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Volatilität: Schwankungsanfälligkeit von Vermögenspreisen | Whitebox

Volatilität: Schwankungsanfälligkeit von Vermögenspreisen

Geschrieben von Nadine Friederichs
22. April 2020
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Inhaltsverzeichnis

      Der Begriff Volatilität beschreibt das Ausmaß, in dem Vermögenspreise innerhalb einer bestimmten Zeitspanne schwanken. Sie wird häufig in Form der Standardabweichung ausgedrückt. Diese statistische Kennziffer spielt bei Aktien oder Anleihen eine wichtige Rolle und wird oft als Gradmesser für das Risiko einer Investition gesehen. Aus Sicht von Whitebox ist sie das aber nicht notwendigerweise.

      Die wichtigsten Inhalte des Artikels:
      • Volatilität ist eine Risikokennzahl.
      • Das Interesse an Volatilitätsinvestments ist gestiegen.
      • Volatilität sagt nichts über maximale Verluste aus.
      • Volatilität kehrt in der Regel zum Mittelwert zurück.

      Was bedeutet Volatilität?

      Die Volatilität ist ein Risikomaß. Sie zeigt an, wie stark der Preis eines Basiswertes innerhalb eines bestimmten Zeitraums schwankt. Je höher die Volatilität, desto stärker schlägt der Kurs nach oben und unten aus und desto riskanter, aber auch chancenreicher ist ein Investment. Gemessen wird die Volatilität häufig mit Hilfe der Standardabweichung oder indem man den Basispreis und den ihm zugrunde liegenden Basiswert miteinander vergleicht. Die Standardabweichung ist nach Ansicht vieler Investoren kein geeignetes Risikomaß, da sie Risiken und Chancen gleichermaßen misst. Auch wir bei Whitebox bevorzugen Kennzahlen, die ausschließlich die Verlustrisiken quantifizieren.

      Überdies hat die Standardabweichung noch einen weiteren Nachteil: Sie unterstellt, dass die Renditen normal verteilt sind. Da beispielsweise Aktienrenditen in der Realität jedoch anders verteilt sind, unterschätzen Risikokennzahlen, die auf der Normalverteilung fußen, die Extremrisiken. Denn je größer die Volatilität ausfällt, desto größer ist das Risiko eines Verlustgeschäftes. Gleichwohl bieten höhere Schwankungen auch Chancen auf größere Gewinne. In der Finanzmathematik unterscheidet man zwischen einer historisch messbaren und einer implizierten Volatilität. Letztere berechnet sich aus Optionspreisen und wird ökonomisch als die vom Markt erwartete zukünftige Volatilität interpretiert.

      Was messen die Volatilitätsindikatoren VIX und VDAX?

      Vor dem Hintergrund der erhöhten Volumina an der auf den VIX gehandelten Futures und Optionen ist das Interesse an Volatilitätsinvestments in den letzten Jahren spürbar gestiegen. Der VIX-Index misst die Erwartung der Aktienmarktvolatilität in den nächsten 30 Tagen, basierend auf den Optionen des S&P 500. Während der VIX die vom Markt erwartete Schwankungsintensität des S&P 500 ausdrückt, misst der VDAX die implizierte Volatilität des deutschen Aktienindex DAX. Die Indizes sind für Aktieninteressierte der Puls der Märkte: Ein hoher Wert deutet Stress an, eine niedriger hingegen Sorglosigkeit. Den höchsten Stress verspürten Markteilnehmer in letzter Zeit während der Lehman-Krise im Oktober 2008 und während der Coronavirus-Pandemie Mitte März 2020, wo der VIX Index bis auf 83 Punkte gestiegen ist.

      Geht die Volatilität nach Krisen wieder zurück?

      In Zeiten stark fallender und stark steigender Aktienmärkte steigt auch die Volatilität. Wenn ein großer negativer Schock im Aktienmarkt das Finanzsystem trifft, bewirken dieser und der damit verbundene (unmittelbare) Anstieg der Volatilität Stress im Finanzsystem. Seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie sind Volatilitäts-Indizes wie der VIX deutlich angestiegen. Wenngleich Volatilität nach einem deutlichen Anstieg häufig eine Beharrungstendenz zeigt oder sich sogar noch weiter aufbaut, kehren Volatilitätsindizes in der Vergangenheit nach einer Krise in der Regel zum Mittelwert zurück.

      Welche Bedeutung hat das Risiko im Anlageportfolio?

      Jedes Anlageportfolio unterliegt im Laufe der Zeit einer gewissen Volatilität. Aus Sicht von Whitebox können langfristige Investoren die Volatilität zwar nicht ignorieren, allerdings sollten sie sie auch nicht (ausschließlich) als Risikoindikator sehen – aus zwei Gründen:

      1. Die Kennziffer sagt nichts über mögliche maximale Verluste (Maximum Drawdown) in der Zukunft aus: Laut einer Untersuchung von Morningstar Investment Management anhand des S&P 500 zwischen 1871 und 2017 hängen hohe Volatilitäten nicht mit hohen Drawdowns zusammen.
      2. Entscheidend für langfristige Investoren ist der faire Wert eines Investments, um den der Preis langfristig schwankt. Wenn Sie also den fairen Wert eines Investments kennen, bietet Volatilität nicht nur Risiken (wenn der Preis über dem Wert liegt), sondern auch Chancen (wenn er darunter liegt).

      Vor diesem Hintergrund nutzen wir bei Whitebox Volatilität auch, um Chancen bei langfristig soliden Investments Chancen zu identifizieren – also aus unserer Sicht zu Unrecht niedrige Preise für Kaufgelegenheiten zu nutzen. Um das Verlustrisiko zu messen, setzen wir hingegen statistische Verfahren ein, die auch Extremrisiken erfassen. Denn um bleibende Verluste zu vermeiden, müssen Risiko sowie Anlageziel und -horizont aufeinander abgestimmt sein.

      Einer der entscheidendsten Faktoren sind aber die Anleger selbst. Denn leider verkaufen viele Investoren ihr Portfolio oder Teile daraus nach einer Verlustphase, weil sie die Nerven verlieren. Doch so machen sie aus einem theoretischen Buchverlust einen bleibenden, tatsächlichen Kapitalverlust – und das häufig, obwohl sie genug Zeit hätten, eine Erholung abzuwarten.

      Tipp: Informieren Sie sich über die Risiken, die eine Geldanlage mit sich bringt und überlegen Sie sich genau, wie viel Schwankung sie ohne schlaflose Nächte aushalten können. Denn dann können sie in volatilen Zeiten entspannt bleiben und an ihrem langfristigen Ziel festhalten. Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass Anleger erfolgreicher sind, wenn sie auch in Verlustphasen investiert bleiben und an ihrer langfristigen Strategie festhalten.