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Leerverkäufe: Verkaufen, was man nicht hat | Whitebox

Leerverkäufe: Verkaufen, was man nicht hat

Geschrieben von Whitebox-Redaktion
18. August 2020

    Leerverkäufe haben einen schlechten Ruf. Leerverkäufer gelten als Zocker, die aggressiv auf fallende Kurse setzen und Nutzen aus dem Schaden anderer ziehen wollen. Doch manche sehen Leerverkäufe auch als wichtiges Schmiermittel für Börsen. Bislang sind hierzulande nur ungedeckte Leerverkäufe verboten, gedeckte nur zeitweise.

    Das Wichtigste des Artikels im Überblick:

    • Leerverkäufer setzen auf fallende Preise: Sie verkaufen etwas, das nicht in ihrem Besitz ist, in der Erwartung, diesen Basiswert später günstiger kaufen zu können.
    • Der Gewinn aus einem Leerverkauf ist die Differenz zwischen dem Verkaufspreis und dem Einkaufspreis abzüglich der Leihgebühr.
    • Bei gedeckten Leerverkäufen leiht sich der Verkäufer den Basiswert zumindest aus, bei ungedeckten nicht

    Was sind Leerverkäufe?

    Ein Leerverkauf (englisch: Short Selling) bezeichnet den Verkauf von etwas, das nicht im Eigentum des Verkäufers ist, der eigene Bestand ist also „leer“. Der Verkäufer hat sich den Basiswert, etwa eine Aktie, stattdessen meist ausgeliehen (das ist der Normalfall) und gibt sie zu einem vereinbarten Zeitpunkt wieder zurück. Hintergrund ist die Erwartung fallender Preise und die Absicht, den Basiswert später günstiger erwerben zu können.

    Der Gewinn aus einem Leerverkauf ist die Differenz zwischen Verkaufspreis und tatsächlichem Einkaufspreis abzüglich der Leihgebühr.

    Welche Basiswerte werden leerverkauft?

    Basiswerte sind meist Aktien oder andere Wertpapiere. Es können aber auch Rohstoffe oder Devisen leerverkauft werden.

    Was ist der Grund für Leerverkäufe?

    Meist geht es Leerverkäufern darum, auf fallende Kurse zu wetten. Sie können auf diese Art und Weise – wenn es gut geht – von fallenden Kursen profitieren, nicht nur von steigenden.

    Manchmal steckt auch der Wunsch nach Absicherung („Hedging“) dahinter. Dann wird der Terminkauf eines bestimmten Basiswertes (also der Kauf für einen bestimmten Termin in der Zukunft) über den Leerverkauf desselben Basiswertes abgesichert.

    Wie sehen Leerverkäufe in der Praxis aus?

    Ein einfaches Beispiel: Sie sind der Meinung, dass die Aktie des Unternehmens x mit dem Kurs von 60 Euro viel zu teuer ist. Daher wollen Sie mit Leerverkäufen auf einen fallenden Kurs setzen. Sie leihen sich daher die Aktie und verkaufen sie für 60 Euro. Im nächsten Monat fällt der Kurs dann tatsächlich auf 40 Euro. Sie können die Aktie also für 40 Euro kaufen und an den Verleiher zurückgeben. Ihr Gewinn wäre dann die Differenz aus Verkaufs- und Kaufkurs (20 Euro) abzüglich der Leihgebühr.

    Was sind ungedeckte Leerverkäufe?

    Der „Normalfall“ sind die gedeckten Leerverkäufe, bei denen Leerverkäufer den Basiswert ausgeliehen haben. Bei einem ungedeckten Leerverkauf („Naked Short Selling“) ist der Verkäufer dagegen zum Zeitpunkt des Verkaufs weder im Besitz der Basiswerte, noch hat er sie geliehen.

    Wer sind die Leerverkäufer und wer die Verleiher?

    Grundsätzlich kann jeder Leerverkäufe tätigen. Traditionell nutzen Hedgefonds Leerverkäufe, um von fallenden Kursen zu profitieren. Bei den Verleihern der Basiswerte handelt es sich in der Regel um Fondsgesellschaften, die Wertpapiere verwalten und über den Verleih zusätzliche Gewinne erzielen wollen.

    Wie sind die Risiken von Leerverkäufen einzuschätzen?

    Leerverkäufe bergen ein sehr hohes Risiko. Fallen die Kurse nicht, sondern steigen, bleiben die Leerverkäufer auf einem Verlust sitzen. Der Verlust kann – mit steigendem Kurs des Basiswerts – theoretisch sogar ins Unendliche steigen.

    Wie sind Leerverkäufe zu bewerten?

    Kritiker werfen Leerverkäufern vor, dass sie Unternehmen durch den Verkauf der Aktien schaden wollen. Etwa würden sie gezielt Falschmeldungen über Unternehmen verbreiten, um damit den Kurs eines Wertpapiers zu drücken und auf diese Weise mit ihren Leerverkäufen Geld zu verdienen. Leerverkäufer schürten zudem die Unsicherheit am Markt in schwierigen Marktphasen und verstärkten damit Abwärtstrends bzw. Krisen.

    Doch es gibt auch Befürworter: Sie argumentieren damit, dass Leerverkäufer Kursexzesse nach oben verhindern und es meist bereits vor den Kursverlusten schlechte Unternehmensnachrichten gab. Außerdem erhöhten Leerverkäufe die Liquidität an den Handelsplätzen. Nicht zuletzt weisen Befürworter darauf hin, dass Leerverkäufer durch ihre Eindeckungskäufe sogar für massive Kurssteigerungen sorgen können, im Fall eines deutlichen Anstiegs der Nachfrage und des Kurses spricht man von einem „Short Squeeze“.

    Sind Leerverkäufe legal?

    Grundsätzlich können Leerverkäufe verboten werden. In Deutschland sind gedeckte Leerverkäufe erlaubt, für temporäre Einschränkungen ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin zuständig. Ungedeckte Leerverkäufe sind hingegen verboten. In anderen Ländern gibt es ähnliche Sicherungsmechanismen.

    Sind Leerverkäufe ein Phänomen der heutigen Zeit?

    Nein, Leerverkäufe gibt es schon lange. Schon im 17. Jahrhundert soll der holländische Händler Isaac Le Maire, Teilhaber der Niederländischen Ostindien-Kompanie VOC, nach einem Streit mit der Firma Gerüchte gestreut und auf fallende Aktienkurse gewettet haben, indem er mehr Aktien verkaufte, als er besaß. Der Aktienkurs fiel. Die holländischen Behörden verboten die Leerverkäufe, zumindest zeitweise.

    Welche Rolle spielen Leerverkäufe für Whitebox?

    Whitebox setzt in seinem Anlageprozess auf ETFs, also passive Fonds. Die Produkte wählen wir in einem aufwändigen Prozess aus und berücksichtigen innerhalb der Palette der verfügbaren Produkte anbieterunabhängig nur die besten. Zu unserer Analyse gehört dabei eine qualitative Betrachtung des Replikationsprozesses der ETFs, der Nutzung von Derivaten, des Gegenparteirisikos und eben auch der Wertpapierleihe.