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DAX-Erweiterung: Der Herren-Club bekommt Zuwachs

Geschrieben von Salome Preiswerk
27. September 2021
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      Kennen Sie noch Mannesmann, Kaufhof und Nixdorf? Die einstigen Aushängeschilder der deutschen Wirtschaft sind vermutlich den meisten von Ihnen noch ein Begriff. Aber wie steht es um die Deutsche Babcock, die Feldmühle Nobel Holding und die Veba AG? Mit diesen Unternehmen können vermutlich nur Wenige etwas anfangen.

      All diese Unternehmen haben jedoch eine Gemeinsamkeit: Sie waren Bestandteil des ersten deutschen Leitindex DAX bei seiner Gründung 1988. Heute klingen diese Namen wie Relikte aus einer vergangenen Epoche – und sind es ja auch irgendwie.

      Das zeigt, wie sehr sich der Leitindex seit seiner Gründung vor 33 Jahren verändert hat. Einige Unternehmen mussten den deutschen Leitindex verlassen, um Platz zu machen für neue, größer gewordene Gesellschaften, andere wurden von Wettbewerbern übernommen wie etwa Mannesmann (Vodafone) und Nixdorf (Siemens) oder fusionierten mit anderen Unternehmen, wie die Veba AG (Fusion mit Viag zu E.ON).

      DAX wird durch Erweiterung vielfältiger

      Damit ist der DAX ein Spiegelbild der deutschen Wirtschaft. Auch sie hat sich in den gut drei Jahrzehnten grundlegend verändert. Und genau das ist auch der Grund für die größte Anpassung in der Geschichte des deutschen Leitindex: Am 20. September wurde der DAX um zehn Unternehmen auf jetzt 40 Mitglieder erweitert. Damit trägt die Deutsche Börse als DAX-Mutter dem Umstand Rechnung, dass die deutsche Wirtschaft heterogener geworden ist, als es die bisher im Leitindex enthaltenen Unternehmen abbilden. Der DAX erhält also gewissermaßen eine Verjüngungskur.

      DAX40

      Interessant dabei ist die Branchen-Vielfalt der Neulinge, die allesamt aus dem MDAX in die erste Börsenliga aufgestiegen sind: Ein Kochbox-Versandhändler, ein Flugzeugbauer, ein Online-Modehändler, ein Biotech-Unternehmen, ein Aroma-Hersteller – es ist eine bunte Mischung, die jetzt den deutschen Leitindex aufmischen möchte.

      Wobei Anleger die Erwartungen an die Neuen nicht zu hoch setzen sollten. Denn mit einem Anteil von knapp 15 Prozent machen die Neulinge zum Start nur einen geringen Anteil am deutschen Leitindex aus. Einzig Airbus gehört auf Anhieb zu den Schwergewichten.

      DAX-Unternehmen müssen profitabel sein

      Trotzdem ist die Erweiterung für Anleger zunächst eine gute Nachricht: Der DAX wird dadurch diversifizierter, ist also breiter aufgestellt. Durch das stärkere Gewicht von Unternehmen aus dem Pharma- und Gesundheitsbereich wird der deutsche Leitindex darüber hinaus weniger anfällig für Konjunkturschwankungen. Zudem bieten Unternehmen aus spannenden Zukunftsbranchen attraktive Wachstumspotenziale und machen den DAX damit für Investoren noch attraktiver.

      Mit der Erweiterung sind außerdem noch weitere Änderungen in Kraft getreten. Unter anderem wurden – vor allem als Folge des Wirecard-Skandals – die Regelungen an die Ertragskraft strenger gefasst: Unternehmen müssen künftig regelmäßig über ihre Geschäftszahlen Auskunft geben und beweisen, dass sie profitabel sind. (Das seit seiner Gründung 2011 nicht profitabel arbeitende DAX-Mitglied Delivery Hero genießt gewissermaßen Bestandsschutz.)

      Außerdem wird die Zusammensetzung künftig zwei Mal im Jahr und damit häufiger als bisher überprüft. Dadurch soll der DAX insgesamt resilienter werden, also widerstandsfähiger gegenüber Krisen einzelner oder mehrerer Unternehmen. Auch dies dürfte zur höheren Attraktivität nicht nur bei heimischen Investoren beitragen.

      Anteil weiblicher DAX-Vorstände geht zurück

      Eine weniger gute Nachricht ist die Erweiterung jedoch für die Diversität in deutschen Führungsetagen. Denn fünf der zehn neuen Mitglieder haben gar keine Frau im Vorstand. Dadurch steigt der Anteil von DAX-Vorständen ohne Frauenanteil von 13 auf 23 Prozent. Fast jedes vierte DAX-Unternehmen hat also keine Frau in der obersten Führungsetage. Auch in den Aufsichtsräten geht der Frauenanteil zurück – zum ersten Mal seit über zehn Jahren.

      DAX ErweiterungBild: Man(n) bleibt unter sich. Durch die Erweiterung steigt der Anteil an Männern in den DAX-Vorständen. (Quelle: iStock)

      So sehr die Erweiterung zu begrüßen ist bleibt deshalb zu hoffen, dass der deutsche Leitindex auch in dieser Hinsicht in Zukunft vielfältiger wird und damit Wirtschaft und Gesellschaft des Landes noch besser abbildet. Zumal eine höhere Diversität im Management erwiesenermaßen zu besseren Entscheidungen führt. Das gilt für das Geschlecht ebenso wie für Alter, Herkunft und Qualifikation.