Russland-Krise: Wie sich Anleger jetzt verhalten sollten

Geschrieben von Salome Preiswerk
25. Februar 2022
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      Der Angriff Russlands auf die Ukraine erschüttert die Weltgemeinschaft. Davon sind auch die Finanzmärkte betroffen: Die Kurse der wichtigsten Indizes brachen unmittelbar nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine deutlich ein. Unsere CEO Salome Preiswerk erklärt, wie sich Anleger angesichts dieser Lage verhalten sollten.

      Bei Whitebox spüren wir den Konflikt in der Ukraine hautnah: Wir haben Kolleginnen und Kollegen sowohl in der Ukraine als auch in Russland. Mit unseren Gedanken sind wir vor allem bei unseren Kollegen in der Ukraine sowie deren Familien und Freunden.

      Solidarität gibt es auch von unseren russischen Kolleginnen und Kollegen. Auf beiden Seiten der Grenze gibt es den starken Wunsch nach einer friedlichen Lösung des Konflikts und die Überzeugung, dass Krieg niemals die Antwort sein kann.

      Panikverkäufe an den weltweiten Börsen

      Die Krise um die Ukraine erschüttert nicht nur die Menschen weltweit, sondern auch die Finanzmärkte. An den Börsen gab es unmittelbar nach Bekanntwerden des russischen Einmarsches Panikverkäufe. Das ist emotional verständlich, aus Anlegersicht aber die falsche Reaktion. Das gilt insbesondere für langfristig orientierte Anleger, wie wir es bei Whitebox sind. Denn wir bauen Portfolios, die für unterschiedliche Szenarien gewappnet sind. Dennoch beobachten wir natürlich die aktuelle Situation sehr aufmerksam.

      Ganz nüchtern betrachtet gab es auch in der Vergangenheit immer mal wieder plötzliche Kurseinbrüche, etwa unmittelbar nach Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020. Auch hier gab es Panikverkäufe an den internationalen Finanzmärkten. Natürlich unterscheidet sich die aktuelle Situation grundlegend von den Ursachen vergangener Krisen. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell spricht gar von der „dunkelsten Stunde seit dem Zweiten Weltkrieg“.

      Anleger fokussieren sich auf kurzfristige Kursbewegungen

      Das Verhalten der Anleger ist aber durchaus vergleichbar. Hohe Kursschwankungen lösen bei Anlegern emotionale Reaktionen aus. Diese sind dieselben wie immer, wenn Menschen einer Bedrohung ausgesetzt sind: Einige flüchten, andere geraten in eine Art Schockstarre, und wieder andere stellen sich dem Kampf.

      Übersetzt in die Finanzwelt heißt das: Die „Flucht“-Gruppe verkauft panikartig ihre Vermögenswerte, um Verluste zu begrenzen – im Glauben daran, dass die Kurse weiter fallen werden. Die „Kampf“-Gruppe wiederum wittert günstige Einstiegskurse und kauft deshalb nach – im Vertrauen darauf, dass sich die Kurse nach dem kurzfristigen Schock wieder erholen werden. Und jene in „Schockstarre“ tun erstmal gar nichts.

      Sie alle eint, dass ihr Fokus vor allem auf den kurzfristigen Kursbewegungen liegt. Dadurch besteht die Gefahr, dass durch übereilte Reaktionen das langfristige Ziel der Geldanlage gefährdet wird.

      Der Blick auf den langen Anlagehorizont

      Setzen Sie sich stattdessen gezielt mit langfristigen Fragestellungen auseinander: Wie könnte die Welt in fünf oder zehn Jahren aussehen? Werden die Menschen dann immer noch Geld für Güter und Dienstleistungen ausgeben? Wird es immer noch Unternehmen geben, die Gewinne erwirtschaften? Oder konkret im Hinblick auf Ihre Geldanlagen: Was können Sie in einer solchen Situation unternehmen, um Ihre individuellen Anlageziele zu erreichen? Der Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Robert Schiller hat einmal gesagt: „Die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit auf wichtige Dinge zu lenken, gehört zu den entscheidenden Merkmalen der Intelligenz.“ Gerade in unruhigen und unsicheren Zeiten wie dieser erscheint uns das auch eine sinnvolle Handlungsempfehlung zu sein.

      Bei Whitebox versuchen wir, bei jeder unserer Anlageentscheidungen fünf bis zehn Jahre vorauszublicken. Dieser Zeithorizont ist tief in unserem Anlageprozess verankert und wir sind davon überzeugt, dass dies die einzig sinnvolle Methode ist, um zu investieren. Wenn wir eine möglicherweise bevorstehende Rezession aus dieser Perspektive betrachten, wirkt dieser Ausblick unglaublich befreiend. Langfristig orientieren sich die Kursentwicklungen an den Aktienbörsen erfahrungsgemäß an den Gewinnen der dort gehandelten Aktiengesellschaften. Daran haben weder Kriege noch Pandemien oder andere Katastrophen bisher je etwas ändern können.

      Panik ist ein schlechter Anlageberater

      Auch in der aktuellen Situation werden wir uns daher nicht von kurzfristigen Kurseinbrüchen beeinflussen lassen und übereilt handeln. Selbstverständlich beobachten und analysieren wir die Lage und ihre Auswirkungen auf unsere Portfolios aufmerksam. Sofern wir der Überzeugung sind, dass sich dadurch an der langfristigen Ausrichtung unserer Portfolios etwas ändert, werden wir unverzüglich handeln.

      Das alles schützt uns nicht vor plötzlichen Kurseinbrüchen, wie wir sie aktuell auch in unseren Portfolios erleben. Es hilft uns aber, die langfristige Ausrichtung unserer Portfolios nicht aus den Augen zu verlieren, um nach dem Börsenschock möglichst schnell wieder auf den Wachstumspfad zurückzukehren.

      Wie sich der Russland-Ukraine-Konflikt und damit auch die Situation an den Finanzmärkten entwickeln wird, kann zum aktuellen Zeitpunkt niemand mit Gewissheit vorhersagen. Was wir aber tun können ist, unsere Portfolios robust zu gestalten, indem wir uns auf möglichst viele Szenarien einstellen. Dafür bedarf es neben umfassender Research-Expertise auch einen kühlen Kopf. Denn Panik ist ein schlechter Anlageberater.