ETF | Rendite | 4 min

Whitebox erklärt: Multi-Asset-ETFs

Geschrieben von Whitebox-Redaktion
20. Juli 2021
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Inhaltsverzeichnis

      Zwei große Fondsgesellschaften werben seit Monaten für börsengehandelte Fonds (ETFs), die verschiedene Anlageklassen mischen und angeblich alle Wünsche der Anleger in einem einzigen Produkt erfüllen können. Whitebox gibt einen knappen Überblick darüber, was es mit diesen ETFs auf sich hat. Was können Anleger tatsächlich von ihnen erwarten? Worauf sollte man bei der Auswahl solcher Produkte achten?

      Mit viel Tamtam haben Blackrock und Vanguard, die weltweit größten Anbieter börsengehandelter Fonds (ETFs), im Herbst und Winter 2020 neue Produktreihen auf den europäischen Markt gebracht: Die ETFs investieren in Portfolios aus Aktien und Anleihen, wobei diese Anlageklassen in unterschiedlichen Verhältnissen gemischt werden. Während Blackrock sie schlicht als „Multi Asset Portfolios“ bezeichnet, hat sich Vanguard für den vielversprechenden Namen „Life Strategy ETFs“ entschieden. Glaubt man der Werbung, sind diese Produkte Eier legende Wollmilchsäue. Es entsteht der Eindruck, sie seien „Komplettlösungen“ für Wertpapieranleger und -sparer, die Wert auf gut diversifizierte Portfolios legen, welche ihren Renditezielen und ihrer Risikobereitschaft entsprechen.

      Was sind Multi-Asset-ETFs

      Tatsächlich handelt es sich bei den angebotenen Produkten lediglich um aktiv verwaltete, gemischte Dachfonds, deren Anteile an Wertpapierbörsen vertrieben und gehandelt werden. Als gemischte Fonds, Mischfonds oder Multi-Asset-Fonds bezeichnet man Fonds, die in mehrere Anlageklassen investieren. Dachfonds legen das Geld ihrer Kunden überwiegend oder ausschließlich in andere Fonds („Zielfonds“) an. Bei den Angeboten von Blackrock und Vanguard dienen Aktien- und Anleihen-ETFs als Zielfonds: Ihre Portfolios enthalten etwa zehn bis 20 Indexfonds – also ETFs, die unterschiedliche Marktindizes abbilden.

      Anders als klassische Mischfonds verzichten die Manager dieser Produkte auf die Auswahl einzelner Aktien oder Anleihen. Sie beschränken sich stattdessen auf die über Zielfonds umgesetzte Mischung unterschiedlicher Anlageklassen innerhalb der Portfolios, die man als „Asset Allokation“ bezeichnet. Grundsätzlich können solche Multi-Asset-ETFs auch in andere Anlageinstrumente investieren als in Indexfonds: Beispielsweise könnten auch aktiv verwaltete ETFs oder traditionelle Investmentfonds als Zielfonds dienen. Es gibt sogar Multi-Asset-ETFs, die wie klassische Mischfonds direkt in Aktien und Anleihen investieren; der Unterschied zu den traditionellen Fonds besteht dann lediglich im Vertriebsweg.

      Multi-Asset-ETFs sind keineswegs neu: Beispielsweise bietet die Deutsche Bank (mittlerweile über ihre Tochtergesellschaft DWS) bereits seit mehr als zehn Jahren unter der Bezeichnung „Portfolio-ETFs“ zwei solcher Produkte an und die französische Fondsgesellschaft Lyxor hat 2016 den ersten von mittlerweile drei sogenannten „Portfolio Strategy ETFs“ auf den deutschen Markt gebracht. Einige dieser Dachfonds beschränken sich nicht auf Aktien- und Anleiheninvestments, sondern mischen ihren Portfolios auch Gold- oder Rohstoffanlagen bei.

      Was dürfen Anleger von Multi-Asset-ETFs erwarten?

      Insofern dürfen Anleger an diese Produkte ähnliche Erwartungen stellen wie an klassische Mischfonds/Multi-Asset-Fonds: In einem einzigen Wertpapier bieten sie ein aktiv verwaltetes Portfolio mit einer Rendite-Risiko-Struktur, die angesichts bestimmter Vorgaben für die Portfoliozusammensetzung zumindest grob kalkulierbar sein sollte.

      Im Vergleich mit traditionellen Mischfonds sind die Manager fast aller derzeit angebotenen Multi-Asset-ETFs in ihren Anlageentscheidungen jedoch stark eingeschränkt: Sie können die Rendite-Risiko-Eigenschaften nicht durch die Auswahl einzelner Aktienwerte oder Anleihen beeinflussen. Die Steuerung der Portfolios erfolgt ausschließlich über die Mischung verschiedener Anlageklassen, für die entsprechende Indexfonds verfügbar sind – also beispielsweise ETFs mit Fokus auf bestimmte Länder und Regionen oder verschiedene Marktsegmente wie Unternehmens- und Staatsanleihen. Mitunter besteht das aktive Management offenbar vor allem darin, die Zusammensetzung der Portfolios in einem gewissen Turnus an die jeweiligen Vorgaben anzupassen (Rebalancing).

      Dieser geringeren Flexibilität bei Anlageentscheidungen und den daraus folgenden Einschränkungen der Anlagestrategien steht allerdings ein Vorteil gegenüber: Die Verwaltungsgebühren der Multi-Asset-ETFs sind in der Regel deutlich niedriger als die traditioneller Mischfonds. Bei Dachfonds sollten Sie allerdings darauf achten, ob die Gebühren für die enthaltenen Zielfonds in den jeweiligen Kostenangaben bereits berücksichtigt sind oder nicht.

      Was Sie bei der Auswahl von Multi-Asset-ETFs beachten sollten

      Womit wir bei der wichtigen Frage wären, welche Faktoren Sie bei der Auswahl solcher Produkte beachten sollten. Ohne auf technische Details einzugehen und ohne Anspruch auf Vollständigkeit erscheinen uns vor allem folgende Aspekte wichtig:

      • Asset Allokation: Haben Sie ein grundlegendes Verständnis für die Chancen und Risiken der Anlageklassen, in welche ein Multi-Asset-ETF investiert? Passt die Zusammensetzung des Portfolios zu Ihren Anlagezielen und Ihrer persönlichen Risikobereitschaft? Dabei reicht es nicht aus, auf den jeweiligen Anteil von Aktien- und Rentenanlagen zu schauen, denn verschiedene Aktienanlagen können sehr unterschiedliche Risiken bergen und Anleihen sind nicht grundsätzlich sichere Investments.
      • Anlagestrategie: Verstehen Sie die Anlagestrategie des Multi-Asset-ETF? Worin besteht und nach welchen Regeln erfolgt das aktive Management des Fonds? Sollte der Fonds bereits einige Jahre auf dem Markt sein, können Sie überprüfen, ob die vergangene Performance den in Aussicht gestellten Zielen für Rendite und Risiko entsprochen hat.
      • Zielfonds (bei Dachfonds): Nach welchen Kriterien wählt das Management die Zielfonds aus? Passen diese Zielfonds zur Anlagestrategie und zum angestrebten Rendite-Risiko-Profil des Multi-Asset-ETF? Diese Fragen sind besonders wichtig bei Dachfonds, deren Emittenten bei der Portfoliokonstruktion ausschließlich oder weit überwiegend hauseigene Zielfonds verwenden. Hierdurch kann für die Fondsgesellschaften ein Interessenkonflikt entstehen: Es besteht die Möglichkeit, dass sie Zielfonds in erster Linie deshalb auswählen, um deren Absatzzahlen zu steigern.
      • Kosten und Gebühren: Bietet der Anbieter des Multi-Asset-ETF eine vollständige Kostentransparenz und eine leicht nachvollziehbare Darstellung der Gesamtkosten? Diese Frage ist bei Dachfonds besonders wichtig, weil es hier möglich ist, die mitunter erheblichen Kosten der Zielfonds im Kleingedruckten zu verstecken.
      • Transparenz und Service. Stellt der Anbieter eines Multi-Asset-ETF alle relevanten Informationen zu diesem Fonds zeitnah, übersichtlich und in verständlicher Form zur Verfügung? Informiert er Anleger auch aktiv über Änderungen im Portfolio?

      Für wen eignen sich Multi-Asset-ETFs?

      Falls Ihnen das alles recht kompliziert erscheint, möchten wir Sie beruhigen: Die Auswahl von Fonds und anderen Anlageprodukten, die zu Ihren individuellen Anforderungen und Zielen passen, ist keine leichte Aufgabe. Multi-Asset-ETF sind komplexe Anlageprodukte. Für ihre richtige und sachgerechte Auswahl und Verwendung sind Sie als Anleger letztendlich selbst verantwortlich. Sie sollten daher nur in solche Fonds investieren, deren Nutzen sowie Chancen und Risiken Sie verstehen und realistisch einschätzen können.

      Sofern Sie in der Lage sind, eigenständig einen klassischen Mischfonds auszuwählen, der Ihren persönlichen Wünschen und Vorstellungen entspricht, dürfte Ihnen das auch bei Multi-Asset-ETFs gelingen. Da diese Fonds oft recht einfache Anlagestrategien verfolgen, sollten Sie allerdings überlegen, ob und inwiefern sie Ihnen tatsächlich einen Vorteil bieten. Ausreichend erfahrene Anleger können mit Hilfe einiger weniger ETFs auch leicht selbst gut diversifizierte Multi-Asset-Portfolios zusammenstellen und damit die Gebühren für einen Dachfonds sparen (siehe hierzu auch „So dirigieren Sie Ihr Portfolio richtig“).

      Digitale Vermögensverwalter als sinnvolle Alternative

      Wer sich mit der Produktauswahl überfordert fühlt oder sich aus anderen Gründen nicht selbst um seine Anlagen kümmern möchte oder kann, dürfte mit einem seriösen digitalen Vermögensverwalter in den meisten Fällen besser bedient sein als mit einem Multi-Asset-ETF. Digitale Vermögensverwalter wie Whitebox sind Dienstleister, die ihre Portfolios gemäß den Rendite-Risiko-Profilen ihrer Kunden unabhängig von einzelnen Produktanbietern zusammenstellen und verwalten. Ihre Angebote sind an den individuellen Anforderungen der Anleger ausgerichtet und sie bieten ihren Kunden umfassende Services. Nach einem ausführlichen Beratungsprozess kümmern sie sich eigenständig um das ihnen anvertraute Vermögen. Dabei treffen sie alle Anlageentscheidungen ausschließlich im Interesse ihrer Kunden – auch die Auswahl der konkreten Anlageprodukte. Damit kommen die Angebote digitaler Vermögensverwalter einer „Komplettlösung“ deutlich näher als Multi-Asset-ETFs.