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Update zur Corona-Krise: Die Bären bitten zum Tanz | Whitebox
Value-Investing | 4 min

Update zur Corona-Krise: Die Bären bitten zum Tanz

Geschrieben von Salome Preiswerk
16. März 2020
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Inhaltsverzeichnis

      Von der Nervosität, die das Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelöst hat, sind auch die Wirtschaft und die Kapitalmärkte betroffen. An den Börsen haben die Bären das Kommando übernommen und die Aktienkurse nach unten getrieben. Für langfristige, fundamental orientierte Investoren ist das aber kein Anlass zur Panik. Im Gegenteil: Hieraus könnten sich sogar Anlagechancen ergeben.

      Seit unserem ersten Artikel zur Corona-Epidemie haben die Sorgen über die möglichen wirtschaftlichen Folgen der Krise noch weiter zugenommen. Die Weltgesundheitsorganisation hat Covid-19 mittlerweile offiziell zur Pandemie erklärt und zahlreiche Regierungen in aller Welt haben drastische Maßnahmen ergriffen, um die weitere Ausbreitung der Krankheit zu verlangsamen. Aus China kamen jedoch auch erste Signale einer Entspannung: Dort scheinen Menschen und Ökonomie allmählich wieder in den Alltagsmodus zurückzukehren.

      Panik an den Börsen?

      Wir sind weder Virologen noch Mediziner, Politiker oder Journalisten. Als professioneller Vermögensverwalter möchten wir den zahllosen Spekulationen über das Coronavirus und seine Folgen daher keine weiteren hinzufügen, sondern uns auf ein Thema konzentrieren, mit dem wir uns auskennen: die Finanz- und Kapitalmärkte. Auf diesen herrscht weiterhin Unruhe und erhöhte Alarmbereitschaft.

      Auf den Aktienmärkten schien zeitweise Panik auszubrechen. Ob Dax, S&P 500, Euro Stoxx 50, FTSE 100 oder Nikkei 225: Bis zum 12. März sind alle wichtigen Aktienindizes um mehr als 25 Prozent unter ihre diesjährigen Höchststände zurückgefallen. Bei Kursverlusten von mindestens 20 Prozent sprechen Analysten und andere professionelle Marktteilnehmer nicht mehr von einer Korrekturphase, sondern von einer Baisse der Aktienmärkte oder einem Bärenmarkt.

      Wir können nachvollziehen, dass viele Anleger im Falle stärkerer Kursverluste ihrer Wertpapierportfolios nervös werden. Deshalb möchten wir Ihnen empfehlen, Überreaktionen und Panik unbedingt zu vermeiden. Als langfristig ausgerichteter Anleger sollten Sie Ihre Anlagestrategie konsequent verfolgen und sich nicht von kurzfristigen Kursschwankungen auf den Aktienmärkten oder von den täglichen Schlagzeilen in der Presse aus der Ruhe bringen lassen.

      Keine Angst vor Bärenmärkten

      Unter Anlegern wirft jeder Bärenmarkt besorgte Fragen auf: Wie stark fallen die Aktienkurse in solchen Phasen? Wie lange dauern sie? Und wie lange benötigen die Märkte, um sich von diesen Verlusten zu erholen? Verlässliche Antworten auf solche Fragen kann Ihnen niemand geben, aber es ist möglich, aus der Geschichte Lehren zu ziehen und Anhaltspunkte zu gewinnen.

      Die Portfoliostrategen der US-Investmentbank Goldman Sachs haben in einer aktuellen Studie alle Baissephasen des US-Aktienmarktes seit 1835 auf diese Fragen hin untersucht. Dabei haben Sie –abhängig von den hauptsächlichen Ursachen und Auslösern – drei Typen von Bärenmärkten identifiziert:

      • Strukturelle Bärenmärkte werden durch strukturelle Ungleichgewichte und Spekulationsblasen an den Kapitalmärkten ausgelöst. Ihnen folgen häufig „Preisschocks“ wie eine Deflation. Solche Baissephasen dauerten in den USA im Durchschnitt 42 Monate und führten zu Kursverlusten des S&P 500 Index von rund 57 Prozent. Es dauerte durchschnittlich 111 Monate, bis der Index nach der Krise wieder sein vorheriges Niveau erreicht hatte.
      • Zyklische Bärenmärkte sind vor allem eine Konsequenz steigender Zinsen, drohender Rezessionen und rückläufiger Unternehmensgewinne. Sie dauerten durchschnittlich 27 Monate und führten zu Indexverlusten in Höhe von 31 Prozent. Die Erholung nach der Baisse nahm im Durchschnitt 50 Monate in Anspruch.
      • Ereignisgetriebene Bärenmärkte wurden durch einzelne Schocks ausgelöst, die sich in einem relativ stabilen Marktumfeld ereignet und daher in den USA nicht zu einer Rezession geführt haben – zum Beispiel Kriege, Ölpreisschocks oder Krisen in Schwellenländern. In diesem Fall dauerte die Verlustphase des US-Aktienmarktes im Durchschnitt neun Monate und erreichte ein Niveau von 29 Prozent. Nach rund 15 Monaten hatte der Markt wieder sein Vorkrisenniveau erreicht.

      Bärenmärkte sind keine Seltenheit

      Nach Meinung der Goldman-Sachs-Analysten spricht vieles dafür, dass die Börsen derzeit einen ereignisgetriebenen Bärenmarkt durchlaufen. Sollte sich diese Einschätzung bestätigen, könnten wir bereits einen großen Teil der Kursverluste hinter uns haben und zudem auf eine relativ schnelle Erholung der Aktienkurse hoffen.

      Doch egal, wie lange die aktuelle Baisse dauern und wie schwer sie ausfallen wird: Wer sich auf Aktieninvestitionen einlässt, sollte mit solchen Kursschwankungen rechnen und leben (lernen). Denn die Börsen sind keine Einbahnstraßen und kurzfristige Kurscharts erinnern bisweilen an Achterbahnen. Zudem sind Baissephasen nichts Ungewöhnliches: Die Goldman-Sachs-Analysten haben in den 185 Jahren, die sie in ihrer Analyse betrachten, immerhin 27 Bärenmärkte identifiziert. Zusammen mit den jüngsten Kursrückschlägen hat also rein statistisch etwa alle sechseinhalb Jahre eine Baisse stattgefunden.

      Kursverluste können Anlagechancen bieten

      Als langfristig ausgerichtete Investoren beunruhigen uns die aktuellen Entwicklungen ebenso wenig wie die zuletzt wieder deutlich gestiegene Volatilität an den Märkten. Selbstverständlich analysieren wir solche Marktbewegungen sehr genau und ergreifen gegebenenfalls auch Maßnahmen, um unsere Investoren langfristig vor Verlusten zu schützen. Allerdings gehen wir nach wie vor davon aus, dass die derzeitige Baisse in erster Linie durch Ängste vieler Anleger vor den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie verursacht wurde und dass diese Folgen die Entwicklung der Weltwirtschaft nur kurzzeitig beeinträchtigen werden. Daher sehen wir momentan keinen Anlass, die Zielallokationen unserer Portfolios zu verändern.

      Wir haben diese Portfolios aus gutem Grund so zusammengestellt, dass sie langfristig solide Ergebnisse liefern sollten, und halten es nicht für sinnvoll, sie hektisch an jedes kurzfristige Marktszenario anzupassen. Wir hatten bereits seit längerem auf die hohen Bewertungen vieler Aktienmärkte hingewiesen. Deshalb hatten wir unsere Portfolios tendenziell defensiv ausgerichtet und relativ hohe Barmittelbestände aufgebaut. Grundsätzlich bleiben wir angesichts einer durchaus möglichen Rezession auch weiterhin vorsichtig. Allerdings: An den Aktienmärkten besteht ein grundsätzliches Erfolgsrezept darin, zu möglichst niedrigen Kursen zu kaufen und zu möglichst hohen Kursen zu verkaufen. In einer Baissephase sind die Kurse deutlich niedriger als zuvor, so dass sich möglicherweise Kaufgelegenheiten ergeben können. Gerade als Value-Investoren nutzen wir daher Baissephasen an den Aktienmärkten auch, um nach neuen Anlagechancen zu suchen und gegebenenfalls in Märkte oder Marktsegmente zu investieren, die wir aus fundamentaler Perspektive für (deutlich) unterbewertet halten.

      Wer dagegen Aktienpositionen nahe zyklischer Tiefstände der Märkte verkauft, wird langfristig mit hoher Wahrscheinlichkeit schlechtere Anlageergebnisse erzielen als Investoren, die solche Marktphasen einfach aussitzen. Denn die Erfahrung zeigt immer wieder: Einer der größten Fehler in volatilen Marktphasen ist es, Aktien zu verkaufen, nachdem sie starke Verluste erlitten haben.

      Warum sich Geduld lohnen kann

      Die Grafik auf dieser Seite liefert hierfür ein gutes Beispiel: Die hellblaue Kurve zeigt die Entwicklung des US-Standardaktienindex S&P 500 von Anfang 2007 bis Ende 2018. Wer im Januar 2007 beispielsweise über einen Indexfonds in diesen Markt investiert und seine Position bis Ende 2018 gehalten hätte, hätte damit einen Wertzuwachs von rund 128 Prozent erzielt. Wer seine Aktien am Tiefpunkt der Baisse im Frühjahr 2009 verkauft hätte und erst ein Jahr später wieder in den Markt eingestiegen wäre, hätte dagegen nur etwa 49 Prozent hinzugewonnen (dunkelblaue Kurve). Und wer sein Geld im Frühjahr 2009 aus Angst vor weiteren Kursverlusten in Festgeldanlagen gesteckt und es dort belassen hätte, hätte Ende 2018 immer noch auf Verlusten in Höhe von fast 44 Prozent seines anfänglich investierten Kapitals gesessen.

       

      corona-baerenmarkt-morningstar

      Wer seine Aktien gegen Ende einer Baisse bei niedrigen Kursen verkauft, kann nicht von der darauffolgenden Erholung der Börsen profitieren und verbaut sich dadurch oft ausgezeichnete Renditechancen. Gerade bei wahrscheinlich kurzfristigen Krisen wie der Corona-Pandemie sollten Investoren daher ihre langfristigen Ziele und Perspektiven nicht aus den Augen verlieren. Sie sollten ruhig bleiben und die eigene Anlagestrategie konsequent weiterverfolgen. Denn wie der Investor und Multimilliardär Warren Buffett einst treffend formulierte: „Die Aktienmärkte sind ein Mechanismus, um Geld von den Ungeduldigen auf die Geduldigen zu übertragen.“