, wie unser Partner Morningstar feststellt.

      Zur massiven Inflation könnte sich nun noch eine Rezession gesellen, in jedem Fall ein schwaches Wachstum – kurz Stagflation.

      Aktienrenditen schlagen Inflation

      Gerade die Inflation ist ein großes Thema für viele Anlegerinnen und Anleger. Sie möchten jetzt statt in Aktien lieber in inflationsgebundene Anleihen, Gold oder andere Rohstoffe investieren. Wer sich speziell für ein bestimmtes Inflationsszenario aufstellen will, sollte allerdings bedenken: Selbst Ökonomen sind ziemlich schlecht darin, Inflation genau vorherzusagen. Market Timing – also bewusstes Aus- und wieder Einsteigen in den Markt, zu den hoffentlich richtigen Zeitpunkten – daran scheitern auch die Profis zumeist. Anstatt sich auf ein ganz spezifisches Szenario vorzubereiten –etwa eine Inflationsrate von über 10 Prozent für die nächsten fünf Jahre – ist es daher zielführender, verschiedenste Szenarien in Betracht zu ziehen und Portfolios dementsprechend robust zu gestalten.

      Das bedeutet: breit streuen, auch Aktien einbeziehen und ganz konkret nach unterbewerteten Assets suchen. Der beste Inflationsschutz ist Diversifikation. Am Anfang der Diversifikation stehen Aktien, denn Aktien haben sich in der Vergangenheit als langfristig beste Ertragsquelle erwiesen, das zeigen viele Studien. Auf lange Sicht steigt zwar nicht jede einzelne Aktie, aber der Aktienmarkt als Ganzes. Denn die Aktienkurse spiegeln die Gewinne der Unternehmen wider. Und Unternehmen müssen Gewinne machen, sonst würden sie nicht überleben. Das haben weder Finanzkrisen noch Pandemien oder Kriege ändern können. Dass Aktienmärkte eine gute Ertragsquelle darstellen, gilt auch inflationsbereinigt. Aktienrenditen lagen in der Vergangenheit (fast) immer über der Inflationsrate.

      Diversifizierte Portfolios mit Aktien und Schwerpunkt auf unterbewerteten Anlagen – das ist genau das, was Whitebox mit Value-Investing schon seit Jahren macht. Wir konstruieren robuste Portfolios für ganz unterschiedliche wirtschaftliche Szenarien. Dabei schauen wir in die weite Zukunft, also darauf, wie die Welt in zehn oder fünfzehn Jahren aussehen könnte. Eine 2022 anstehende Rezession wirkt aus dieser Perspektive daher gar nicht mehr so beunruhigend. Rücksetzer bieten für Value-Investoren wie uns sogar Chancen. Beispielsweise sind die Dividendenrenditen aktuell wieder attraktiver, die Anleihenrenditen ebenfalls.

      Robuste Portfolios statt teure Absicherungsversuche

      Dennoch bleiben wir natürlich wachsam und beobachten die weitere Entwicklung genau. Wir ruhen uns nicht auf der kurzfristigen Performance unserer Portfolios aus, die sich durch ihren robusten Aufbau in diesem schwierigen Jahr bislang gut geschlagen haben. Die breite Diversifizierung und das Exposure in einigen Gewinnern konnten Verluste ausgleichen.

      Wir halten unentwegt weiter nach Chancen Ausschau: Im Moment sind zum Beispiel deutsche, britische und lateinamerikanische Aktien für uns interessant. Nach unserer Einschätzung sind im Anleihenbereich Bankanleihen und Schwellenländeranleihen günstig bewertet. Zur Ergänzung können sich Unternehmen guter Qualität eignen, die Preissetzungsmacht haben, ihre höheren Kosten somit an die Kunden weitergeben können. Als Sicherheitspuffer gegen Rezession und Schockszenarien wiederum taugen bonitätsstarke Staatsanleihen. Sie sehen: Inflation muss nicht die Ersparnisse schmälern. Robuste Portfolios sind die beste Voraussetzung dafür.