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Was Anleger über Wertentwicklung wissen sollten | Whitebox
Rendite | 6 min

Was Anleger über Wertentwicklung wissen sollten

Geschrieben von Salome Preiswerk
21. Februar 2020
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Inhaltsverzeichnis

      Wert und Wertentwicklung ihrer Kapitalanlagen sind für Investoren von erheblicher Bedeutung. Doch für den Wert eines Vermögensgegenstandes gibt es keine einheitliche Definition und seine Wertentwicklung kann ganz unterschiedlich dargestellt werden. Wir geben einen Überblick über wichtige Aspekte dieses Themas.

      • Es gibt unterschiedliche Definitionen von „Wert“
      • In der Finanzwirtschaft wird Wert oft mit (Markt)Preis gleichgesetzt
      • Wertentwicklung entspricht dann der Entwicklung von Marktpreisen
      • Die Wertentwicklung ist bei vielen Kapitalanlagen eine wichtige Renditequelle
      • Die Gleichsetzung von Wert und Preis ist umstritten
      • Der Vergleich von Wertentwicklungen ist teilweise schwierig
      • Es gibt Standards für die Berechnung und Darstellung von Wertentwicklungen

      „Wert“ ist ein vielschichtiger Begriff, der in unterschiedlichen Zusammenhängen verschiedene Bedeutungen hat: So kann er nicht nur als Zahlen- oder Messwert in Mathematik und Naturwissenschaften, sondern auch als ideeller Wert in Ethik und Philosophie oder als materieller Wert in der Ökonomie dienen. In finanzwirtschaftlichen Zusammenhängen setzt man den (materiellen) Wert eines Wirtschaftsobjektes häufig mit seinem Marktwert gleich – also dem Preis, zu dem das Objekt ge- oder verkauft werden könnte. Als Maßstab für den Wert gilt der in Geld ausgedrückte Preis. Wertentwicklung ist dann die Veränderung dieses Marktpreises innerhalb eines bestimmten Zeitraums.

      Wie ermittelt man die Wertentwicklung einer Anlage?

      Nehmen wir beispielsweise an, Sie haben vor fünf Jahren für 250.000 Euro eine Wohnimmobilie gekauft, die Sie seitdem vermieten. Nun hat Ihnen ein Makler ein Kaufangebot für diese Immobilie unterbreitet: Einer seiner Kunden ist bereit, dafür 300.000 Euro zu bezahlen. Der Wert der Immobilie ist in den vergangenen fünf Jahren offenbar um 50.000 Euro gestiegen. Meist gibt man solche Wertentwicklungen in Prozent an. In diesem Beispiel beträgt der Wertzuwachs also 20 Prozent in fünf Jahren. Um Wertentwicklungen einfacher miteinander vergleichen zu können, „normiert“ man diese häufig, indem man sie fiktiv für einzelne Kalenderjahre berechnet. Im konkreten Beispiel würde man annehmen, die Wertentwicklung wäre gleichmäßig über die fünf Jahre verteilt, der Wert der Immobile sei also jedes Jahr um 10.000 Euro gestiegen. Bezogen auf den Kaufpreis hätte die Immobilie demnach also pro Jahr um vier Prozent an Wert hinzugewonnen.

      Selbstverständlich verlieren viele Gegenstände auch an Wert, ihre Wertentwicklung ist also negativ. Beispielsweise gibt es eine Faustregel, der zufolge ein fabrikneues Auto bereits innerhalb eines Jahres nach dem Kauf etwa ein Viertel seines Wertes verliert. Auch andere Gebrauchsgegenstände wie elektronische Geräte, Möbel oder Musikinstrumente verlieren normalerweise stetig und oft sehr schnell an Wert und eignen sich aus diesem Grund meist nicht als Kapitalanlagen. Eine bemerkenswerte Ausnahme bilden Antiquitäten: Für einige ältere Gebrauchsgegenstände wie Oldtimer, antike Möbel oder historische Musikinstrumente zahlen Liebhaber und Sammler mitunter horrende Preise.

      Welche Rolle spielt die Wertentwicklung für Kapitalanleger?

      Für Kapitalanleger spielt die Wertentwicklung oft eine sehr wichtige Rolle, weil sie deren Renditen maßgeblich beeinflussen kann. In vielen Fällen ist die Wertentwicklung eine wichtige, mitunter sogar die einzige Renditequelle. Das gilt zum Beispiel für folgende Kapitalanlagen:

      • Anlagen in Gold
      • Investitionen in Unternehmen oder Aktien von Unternehmen, die Anlegern keine Gewinnausschüttungen oder Dividenden zahlen
      • Investitionen in Wertpapiere wie Aktien oder Fondsanteile.

      Wertpapiere verbriefen ihren Eigentümern bestimmte Rechte gegenüber deren Emittenten. Das kann zum Beispiel eine Forderung (Anleihen), ein Mitgliedschaftsrecht (Aktien) oder einen Miteigentumsanteil (Investmentfonds) sein. Wertpapiere werden auf bestimmten Märkten gehandelt, auf denen oft regelmäßig Preise für diese Papiere ermittelt werden. An den Börsen entsprechen diese Preise den Kursen. Die Entwicklung der Börsenkurse gilt dann als Maß für die Wertentwicklung der entsprechenden Wertpapiere und im Falle von Aktien auch als Maß für die Entwicklung der jeweiligen Unternehmenswerte. Deren Börsenwert ergibt sich demnach durch eine einfache Multiplikation des Kurses mit der Anzahl der ausstehenden Aktien.

      Sind Wert und Preis tatsächlich identisch?

      Ob Börsenkurse und Marktpreise tatsächlich den wirtschaftlichen Wert eines Unternehmens widerspiegeln, ist unter Ökonomen umstritten und eine Frage, die für kontroverse und emotionale Diskussionen sorgt. Die Schöpfer und Anhänger der klassischen Portfoliotheorie haben das in ihren Modellen wie folgt definiert: Die Entwicklung des Marktes wird von rational auf den eigenen Nutzen ausgerichteten Subjekten bestimmt. Die Marktpreise spiegeln damit jederzeit auch den objektiven Wert der dort gelisteten Aktiengesellschaften wider. Ihr Tenor lautet: Der Markt hat immer recht. Und dank des rational agierenden „Homo oeconomicus“ ist sichergestellt, dass die Kursentwicklungen tatsächlich auch den Wertentwicklungen der an den Börsen gehandelten Unternehmen entsprechen.

      Dieses unter Akademikern lange Zeit sehr populäre Modell ist von den meisten Marktteilnehmern und Investoren vermutlich nie wirklich ernst genommen worden und auch unter Ökonomen höchst umstritten. So dürften die meisten Wirtschaftswissenschaftler kaum davon ausgehen, dass Tulpenzwiebeln objektiv wirklich das Geld wert waren, das Spekulanten im 17. Jahrhundert in Amsterdam für sie zahlten. Von Sommer 1633 bis Anfang 1637 stiegen die Preise für diese Knollen in astronomische Höhen. Teilweise wurden sie für die zehn- bis hundertfache Menge an Gold gehandelt. Manche Zwiebel kostete so viel wie ein ganzes Haus in bester Innenstadtlage Amsterdams. Und dies ist nur ein besonders exotisches Beispiel für Spekulationsblasen, die es an Märkten immer wieder gibt.

      Warum können „innere Werte“ wichtig sein?

      Finanzwissenschaftler haben verschiedene, teilweise hoch komplexe Modelle entwickelt, um die sogenannten fundamentalen oder inneren Werte von Unternehmen, Immobilien und anderen Anlageklassen zu berechnen. Dabei haben sie herausgefunden, dass diese, meist aus wirtschaftlichen Kennzahlen und Erwartungen ermittelten, Werte mitunter stark von den entsprechenden Börsen- oder Marktwerten abweichen. Als wichtige Gründe für diese Abweichungen gelten vor allem psychologische Faktoren, die bei der Preisfindung an Märkten eine große Rolle spielen, in den klassischen finanzwissenschaftlichen Modellen jedoch nicht berücksichtigt werden. Während verhaltenswissenschaftlich orientierte Ökonomen versuchen, realistischere Modelle zu entwickeln, müssen Praktiker und Investoren nach wie vor weitgehend ohne akademische Unterstützung mit diesem Phänomen umgehen.

      Tatsächlich basieren verschiedene aktive Anlagestrategien auf den Unterschieden zwischen Marktpreisen und inneren Werten. Bei Whitebox verfolgen wir beispielsweise eine Variante einer Value-Strategie. Ein wichtiges Prinzip dieser Strategie hat der berühmte Investor Warren Buffett einmal so formuliert: „Der Preis ist das, was man bezahlt; der Wert ist das, was man bekommt.“ Als Value-Investoren gehen wir davon aus, dass die Kurse und Preise von Vermögensgegenständen auf den Börsen und Märkten langfristig um ihre inneren Werte schwanken. Unser Ziel ist es, diese Schwankungen zu unserem Vorteil zu nutzen, indem wir beispielsweise dann in Aktien investieren, wenn ihre Kurse deutlich unter ihren errechneten inneren Werten liegen. So können wir langfristig von deren Kursentwicklung profitieren, wenn ihr Börsenwert wieder in Richtung ihrer fundamental gerechtfertigten Werte steigt (siehe hierzu auch unseren Überblick über Value-Investing).

      Warum hat der Markt dennoch recht?

      Doch wie auch immer man einen Wert definiert oder berechnet, an einem Punkt kommt kein Investor vorbei: Für ein Wertpapier oder einen anderen Vermögensgegenstand können Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt immer nur den Kurs oder Preis erhalten, den andere Marktteilnehmer zu genau diesem Zeitpunkt tatsächlich zu zahlen bereit sind. Wenn Sie Geld investieren oder sich von Investitionen trennen wollen, müssen Sie sich dazu normalerweise nach den Marktpreisen richten. Falls der Kurs einer Aktie, die Sie verkaufen möchten, beispielsweise gerade deutlich unter dem von Ihnen errechneten fairen Wert liegt, werden Sie diesen Kurs dennoch akzeptieren müssen. Insofern hat der Markt also tatsächlich immer recht. Aus diesem Grund betonen Value-Investoren auch, dass diese Anlagestrategie Geduld erfordert: Man muss mit Verkäufen von Aktien warten können, bis deren Kurse in der Nähe oder gar über ihren fairen Werten liegen.

      Deshalb ist es auch sinnvoll und richtig, die aktuellen Werte von Wertpapierportfolios oder anderen Vermögensgegenständen aus den jeweiligen Kursen und Preisen zu ermitteln. Die tatsächliche Wertentwicklung eines Portfolios entspricht dann den Kurs- und Preisentwicklungen aller darin enthaltenen Vermögensgegenstände. In der Alltagssprache werden Wertentwicklung und Kurs- oder Preisentwicklung eines Wertpapiers oder eines Portfolios daher meist gleichgesetzt. „Wert“ bezeichnet dann den aktuell realisierbaren Geldwert von Vermögensgegenständen oder Anlageportfolios, nicht deren theoretisch ermittelte inneren oder fundamentalen Werte.

      Worauf sollte man beim Vergleich von Wertentwicklungen achten?

      Tatsächlich ist das Thema Wertentwicklung auch dann schon kompliziert genug, wenn man nur die Entwicklung der Marktpreise betrachtet. Ein Grund hierfür liegt darin, dass Geld kein besonders guter Maßstab für den Wert eines Vermögensgegenstandes ist, weil es selbst Wertschwankungen unterliegt. Im oben angeführten Beispiel ist der Preis einer Immobilie in fünf Jahren um 50.000 Euro oder 20 Prozent auf 300.000 Euro gestiegen. Nominal beträgt die Wertentwicklung also plus 20 Prozent. Tatsächlich ist es aber wahrscheinlich, dass der Euro in diesen fünf Jahren etwas an Wert verloren hat und ein Teil dieses Preisanstiegs tatsächlich auf Inflation zurückzuführen ist. Wer die reale Wertentwicklung eines Vermögensgegenstandes ermitteln möchte, muss daher die Wertentwicklung des Geldes berücksichtigen. Darüber hinaus gibt es weitere relevante Aspekte:

      • Liquidität: Mitunter fehlt es an liquiden Märkten, auf denen jederzeit ein verlässlicher Kaufpreis für einen Vermögensgegenstand ermittelt werden kann. Das gilt beispielsweise für Immobilien, deren Werte aus diesem Grund oft Gutachter oder vereidigte Sachverständige anhand spezieller Modelle für die Verkäufer bzw. Kaufinteressenten errechnen. Auch bei illiquiden Wertpapieren können Kursfindung und Handel sehr schwierig sein, sodass deren Wertentwicklung nicht immer zuverlässig angegeben werden kann.

      • Darstellung: Hinzu kommt, dass Wertentwicklungen sehr unterschiedlich dargestellt werden können und auch werden. Denn in der Praxis ist es oftmals kaum möglich, die eigentliche Wertentwicklung bestimmter Vermögensgegenstände von anderen Ertragskomponenten wie Zinszahlungen oder Dividenden zu trennen. Ein gutes Beispiel hierfür sind thesaurierende Fonds, welche die Erträge aus den enthaltenen Wertpapieren automatisch wieder in neue Fondsanteile investieren: Die Wertentwicklung solcher Fonds wird daher nicht nur durch die Wertentwicklung der enthaltenen Wertpapiere beeinflusst, sondern auch durch die anfallenden Zins- und Dividendenzahlungen.

      • Begrifflichkeit: In der alltäglichen Praxis wird also oft nicht sauber zwischen Wertentwicklung und Ertrag eines Vermögensgegenstands unterschieden. Ganz ähnlich ist es mit dem Begriff „Performance“: Dieser wird in der Alltagssprache häufig einfach mit Wert- oder Ertragsentwicklung gleichgesetzt. Allerdings ist er in der Kapitalmarkttheorie ein Maß für die risikogewichtete Rendite einzelner Wertpapiere oder ganzer Portfolios und betrachtet die erzielte Rendite damit in Abhängigkeit von deren Risiko.

      Wer bietet Anlegern Orientierungshilfen?

      Um eine solide Basis für eine objektive und verlässliche Darstellung der Wertentwicklungen von Wertpapieren und Anlageportfolios zu schaffen, haben verschiedene Organisationen freiwillige Standards entwickelt. Gute Beispiele sind die Global Investment Performance Standards (GIPS) des CFA Institutes oder die Performance Presentation Standards (PPS) der IOSCO. Deutsche Fondsgesellschaften berechnen die Wertentwicklung ihrer Fonds normalerweise nach der BVI-Methode. Diese Standards enthalten konkrete Regeln, Methoden und Empfehlungen zur Berechnung und Darstellung von Wertentwicklungen. Sie sollen dadurch sicherstellen, dass Anleger entsprechende Angaben unterschiedlicher Produktanbieter und Dienstleister einfach miteinander vergleichen können.

      Falls Sie als Investor Angebote von Finanzdienstleistern miteinander vergleichen wollen, die keinem solchen Standard folgen oder unterschiedliche Standards verwenden, liegt der Schwarze Peter bei Ihnen. In solchen Fällen können Ihnen unter Umständen Analysen und Performance-Vergleiche von Research-Unternehmen, Fachpublikationen oder Verbraucherschützern weiterhelfen, sofern diese unabhängig und mit der notwendigen methodischen Sorgfalt erstellt wurden.

       

      Zur aktuellen Performance der Whitebox Portfolios

      Pressemitteilung: "Digitaler Vermögensverwalter Whitebox ist Renditeprimus"

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