Zwei Perspektiven auf Renditen | Whitebox
Rendite | 7 min

Rendite berechnen und vergleichen

Geschrieben von Salome Preiswerk
29. August 2022
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Inhaltsverzeichnis

      Je nachdem, wie die Rendite ermittelt wird, können ganz unterschiedliche Ergebnisse herauskommen. Wir stellen Ihnen zwei weit verbreitete Formeln vor, wie Sie die Rendite berechnen können, und worauf Sie beim Vergleich von Renditen achten sollten.

      Die grundlegenden Prinzipien, wie Sie die Rendite berechnen, sind immer gleich, egal, ob Sie Ihr Geld in Investmentfonds, Anleihen, Aktien oder andere Wertpapiere anlegen, in Immobilien investieren oder Festgeld und andere festverzinsliche Sparprodukte von Banken nutzen.

      Unter Rendite versteht man in der Regel den finanziellen Ertrag einer Geldanlage im Verhältnis zum eingesetzten Kapital. Am Beispiel von Wertpapieranlagen zeigen wir Ihnen, worauf es dabei ankommt.

      Angenommen, ein guter Freund erzählt Ihnen, er habe mit Investitionen in Aktien einen Gewinn von 5.000 Euro erzielt. Damit Sie einschätzen können, ob das ein gutes Ergebnis ist oder ob er beispielsweise mit einer anderen Anlage hätte mehr erreichen können, benötigen Sie zwei wichtige Informationen: Wie viel Geld hat Ihr Freund in Aktien angelegt und wie lange?

      Rendite berechnen: Formel für kumulierte Rendite

      Das Szenario: Derselbe Freund hat vor zehn Jahren 10.000 Euro in Aktien angelegt und diese Wertpapiere nun für 14.000 Euro verkauft. Da er in diesen zehn Jahren zudem Zahlungen aus Dividenden-ETF in Höhe von insgesamt 1.000 Euro erhalten hat, beträgt sein Ertrag aus diesem Investment insgesamt 5.000 Euro. Die Rendite lässt sich hieraus mithilfe folgender einfacher Formel berechnen: Renditeberechnung

      Die Rendite über den gesamten betrachteten Anlagezeitraum bezeichnet man als kumulierte Rendite. Bezogen auf die ursprünglich investierten 10.000 Euro, den sogenannten Kapitaleinsatz, beträgt sie in diesem Beispiel 50 Prozent.

      Bei Investitionen in Wertpapiere können grundsätzlich Verluste entstehen: Fallen die Erträge aus dem Verkauf der Aktien und den Dividendenzahlungen geringer aus als der Kapitaleinsatz, wird die Rendite negativ.

      Wie berechnet man die durchschnittliche Rendite?

      Um Renditen verschiedener Anlagen und Anlageklassen leichter miteinander vergleichen zu können, berechnet man aus kumulierten Renditen eine Rendite, die im Durchschnitt pro Jahr anfallen müsste, um im selben Zeitraum den gleichen Ertrag zu erzielen. Im Fachjargon heißt diese „annualisierte Rendite“ oder „Rendite per annum “ (kurz: p.a.).

      Im obigen Beispiel würde man anhand der Zinseszinsformel ausrechnen, welcher konstante Zinssatz erforderlich wäre, um den Kapitaleinsatz von 10.000 Euro innerhalb von zehn Jahren auf das realisierte Endkapital von 15.000 Euro steigen zu lassen. Das Ergebnis: Ihr Freund hat mit seiner Aktienanlage in den vergangenen zehn Jahren eine Rendite von 4,1 Prozent p.a. erzielt.

      Sollte Ihr letzter Kontakt mit dem Zinseszinseffekt für einen sicheren Umgang mit dieser Formel zu lange zurückliegen, haben wir in unserem Artikel Abhilfe geschaffen.

      Wichtig zu wissen: Annualisierte Renditen stellen lediglich abstrakte mathematische Größen dar, die nichts über den zeitlichen Verlauf der Wertentwicklung von Wertpapieren und der damit verbundenen Zahlungsströme aussagen.

      Die oben errechnete Rendite von 4,1 Prozent per annum bedeutet also nicht, dass Ihr Freund mit seiner Aktienanlage in jedem der zehn Jahre eine positive Rendite von etwas über 4 Prozent eingefahren hat. So könnte es etwa sein, dass seine Aktien in den ersten zwei Jahren Kursgewinne von insgesamt 6.000 Euro erzielt haben und er in den darauffolgenden acht Jahren Kursverluste von jeweils 250 Euro erlitten hat. Auch Dividendenzahlungen können sowohl hinsichtlich ihrer Höhe als auch ihrer Frequenz stark schwanken.

      Bruttorendite und Nettorendite: Was ist der Unterschied?

      In der alltäglichen Praxis spielen für die Berechnung und den Vergleich von Renditen einige weitere Faktoren eine Rolle, die wir hier der Einfachheit halber vernachlässigt haben. Dies sind insbesondere: 

      • Kosten und Gebühren, die bei Wertpapiergeschäften anfallen und den Ertrag der Anlegenden reduzieren, vor allem Verwaltungs- und Managementgebühren, Ausgabeaufschläge, Depotgebühren und Transaktionskosten für den Handel. Werden diese Faktoren bei der Renditeberchnung berücksichtigt, spricht man von Renditen „nach Kosten“, andernfalls von Renditen „vor Kosten“.
      • Steuern, die Anleger für Kapitalerträge entrichten müssen. Analog zu den Bezeichnungen bei den Kosten und Gebühren unterscheidet man Renditen „vor Steuer“ und „nach Steuer“.
      • Inflation kann den Wert des Geldes und damit den Wert der erzielten Renditen schmälern. Wird dieser Faktor bei der Berechnung von Renditen nicht berücksichtigt, spricht man von „nominalen Renditen“. Um inflationäre Effekte bereinigte Ertragsangaben heißen „reale Renditen“.

      Finanzexperten verwenden häufig die Begriffe Bruttorendite und Nettorendite, wobei sie diese bisweilen unterschiedlich verstehen: Während Bruttorendite meist die nominale Rendite vor Kosten und Steuern meint, sind Nettorenditen nicht einheitlich definiert. Beim Vergleich unterschiedlicher Renditen sollten Sie daher darauf achten, dass die jeweiligen Erträge nach einer einheitlichen Methode ermittelt wurden. Um solche Vergleiche zu erleichtern, entwickeln Regulatoren und Verbände der Finanzwirtschaft mitunter gewisse Standards. Ein Beispiel: die BVI-Methode des BVI Bundesverbandes Investment und Asset Management zur Berechnung der Wertentwicklung von Investmentfonds.

      Rendite berechnen durch Zahlungsströme erschwert

      Sobald Sie sich ein genaueres Bild von der Wertentwicklung Ihrer individuellen Geldanlage machen möchten, stoßen die beschriebenen Methoden zum Rendite berechnen schnell an Grenzen. Womöglich haben Sie Ihr Geld nicht auf einmal investiert? Vielleicht hatten Sie zeitweise einen größeren Betrag angelegt und einen Teil der Mittel wieder abgezogen? Oder legen Sie regelmäßig Geld in einen ETF-Sparplan an? Um solche Faktoren berücksichtigen zu können, haben sich zwei unterschiedliche Methoden zur Renditeberechnung etabliert, deren wichtigste Eigenschaften wir Ihnen nachfolgend kurz vorstellen.

      Zeitgewichtete Rendite

      In Vergleichen von Vermögensverwaltern oder Ranglisten von Investmentfonds finden Sie normalerweise auch Angaben zur Rendite. Häufig basieren solche Ranglisten auf den Renditen, welche die Fonds in den zurückliegenden ein, drei oder fünf Jahren erzielt haben. Wenn dort zum Beispiel steht, ein Verwalter oder ein Fonds habe in den vergangenen drei Jahren eine Rendite von 10,6 Prozent erwirtschaftet, ist damit normalerweise die sogenannte zeitgewichtete Rendite gemeint.

      Die zeitgewichtete Rendite gibt die in Prozent ausgedrückte Wertentwicklung an, die Sie bei einer Einmalanlage in dem betrachteten Zeitraum erzielt hätten. Beim Rendite berechnen werden Änderungen der Portfolios herausgerechnet, die in diesem Zeitraum durch Ein- oder Auszahlungen entstanden sind. Die zeitgewichtete Rendite ist damit unabhängig von solchen Zahlungsströmen. Sie eignet sich daher, um die Erträge unterschiedlicher Anlageinstrumente, Anlagestrategien oder einer Vermögensverwaltung miteinander zu vergleichen.

      Wertgewichtete Rendite bzw. kapitalgewichtete Rendite

      Bei der Anwendung im Alltag können Sie die erzielte Rendite nicht mehr so einfach errechnen, falls Sie sich nicht auf eine einmalige Geldanlage beschränken. Sobald Sie zum Beispiel mehrere Einzahlungen in ein Wertpapierportfolio vornehmen, Gelder daraus abziehen oder regelmäßig in einen Sparplan investieren, wird die Sache komplizierter: In diesem Fall ändern sich die angelegten Geldbeträge und Sie investieren verschiedene Teilbeträge Ihres Vermögens über unterschiedlich lange Zeiträume. Die sogenannte kapitalgewichtete Rendite – auch geldgewichtete Rendite, interner Zinsfuß oder Internal Rate of Return (IRR) genannt – bezieht all diese Faktoren ein. Sie berücksichtigt exakt, wann und wie lange Sie wie viel Geld investiert haben. Sie gibt somit wieder, zu wie viel Ertrag Sie im betrachteten Zeitraum tatsächlich mit Ihren Investments gelangt sind.

      Falls Ihr Investment lediglich aus einer Einmalanlage besteht, Sie nämlich danach keine weiteren Ein- oder Auszahlungen vornehmen, liefern beide Berechnungsmethoden das gleiche Ergebnis. In allen anderen Fällen werden sich Renditeunterschiede ergeben, weil Ihre Transaktionen sich auf die kapitalgewichtete Rendite auswirken, während sie bei der zeitgewichteten Rendite keine Rolle spielen. Aus diesem Grund eignen sich auch nur zeitgewichtete Renditen dazu, die Ergebnisse von Vermögensverwaltern wie Whitebox oder Anlagestrategien sinnvoll zu beurteilen und miteinander zu vergleichen.

      Zwei konkrete Beispiele sollen verdeutlichen, zu welch unterschiedlichen Ergebnissen diese Berechnungsmethoden führen.

      Fall 1: Andreas investiert einmalig 100.000 Euro

      Als digitale Vermögensverwaltung kümmert sich Whitebox um 100.000 Euro, die Andreas ihr anvertraut hat. Auf seinen Wunsch hin wird das Geld in ein gut diversifiziertes Portfolio mit einem hohen Aktienanteil investiert. Da die Aktienmärkte sich in einer Korrekturphase befinden, reduziert sich der Wert seines Portfolios nach einem halben Jahr um 10 Prozent auf 90.000 Euro. Im darauffolgenden Halbjahr durchschreiten die Aktienmärkte ihren Tiefpunkt, allerdings erleidet sein Depot einen weiteren Verlust in Höhe von 5 Prozent, sodass es zum Ende des ersten Jahres nur noch 85.500 Euro wert ist. In den folgenden zwei Halbjahren geht es mit den Aktienmärkten deutlich aufwärts, wovon auch Andreas profitiert: In einem Halbjahr steigt der Wert seines Depots um 20 Prozent auf 102.600 Euro und im nächsten um weitere 10 Prozent auf 112.860 Euro. In den zwei Jahren hat der Vermögensverwalter für Andreas damit eine kapitalgewichtete Rendite von 12.860 Euro erwirtschaftet, was rund 12,9 Prozent des investierten Kapitals entspricht. Da es sich um eine Einmalanlage handelt, entspricht dies genau der zeitgewichteten Rendite, die der Vermögensverwalter für diese zwei Jahre ausweisen würde.

      Fall 2: Susanne investiert 4 × 25.000 Euro

      Susanne hat sich zum selben Zeitpunkt für das gleiche Portfolio bei Whitebox entschieden. Allerdings legt sie zunächst lediglich 25.000 Euro an und erhöht ihr Investment dreimal im Abstand von je einem Halbjahr um weitere 25.000 Euro – sie verfolgt damit sozusagen eine spezielle Variante eines Sparplans. Nach dem ersten Halbjahr sinkt der Wert ihres anfänglich investierten Geldes um 10 Prozent auf 22.500 Euro; mit den neu investierten 25.000 Euro ergibt sich für das Portfolio ein Wert von 47.500 Euro. Dieser sinkt im darauffolgenden Halbjahr um 5 Prozent auf 45.125 Euro und wird durch die weitere Investition auf 70.125 Euro aufgestockt. Im nächsten Halbjahr gewinnt Susannes Portfolio um 20 Prozent auf 84.150 Euro hinzu und wird ein letztes Mal auf 109.150 Euro aufgestockt. In den kommenden sechs Monaten steigt der Wert des Portfolios schließlich um 10 Prozent auf 120.065 Euro. Susanne hat damit in den zwei Jahren eine kapitalgewichtete Rendite von 20.065 Euro oder knapp 20,1 Prozent erzielt.

      Woher kommt der Renditeunterschied?

      Der tatsächliche Ertrag einer Geldanlage hängt immer auch vom Timing der jeweiligen Investitionen ab und lässt sich nur über die geldgewichtete Rendite korrekt ermitteln. Susanne und Andreas haben im selben Zeitraum jeweils insgesamt 100.000 Euro in dieselbe Anlagestrategie bei Whitebox investiert. Dass Susanne dabei eine deutlich höhere Rendite erzielt hat, liegt am glücklichen Timing: Da sie im ersten der zwei Jahre, als die Aktienmärkte an Wert verloren, weniger Geld investiert hatte als Andreas, haben diese Verluste ihr Vermögen auch weniger stark belastet. In der folgenden Aufschwungphase der Aktienmärkte hatte sie daher mehr Geld zur Verfügung und hat entsprechend stärker von den Kursgewinnen profitiert. Selbstverständlich hätte Susanne auch Pech haben können: Wären die Aktienmärkte im ersten Jahr deutlich gestiegen und hätten im zweiten Jahr einen Teil dieser Gewinne wieder eingebüßt, hätte Andreas eine bessere Performance erzielt.

      Gut zu wissen: Diese Beispiele dienen nur dem Renditevergleich. Auch wenn Susanne in diesem Fall ein glücklicheres Händchen hatte, spielt der Einstiegszeitpunkt auf lange Sicht keine entscheidende Rolle. Denn es ist grundsätzlich besser, investiert zu sein, als nicht. Mehr zum Thema lesen Sie im Artikel „Schlauer als der Markt: Was bringt Markttiming?“.  

      Für welchen Zweck eignet sich welche Renditevariante?

      Dieses Beispiel zeigt auch, dass die geldgewichtete Rendite nicht dazu dient, die Anlagestrategie eines Vermögensverwalters oder Fondsmanagers zu beurteilen. Schließlich haben Susanne und Andreas im selben Zeitraum in exakt dieselbe Strategie investiert. Da ein Vermögensverwalter nicht für das Timing der Investments seiner Kundschaft verantwortlich ist, eignet sich nur die zeitgewichtete Rendite zur Beurteilung des Anlageerfolgs – also die Rendite, die Sie bei einer Einmalanlage in dem entsprechenden Zeitraum erreichen. Im obigen Beispiel wären das die 12,9 Prozent, die Andreas mit seinem einmaligen Investment in den zwei Jahren hinzugewonnen hat.

      Wenn Sie wissen möchten, welche Rendite ein Vermögensverwalter wie Whitebox tatsächlich für Sie erzielt hat, müssen Sie die kapitalgewichtete Rendite betrachten. Sollten Sie lediglich eine Einmalanlage getätigt haben, sind beide Renditevarianten identisch. Andernfalls werden sie voneinander abweichen. Dabei kann es sogar vorkommen, dass die Rendite eines Anlageportfolios nach der einen Berechnungsmethode positiv und nach der anderen negativ ausfällt. Beide Ergebnisse sind richtig, sie messen lediglich zwei unterschiedliche Renditevarianten.