Buy and Hold: Strategie leicht gemacht
Aktien | Geldanlage | 3 min

Zukunftsfinanzierungsgesetz: Ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Aktienkultur in Deutschland

Geschrieben von Salome Preiswerk
12. Juli 2022
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      Auch wenn die Kurse zuletzt zum Teil deutlich gesunken sind: Aktien bieten für langfristig orientierte Anleger auch weiterhin die besten Chancen auf Rendite. Die jüngsten Pläne von Teilen der Bundesregierung zur Stärkung der Aktienkultur in Deutschland sind deshalb ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, schreibt unsere CEO Salome Preiswerk. 

      Nach der Party kommt der Kater. So ist es zumindest derzeit am Kapitalmarkt. Nach Jahren des Aufschwungs mit teils rasant steigenden Kursen zeigen sich die Märkte gerade in Katerstimmung. Zu groß sind die Sorgen angesichts des Kriegs in der Ukraine, der hohen Inflations- und Zinserwartungen, einer möglichen Rezession sowie der Null-Covid-Strategie in China.

      Die Folge: Weltweit sinken die Kurse an den Kapitalmärkten. Der S&P 500 etwa, der die 500 größten in den USA börsennotierten Unternehmen beinhaltet, hat seit Jahresanfang um mehr als ein Fünftel an Wert verloren, ebenso wie der deutsche Leitindex DAX.

      Für viele, gerade jüngere Anleger ist es das erste Mal überhaupt, dass sie sich in einer Situation wiederfinden, in der die Kurse über mehrere Monate hinweg sinken. Sie sind im Zuge günstiger Einstiegskurse nach Ausbruch der Corona-Pandemie in den Wertpapierhandel eingestiegen. Jetzt erfährt der Aktienboom zumindest einen Dämpfer.

      Studie: 57 Prozent der Finanzerträge entfallen auf Aktien und Fonds

      Bleibt zu hoffen, dass dies nur eine kurzfristige Konsolidierung nach dem Hype ist und kein Ende des Trends hin zu mehr Aktien. Denn das wäre fatal. Schließlich haben Wertpapiere nichts an ihrer Attraktivität verloren. Klar, die derzeitigen Kursverluste sind nicht schön. Schaut man auf die langfristige Entwicklung, bleiben Wertpapiere allerdings der Renditebringer Nummer 1. Der S&P 500 etwa hat in den vergangenen fünf Jahren fast 60 Prozent an Wert gewonnen – und das trotz des Kurseinbruchs in diesem Jahr.

       Wie wichtig Wertpapiere für den (langfristigen) Vermögensaufbau sind, zeigt auch unsere aktuelle Studie, in der wir die Finanzerträge der Deutschen über alle Anlageklassen hinweg analysiert haben. Demnach entfallen 57 Prozent der Finanzerträge, die die Deutschen seit 2017 erzielt haben, auf Aktien und Fonds – obwohl diese nur jeweils zwölf Prozent am Finanzvermögen ausmachen.

      BildBerichtsband

      Das zeigt: Wertpapiere sind und bleiben alternativlos für alle, die ihr Geld langfristig vermehren beziehungsweise zumindest vor der Inflation schützen wollen.

      Verbesserung der steuerlichen Rahmenbedingungen für Aktionäre

      Ich begrüße deshalb ausdrücklich die Pläne von Bundesfinanzminister Christian Lindner und Bundesjustizminister Marco Buschmann zur Stärkung der Aktienkultur in Deutschland. Die beiden FDP-Minister haben mit ihrem Entwurf zum sogenannten Zukunftsfinanzierungsgesetz umfangreiche Maßnahmen vorgestellt, um Aktien in Deutschland attraktiver zu machen. Dazu gehören

      • die Erhöhung des Freibetrags für Gewinne aus dem Verkauf von Aktien und Aktienfonds,
      • die Abschaffung des gesonderten Verlustverrechnungskreises für Verluste aus Aktien,
      • die Erleichterung des Zugangs von Startups und mittelständischen Unternehmen zum Kapitalmarkt und
      • die Erhöhung der Attraktivität von Mitarbeiterkapitalbeteiligungen 

      Dies sind nur ein paar der geplanten Maßnahmen – und es ist aktuell zu früh zu sagen, welche davon tatsächlich umgesetzt werden. Denn noch handelt es sich nur um Pläne einzelner Minister, die als nächstes innerhalb der Ampel-Koalition abgestimmt werden müssen.  

      Es gibt auch Kritik an diesem Vorhaben. So wirft der Bundesverband Deutsche Startups den Machern ein „erschreckendes Unverständnis“ der Startup-Branche vor. Anlass sind die geplanten Steuererleichterungen für Mitarbeiterbeteiligungen. Diese sind vor allem für junge Unternehmen, die üblicherweise (noch) nicht die hohen Gehälter der etablierten Wettbewerber zahlen können, ein wichtiges Mittel im Kampf um qualifiziertes Fachpersonal. Der Verband kritisiert, dass die Steuer auch weiterhin bereits bei der Zuteilung anfallen – also dann, wenn noch gar kein Geld geflossen ist.

      Es gibt sicherlich noch weitere berechtigte Kritik, die man an dieser Stelle anbringen könnte. Dennoch geht die Initiative in die richtige Richtung. Denn die Pläne können dazu beitragen, dass der lange vernachlässigte Kapitalmarkt in Deutschland eine deutliche Aufwertung erfährt. Davon profitieren Anleger, für die der Zugang zum Aktienmarkt attraktiver wird, ebenso wie Unternehmen, die sich leichter über den Kapitalmarkt finanzieren können.  Damit könnte die Aktienkultur in Deutschland nachhaltig gestärkt werden.