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Negativzinsen & Schutz des Betriebsvermögens - Whitebox-Interview
Negativzinsen und Schutz des Betriebsvermögens - Interview Salome Preiswerk im Wirtschaftsforum 10/2019
Whitebox | 6 min

Negativzinsen & Schutz des Betriebsvermögens - Whitebox-Interview

Geschrieben von Salome Preiswerk
16. Januar 2020
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Inhaltsverzeichnis

      Als Gastbeitrag im Interview-Format erschienen in:
      Seite 39-41, WIRTSCHAFTSforum - Stimme des Mittelstandes in Baden-Württemberg, Ausgabe Nr. 10, Dezember 2019 / Januar 2020 | 35. Jahrgang | E 5529

      Negativzinsen und Schutz des Betriebsvermögens:
      Anlage-Alternative für Firmen

      Frau Preiswerk, Sie führen mit Whitebox einen der führenden digitalen Vermögensverwalter Deutschlands. Spüren Sie die vermehrte Einführung von Negativzinsen auf Betriebsvermögen bereits in Ihrem Alltag?

      Wir spüren auf jeden Fall ein gesteigertes Interesse am Thema. Dies direkt durch Kunden und Interessenten, aber auch indirekt über unsere Vertriebspartner, deren Kunden zunehmend mit dem Thema konfrontiert sind. Dabei verstärkt sich eigentlich nur ein Umstand, der bei den aktuell niedrigen Zinsen zumindest unter Berücksichtigung der Inflation bereits ohne Negativzinsen besteht: Das Betriebsvermögen nimmt faktisch ab. Mit Negativzinsen nun einfach noch stärker. Bei zum Teil hoher Liquidität in den Unternehmen wird das zunehmend zu einem Problem.

       

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      Salome Preiswerk - Gründerin und CEO Whitebox

       

      Und worauf treffen Sie? Angst, Wut, Verunsicherung?

      Am ehesten Verunsicherung – aber auch auf eine gute Portion Pragmatismus. Es bringt ja nichts, mit der Realität zu hadern. Als Unternehmer muss ich mich den neuen Gegebenheiten anpassen und mein Betriebsvermögen vor dem schleichenden Zerfall schützen. Doch wohin, wenn nicht auf dem „Sparbuch“ oder Girokonto?

      Genau. Diese Frage stellen sich viele Unternehmer und Finanzvorstände in diesen Tagen. Wo liegt die Herausforderung?

      Nun, irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass sie auf das selbe schwarze Loch treffen, das auch deutsche Privatanleger von einer sinnvollen, langfristigen Vermögensanlage abhält: Das schwarze Loch zwischen Sparbuch und Aktie. Denn dazwischen scheint es in der öffentlichen Wahrnehmung nichts zu geben. Interessenverbände, Finanzdienstleister und vor allem die Medien schreiben seit Jahrzehnten erfolglos gegen die in Deutschland weit verbreitete Sparbuchaffinität an und dass diese gerade in Zeiten niedriger Zinsen nach Inflation das Vermögen auffrisst. So weit so richtig. Doch was wird als Alternative kolportiert? Die Aktie. Das Problem: Die könnte vom Sparbuch nicht weiter entfernt sein. Das wäre in etwa so, wie wenn man ein Kleinkind mit Höhenangst zu einem Sprung vom Zehnmeterbrett zwänge. Es fehlt die gedankliche Brücke hin zu einer Anlage, die natürlich auch Aktien umfassen kann.

      Was gibt es denn zwischen Sparbuch und Aktie?

      Natürlich führen wie immer viele Wege nach Rom und es gibt nicht die eine richtige Form der Geldanlage. Eine mögliche Lösung kann jedoch in einem guten Sinne ganz langweilig sein: Ein global und über viele Anlageklassen gestreutes Portfolio. Also nicht einfach eine Aktie oder mehrere Aktien. Denn das wäre – vom Sparbuch ausgehend – aus Risikogesichtspunkten wirklich so ziemlich am anderen Ende der Skala anzusiedeln. Mit einer breiten Streuung über Anlageklassen, Regionen und Sektoren kann man das Risiko minimieren und ganz auf seine Bedürfnisse anpassen. Denn ein Portfolio kann fast ausschließlich aus Anleihen oder Geldmarktprodukten bestehen und damit ziemlich risikoarm sein. Wenn es jemand riskanter mag, kommen natürlich Aktien ins Spiel. Bis hin zu einem reinen Aktienportfolio sind dann mindestens „50 shades of grey“ möglich. Bei uns bilden wir den individuellen Risikoappetit unserer Kunden beispielsweise über 10 Risikostufen ab. So findet jeder die Geldanlage, die zu seinen (Risiko-)Bedürfnissen passt.

      Und wie baut man sich denn so ein breit diversifiziertes Portfolio auf?

      Wenn man sich nicht mit einer Vielzahl einzelner Aktien oder Anleihen beschäftigen möchte, eignen sich dazu natürlich insbesondere Fonds. Dabei werden aktiv gemanagte Fonds, wo Fondsmanager in einem gewissen Markt Einzeltitel selektieren und/oder anders gewichten als im entsprechenden Index, unterschieden von passiven Fonds, die einen Index nachbilden und wo kein Manager aktive Anlageentscheidungen trifft. Wir bei Whitebox haben uns für index-abbildende ETFs entschieden. Die unseres Erachtens notwendige aktive Komponente erfolgt auf der für den Anlageerfolg viel wichtigeren Ebene der Assetallokation – also dort, wo entschieden wird, welcher Anlagebaustein in welcher Gewichtung und zu welchem Zeitpunkt in einem Portfolio repräsentiert sein soll.

      Kann sich denn jeder Unternehmer so ein Portfolio selbst zusammen bauen und verwalten?

      Im Grunde schon, aber es erfordert doch einiges an Wissen und Erfahrung. Wir schauen uns beispielsweise dauerhaft über 300 Anlageklassen, Regionen und Sektoren an. Es ist schwer für einen Unternehmer, diese Märkte in der Breite und Tiefe abzudecken. Hinzu kommt, dass sich viele nicht bewusst sind, dass das beste Portfolio nicht einfach eine Zusammenstellung einer aktuellen Fonds-Hitliste ist. Sobald man mehr als zwei Positionen in einem Depot hält, stehen die Bestandteile in einer Beziehung – ob man will oder nicht. Risiken verstärken sich oder heben sich gegenseitig auf. Ein richtig professionelles Portfoliomanagement inklusive Risikomanagement ist entsprechend schon eine Sache für Experten. Doch ich will nicht verhehlen, dass auch ein Laie sich ein passables Portfolio zusammenstellen kann, das beispielsweise auf fünf breiten Indizes aufbaut und mit kostengünstigen ETFs umgesetzt wird. Es stellt sich lediglich die Frage, ob das den Ansprüchen des Unternehmens genügt.

      Doch guter Rat ist bekanntlich teuer?

      Nicht unbedingt. Guter Rat ist oft teuer, weil den Kunden viel Firlefanz verkauft wird, den eigentlich niemand braucht – bzw. der bedauerlicherweise sogar oft schädlich ist. Doch er rechtfertigt die hohen Kosten. Wie immer lässt sich am meisten mit der Angst verdienen und so ist etwa kurzfristiges Risikomanagement zum heiligen Gral der Investment-Industrie geworden. Doch eigentlich sind sich alle einig: Bei der Geldanlage sollte es zumindest um einen mittelfristigen Horizont gehen. Alles andere ist Zockerei. Renditen kann man also nicht seriös kurzfristig managen. Risiken jedoch plötzlich schon? Dabei sind Risiko und Rendite zwei Seiten der selben Medaille. Es geht auch nicht um Risikomanagement oder nicht Risikomanagement, sondern um ein adäquates Verständnis von Risiko. Risiko wird oft gleichgesetzt mit Volatilität. Doch das ist nicht richtig. Volatilität kann sogar Chancen bieten: Zum Beispiel für einen Value-Investor wie uns eine gute Einstiegschance.

      Gibt es denn nun gut und günstig?

      Ja, natürlich, aber man muss vielleicht etwas genauer hinschauen. Auch unter den traditionellen Anbietern gibt es Vertreter, die seriöses Portfoliomanagement zu akzeptablen Preisen liefern. Bei den Banken trifft leider nicht nur der Privat- sondern auch der Firmenkunde auf der anderen Seite noch allzu häufig auf einen Verkäufer statt einen Berater. Doch gerade als Firma wähnt man sich oft gefangen, weil weiter gehende Verbindungen zur Bank bestehen. Das ändert sich jedoch mit der Zeit, nicht nur durch die Einführung von Negativzinsen, sondern auch durch das ausbleibende (optimale) Kundenerlebnis. Finanzierung und Geldanlage werden getrennt voneinander und von unterschiedlichen Beratergruppen beraten und abgeschlossen, immer mehr Bankfilialen werden geschlossen und persönliche Bankberater “abgebaut”. So verliert der Firmenkunde die Nähe und Erreichbarkeit seiner „Hausbank“ zunehmend. Eine moderne, günstige und oft auch gute Alternative bieten seit einigen Jahren digitale Vermögensverwalter.

      Kann denn ein verantwortungsbewusster Unternehmer das Geld seines Unternehmens anno 2019 schon einem Roboter anvertrauen?

      Aber sicher! Denn hier besteht ein großes Missverständnis. Nämlich jenes, dass bei den sogenannten „Robo-Advisors“ nie dagewesene Algorithmen – womöglich noch mit künstlicher Intelligenz – die Portfolios seiner Kunden umschichtet. Das könnte nicht weiter weg sein von der Realität. Denn die meisten „Robos“ sind an der Stelle sehr einfach gestrickt und bieten lediglich statische Musterportfolios, an deren ursprünglicher Zusammensetzung sich niemals etwas ändert. Mit anderen Worten: Weder Mensch noch Maschine sind involviert. Demgegenüber bestehen nur wenige echte, vermögensverwaltende und damit aktive Robos. Diese operieren jedoch ebenfalls mit Methoden und Ansätzen, die es – im Grundsatz – in der traditionellen Welt schon lange gibt. Ob das nun das bereits besprochene Volatilitätsmanagement ist oder prognostische Ansätze oder eben Value wie in unserem Fall, das alles gibt es im Grundsatz schon lange. Und das ist auch gut so, denn so kann der Interessent nachvollziehen, ob sich die Methode in der Vergangenheit bewährt hat oder nicht. Mit anderen Worten: Man braucht keine Angst zu haben vor dem Robo – zumindest nicht wegen des „Robo“-Aspekts. Ganz im Gegenteil, denn in anderer Hinsicht bieten Automatisierung und Digitalisierung auch und gerade für Firmenkunden große Vorteile.

      Welche sind das denn?

      Die Anlage kann bedarfsgerecht definiert und im Sinne der Präferenzen selbst gesteuert werden. Bei uns etwa kann ein Kunde bald auch verschiedene Portfolios mit unterschiedlichen, auch (Risiko-)Präferenzen aufsetzen und deren Parameter jederzeit anpassen. Wichtig für einen Unternehmer ist auch die jederzeit mögliche Teilauszahlung oder Liquidation. Dann wäre da noch der Transparenz-Aspekt: Bei einem Robo kann man sich jederzeit in die zum Teil aufwändigen Cockpits einloggen und alle Dimensionen der Entwicklung der Anlage sozusagen in Echtzeit mitverfolgen. Auch das Reporting geht zum Teil weit über das hinaus, was man von einer Bank kennt, und wird damit höchsten Ansprüchen gerecht. Zuletzt ist da noch der persönliche Service einiger Anbieter, denn auch an der Stelle sind die Robos viel menschlicher als gedacht. Da sitzen wie bei uns zum Teil Banker mit langjähriger Erfahrung in der Betreuung anspruchsvoller Kunden. Aber nicht wie bei der Bank zweimal pro Jahr zum meist eher mühsamen Standortgespräch, das in Rechtfertigungen und Verkaufsversuchen endet, sondern bei Bedarf, auf den Punkt, kompetent und freundlich.

      Nehmen denn alle Robo-Advisors Firmen als Kunden?

      Nein, bei weitem nicht. Aber ein paar wenige schon. Wir haben zum Beispiel ein Angebot für Firmen, das wir in Zukunft auch noch weiter ausbauen werden.

      Und was kostet so ein Robo-Advisor? Denn immerhin wollen Firmenkunden ja nicht vom Regen (Negativzinsen) in die Traufe (hohe Kosten).

      Die meisten geben die Vorteile, die sich durch die weitgehende Automatisierung ergeben, an ihre Kunden weiter. Selten wird für die Dienstleistung mehr als ein Prozent pro Jahr verlangt – „all in“, also für Vermögensverwaltung, Depot, Handel, Reporting, Service, et cetera. Einige gehen bei höheren Anlagevolumina deutlich mit den Preisen runter. Bei uns kostet das Ganze ab einem Anlagevolumen von 500.000 Euro nur noch 0,35 Prozent pro Jahr. Und ja, die Kosten sind wichtig – denn bei der Geldanlage geht es auch darum, was man für selbige eben nicht ausgibt. Doch auch hier muss man natürlich schauen, was man für sein Geld bekommt. Und bei der Entscheidung Negativzinsen vs. Geldanlage bei einem professionellen Verwalter empfiehlt sich zudem eine Gesamtbetrachtung: Während beim Belassen auf dem Girokonto die negative Entwicklung sicher ist, darf ich bei einem Investment, selbst bei einem sehr konservativen Risikoprofil, mit Fug und Recht über die Zeit mit einem ansehnlichen Zuwachs rechnen. Der jedoch kann nicht garantiert werden. Darum muss sich jeder Unternehmer überlegen, welche Lösung für ihn am besten passt.

      Danke für das Gespräch, Frau Preiswerk.

       

      Salome Preiswerk, service@whitebox.eu, Telefon +49 (0) 761 - 76992299, www.whitebox.eu/firmenkunden