Buy and Hold: Strategie leicht gemacht
Geldanlage | 4 min

Buy and Hold: Strategie leicht gemacht

Geschrieben von Salome Preiswerk
27. Juni 2022
  1. Magazin >
  2. Geldanlage >
  3. Der kluge anleger folgt stoisch seiner strategie
Inhaltsübersicht einblenden
Inhaltsübersicht ausblenden

Inhaltsverzeichnis

      Vielen Anlegenden fällt es schwer, bei Kursschwankungen ruhig zu bleiben. Geht es abwärts an den Aktienmärkten, wollen sie am liebsten gleich alles verkaufen. Doch wer seinen Emotionen erliegt, läuft Gefahr, einen dauerhaften Vermögensverlust zu erleiden. Buy and Hold ist die bessere Antwort.

      Würden sich Vermögensverwalter so verhalten wie Politiker, wären sie wahrscheinlich schon nach kurzer Zeit arbeitslos – wegen notorischer Erfolglosigkeit. Politiker denken meist nur bis zur nächsten Wahl. Ihre Handlungen und Meinungsphrasen richten sich an den aktuellen Ereignissen aus, die die Schlagzeilen beherrschen. Dieses reflexhafte Handeln führt oft zu schlechten Ergebnissen.

      Dass auf Ereignisse irgendwelche Reaktionen folgen müssen, scheint mittlerweile von der Politik auf die kollektive Psyche der bundesdeutschen Gesellschaft übergegriffen zu haben. Denn anders ist es kaum zu erklären, dass Finanzjournalisten in Zeiten fallender Kurse so viel darüber schreiben, wie Vermögensverwalter auf Kursverluste reagieren. Doch anders als Politiker agieren erfolgreiche Vermögensverwalter und Privatanlegende langfristig. Ihre Strategien sind auf Zeiträume von zehn und mehr Jahre ausgerichtet. Für solche Anlagekonzepte spielen einzelne Ereignisse, die nicht einmal ungewöhnlich sind, in aller Regel keine Rolle. Sie führen nicht zu hektischen Verkäufen oder Portfolioumschichtungen. Denn wer so reagiert, kann an der Börse nur verlieren.

      Was ist Buy and Hold?

      Um bei der Geldanlage langfristig erfolgreich zu sein, braucht es also eine gewisse Gelassenheit. Zu dieser gelangen Sie mit einer Buy and Hold Strategie. Aber was ist Buy and Hold genau? Kurz zusammengefasst bedeutet das: Wenn Sie einmal in ein Portfolio aus Aktien, ETFs oder Immobilien investiert haben, passen Sie es lediglich immer wieder an die vorher definierte Zusammensetzung (sog. Rebalancing) an. Ansonsten tun Sie nichts, außer abzuwarten.

      Buy and Hold: Strategie gegen Kursschwankungen

      Im langfristigen Durchschnitt schwankt der deutsche Aktienindex DAX mehr als 20 Prozent um seinen Mittelwert. Ein Kursrückgang in dieser Größenordnung – natürlich nicht innerhalb eines Tages – wäre also kein ungewöhnliches und unerwartetes Ereignis. Erfolgreiche, langfristig orientierte Anlegende stehen solche Phasen durch und halten an ihrer Buy-and-Hold-Strategie fest. Sie wissen, dass die Aktienmärkte in der Vergangenheit auf lange Sicht die höchsten Renditen von allen liquiden Anlageklassen abgeworfen haben. Solange Menschen nach mehr Wohlstand streben und die Weltwirtschaft weiter wächst wie in den vergangenen 2.000 Jahren, dürfte sich daran auch nichts ändern.

      Fallen die Kurse an den Börsen, sucht ein Heer aus verschiedenen Marktbeobachtern zwanghaft nach den vermeintlichen Ursachen. Doch das ist reine Zeitverschwendung. Aktienkurse fallen, weil an den Börsen mehr Verkäufer ihre Papiere loswerden wollen als Käufer bereit sind, zum aktuellen Preis in das Geschäft einzusteigen. Warum die Verkäufer in der Überzahl sind, und weswegen sie sich unbedingt von ihren Aktien trennen wollen, weiß niemand. Um das zu herauszufinden, müsste jeder einzelne Verkäufer befragt werden – und auch noch ehrlich antworten. Unter den Antworten würden sich natürlich auch die Gründe finden, die von Medien als vermeintliche Ursache für den Ausverkauf angeführt wurden. Denn die meisten Anleger lesen Nachrichten. So verstärkt sich das Herdenverhalten an den Märkten, das im schlechtesten Fall in einer Massenpanik gipfelt.

      Lassen Sie sich daher nicht von der Masse beeinflussen. Folgen Sie stoisch Ihrer Buy and Hold Strategie. Schichten Sie Ihr Portfolio nur dann um, wenn sich wesentliche Faktoren, auf denen Ihre Strategie fußt, geändert haben. Als Befürworter von Value-Investing heißt das für uns bei Whitebox beispielsweise, dass wir Anlagen reduzieren, die unserer Meinung nach überbewertet sind.

      Gefallene Aktienkurse können aber natürlich die Bewertungen verändern, wenn zum Beispiel alle anderen Faktoren wie Unternehmensgewinne und Eigenkapitalrenditen unverändert bleiben. Dann ist es möglich, dass zuvor überteuerte Märkte wieder attraktiv werden – und sich ein Kauf lohnt. So gesehen verhalten sich Value- und andere langfristig orientierte Anleger antizyklisch. Sie kaufen, wenn die Masse verkauft.

      Buy and Hold: Erfahrung statt Market-Timing

      Besonders Anlegende mit noch wenig Börsenerfahrung fragen sich, warum sie ihre Aktien nicht einfach verkaufen sollen, wenn ein Kursabschwung beginnt. Schließlich könne man doch später, wenn sich die Wogen geglättet haben, wieder einsteigen – und auf diese Weise Verluste vermeiden. Das klingt in der Theorie einfach und plausibel, ist aber in der Praxis kaum erfolgreich umzusetzen. Denn niemand weiß, wie tief der Markt noch fallen wird und wann die Börsen wieder beginnen zu steigen.

      Der Gau für Anleger ist der Verkauf am Tiefpunkt eines Kurseinbruches. Der Verlust, der so entsteht, ist dauerhaft, weil der Investor den folgenden Aufschwung nicht mehr mitmacht. Auch wenn er irgendwann wieder einsteigt, bleibt ein irreversibler Schaden bestehen. Deswegen ist es besser, nicht den Versuch zu unternehmen, sich mit dem wiederholten Ein- und Aussteigen, dem sogenannten Market-Timing, Vorteile an der Börse zu verschaffen. Meist endet ein solches Unterfangen im Desaster. „Wer die Erträge erzielen will, die der Aktienmarkt langfristig zu bieten hat, muss auf dem Höhepunkt investiert sein, um auch auf dem Tiefpunkt investiert zu sein“, stellt Michael Batnick vom US-amerikanischen Vermögensverwalter Ritholtz Wealth Management lakonisch fest.

      Um die Argumentation für die Überlegenheit der Buy and Hold Strategie zu untermauern, führen Marktstrategen immer wieder eine unwiderlegbare Tatsache an: Wer als Anleger nur die 10 besten Börsentage mit den höchsten Kursanstiegen verpasst, dessen Rendite kann sich schon halbieren. Streicht man die 20 besten Tage, bleibt nur noch gut ein Viertel vom Gewinn übrig. Bei 30 Tagen kann die Rendite bereits negativ ausfallen, je nachdem welcher Markt und welcher Zeitraum zugrunde gelegt werden. Was die Daten suggerieren, formuliert der Anlagestratege und Bestseller-Autor Charles D. Ellis so: „Die Lektion ist klar: Sie müssen unbedingt engagiert sein, wenn der Blitz einschlägt.“ Aus diesem einfachen Grund ist Market-Timing eine wirklich abwegige Idee.

      Buy and Hold: nicht nur Fondsgesellschaften profitieren

      Kritiker monieren, dass dieses Argument von denjenigen vorgebracht wird, die daran verdienen, wenn Anlegende an ihren Investments festhalten. Das sind Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter – und tatsächlich sind sie es oft, die eine Buy and Hold-Strategie propagieren.

      Bei Banken liegen die Interessen anders. Sie verdienen am meisten, wenn ihre Kunden im Markt bleiben, aber ihre Anlagen möglichst oft wechseln. Dann kassieren die Geldhäuser die Vertriebs- und Bestandsprovisionen für die Produkte sowie die Kosten, die sie für den Handel in Rechnung stellen. Deswegen rufen Banken gerne häufig neue „Trends“ aus und versuchen, Ihnen andere Wertpapiere schmackhaft zu machen.

      Das Vermeiden von Verlusten ist eine sehr lukrative Angelegenheit. Das Problem ist nur: Wir können die schlechten Tage nicht herausfiltern, weil wir nun mal nicht wissen, welche es sein werden. Wenn wir aber im Markt bleiben, haben wir die Gewissheit, dass wir zumindest nicht die besten Tage mit den höchsten Kursanstiegen verpassen.

      Aus diesen Gründen stehen wir bei Whitebox genauso überzeugt für langfristige Geldanlagen mit regelmäßigem Rebalancing.

      Whitebox-Tipp: Bei all unseren Anlagestrategien ist das fortlaufende Rebalancing inklusive.

      Was sind Buy and Hold Aktien?

      Es gibt keine klassischen Buy and Hold Aktien. Aber als Value-Investoren konzentrieren wir uns bei Whitebox vor allem auf die Bewertungen. Das heißt, dass für uns die besten Buy-and-Hold-Aktien solche sind, die wir für unterbewertet halten.

      Den schwierigsten Teil müssen Sie allerdings selbst bewältigen. Sie müssen bei fallenden Märkten dem unweigerlichen Drang widerstehen, sich der Herde anzuschließen und zu verkaufen. Ratschläge, wie Sie einen Abschwung emotional am besten überstehen, gibt es viele: nicht ins Depot sehen, sich mit Kochen statt mit Aktien beschäftigen, Bücher statt Nachrichten lesen. Finden Sie Ihren Weg, um cool zu bleiben. Dann kann die nächste Aktienmarktkrise Ihnen nichts anhaben.