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Zinsentwicklung von 1990 bis heute | Whitebox
Investieren | 4 min

Zinsentwicklung von 1990 bis heute

Geschrieben von Nadine Friederichs
28. April 2020
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Inhaltsverzeichnis

      Niedrige Zinsen sind kein neues Phänomen. Bereits seit den 1990er Jahren ist ein Trend zu rückläufigen nominalen und realen Zinsen zu beobachten. Zinsen auf Spareinlagen sind in der Folge immer weiter gesunken und verharren seit 2008 auf einem niedrigen Niveau.

      In den Industrieländern kann man seit den 90er Jahren längerfristige Abwärtstrends bei der Inflation und den nominalen Zinssätzen beobachten. Der erste Rückgang der nominalen Zinssätze wurde durch einen Rückgang der Inflationsraten, als Folge der Hochinflationsperiode der 1970er Jahre, ausgelöst. Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) stiegen die Realzinsen in den späten 1970er und 1980er Jahren während einer Periode rückläufiger Inflationsraten bis auf sechs Prozent. Der zweite Rückgang der nominalen Zinssätze war ab 1990 auf sinkende Realzinsen bei stabiler Inflation zurückzuführen, betonen die IW-Ökonomen. Trotz des Anstiegs im Vorfeld der deutschen Wiedervereinigung 1990 und im Sog der Turbulenzen an den internationalen Anleihemärkten 1994 seien die Kapitalmarktzinsen im Verlauf der neunziger Jahre insgesamt betrachtet eher niedrig gewesen.

      Realzinsen im Tiefflug

      Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die deutsche Geldpolitik aufkeimenden Inflationsgefahren frühzeitig begegnete und damit Vertrauensverluste vermeiden konnte. In diesem Zeitraum sanken die langfristigen Realzinsen von acht Prozent im Jahr 1992 auf 2,1 Prozent im Jahr 2016, während die kurzfristigen Realzinsen negativ wurden. Der trendmäßige Rückgang der nominalen Kapitalmarktzinsen war in der ersten Hälfte der neunziger Jahre insbesondere durch die verbesserten Stabilitätsperspektiven untermauert und insofern von den Wirtschaftsakteuren kalkulierbar. Infolge dessen verlangsamte sich der Preisanstieg kontinuierlich auf nur noch 1,7 Prozent in 1995. In den ersten zehn Monaten von 1996 betrug er (auf ein Jahr hochgerechnet) 1,5 Prozent. Gleichzeitig habe die wirtschaftliche Dynamik nach dem Auslaufen des „Vereinigungsbooms“ spürbar nachgelassen.

      Renditen von hochliquiden Staatsanleihen wurden zum ersten Mal negativ

      Der starke Rückgang der Zinsen beschleunigte sich weiterdurch die globale Finanzkrise im Jahr 2008: Mehrere Zentralbanken senkten die Zinssätze auf null Prozent und hielten die Zinsen für mehrere Jahre lang auf diesem tiefen Niveau. Wenngleich die US-Notenbank Fed inzwischen bereits mit ihrer Normalisierungspolitik begonnen hat, hätten es die Zentralbanken seitdem schwer, die Zinssätze zu normalisieren, heißt es in einer Studie der Deutschen Bundesbank. Im Jahr 2012 kam es in der Eurozone zudem zu einer krisenbedingten Flucht in die Sicherheit: Vor allem in sicheren Ländern wie Deutschland sanken dadurch die Renditen auf sichere Anlagen und die nominalen Renditen von hochliquiden Staatsanleihen rutschten zum ersten Mal in der Geschichte ins Negative.

      Festzuhalten ist: Seitdem die Zentralbanken der großen Industrieländer im Zuge der Finanzkrise 2008 und der daran anschließenden weltweiten Rezession ihre Leitzinsen drastisch gesenkt haben, verharren die kurzfristigen Zinssätze nahe null Prozent. Die Langfristzinsen bewegen sich, risikobereinigt, nur wenig darüber. Als Folge des Niedrigzinsumfelds und der damit einhergehenden reichlichen Liquidität wurden Vermögensmärkte wie Aktien oder Immobilien beflügelt. Von dieser Entwicklung haben auch Anlagevehikel wie ETFs profitiert. Nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank hat sich das in ETFs vereinigte Anlagevermögen von 700 Mrd. US-Dollar Anfang 2009 auf ein Volumen von 3.868 Mrd. US-Dollar Ende des ersten Halbjahres 2018 weltweit erhöht.

      Seit Beginn der 1990er Jahre sinken die inflationsbereinigten Zinsen in allen Industrieländern

      Unstrittig ist, dass die extrem expansive Geldpolitik – im Euroraum wie auch weltweit – als Reaktion auf die Finanz- und Staatsschuldenkrise maßgeblich für das aktuell extreme Niedrigzinsniveau mitverantwortlich ist. Gleichwohl hat die Entwicklung fallender Zinsen schon in den 1980er Jahren – also lange vor der Finanzkrise – eingesetzt. Diese Entwicklung legt die Vermutung nahe, dass – neben der Geldpolitik – weitere Faktoren eine Rolle spielen. Laut dem früheren amerikanischen Notenbankpräsidenten Ben Bernanke kommen für den Rückgang der Realzinsen drei weitere Faktoren in Frage:

      1. Die von ihm im Jahr 2005 ins Spiel gebrachte Hypothese der globalen Sparschwemme („global savings glut“)
      2. Die rückläufige Verschuldung der Industrieländer seit der Finanzkrise. Hierauf hat unter anderem auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) 2016 hingewiesen.
      3. Die gestiegene Nachfrage nach sicheren Anlagen

      Ausblick: Zukünftige Zinsentwicklung

      Zudem investieren viele Unternehmen seit der Jahrtausendwende nicht mehr klassisch in Maschinen und Gebäude, sondern immer öfter in Daten und Lizenzen. Dafür geben sie weniger Geld aus und sparen mehr, was ebenfalls die Zinsen drückt. Dazu kommt, dass in einigen Ländern die staatlichen Investitionen zurückgehen.

      Der wichtigste Grund aus Sicht des IW ist jedoch dem demografischen Wandel geschuldet. Da seit Jahrzehnten die Lebenserwartung in Industrienationen wie Deutschland steigt, bereiten sich immer mehr Menschen auf ein langes Leben vor und sparen deshalb mehr als die Generationen vor ihnen. Dadurch sinken die Zinsen. Dieser demografische Trend lässt sich auch in den kommenden Jahrzehnten nicht aufhalten, ist sich das IW sicher, und führe dazu, dass die Zinsen auch in absehbarer Zeit nicht nennenswert steigen.
      Das IW hat in einer Studie mit Hilfe von Bevölkerungsprognosen bis zum Jahr 2050 die Zinsentwicklung vorausberechnet. Das Ergebnis: Wenn die EZB aus der expansiven Geldpolitik aussteigt, erhöhen sich die Zinsen bis 2025 gerade einmal auf 1,3 Prozent. Dann bestimmt der demographische Trend wieder die Zinsen – bis zum Jahr 2050 sinkt der Realzinssatz dann auf 0,0 Prozent.

      Private Anleger können mit Indexfonds von steigenden Vermögensmärkten profitieren

      Erhielt der deutsche Sparer 2008 auf seinem Sparbuch im Schnitt noch 2,5 Prozent Zinsen, waren es zehn Jahre später nur noch 0,2 Prozent. Nach Berechnungen der DZ Bank belief sich der Zinsschaden der deutschen Sparer Mitte 2019 seit dem Jahr 2010 auf 358 Mrd. Euro netto.

      Anlageprodukte wie Sparbuch oder Tagesgeldkonto werden auch auf absehbare Zeit keine Rendite abwerfen – und die Inflation vernichtet Vermögen real sogar. Daher stellt sich für Anleger, die über mehrere Jahrzehnte hinweg etwas zurücklegen müssen, die Frage: Wie kann ich das gesparte Geld am besten anlegen? Als digitaler Vermögensverwalter sind wir bei Whitebox davon überzeugt: Klassische Geldanlagen sind dafür nicht die richtige Wahl. Zudem gibt es nicht nur schwarz und weiß – sprich: Als Anleger müssen Sie nicht ihr gesamtes Kapital entweder in Sparprodukte oder in eine oder mehrere Aktien packen. Die Lösung ist ein ausgewogenes, global diversifiziertes und auf Ihr Rendite-Risiko-Profil zugeschnittenes Portfolio. Bei Whitebox stellen wir solche Portfolios aus passiven Produkten für verschiedene Risikostufen zusammen und wählen im Rahmen unserer Assetallokation die aus unserer Sicht erfolgversprechendsten ETFs aus. Dabei kombinieren wir verschiedene Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen aus unterschiedlichen Sektoren und Regionen, um die Portfolios bestmöglich zu diversifizieren.

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